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Lilien
tigerlilie_big.jpg (Lilium lancifolium)]]
: Einkeimblättrige (Liliopsida)
: Lilienähnliche (Liliidae)
: Lilienartige (Liliales)
: Liliengewächse (Liliaceae)
: Lilioideae
: Lilien
Wissenschaftlicher Name Lilium L. 1753 Die Lilien (Lilium) bilden eine Gattung der Familie der Liliengewächse (Liliaceae) innerhalb der einkeimblättrigen Pflanzen.

Beschreibung

Xant_lut_small.jpg | Lilie05.jpg Erkennbar sind Lilien daran, dass ihre Zwiebel der so genannte Bulbus überlappende Schuppen hat und nicht durch eine zusätzliche Außenhaut geschützt ist (siehe abb.1). Der Bulbus ist je nach Art und Alter zwischen drei und zehn Zentimeter im Durchmesser groß und unterschiedlich gefärbt. Einige seiner Wurzeln sind kontraktil, das heißt sie verfügen über die ungewöhnliche Fähigkeit, den Bulbus bei Bedarf tiefer in die Erde zu ziehen, bis die ideale Tiefe erreicht ist.

Ab dem Frühjahr treibt der Bulbus einen festen, aufrechten und dicht beblätterten Stängel aus, der sortenabhängig zwischen 15 und 250 cm groß sein kann.

Lilien bilden ihre Blüten im Sommer aus, es lassen sich dabei weitgehend drei Blütenformen unterscheiden, nämlich trompetenförmige, schalenförmige und so genannte Türkenbund-Lilien. Bei letzteren sind die Blütenblätter soweit nach hinten eingerollt, dass ihre Spitzen sich am Stängel wieder treffen und die Blüte so einem Turban ähnlich sieht. Aufgrund des Sortenreichtums der Gattung existieren aber auch Abweichungen davon, zum Beispiel fast geschlossene Blüten bei Lilium lophophorum.

Lilien-Blüten sind (wie bei fast alle Einkeimblättrigen Pflanzen) dreizählig und zwittrig. Die Blütenblatthülle besteht aus zwei mal drei gleichgeformten Blütenhüllblättern, also aus sechs Tepalen, sie sind groß, vielfältig gestaltet und häufig auffällig gefärbt und gezeichnet. Das Auftreten der häufig zu beobachtenden dunklen Punkte auf der Blüte ist erblich, nicht aber das Muster selbst, daher hat jede Blüte ein einzigartiges Muster, die einzelnen Punkte sind dabei Farbstoffkonzentrationen und daher meist von einem helleren Hof umgeben. Vielfach zeichnet sie auch Ihr Duft aus, einige Sorten zählen zu den am stärksten duftenden Gartenpflanzen überhaupt und sind von großem Wohlgeruch, andere riechen eher unangenehm, einige aber auch duftfrei. Die Blüten haben sechs Staubblätter und drei, verwachsene Fruchtblätter. Der Fruchtknoten ist oberständig.
Blütenformel: \star P_{3+3} \; A_{3+3} \; G_{\underline{(3)}}

Lilien sind Geophyten: Nach der Blüte im Sommer und der Ausbildung der dreikammerigen Kapselfrüchte mit den Samen ziehen (bis auf die Madonnen-Lilie) Lilien ein und überwintern in einer Ruheperiode. Bei den Kapseln handelt es sich um lokulizide Kapseln, die an den Rückennähten von jedem Fruchtblatt aufplatzen. Solche Kapseln sind für viele Liliengewächse typisch, treten jedoch auch bei Schwertlilien, Narzissen und Nachtkerzen auf.

Verbreitung

Lilien wachsen auf allen Kontinenten der nördlichen Hemisphäre (mit Ausnahme der zentralafrikanischen Lilium zairii) und finden sich oft als Horste in waldigen oder waldnahen Regionen, da sie feuchte (keinesfalls aber nasse) und kühle Standplätze in leichtem Schatten bevorzugen. Standortbestimmend ist eine äußerst gute Drainage. Alkalische sowie sehr saure Böden werden von Lilien in der Regel gemieden. Ein paar spezialisierte Arten schätzen jedoch Sumpf- und Marschland und eine lebt gar als Epiphyt im burmesischen Regenwald (L. arboricola).

Artenschutz


In Deutschland finden sich alle Lilien-Arten auf der Anlage 1 zur Bundesartenschutzverordnung und sind dort als besonders geschützt erklärt.

Vermehrung

Lilium auratum - pollen.jpg

Concolor 12 days small.jpg

Samen

Bei Lilien erfolgt keine Selbstbestäubung, zur Befruchtung bedarf es des Pollens einer anderen Pflanze.

Lilien-Samen lassen sich ihrer Keimung entsprechend in vier Gruppen unterteilen:

Bei sofortiger Keimung kann die Keimung je nach Art bereits nach sechs Tagen erfolgen, bei verzögerter Keimung hingegen bedarf es mindestens eines Jahres zur Keimung, gelegentlich auch länger.

Vegetative Vermehrung

Lilien können sich auch vegetativ vermehren. Dies geschieht durch:

Nicht alle dieser Vermehrungsformen treten bei allen Arten auf.

Künstliche Vermehrung

Künstlich können Lilien vermehrt werden per

  • Schuppenvermehrung:

Dabei werden vom Bulbus je nach Größe bis zu fünf oder sechs gesunde und kräftige Schuppen von der äußeren Schicht abgenommen und nach einer Fungizidbehandlung in ein Anzuchtsubstrat gesetzt. Nach wenigen Wochen sollten sich am Fuß der Schuppen junge Brutzwiebeln gebildet haben, die artabhängig innerhalb von 1-3 Jahren zu ausgewachsenen Pflanzen heranwachsen. Vorteilhaft ist, dass auf diesem Weg bereits eine einzelne Pflanze als Grundlage dienen kann und (da es sich um Klonen handelt) schnell zahlreiche identische Pflanzen von einer hochwertigen Ausgangspflanze gezogen werden können.

Krankheiten und Schädlinge

Lilien sind prinzipiell recht robuste und krankheitsresistente Pflanzen. Trotzdem haben es einige Pilze, Viren und Insekten auf sie abgesehen.

Pilze

  • Grauschimmel (Botrytis elliptica und B. cinerea), zu erkennen an braunen oder grünen glasigen Flecken an Blattspitzen, Blüten und Knospen, die sich schnell vergrößern. Allmähliches Absterben der Pflanze von oben herab, Faulstellen. Die Blüten sind verkrüppelt und öffnen sich nicht mehr. Durch Wärme oder Feuchtigkeit sowie windstille Lagen wird Grauschimmel begünstigt, als Bekämpfung eignet sich besonders das gelegentliche Einstäuben mit Lavagesteinsmehl. Der Pilz kann auch Gladiolen, Iris, Tulpen, Herbstzeitlose, Hyazinthen und Schneeglöckchen befallen. Da nur die oberirdischen Teile der Pflanzen befallen werden, treibt die Lilie im Folgejahr jedoch komplikationslos wieder aus.
  • Die Stängelgrundfäule (Fusarium oxysporum f. sp. narcissi) ist die schwerste und gefährlichste Lilienkrankheit, da er die Zwiebel von unten her aushöhlt. Die Blattspitzen vergilben, die Knospen bleiben geschlossen, die Pflanze stirbt ab. Meist ist der Boden so nachhaltig kontaminiert, dass eine Neubepflanzung mit Lilien erst nach Jahren wieder möglich ist.

Viren

  • Zahlreiche Viruskrankheiten können Lilien zu schaffen machen, beispielsweise die Gurkenmosaikkrankheit, die Ringelfleckigkeit oder die Rosettenkrankheit. Fast alle Viren produzieren blass gescheckte Muster auf den Blättern, von den Blattnerven her ausstrahlend. Oft kommt es zu Missbildungen, die Blätter sind verdreht oder gekräuselt. Übertragen werden sie üblicherweise durch Blattläuse oder gelegentlich Nematoden. Befallene Pflanzen müssen sofort vernichtet werden.

Schädlinge

  • Der am weitesten verbreitete Lilien-Schädling ist in Europa das 6 bis 7 mm große Lilienhähnchen (Lilioceris lilii), ein siegellackroter Käfer, der vor allem als Larve bei stärkerem Befall ganze Lilienbeete in wenigen Tagen bis auf den Stiel abfressen kann. Im häuslichen Bereich kann er nur durch regelmäßiges Absammeln von Käfern, Larven und Gelegen bekämpft werden.

Bedeutung, Geschichte, Kultur


Vor allem wegen Ihrer auffälligen Schönheit ist die Lilie eine der am längsten vom Menschen kultivierten Blumen. Erste Abbildungen (wahrscheinlich der Madonnen-Lilie) finden sich auf Friesen im minoischen Kreta. In westlichen Kulturen wird die Lilie heutzutage hauptsächlich als Schnittblume verwertet. In anderen Epochen und Kulturen jedoch wurde und wird sie weit vielseitiger genutzt.

Etymologie

Im Althochdeutschen gab es sowohl die weibliche lilia die um 800 auftaucht als später um 1000 auch die männliche Form lilio. Beide gehen auf eine Verkürzung der Tonsilbe es lateinischen Plurals lilia von lilium zurück. Das lateinische Wort stammt wohl unabhängig vom altgriechischen λείϱιον (lēīrion), einer Sprache der östlichen Mittelmeerländer. eventuell aus dem Demotischen. Die heutige Wort Lilie entstammt dem mittelhochdeutschen lilje oder auch lylie das wie im althochdeutschen zweigeschlechtlich ist, im romanischen Sprachgebiet bildete sich die ebenfalls zweigeschlechtliche Nebenform gilge. Im 14. Jahrhundert bildet sich die langanhaltene Form lilige oder lilge, erst im 16. Jahrhundert das moderne stärker an das lateinische angelehnte lilie.

Lilien als kulturelles Symbol

In den europäischen und mediterranen Kulturen stand aufgrund ihrer strahlend weißen Farbe insbesondere die Madonnenlilie im Zentrum symbolischer Verwendung.

  • Um 3000 v. Chr. wird sie in Ägypten als Symbol für den oberen Teil des Reiches verwendet (im Gegensatz zum Papyrus für Unterägypten).(Das war nicht die Lilie sondern der Lotus)
  • Im alten Griechenland war sie die Blume der Hera, die Legende besagt, sie sei entstanden aus verschütteten Tropfen von Milch aus ihren Brüsten, als Herkules von diesen trank. Über die Reinheit der Blüte soll sich wiederum Aphrodite so sehr geärgert haben, dass sie ihr zusätzlich einen Eselsphallus als Stempel einpflanzte.
  • Im Christentum galt die Lilie so bis ins Mittelalter als heidnisch konnotiert, erst dann wurde über den Umweg der biblischen Susanna (von hebräisch „Shushan“ = "die Lilie"), die als Vorläuferin Mariens gilt, die „Madonnen-Lilie“ zum Symbol der Reinheit in der christlichen Formensprache. Als Konzession an eben jene Unschuld wurde die Lilie jedoch meist ohne Stempel und Staubfäden dargestellt. Die Lilie ist dabei das Sinnbild Christus und der Maria, aber auch viele Heilige tragen sie als Attribut. Im Mittelalter trugen Bekenner Lilienkränze. Immer galt sie aber auch als Symbol des Todes, als Blume von reinem weiß verkörperte sie zusammen mit der Rose die Farben der Schönheit weiß und rot.
  • In der Heraldik wurde sie gelegentlich in stilisierter Form verwendet, die berühmte Bourbonenlilie jedoch, die „Fleur-de-Lis,“ bildet eine Iris (Schwertlilie) nach. Heute ist die stilisierte Lilie Symbol der WOSM sowie vieler anderer Pfadfinderverbände.
  • In Japan wird der Name für Lilie, „takane no hana“, auch benutzt, um eine unerreichbare Schönheit zu beschreiben.

Lilien als Zierpflanzen

Obwohl die Lilie bereits seit langem in der Floristik den Rang einer so genannten „Edelblume“ inne hat, erhielt sie erst in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts durch die Tätigkeit Jan de Graaffs (der über 2000 Hybriden züchtete) und seiner Gründung der „Oregon Bulb Farms“ einen festen Platz auch als Zuchtpflanze. Vor allem in England, den USA und Holland hat dies seither zu zahlreichen Hybriden und einer florierenden Lilien-Industrie geführt.

Lilien als Heilpflanzen

Im antiken Griechenland bereitete man aus verschiedensten Blumen schmerzlindernde Salben, neben Rosen, Narzissen und Iris wurden dazu auch Lilien verwendet.

Außerdem wurde sie gegen Menstruationsbeschwerden, Verbrennungen und Verspannungen eingesetzt.

Bis heute wird in unterschiedlichsten Volksmedizinen der adstringierend wirkende Pflanzensaft zur Heilung beschädigten oder gereizten Gewebes eingesetzt, z. B. bei Abszessen, entzündeter oder rissiger Haut, Geschwüren oder frischen Wunden. Schon Plinius der Ältere hat auf diese Verwendung hingewiesen, aber auch Dioskurides und Hildegard von Bingen empfahlen den Einsatz bei oberflächlichen Verletzungen und Krankheiten.

Lilien als Lebensmittel

Bis auf den Stamm sind alle Teile der meisten Lilien-Arten essbar. In China und Japan werden die stärkereichen und, je nach Art, süßlich bis bitter schmeckenden Zwiebeln, aber auch Blätter, Sprossen, Blütenblätter und Knospen in der Küche genutzt. In einigen Regionen der entsprechenden Länder werden Lilien speziell zu diesem Zweck angebaut.

Auch in Europa wurden Lilien-Zwiebeln zeitweise als Lebensmittel genutzt, diese Verwendung ist aber schon länger außer Gebrauch.

Für Katzen sind Lilien in allen Teilen giftig und führen zu Nierenversagen. Katzenhalter sollten Lilien daher außerhalb der Reichweite ihrer Tiere bewahren.

Systematik


Die Gattung der echten Lilien besteht aus etwa 110 Arten, noch immer werden weitere Arten, insbesondere in Asien entdeckt. In einigen Fällen lässt sich die Gattung nur schwer gegen die eng verwandten Gattungen Fritillaria, Nomocharis und Notholirion abgrenzen, bei einigen asiatischen Zwerg-Arten gelang die endgültige Zuordnung erst durch molekulargenetische Untersuchungen.

Nah verwandt ist auch die Gattung Cardiocrinum, die bis weit ins 20. Jahrhundert mit ihrem außergewöhnlichen, bis zu 400 cm großen Vertreter Cardiocrinum giganteum, der Riesenlilie, den Lilien zugeordnet wurde. Ihr wird von Züchtern gelegentlich noch eine Art "Ehrenplatz" unter den Lilien gewährt.

Zu beachten ist, dass viele Pflanzen, die landläufig als Lilien bezeichnet werden, wie beispielsweise die Taglilien (Hemerocallis) oder Schwertlilien (Iris) anderen Gattungen angehören.

Das Sektionsmodell von H.F. Comber

Harold Frederick Comber führte 1949 ein bis heute gültiges Schema zur Klassifikation der Lilien ein, mit dem diese in sieben Sektionen unterteilt werden und sich die verwandtschaftlichen Beziehungen der Arten beschreiben lassen.

Martagon Sektion

Amerikanische Sektion
=a
=

=b
=

=c
=

=d
=

Candidum Sektion
=a
=

=b
=

=c
=

Orientalische Sektion

Asiatische Sektion
=a
=

=b
=

=c
=

Trompeten-Lilien-Sektion

=a
=

=b
=

Dauricum Sektion

Unzugeordnet

RIMG0082uf.JPG | Lilie Orientaler Hybride.jpg

Das Divisionen-Modell in der Zucht

In der Zucht werden (lose entlang Comber's Modell) acht verschiedene Lilien-Divisionen unterschieden, gelegentlich werden als eine neunte noch die Wildformen geführt:

  • Division 1: Asiatische Hybriden
  • Division 2: Martagon-Hybriden
  • Division 3: Candidum-Hybriden
  • Division 4: Amerikanische Hybriden
  • Division 5: Longiflorum-Hybriden
  • Division 6: Trichter-Lilien
  • Division 7: Orient-Hybriden
  • Division 8: Interdivisionale Hybriden

Literatur


  • Carl Feldmaier, Judith McRae: Die neuen Lilien, 1982, ISBN 3-80016-121-4
  • Richard Bird: Lilien. Ein illustriertes Handbuch zur Bestimmung und Zucht, 1997, ISBN 3-89508-435-2
  • Michael Jefferson-Brown: Lilien, 2004, ISBN 3-88472-627-7
  • Michael Jefferson-Brown, Harris Howland: The Gardener's Guide to Growing Lilies, ISBN 0-88192-315-X
  • Edward A. McRae: Lilies: A Guide for Growers and Collectors, 1998, ISBN 0-88192-410-5

Weblinks


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Liliengewächse

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