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Wappen Karte
Wappen_liebstadt.png Karte_Liebstadt_in_Deutschland.png
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Regierungsbezirk: Dresden
Landkreis: Sächsische Schweiz
Geografische Lage:
Höhe: 220 - 595 m ü. NN
Fläche: 37,41 km²
Einwohner: 1.392 (31. Dezember 2005)
Bevölkerungsdichte: 37 Einwohner je km²
Postleitzahl: 01825
Vorwahl: 035025
Kfz-Kennzeichen: PIR
Gemeindeschlüssel: 14 2 87 230
Stadtgliederung: 8 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Kirchplatz 2
01825 Liebstadt
Website: / www.kuckuckstein.de
E-Mail-Adresse: buergermeister@stadt-bgb.de
Politik
Bürgermeister: Hans-Peter Retzler (Linke)

Liebstadt ist eine im Übergangsgebiet von Osterzgebirge und Elbtalschiefergebirge gelegene Stadt im Landkreis Sächsische Schweiz. Mit etwa 1.400 Einwohnern zählt sie zu den kleinsten Städten in Sachsen.

Geografie


Geografische Lage

Liebstadt befindet sich ca. 15 km südwestlich von Pirna im Tal der zwischen der Müglitz und Gottleuba fließenden Seidewitz. Der Ortskern befindet sich in einem schmalen Talkessel am Zusammenfluss der Seidewitz mit dem Döbraer Bach auf ca. 333 m ü. NN (ehem. Gasthof "zum schwarzen Kleeblatt" am Markt). Die ländlichen Ortsteile sind aber alle höher gelegen und reichen bis auf 595 m ü. NN (nahe Waltersdorf). Der niedrigste Punkt befindet sich auf ca. 220 m ü. NN im Seidewitztal an der Grenze zur Gemeinde Bahretal bei Nentmannsdorf. Einige markante Erhebungen auf dem Stadtgebiet sind die Napoleonschanze bei Herbergen (428 m ü. NN), der Käferberg (414 m ü. NN), der Galgenberg (427 m ü. NN), der Ziegenrücken (453 - 499 m ü. NN) und einige namenlose Erhebungen im Süden (bis 595 m ü. NN).

Geologie

Die im Raum Liebstadt lagernden Untergrundgesteine sind dem Freiberger Grauen Gneis zu zuordnen. Dieses Gestein entstand im Laufe der Heraushebung des Erzgebirges bei der Umwandlung älterer Sedimente unter hohem Druck. Nördlich von Liebstadt befindet sich mit dem Elbtalschiefergebirge (Mittelsächsische Überschiebung) ein schmales, aber auf engstem Raum geologisch vielgestaltiges Übergangsgebiet zur Elbtalweitung. Widerstandsfähige Granite und Porphyre bilden schmale Höhenrücken mit Härtlingskuppen.

Naturraum

Naturräumlich gehört das Gebiet um Liebstadt dem unteren Osterzgebirge an. Das Oberflächenbild wird durch die weiten, reliefenergieschwachen und nach Süden hin ansteigenden Gneishochflächen geprägt. Sie werden von Flüssen und Bächen zerschnitten, die konsequent der Abdachung des Osterzgebirges folgen und die Hochflächen z. T. stark zerschneiden. So hat sich z. B. die Seidewitz zwischen Liebstadt und Pirna in einzelnen Abschnitten als Durchbruchstal über 70 m tief in die Untergrundgesteine des Elbtalschiefergebirges eingeschnitten und dabei einzelne Felsklippen freigelegt. Im Raum um Liebstadt liegen die Jahresmitteltemperaturen zwischen 7 und 8 °C und im Mittel werden 750 – 800 mm Niederschlag im Jahr erreicht. Etwa 10 % des Niederschlages können als Schnee fallen. Die Vegetationsperiode ist im Schnitt über 200 Tage lang. Für die Bodenausbildung sind Braunerden und Braunstaugleye dominierend. Die Vergleichsweise günstigen naturräumlichen Bedingungen haben die Besiedlung des Gebietes bis in die Kammlagen des Osterzgebirges frühzeitig gefördert. In der Folge führten landwirtschaftliche und bergbauliche Nutzungen zu einer großflächigen Entwaldung der Region zwischen Elbtal, Liebstadt und Osterzgebirgskamm. Dadurch begünstigte Hochwasser haben in der Vergangenheit wiederholt, zuletzt insbesondere 1927 und 2002 schwere Schäden verursacht. Deshalb wird die Seidewitz zum Hochwasserschutz südlich von Liebstadt seit 1967 durch ein Rückhaltebecken gestaut.

Geschichte


Liebstadt.jpg

Die Geschichte der Stadt ist untrennbar mit der des Schlosses Kuckuckstein verbunden. Bereits unter Heinrich I. wurde die Burg vermutlich zwischen 930 und 940 erbaut. Sie beherrscht damit die Handelswege von Pirna über das Seidewitztal nach Börnersdorf und dann weiter auf der Alten Dresden Teplitzer Poststraße nach Breitenau und Fürstenwalde über denn Kamm des Osterzgebirges nach Kulm in Böhmen. Diese Strecke ist weniger anstrengend als der Weg durch das Müglitztal von Dohna über Bärenstein, Lauenstein und Voitsdorf nach Graupen und wie die östlichere Strecke über den Geiersberg und nur wenig länger als der Weg über den Nollendorf-Kulmer-Pass (Neue Dresden Teplitzer Poststraße von Pirna über Gottleuba und Oelsen nach Aussig bzw. Teplitz).

Die Entstehung der Stadt ist dabei sehr eng mit den Burggrafen von Dohna verbunden. Sie waren ein edelfreies Geschlecht, welches durch Kaiser Friedrich I. mit der reichsunmittelbaren Burggrafschaft Donin (heute Dohna bei Pirna) belehnt wurden. Der erste nachweisbare Besitzer von Liebstadt war Otto von Dohna, der am 19. Oktober 1286 Liebstadt an das Bistum Meißen verleiht. In dieser Urkunde wird nur das Städtchen (civitas Libenstat), nicht die Burg erwähnt.

Auch die heutigen dörflichen Ortsteile sind wie alle Dörfer der Region größtenteils im 13. Jahrhundert als Waldhufendörfer entstanden. Liebstadt wird erst wieder 1410 erwähnt, nachdem die Donins in der Dohnaischen Fehde 1402 dem Meißner Markgrafen Wilhelm I. unterlegen waren und damit alle ihre Besitzungen verloren hatten. Der Markgraf belehnte die Brüder Günther und Heinrich von Bünau für ihre Treue zu ihm und ihre militärischen Verdienste unter anderem auch mit Liebstadt. Die Bünaus werden bis 1691 die Geschicke der Stadt und ihres Umlandes lenken. 1492 erhält Liebstadt erneut das Stadt- und Marktrecht. Das Schloss und damit auch die Stadt wechselt seinen Besitzer nach den Bünaus mehrfach, bis das Schloss 1774 von Hans Carl August von Carlowitz ersteigert wird und bis 1931 im Besitz der Familie von Carlowitz verbleibt.

Natürlich wurde auch Liebstadt und die Dörfer in der Umgebung von den kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Hussiten, im Dreißigjährigen und im Siebenjährigen Krieg und im Napoleonischen Krieg hart von Verwüstungen, Not, Elend und Krankheiten betroffen.

Das heutige Stadtgebiet entstand erst mit der sächsischen Gemeindegebietsreform von 1994.

2000 haben sich die Städte Bad Gottleuba-Berggießhübel, Liebstadt und die Gemeinde Bahretal zu einer Verwaltungsgemeinschaft zusammengeschlossen mit Bad Gottleuba-Berggießhübel als erfüllender Gemeinde.

Wappen und Name

Das Stadtwappen zeigt in rot eine grüne Lindenstaude mit sieben silbernen Lilien. Es wird im frühen 16. Jahrhundert erstmals erwähnt und lehnt sich an die Lilien im Wappen der früheren Schlossbesitzer der von Bünaus an. Bei der Übernahme von Schloss und Stadt fügte Hans Carl August von Carlowitz 1774 dem Wappen eine Adelskrone und einen die Lilien umrankenden Lorbeerkranz hinzu. Der Name Liebstadt kann als Synonym für eine liebliche Stätte (Wohnstätte) gedeutet werden und verweist vermutlich auf die geschützte Tallage. Als Schreibweisen sind u.a. libenstat (1286), Libinstat (1338), Libstat (1435) und Leybenstath (1495) überliefert.

Einwohnerentwicklung

Die folgende Tabelle gibt die Einwohnerentwicklung der gesamten Stadt unter Berücksichtigung der Eingemeindungen wieder. Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung der Ortsteile sind im Kapitel Ortsgliederung enthalten.

und Verwüstungen Walthersdorf
Jahr Einwohner Häuser Bemerkungen
1300 150    
1500 250    
1530 500 71  
1688 350 52 Bevölkerungsrückgang durch Stadtbrände, Pest
1779 600 94 Wohnhäuser
1801 435 79 Häuser ohne öffentliche Gebäude
1815 559 90  
1834 734 87 nach SCHIFFNER (1840) 100 Häuser
1885 901 125  
1900 733 126  
1919 635    
1941 816 151  
1948 1.100    
1970 805    
1973 1.110   Eingemeindung von Berthelsdorf, Herbergen und Seitenhain
1990 881    
1994 1.562   Eingemeindung von Biensdorf, Döbra, Großröhrsdorf und
1999 1.540 487 720 Haushalte
2005 (31.12.) 1.392    

(Zusammenstellung nach Freunde und Förderer von Schloß Kuckuckstein e.V. 2002; Meiche 1927; Statistisches Landesamt Sachsen; Zühlke 1966;)

Ortsgliederung


Liebstadt ist die kleinste Stadt Sachsens und besteht aus den acht Ortsteilen Waltersdorf, Döbra, Berthelsdorf, Liebstadt, Herbergen, Seitenhain, Großröhrsdorf und Biensdorf (von Süden nach Norden).

Biensdorf

Das auf dem Höhenzug zwischen Seidewitz und Müglitz (280-320 m ü. NN) und ca. 5 km nördlich der Stadt gelegene Biensdorf ist seit 1994 ein Ortsteil von Liebstadt. Die urkundliche Ersterwähnung geschah 1347 als Behemersdorf. Aus der vorherigen Zeit sind u.a. die Schreibweisen Behmistorff (1448), Bemßdorff 1504, Binsdorff 1529 und Bünßdorff 1677 überliefert. Von der Anlage her ist der Ort ein Reihendorf mit Waldhufenflur, wobei MEICHE (1927) im Ortskern ein slawisches Sackgassendorf zu erkennen glaubt. Zu Biensdorf gehört weiterhin das ehemals eigenständige Dorf Lochau, eine kleine aus drei Höfen bestehende Siedlung im Tal des von Biensdorf zur Seidewitz hin abfallenden Lochaugrundes (Biensdorfer Tälchen). Auch eine im Seidewitztal gelegene Häusergruppe ist Bestandteil des Ortes. Ihre Entstehung kann im Zusammenhang mit den sich unmittelbar östlich anschließenden und über Nentmannsdorf bis Borna erstreckenden Kalklagern gesehen werden. Die Ortslage im steil und kurz abfallenden Lochaugrund erforderte bei den sich in Hanglage befindlichen Bauernhöfen starke, teils mehrere Meter mächtige Fundamentverstärkungen. Wirtschaftliches Standbein des Dorfes war von Anbeginn an die Landwirtschaft, davon zeugen noch heute einige gut erhaltene Dreiseithöfe. Auf das zweite wirtschaftliche Standbein weist die Bezeichnung Kalkberg für die nördlich der Einmündung des Lochaugrundes in die Seidewitz gelegene Erhebung hin. Die hier zu Tage tretenden Kalkvorkommen sind Teil eines Lagers, welches im Devon entstand und das sich von Maxen bis Berggießhübel erstreckt. Im Bereich östlich der Seidewitz ist die Förderung seit 1596 durch die Nennung eines Kalckberg bey Nentmannsdorf belegt. Der erste Abbau erfolgte vor allem von ortsansässigen Häuslern und Gärtnern in kleinen offenen Brüchen. Verarbeitet wurde der Kalkstein in sog. Kalkschnellern (Brennöfen), von denen sich 1827 einer sowie eine Ziegelbrennerei im Vorwerk des Dorfes befanden. Der Weitertransport erfolgte dann weitgehend zur Elbe in Pirna, wo die Verschiffung erfolgte. Die insbesondere seit dem 18. Jahrhundert wachsende Nachfrage nach Bau- und Düngekalk bescherte einerseits den Bauern ein zweites sicheres Einkommen. Andererseits beschleunigte der Arbeitskräftebedarf das Einwohnerwachstum des Kalkdorfes, auch wenn dies im Vergleich mit den benachbarten Dörfern bescheiden ausfiel. Der von MEICHE (1927) noch als aktiv beschriebene Abbau der bis zu 20 m mächtigen Kalklager am Biensdorfer Kalkberg ist heute eingestellt. Auch die im 19. Jahrhundert aufblühende Strohflechterei ist wieder eingegangen. Heute bietet Biensdorf, wie die anderen dörflichen Ortsteile Liebstadts auch, seinen etwa 180 Einwohnern nur ein bescheidenes Arbeitsplatzangebot in der Landwirtschaft bzw. in kleineren ansässigen Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen. Ein Großteil der Einwohner pendelt zu den Arbeitsstätten im Umland. Folgende früheren Einwohnerzahlen sind für Biensdorf überliefert: 1816: mind. 150 Einwohner (30 Häuser, 1834: 148 Einwohner, 1871: 164 Einwohner, 1890: 169 Einwohner, 1910: 179 Einwohner, 1939: 153 Einwohner, 1946: 217 Einwohner. Biensdorf wurde bereits 1962 nach Großröhrsdorf (heute ebenfalls ein Ortsteil von Liebstadt) eingemeindet.

Döbra

Das im Tal des Döbraer Baches (420– 485 m ü. NN) ca. 3 km südwestlich der Stadt gelegene 585 ha große Döbra ist seit 1994 ein Ortsteil von Liebstadt. Es wurde wahrscheinlich 1258 erstmals erwähnt. Allerdings noch nicht unter diesem Namen, den erhielt der Ort erst 1661. Aus der vorherigen Zeit sind u.a. die Schreibweisen Dobraw (1346), Dobreye 1406, Deebern 1515, Deebraw 1530, Döber 1551 und Deeber 1570 überliefert. All diese Varianten leiten sich aus dem slawischen ab und sollen Gutes Wasser (dobře = gut, voda = Wasser) bedeuten. Damit bezeichnete man ursprünglich den Döbraer Bach, dessen Name auf das Dorf übertragen wurde. Das langgestreckte Reihendorf mit Waldhufenflurwurde bis in die jüngere Vergangenheit hinein durch die Landwirtschaft geprägt. Baulich wird das Gebirgsbauerndorf von zahlreichen sehenswerten Vier- und Dreiseithöfen geprägt. Diese wurden vor allem im 20. Jahrhundert durch an der Bachaue gelegene Handwerker-, Arbeiter- und Einfamilienhäuser ergänzt. Eine bescheidene wirtschaftliche Diversifizierung begann erst nach 1939 bzw. 1954 mit der Ansiedlung zweier feinmechanischer Kleinbetriebe und der Errichtung eines Stützpunktes der Schuhfabrik Weesenstein (1972). Aus einem dieser Betriebe ging die Präzimat Feinmechanik GmbH hervor. Weitere Arbeitsplätze sind in bescheidenem Umfang in der Landwirtschaft und bei kleineren Handwerks- und Dienstleistungstreibenden vorhanden. Ein Großteil der heute etwa 200 Einwohner pendelt aber zu den Arbeitsstätten im Umland. Folgende früheren Einwohnerzahlen sind für Döbra überliefert: 1834: 290 Einwohner, 1871: 359 Einwohner, 1890: 308 Einwohner, 1910: 295 Einwohner, 1939: 306 Einwohner, 1946: 410 Einwohner, 1957: 352 Einwohner, 1999: 229 Einwohner und 74 Häuser.

Herbergen

Das auf einer Hochfläche (380 – 395 m ü. NN) ca. 1,5 km nordöstlich der Stadt gelegene Herbergen ist seit 1973 ein Ortsteil von Liebstadt. Es wurde im 13. Jahrhundert als Waldhufendorf gegründet, urkundlich aber erst 1455 erwähnt. Die Herkunft des Ortsnamens, der 1492 als herbrygen Erwähnung fand, ist nicht eindeutig geklärt. Sie scheint aber auf jeden Fall mit der Nähe zur Dresden-Teplitzer Poststraße im Zusammenhang zu stehen. Da diese Verbindung immer auch eine Heerstraße war, die Armeen nutzten um über das Osterzgebirge zu gelangen, kann der Name von einem Unterkunftsplatz für Kriegstruppen, als Ort, der das Heer bergt, abgeleitet sein. Möglicherweise ist aber auch ein ehemals vorhandenes Rasthaus für Reisende gemeint. Aufgrund der Lage nahe dieser Straße wurde Herbergen vor allem im Dreißigjährigen Krieg und während der Napoleonischen Freiheitskriege durch Einquartierungen und Plünderungen durchziehender Truppen stark in Mitleidenschaft gezogen. So befand sich z. B. während der Kampfhandlungen von 1813 das Kriegslager der französischen 44. Division zwischen Borna und Herbergen. Von den Feldbefestigungen sind heute noch Reste auf dem Käferberg bzw. Hutberg erkennbar. Am 9. September 1813 hielt sich Napoleon selbst zur Truppenbeobachtung auf den Anhöhen um Herbergen auf. In Erinnerung an diese Zeit erhielt der Bergrücken südlich von Herbergen den Namen Napoleonschanze. Auch das heutige Dorfwappen stammt aus der Zeit nach 1813. Es wurde neu geschaffen, nachdem plündernde französische Truppen das alte Siegel mitgenommen hatten. Das Wappen zeigt eine Eiche, an die eine Sense, ein Rechen und Ackerpflug angelehnt sind. Die damit versinnbildlichte Landwirtschaft war über viele Jahrhunderte wirtschaftlich prägend. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden einige Einwohner auch in Betrieben des Umlandes bzw. im Elbtal Arbeit. Folgende Einwohnerzahlen sind für Herbergen überliefert: 1815: 70 Einwohner und 16 Häuser, 1834: 103 Einwohner, 1871: 104 Einwohner, 1890: 122 Einwohner, 1910: 111 Einwohner, 1919: 134 Einwohner, 1939: 111 Einwohner, 1946: 164 Einwohner, 1957: 132 Einwohner. Heute umfasst Herbergen eine Fläche von 278 ha. Im Ortsteil wohnen etwa 50 Einwohner.

Politik


Sitzverteilung im Stadtrat (Wahlen am 13. Juni 2004):
  • Freie Wählervereinigung Liebstadt - 8 Sitze
  • CDU - 4 Sitze

Kultur, Sport und Bildung


Sehenswürdigkeiten

Image:Liebstadt Schloss Kuckuckstein (1) 2005.jpg|Liebstadt: Schloß Kuckuckstein Image:Liebstadt Kirche (1) 2006.jpg|Liebstadt: ev.-luth. Kirche Image:Döbra Kirche (1) 2006.jpg|Döbra: ev.-luth. Kirche

Liebstadt

  • Schloss Kuckuckstein mit Freimaurerloge, Heimatmuseum und Rittersaal
  • Ev.-Luth. Kirche Liebstadt: Die spätgotische flachgedeckte Saalkirche stammt aus dem 15. Jahrhundert. In ihrem Innenraum befindet sich u.a. eine Sandstein-Renaissance-Kanzel (1577), ein wertvoller dreiteiliger Altar (1673) mit Bildtafeln eines niederländischen Meisters sowie ein spätgotisches Sternengewölbe.
  • Holländerwindmühle: An der Straße nach Döbra befindet sich die turmartige Ruine der letzten Windmühle im Osterzgebirge. Sie war bis 1870 in Betrieb.

Döbra

  • Kirche: Einzelne Elemente (u.a. spätgotische Fresken aus dem 15. Jahrhundert) der ersten, 1346 erwähnten Kirche sind noch erhalten. Nach ihrer Zerstörung wurde sie 1507 neu errichtet. Die farbenfrohe Innenausstattung stammt aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Sehenswert sind sind die bemalte Holzdecke und das zinnerne Taufbecken (1618).

Kulturelle Höhepunkte und Freizeitaktivitäten

  • Stadtfest (Erstes Wochenende im Juni)
  • Veranstaltungsreihe der ev.-luth. Kirche Liebstadt (Lesungen, Vorträge usw.)
  • Veranstaltungen der Liebstädter Vereine (Männerchor, Freiwillige Feuerwehr, Liebstädter Kuckucks-Guggen)

Sport

  • Freibad Liebstadt
  • Liebstädter Sportverein e. V.
  • SG Großröhrsdorf e. V.

Schule

Liebstadt verfügt über eine Grundschule.

Wirtschaft und Verkehr


Entwicklung der Wirtschaft

Die im 19. Jahrhundert einsetzende Industriealisierung hat die wirtschaftlichen Verhältnisse Liebstadt’s kaum berührt. Die Region blieb am Rande der sich im Elbtal und den Nachbartälern entwickelnden Industriestandorte, da die neuen vom Elbtal ins Osterzgebirge führenden Eisenbahnlinien die Stadt umgingen und auch ein Straßenanschluss durch das Seidewitztal erst vergleichsweise spät (1871/72) realisiert wurde.

Ende der 1980er Jahre prägten folgende Unternehmen die Wirtschaftsstruktur:

  • VEB Pentacon im Kombinat Carl-Zeiss-Jena, Objekt 17 Liebstadt: Herstellung von Kamerateilen, etwa 50 Beschäftigte
  • IFA-Kfz-Zubehörwerk Dresden, Betriebsteil 4 Liebstadt: Produktion von Fliehkraftdrehzahlreglern, etwa 45 Beschäftigte
  • VEB Solidus Dresden, Fertigungsbereich Mechanik Liebstadt: Herstellung mechanischer Einzelteile für technische Geräte, etwa 30 Beschäftigte
  • Meliorationsgenossenschaft Pirna, Sitz Liebstadt: Durchführung von Maßnahmen zur Werterhöhung des Bodens in der Region um Pirna, etwa 30 Beschäftigte

Bedeutendster Arbeitgeber im näheren Umfeld war aber die LPG Osterzgebirge in Börnersdorf, die mit etwa 330 Beschäftigten ca. 3.000 ha landwirtschaftliche Nutzfläche bearbeitete und Viehzucht betrieb.

Die heutige Wirtschafts- und Unternehmensstruktur wird von Klein- und Kleinstbetrieben dominiert, die, oftmals als Familienbetrieb geführt, die Zweige typisch kleinstädischer Handwerke und Dienstleistungen abbilden. In Liebstadt und seinen Ortsteilen sind u.a. folgende Gewerbezweige ansässig: Fleischer, Gastronomie, Friseur, Schlosser, Elektriker, Fuhrunternehmen, Autohandel, Lebensmittel, Drogerie, Tischler, Fahrradhandel, Küchenstudio.

Allerdings kommt es aufgrund mangelnder Nachfrage in Liebstadt und seinen Ortsteilen bereits seit den 1970er Jahren und verstärkt seit 1990 zu einer spürbaren Ausdünnung der Infrastruktureinrichtungen. Das betrifft z. B. die Einstellung von Busverbindungen zu Tagesrandlagen und an Wochenenden und die Schließung von Dienstleistungs- und Einzelhandelseinrichtungen mangels Nachfrage und fehlender Geschäftsnachfolger. In Liebstadt selbst sind im Gegensatz zu 1970 folgende Gewerbe- und Dienstleistungszweige heute gar nicht mehr vorhanden (Auswahl): Bäcker, Bekleidungsgeschäft, Cafe, Rundfunk- und Fernsehgeschäft, Schuhladen, Tankstelle, Uhrmacher. Auch von den noch 1990 vorhandenen 3 Kindergärten mussten zwei schließen. Aufgrund der demographischen Entwicklung muss in den kommenden Jahren mit einer weiteren Ausdünnung der Daseinsinfrastrukturen gerechnet werden.

Neben den oben genannten Gewerbezweigen ist auch die Landwirtschaft noch von Bedeutung. Agrargenossenschaften und selbständige Bauern bewirtschaften in allen Ortsteilen noch Flächen bzw. betreiben Viehzucht.

Neben diesen Zweigen haben aber nur drei nennenswerte mittelständische Betriebe ihren Sitz in Liebstadt. Die Hutzel Seidewitztal GmbH repräsentiert im Verband der Hutzel-Gruppe das Zentrum Deutschland-Ost für montagereife Präzisionsdrehteile, die aus allen zerspanbaren Werkstoffen (auch Titan, Tantal, Zirkonium) hergestellt werden. Abnehmer finden sich vor allem in der Autoindustrie, Medizintechnik, im Maschinenbau und der Wehrtechnik. Zu den Kunden des Unternehmens zählen auch die DaimlerChrysler AG und die Bosch AG sowie die Ecoform Umformtechnik GmbH. Die Hutzel Seidewitztal GmbH ist mit etwa 90 (2006) Mitarbeitern wichtigster Wirtschaftsfaktor in Liebstadt und ein bedeutender Bestandteil im Netzwerk der feinmechanischen Betriebe im Osterzgebirge. Zu diesem Netzwerk zählt auch die im Ortsteil Döbra ansässige Präzimat Feinmechanik GmbH mit ihren 18 Beschäftigten. Die 1950 gegründete Firma produzierte bis 1990 vor allem Drehteile für Haushaltsgeräte. Heute liegt der Schwerpunkt des Produktionsspektrums im Bereich der Komponentenzulieferung für Gasgerätehersteller und Produzenten von Armaturen, Meß- und Regeltechnik. Als dritte Firma muß die Tief- und Straßenbau Seidwitztal GmbH in Liebstadt genannt werden, ein Baubetrieb mit etwa 50 Beschäftigten (in Insolvenz seit Dezember 2005).

ansässige Unternehmen

  • Hutzel Seidewitztal GmbH (Liebstadt): Fertigung montagereifer präzisionsdrehteile (ca. 90 Mitarbeiter)
  • Tief- und Straßenbau Seidewitztal GmbH (Liebstadt): Bauunternehmen (ca. 50 Mitarbeiter) (in Insolvenz seit Dezember 2005)
  • Präzimat Feinmechanik GmbH (Döbra): Herstellung feinmechanischer Komponenten (18 Mitarbeiter)

Verkehr

Bereits seit vorgeschichtlicher Zeit führten vereinzelte Wege aus dem Elbtal kommend über Dohna nach Kulm und weiter in die böhmischen Lande. Diese Wege bevorzugten beim Übergang über den Gebirgsrücken zwischen Sachsen und Böhmen das Osterzgebirge, da hier die Höhenlagen am niedrigsten und der ursprünglich dichte Waldgürtel des Grenzwaldes am schmalsten waren. Die Wegebündel des Kulmer Steiges nutzten auch die Höhenrücken westlich und östlich Liebstadts. Belegt ist z. B. die Existenz eines mittelalterlichen Pilgerweges, der bis zum 16. Jahrhundert vom Elbtal kommend über Dohna, Burkhardswalde, Seitenhain, Berthelsdorf, Lauenstein und Krupka zum Kloster Mariaschein nahe Graupen (Krupka) in Böhmen führte. Eine anderer Weg verlief von Dohna über Nentmannsdorf, Herbergen, Göppersdorf und Breitenau nach Böhmen. Dieser Weg erlangte ab dem 18. Jahrhundert als Alte Dresden-Teplitzer Poststraße Bedeutung. Neben diesen Nord-Süd-Verbindungen wurde der Liebstädter Raum auch von einer als Alte Eisenstraße bezeichneten Ost-West-Verbindung tangiert. Dieser nördlich der Stadt verlaufende mittelalterliche Weg verband die Eisenerzgruben um Berggießhübel und Bad Gottleuba bis zu ihrem Niedergang nach dem dreißigjährigen Krieg mit den Hammerwerken und Hütten in den Tälern von Müglitz und Weißeritz. All diese Wege hatten aber bis zum 19. Jahrhundert aufgrund wirtschaftlicher Wandlungen an Bedeutung verloren, so dass Liebstadt in eine abseitige und verkehrsungünstige Lage geriet. Die Stadt bemühte sich deshalb in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verstärkt um einen Eisenbahnanschluss. Planungen, die eine Linienführung durch das Seidwitztal über Liebstadt nach Böhmen bzw. einen Anschluss zur Müglitztalbahn oder der Strecke Freiberg – Moldava – Most vorsahen, kamen aber wegen mangelnder Rentabilität und dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges nicht zur Ausführung. Dafür wurde das Straßennetz ausgebaut. Französische Kriegsgefangene errichteten 1871 die Seidwitztalstraße nach Pirna. Danach folgten die Verbindungen nach Döbra (1871/72), Schlottwitz (1881), Börnersdorf (1903) und Göppersdorf (1906). Aufgrund des fehlenden Eisenbahnanschlusses wurde Liebstadt bereits 1920 und damit vergleichsweise frühzeitig durch eine Buslinie mit Pirna verbunden. Zusammenfassend lässt sich aber feststellen, dass Liebstadt aufgrund ungünstiger bzw. fehlender Verkehrsverbindungen seine wirtschaftlichen Potenziale im 19. Jahrhundert so gut wie gar nicht ausschöpfen konnte und beträchtlich hinter der Entwicklung benachbarter Städte wie Glashütte oder Berggießhübel zurückfiel. Die vor über 100 Jahren erbauten Straßen bilden auch heute noch das Grundgerüst des Verkehrsnetzes. Unter ihnen kommt der Seidewitztalstraße (Staatsstraße S 176) als Verbindung ins Mittelzentrum Pirna und in den Ballungsraum Dresden eine besondere Bedeutung zu. Der Busregionalverkehr wird durch die Verkehrsgesellschaft Sächsische Schweiz mbH realisiert, welche aber die Verbindungen in den Liebstädter Raum in den letzten Jahren aufgrund mangelnder Nachfrage spürbar ausgedünnt hat. Derzeit (2006) wird mit Hochdruck an der Fertigstellung der Bundesautobahn 17 DresdenPrag gearbeitet, die an Herbergen vorbei über den Höhenrücken östlich von Liebstadt verläuft. Die Stadt selbst erhält allerdings keinen eigenen Anschluss. Die nächsten Anschlussstellen werden sich bei Freidrichswalde 5 km nordöstlich bzw. bei Börnersdorf 4 km südöstlich der Stadt befinden.

Persönlichkeiten


  • Georg Marggraf (* 20. September 1610 in Liebstadt, nach anderen Quellen Döbra, † 1644, Sterbeort unbekannt, wahrscheinlich Angola oder Guinea) Geograph, Astronom, Leibarzt, Doktor der Medizin und Naturwissenschaften, bedeutendster deutscher Brasilienforscher des 17. Jahrhunderts
  • Christian Benjamin Geißler (* 1743 in Holzkirchen bei Lauban, Sterbedatum unbekannt aber nach 1813 wahrscheinlich in Liebstadt) „Rebell von Liebstadt”, Wortführer beim Bauernaufstand von 1790, Verfasser der Schrift „Pro Memoria” (1790)
  • Carl Adolf von Carlowitz (* 1771 in Großhartmannsdorf bei Freiberg, † 1837 in Breslau) Besitzer von Schloss Kuckuckstein, General unter dem russischen Zaren Alexander I. im Kampf gegen die Napoleonische Fremdherrschaft
  • Adolph Ferdinand Haynel (* 1797 in Döbra, † in Philadelphia) Homöopath, in Leipzig Nachfolger von Samuel Hahnemann (Begründer der Homöopathie)
  • Artur Henne (* 13. Februar 1887 in Dresden, † 19. Februar 1963 in Liebstadt) Maler

Literatur


  • Fischer, Rainer (1998): Sekundärbahnen von Pirna nach Großcotta und Gottleuba. Nordhorn.
  • Freunde und Förderer von Schloß Kuckuckstein e.V. (2002): Liebstadt. Chronik der einst kleinsten Stadt Sachsens 1286 – 1999. Liebstadt.
  • Jobst, Walter / Grundig, Heinz (1961): Um Gottleuba, Berggießhübel und Liebstadt. Werte der deutschen Heimat Bd. 4. Berlin.
  • Meiche, Alfred (1927): Historisch-topographische Beschreibung der Amtshauptmannschaft Pirna. Dresden.
  • Portmann, Alfred (1883): Das Kirchen- und Pfarrwesen der Parochie Liebstadt. Pirna.
  • Portmann, Alfred (1900): Liebstadt im 19. Jahrhundert. Altenberg.
  • Schmidt, Otto Eduard (1932): Schloß Kuckuckstein. in: Mitteilungen des Landesverein Sächsischer Heimatschutz. Bd. XXI/1932, S. 101-128.
  • Schiffner, Albert (1840): Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Königreiches Sachsen. Band 2. Leipzig.
  • Torke, Horst (o. J.): Landkreis Pirna. Ein Landkreis und seine Gemeinden stellen sich vor. Dresden.
  • Wollmann, Markus (1989): Berggießhübel – Bad Gottleuba. Reihe unser kleines Wanderheft Bd. 18. Berlin / Leipzig.
  • Zühlke, Dietrich (1966): Stadtsiedlungen im östlichen Erzgebirge. In: Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin * (1966): Östliches Erzgebirge. Werte der deutschen Heimat Band 10. Berlin. S. 244-257.

Links


Ort in Sachsen

 

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