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Lichtwellenleiter (Abk.: LWL, auch Lichtleiter genannt) sind flexible optische Medien aus
Mineralglas (meist Kieselglas, SiO2) oder organischem Glas (Kunststoff), in denen Licht kontrolliert geleitet werden kann. Physikalisch gesehen handelt es sich dabei um dielektrische Hohlleiter.
Lichtwellenleiter kommen heute vor allem als Übertragungsmedium für leitungsgebundene Telekommunikationsverfahren (Glasfaserkabel), zur Übertragung von Energie (Lichtleitkabel z.B. für Laserstrahlung, UV-Licht und Beleuchtungszwecke) sowie in der Messtechnik (z. B. bei Infrarotthermometern und Spektrometern) zum Einsatz.
Zur Signalübertragung über kurze bis mittlere Entfernungen werden Lichtwellenleiter aus Polystyrol oder Polymethylmethacrylat verwendet.
Duplex_sc.jpg Die Unterscheidung zwischen Gradientenindexfasern und Stufenindexfasern findet man nur bei so genannten Multimode-Fasern. Deren Gegenpart, die Singlemode-Faser gibt es nur als Stufenindexfaser.
Aufgrund mehrerer möglicher Lichtwege kommt es zu Signalbeeinflussungen (Laufzeitunterschiede), daher sind Multimode-Fasern zur Nachrichtenübertragung über große Distanzen bei hoher Bandbreite nicht geeignet.
Multimode-Fasern zur Nachrichtenübertragung haben einen inneren Core-Durchmesser von 62,5 µm (US-Standard) bzw. die feineren Ausführungen von nur 50 µm (EU-Standard). Der äußere Durchmesser der Faser beträgt bei beiden Ausführungen jedoch fast immer 125 µm (Bei den älteren Modellen 140 µm).
Auch dickere Lichtwellenleiter für Hochleistungs-Laser oder für Beleuchtungs- und Messzwecke sind vom Prinzip her Multimode-Fasern.
Multimode-Fasern sind im Gegensatz zu Singlemode-Fasern relativ preisgünstig. Sie sind äußerlich an der meist orangenen Farbe der Ummantelung zu erkennen.
Maximale Übertragungsreichweite bei Multimode beträgt bei 50 µm Core ca 550m und bei 62,5 µm Core ca 275m
Bei großen Distanzen und/oder Bandbreiten werden nur Standard-Singlemode-Fasern (SSMF) eingesetzt, da hierbei Signalverzerrungen ausschließlich aufgrund der Dispersion, nicht jedoch - wie bei Multimode-Fasern - aufgrund unterschiedlicher Ausbreitungswege auftreten.
Die Singlemode-Faser, die teilweise auch als Monomode-Faser bezeichnet wird, hat meistens einen Core-Durchmesser von typischerweise 3 bis 9 µm, der äußere Durchmesser beträgt jedoch auch hier 125 µm. Die eigentliche Übertragung der Information erfolgt im Kern ("Core") der Faser.
Die bisher gebräuchlichsten Singlemode-Fasern sind für den Einsatz bei λ=1.310 nm oder λ=1.550 nm bestimmt, da bei dieser Wellenlänge die EDFAs (Erbium-doped Fiber Amplifier, Erbium-dotierte Faser-Verstärker) betrieben werden und, was jedoch weniger wichtig ist, das Dämpfungsminimum liegt. Zwar ist die Dispersion bei dieser Wellenlänge ungleich Null, dies ist aber nicht weiter schädlich, da es dispersionskompensierende Fasern gibt. Es ist sogar von Vorteil, dass die Dispersion ungleich Null ist, da sonst nichtlineare Effekte, wie z.B. die Vier-Wellen-Mischung, das Signal erheblich stören würden. Zu beachten ist allerdings, dass die dispersionskompensierende Fasern, die in sog. Dispersionskompensationsmodulen Anwendung finden, mit ihrer hohen Dämpfung das Powerbudget stark belasten können. Ein weiterer Vorteil dieser Wellenlänge ist, dass sich durch ein dynamisches Wechselspiel der dispersiven und optisch-nichtlinearen (Kerr-Effekt) Eigenschaften von Glasfaserkabeln gerade bei dieser Wellenlänge Solitonen erzeugen lassen. Die Wellenpakete (Lichtimpulse) können demnach weitestgehend unverfälscht übertragen werden.
Die Standard-Einmodenfaser hat ein Stufenprofil, bei dem der Kern etwas höher dotiert ist als der Mantel mit einem Brechzahlhub Δ von ca. 0,003.
Eine Weiterentwicklung der Standardsinglemode-Faser ist die sog. Low-Water-Peak-Faser (ITU-T G.652.C und G.652.D). Im Gegensatz zur SSMF können bei dieser Faser auch im Wellenlängenbereich zwischen 1310 und 1550 nm Daten übertragen werden, da bei diesen Fasern der sog. Wasserpeak herstellungsbedingt entfernt werden konnte. Bei einer SSMF ist dieser Wellenlängenbereich nicht nutzbar, da aufgrund von Absorbtionseffekten die Dämpfung hier ein lokales Maximum hat (etwa bei 1385 nm mit bis zu mehr als 1 dB/km).
Mit diesen Fasern wird das sog. E-Band (extended band) für die Datenübertragung geöffnet. Dieser Bereich wird überwiegend mit der CWDM-Technologie (Coarse Wavelength Division Multiplex oder Grobes Wellenlängenmultiplex) erschlossen, die es ermöglicht aufgrund der großen Kanalabstände auf sehr kostengünstige, ungekühlter Laser für die Übertragung zurückzugreifen.
Als Singlemode-Fasern für Weitverkehrsnetze wurden sog. Non-Zero-Dispersion-Fasern (ITU-T G.655.C). Sie verbinden ein sehr geringe Dämpfung mit einer geringen Dispersion im sog. C-Band um 1550 nm. Somit ist es möglich längere Strecken ohne Dispersionkompension zu erreichen, als dies mit SSMF möglich ist.
Fasern in Weitverkehrsnetzen (zum Beispiel deutschlandweite Netze, Ozeanverbindungen) werden im DWDM-Verfahren betrieben, das enorme Übertragungskapazitäten ermöglicht. Dabei werden über mehrere Laser auf verschiedenen Wellenlängen Signale eingekoppelt und gleichzeitig auf einer Faser übertragen. Man hat somit verschiedene Kanäle auf einer Faser, ähnlich wie beim Radio. Mit Hilfe der breitbandig verstärkenden EDFAs ist ein Bandbreite-mal-Länge-Produkt von mehr als 10.000 (Tbit/s)*km möglich. Diese Systeme der 4. Generation wurden verstärkt Mitte der 1990er Jahre verbaut und sind bis heute Stand der Technik.
Aus diesem Grunde wurde der sog. PC-Stecker entwickelt (Physical Contact). Dieser Stecker hat eine bauchige Endfläche und beim Stecken "kontaktieren" sich "physikalisch" nur die Kernflächen der beiden Stecker. Die oben beschriebenen Probleme wurden dadurch gelöst. Stecker dieser Bauart führen oft ein "PC" als Ergänzung in Ihrer Bezeichnung. (ST/PC, SC/PC, FC/PC usw.) Heutzutage sind alle qualitativ hochwertigen Stecker "PC-Stecker".
Immer höhere Anforderungen an die Rückflußdämpfung der installierten Steckverbindungen im Bereich der MAN und WAN Netze brachten schließlich den sog. HRL (High Return Loss) oder APC (Angled Physical Contact) Stecker hervor. Bei dieser Steckerart ist die Steckerendfläche nicht nur bauchig, sondern steht auch winklig zur Faserachse (Standard = 8°). Durch diesen Aufbau wird von der Steckerendfläche zurückreflektiertes Licht aus dem Kern über das Mantelglas in die Luft hinaus gebrochen und kann somit die Licht- (Daten-)übertragung nicht mehr stören. Stecker dieser Bauart führen ein "APC" oder "HRL" als Ergänzung in Ihrer Bezeichnung. (ST/APC, SC/APC, FC/APC, E-2000/APC usw.) Stecker dieser Bauart finden vor allem in hochdatenratigen City- (MAN) oder Weitverkehrsnetzen (WAN) Anwendung.
Die am häufigsten verwendeten Steckerarten sind ST (Straight Tip) und SC (LAN) und E-2000 (MAN, WAN).
Weitere Standard-Steckertechnologien sind DIN-Stecker, FC-Stecker, MIC-Stecker, MiniBNC-Stecker, FSMA-Stecker und ESCON-Stecker.
Die Übertragungsstrecke besteht aus:
Diese Elemente müssen folgende Forderungen erfüllen:
Eingesetzte Bauelemente:
Zur Verbesserung der Übertragungsstrecke werden optische Verstärker eingesetzt.
Dark Fiber ist eine LWL-Leitung, die unbeschaltet verkauft oder vermietet wird. Für die Übertragung und die Übertragungsgeräte ist der Käufer oder Mieter verantwortlich. Er bestimmt auch die Verwendung. Um Erdarbeiten bei Störungen oder Erweiterungen möglichst zu umgehen, sind in den Kabeln redundante Fasern enthalten. Nicht genutzte Glasfaserkapazitäten bezeichnet man auch als Dark Fiber ("dunkle Faser"), da bei unbenutzten Glasfasern keine Lichtsignale übertragen werden. Die Faser ist dann dunkel. Bei Bedarf werden weitere Fasern in Betrieb genommen.
Einzelne Fasern werden auch an andere vermietet:
In den letzten Jahren wird vor allem in Japan, USA, Italien und in Skandinavien der Ausbau von Glasfasernetzen im Anschlußbereich voran getrieben. So werden dort Häuser direkt mit Glasfasern angeschlossen. Diese Vorgehensweise wird unter dem Begriff Fiber To The Home (FTTH) zusammengefasst. Bei diesem Ausbau werden pro Gebäude ein bis zwei Fasern verlegt. Werden zwei Fasern verlegt, so ist eine Faser für den Download, die andere für den Upload. Wird nur eine Faser verlegt, so läuft der Download über die Wellenlänge 1310 nm, während der Upload über 1550 nm realisiert wird.
Eine weitere Anwendung ist die Messtechnik, bei der die auszuwertende Strahlung zwischen einem Messkopf und der Auswertelektronik mit einem LWL übertragen wird. Man kann dadurch unter Extrembedingungen messen, die die Elektronik nicht aushalten würde, wenn sie ohne die räumliche Trennung durch den LWL mit dem Messobjekt in Berührung käme. Die bekannteste Anwendung solcher Anordnungen sind Temperaturmesser und -regler in Stahl- und Glaswerken.
Auch Spektrometer haben oft LWL-Eingänge.
Die Strahlung von Hochleistungs-Lasern im nahen Infrarot (Einsatz u. a. zur Materialbearbeitung) wird oft in Lichtleitkabeln (LLK) geführt, um sie besser an den Wirkungsort heranführen zu können. Es können Leistungen bis zu mehreren Kilowatt in Fasern mit 0,1...1,5 mm Kern-Durchmesser nahezu verlustfrei übertragen werden.
Um Unfälle zu vermeiden, sind derartige Fasern mit einer Faserbruchüberwachung ausgestattet.
Zu Beleuchtungs- und Dekorationszwecken werden Fasern oder Faserbündel aus mineralischem oder organischem Glas (ugs.: Plastik, Plaste) eingesetzt:
Glasfasern können als Sensoren verwendet werden:
Dotierte Fasern (z. B. mit Erbium) können als Laser oder Licht-Verstärker arbeiten (siehe Faserlaser).
Vorteile
Nachteile
mögliche Störungen
Die Lichtwellenleiter sind nach DIN 47002, VDE 0888-2, ITU-T G.651 - G.656 und IEC 60793 genormt.
Kommunikationstechnik | Optische Nachrichtentechnik
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