Als Lichtstärke bezeichnet man in der Fotografie das Verhältnis der größten wirksamen Blendenöffnung zur Brennweite eines Objektivs. Die größte wirksame Blendenöffnung entspricht dabei dem Durchmesser der Eintrittspupille des Objektivs. Ein anderer Name für die Lichtstärke ist Öffnungsverhältnis, die "relative Öffnung" oder das "geometrische Öffnungsverhältnis". Die Lichtstärke ist neben der Brennweite und dem Bildwinkel der wichtigste Kennwert eines Objektivs. Die fotografische Lichtstärke wird stets mit einer Verhältniszahl ausgedrückt:
Hier ist also nicht die Lichtstärke (Photometrie) des Motivs gemeint. Je lichtstärker ein Objektiv ist, desto größer ist die Offenblende (erkennbar an einer kleineren Blendenzahl) und desto mehr Licht kann es auffangen und zu Film oder Digitalsensoren leiten. Blendet man unterschiedlich lichtstarke Objektive auf identische Blendenwerte ab, so unterscheidet sich deren Lichteinfang dann nur noch unwesentlich.
Normalobjektive (50 mm im Kleinbildformat) bewegen sich in der Regel bei Lichtstärken von 1:1,2 bis 1:2,8. In einigen Fällen können sie jedoch auch Lichtstärken bis 1:1,0 (z.B. Canon EF 1:1,0/50 L USM) erreichen. Weitere hochlichtstarke Normalobjektive sind beispielsweise das Leica Noctilux M 1:1,0/50mm oder das historische Canon R 1:0,95/50 (vorgestellt im Jahr 1961). Das lichtstärkste fotografische Objektiv wurde von Carl Zeiss, Oberkochen, entwickelt. Mit dem Planar 1:0,7, Brennweite 50 mm, konnten Filmaufnahmen von bewegten Szenen bei Kerzenlicht gedreht werden, so etwa in Barry Lyndon von Stanley Kubrick (Quelle: Guinness Buch der Rekorde 1997, Rubrik Die Kunst: Fotografie. Hamburg: 1996).
Tele- und Weitwinkelobjektive weisen meist eine deutlich geringere Lichstärke auf (1:2, 1:2,8, 1:4 etc.). Hohe Lichtstärke ist nicht identisch mit hoher optischer Güte. Im Weitwinkelbereich gibt es von mehreren Herstellern 1:1,4/24 mm und 1:1,4/35 mm Objektive. Im Telebereich sind das Canon EF 1:1,2/85 mm und das EF 1:1,8/200 mm, sowie das Nikkor ED-IF 1:2,0/300 mm AI-S als extrem lichtstarke Konstruktionen zu erwähnen. Auch in der Astronomie achtet man auf eine hohe Lichtstärke der Refraktoren oder Spiegelteleskope. Der Grund hierfür liegt einerseits in der gewünschten Steigerung der Helligkeit und andererseits in der Steigerung der Auflösung, die nicht nur durch Linsen- oder Spiegelfehler, sondern bei geringer Lichtstärke auch durch Beugung herabgesetzt wird.
Hochlichtstarke Objektive weisen einige Vorteile auf:
Nachteile hochlichtstarker Objektive sind:
Auch die Lichtstärke von Objektiven konnte deutlich gesteigert werden. Während die Boxkameras der 20er und 30er Jahre eine typische größte Blende von 1:11 hatten, verfügten die Modelle aus den 50er Jahren bereits über 1:9 oder sogar 1:8.
Vergleichsweise lichtstarke Objektive gab es aber bereits länger; ein Beispiel hierfür ist das Petzvalobjektiv, das gemeinsam von Josef Maximilian Petzval und Peter Wilhelm Friedrich von Voigtländer im Jahre 1840 konstruiert wurde; mit einer Offenblende von 1:3,6 war es im Vergleich zu Daguerres Objektiv von 1839 22-mal lichtstärker, was unter günstigen Bedingungen erstmals Porträts mit Belichtungszeiten von weniger als einer Minute ermöglichte. Das Petzvalobjektiv wurde von Voigtländer produziert und mit großem Erfolg weltweit vertrieben; bis 1862 produzierte er 60.000 Stück.
Wesentlichen Einfluss auf die Möglichkeit, Objektive mit hoher Lichtstärke herzustellen, hat das Objektivdesign. Durch die Verwendung von Linsenkombinationen aus verschiedenartigen Gläsern (Kron- und Flintglas, CaF2 Linsen, ED-Gläser, asphärisch geschliffene Linsen und andere) und geeignete Zusammenstellung der Linsen gelang es, Abbildungsfehler zu minimieren.
Einen Meilenstein stellte das Cooke-Triplet dar, das 1893 von Dennis Taylor entwickelt wurde. Es ermöglichte bei preisgünstigen Objektiven eine Lichtstärke von 1:2,8 und wird noch heute verwendet.
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