Libelle_Wasserwaage_db.jpg Libelle * ist in der Messtechnik eine mit einer Flüssigkeit und einer Gasblase gefüllter Glas- bzw. Kunststoffhohlkörper zur Überprüfung der horizontal bzw. vertikalen Lage eines Gegestandes.
1666 entwickelte der Franzose Jean de Thévenot ein mit Flüssigkeit gefülltes Glasröhrchen, das eine Luftblase enthielt und leicht gekrümmt war. Damit war das Prinzip der heutigen Libelle gefunden – der Grundstein für einfaches Ausrichten von Gegenständen war gelegt.
Der Hohlraum, in dem sich Flüssigkeit und eine Gasblase befindet, ist auf der Oberseite leicht mit einem definierten Radius gewölbt, so dass die Gasblase durch ihren Auftrieb immer an der höchsten Stelle aufschwimmt (12-Uhr-Stellung). In der Regel sind zwei Markierungen (Ringe aus brüniertem Federstahldraht) in dem transparenten Körper, links und rechts zur Mittellage, angebracht. Liegt die Gasblase genau zwischen den beiden Markierungen, so befindet sich der zu prüfende Gegenstand in der horizontal bzw. vertikalen Lage.
Die Blase entsteht bei der Herstellung. Meistens wird als Flüssigkeit Weingeist oder Schwefeläther verwendet und heiß bis zum Rand in den Hohlraum dieses Glaskörpers eingefüllt und direkt zugeschmolzen. Beim Abkühlen entsteht durch das Zusammenziehen der Füllung eine Blase aus dem Gas der Füllung.
Anders liegt die Anforderung, wenn die Röhrenlibelle zur Feinausrichtung optischer Geräte verwendet werden soll. Der Glaskörper ist tonnenförmig ausgeschliffen und bildet nach oben einen gleichmäßigen Kreisbogen.
War die Libelle eingespielt und weicht die Blase nach 180° Drehen von der Mitte ab (Punkt D), ist die Libelle oder das optische Gerät dejustiert.
Präzises Messen ist dennoch möglich: man spielt die Blase genau zwischen D und M ein und überprüft es durch zurückdrehen um 180° (die Mittelstellung D-M bleibt erhalten). Zuletzt wird dieser Vorgang bei quer stehender Libelle (90 und 270°) mit der 3.Schraube abgeschlossen.
Wenn die Röhrenlibelle zwei Rektifizierschrauben hat - und man selbst 5-10 min Zeit - kann man sie justieren. Dabei wird die andere Hälfte von D-M während des Horizontier-Vorgangs weggestellt, also die Libelle gegenüber dem Gerät gekippt. Oft genügt dafür eine Zehnteldrehung!
Empfindlichste Röhrenlibellen erlauben das Einstellen von z. B. Teleskopen auf besser als 1", was einer Ungenauigkeit von 4,8 mm auf einer Länge von 1 km entspricht. Solche Libellen werden beim Horizontieren geodätischer Geräte kaum benötigt: ein pendelndes Prisma hält beim Kompensatornivellier die Restfehler klein, während beim Theodoliten die meistens recht flachen Höhenwinkel die Wirkung des Stehachsenfehlers begrenzen.
Für Sonderanwendungen gibt es Reiterlibellen, die auf die Kippachse oder die Alhidade aufgesetzt werden (Parswerte 1-10").
Sie erübrigen sich heute teilweise, weil Neigungs-Sensoren (siehe unten) ebenfalls genauer als 1" arbeiten.
Für große Universalinstrumente wie den T4 und Messgeräte der Astronomie gibt es Hängelibellen.
Das Horrebow-Niveau wird ans Messfernrohr angeklemmt, um eine auf 0.1" konstante Zenitdistanz zu garantieren.
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"Libelle (Messtechnik)".
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