| Liancourt-Felsen | |
|---|---|
| Geographische Lage | |
| Koreanischer Name | |
| Hangeul | |
| Hanja | |
| Revidierte Romanisierung | Dokdo |
| McCune-Reischauer | Tokto |
| Japanischer Name | |
| Kanji | |
| Hepburn-Romaji | Takeshima |
Die Liancourt-Felsen (koreanisch Dokdo; japanisch Takeshima) sind eine Inselgruppe im japanischen Meer (Ostmeer), auf die sowohl Südkorea als auch Japan Territorialansprüche erheben. Die Inseln werden seit 1953 von Südkorea verwaltet. Der gebräuchliche englische Name, Liancourt Rocks, wurde ihm 1849 durch ein gleichnamiges französisches Walfangschiff gegeben.
Südkorea hat die Inseln organisatorisch der Insel Ulleungdo und damit der Region Gyeongsangbuk-do unterstellt, verwaltet werden sie aber vom Ministerium für Fischerei. Japan hingegen hat sie zum Teil von Okinoshima (Oki) und damit der Präfektur Shimane gemacht, hat praktisch aber keine Kontrolle über die Inseln.
Laut der koreanischen Aufzeichnungen Samguk Sagi, die erste bekannte Erwähnung, sind die Inseln Teil des unabhängigen koreanischen Inselstaats Usan-guk (Hangeul , Hanja ); dieses Dokument wird auf das Jahr 512 in der Silla-Dynastie datiert. Nach Sillas Fall 930 wurde Usan-guk ein Protektorat Goryeos. Später ging es während einer Dschurdscheninvasion unter, und die Inseln wurden dann direkt von der Regierung des koreanischen Festlandes verwaltet.
Laut japanischen Quellen wurden die Inseln, dann bekannt als Matsushima, den Ōya- und Murakawa-Familien der Provinz Hoki (heute Präfektur Tottori) vom Tokugawa-Shogunat in den 1650ern versprochen. Auf Verlangen eines japanischen Fischers am 22. Februar 1905 wurde die Inselgruppe unter dem Namen Takeshima (wörtlich: Bambusinsel) als Teil der japanischen Präfektur Shimane erklärt; dies wurde durch die Doktrin der terra nullius gerechtfertigt. Japan betrieb zu diesem Zeitpunkt eine rücksichtslose Expansionspolitik, so wurde noch im selben Jahr ganz Korea zum japanischen Protektorat erklärt und fünf Jahre später vollständig annektiert.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Inseln von japanischer Seite als Marinebasis genutzt. Nach Japans Niederlage durch die Alliierten wurden die Inseln durch den SCAP-Befehl Nr. 677 vom 22. Januar 1946 der japanischen Verwaltungsautorität entzogen. Allerdings besagte der Befehl, dass dies keine „endgültige Festlegung“ über das Schicksal der Inselgruppe sei und alle anderen Inseln, die in diesem Befehl vorkommen, wurden später an Korea zurückgegeben. Der Vertrag von San Francisco von 1952, der die Souveränität der meisten anderen umstrittenen Inseln klärt, erwähnt die Liancourt-Felsen nicht.
Am 20. April 1953 legten südkoreanische Freiwillige eine Küstenwachstation auf einer der Inseln an. Am 27. Juni 1953 landeten zwei japanische Küstenwachschiffe an der östlichen Insel, vertrieben das koreanische Wachpersonal und stellten eine territoriale Markierung auf, versuchten aber keine permanente Besetzung. Die Koreaner kehrten bald zurück, worauf mehrere bewaffnete Scharmützeln folgten, die am 21. April 1954 in der Versenkung eines japanischen Schiffes durch koreanisches Mörserfeuer gipfelten. Japan protestierte und schlug die Anrufung des Internationalen Gerichtshofes vor, dies wurde allerdings von Südkorea abgelehnt. Nach diesem Vorfall baute Südkorea einen Leuchtturm und einen Helikopterlandeplatz und eine Polizeiwache auf einer der Inseln.
Das Thema der Souveränität über die Inseln wurde aus dem Grundsatzvertrag zwischen Südkorea und Japan von 1965 ausgespart und noch immer behaupten beide Seiten Territorialansprüche. Korea macht dies unter anderem durch die Stationierung einer Einheit der koreanischen Polizei deutlich.
Die USA halten eine Politik der Nichtanerkennung der Ansprüche beider Seiten, obwohl einige private Memoranden, die in den Außenbeziehungen der Vereinigten Staaten zwischen 1949 und 1951 zu finden sind, anscheinend die japanische Sichtweise leicht unterstützen und deshalb gelegentlich als "Beweis" für die amerikanische Unterstützung zitiert werden. Die US-Botschaft in Korea sagte aber in einer Presseerklärung: „Die US-Politik im Dokdo/Takeshima-Streit war und wird sein, dass die Vereinigten Staaten weder für die Ansprüche Koreas noch für die Japans Position ergreifen. Unsere Hoffnung ist, dass die zwei Länder den Streit gütlich beilegen.“
Der Streit flammt regelmäßig wieder auf, üblicherweise wenn Südkorea den Status Quo der Inseln verändert (z. B. 1996 durch den Bau einer Werft oder 2004 die Erklärung zum Nationalpark), was zu einer Verstärkung des Anspruchs durch Japan führte. Als 2002 zwei japanische Schulbücher veröffentlicht wurden, die Koreas Anspruch auf die Inseln in Frage stellten, kam es zu Protesten in Südkorea.
Eine Umfrage, die in beiden Ländern durchgeführt wurde, zeigte, dass das Interesse der Japaner an der Frage der Territorialansprüche signifikant niedriger war als das der befragten Koreaner, die zu 99 % glaubten, dass die Inseln Teil ihres Landes seien. Koreaner verzeichnen die Inselgruppe oft demonstrativ auch auf kleinmaßstäbigen offiziellen und anderen Karten. Einige Medien schließen sie im Wetterbericht mit ein.
Das Parlament der japanischen Präfektur Shimane beschloss am 10. März 2005, den 22. Februar, also den Tag, an dem die Inselgruppe hundert Jahre zuvor administrativ der Präfektur angegliedert wurde, zum jährlich zu feiernden „Takeshima-Tag“ zu erklären. Dieser symbolische Akt schlug in beiden Ländern Wellen und führte unter anderem zur Verschiebung des geplanten Besuches des südkoreanischen Außenministers in Japan. Außerdem führte der Landeschef der koreanischen Polizei einen symbolischen Besuch bei der auf der Insel stationierten Einheit (rund 20 Mann) durch.
Die Initiative Koreas, einigen unterseeischen Formationen koreanische Namen zu geben, führte im April 2006 zu dem Versuch Japans, ein Forschungsschiff in die umstrittene Region zu entsenden. Erst die entschiedene Ablehnung Koreas und die Drohung mit militärischer Gewalt führte zur Entsendung eines japanischen Sondergesandten und (vorläufigem) beiderseitigem Verzicht
Der Streit um die Liancourt-Felsen ist vor allem symbolischer Natur. Weder hat die Insel einheimische Bewohner, noch hat sie einen größeren ökonomischen Wert (in Japan selbst ist die Landflucht gerade von den kleinen Inseln besonders stark).
Wichtiger als die japanisch-südkoreanische Erbfeindschaft, die auf der Kolonialisierung Koreas durch Japan von 1910 bis zum Ende des zweiten Weltkriegs fußt, sind aber die reichhaltigen Fisch- und Krabbengründe rund um die Inseln. Zudem verfügt Japan nur aufgrund einiger unbewohnter Felsen im Meer über die sechstgrößte Fischereizone der Welt. So ist die Hauptlandmasse Japans bloß 370.000 km² groß; betrachtet man aber einige Felsen, die sich aus dem Meer erheben, see- oder völkerrechtlich als Inseln, so erweitern diese die japanischen Hoheitsgewässer auf 4.500.000 km² (siehe Karte).
Tatsächlich sind die Liancourt-Felsen keinesfalls der einzige von Japan umstrittene Archipel in der Region. Die Südkurilen, Senkaku-Inseln und Okinotorishima sind weitere, ähnlich gelagerte Fälle. Und auch Symbole bieten reichlich Konfliktstoff, so gibt es von koreanischer Seite die Forderung, das Japanische Meer in internationalen Texten als "Ostmeer" zu bezeichnen.
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