Lipoliangkai.jpg]] Li Bai (; * 701 / † 762) ist neben Dù Fǔ (杜甫) der mit Abstand namhafteste lyrische Dichter der Tang-Zeit.
Daneben ist Lǐ Bái auch unter dem Beinamen Shīxiān (詩仙) bekannt, was "Unsterblicher Dichter" bedeutet.
Als Lǐ Bái fünf Jahre alt war, zog seine Familie nach Jiangyou, in der Nähe des heutigen Chengdu in der Provinz Sichuan. Lǐ war konfuzianischen und taoistischen Einflüssen ausgesetzt, letztlich bot ihm seine familiäre Herkunft aber nicht viele Aufstiegschancen in der Tang-Dynastie. Trotz seines Wunsches, Beamter werden zu wollen, nahm er nicht an den kaiserlichen Beamtenprüfungen teil. Stattdessen begann er im Alter von fünfundzwanzig Jahren nach Art eines fahrenden Gesellen durch China zu reisen, die mit dem Idealbild eines konfuzianischen Edelmanns stark kontrastierte.
Gemeinsam mit Hè Zhīzhāng sowie Zhāng Xù (張旭), Lǐ Shìzhi (李適之), Cuī Zōngzhī (崔宗之), Sū Jìn (蘇晉), Wáng Jìn (王璡) und Jiaō Suì (焦遂) bildete Lǐ Bái einen Dichterkreis, der in einem zeitgenössischen Gedicht mit dem Titel „Die acht Poeten der Zechgelage“ erwähnt werden. Diese trinkfreudigen Herren wurden später zu Schutzheiligen der Weinhändler und Schankwirte.
Die bekannteste Darstellung Lǐ Báis ist eine Tuschmalerei von Liáng Kǎi, einem Maler aus dem 13. Jahrhundert - also lange nach dem Tod des Dichters. Das Bild trägt den Titel "Lǐ Bái - ein Gedicht deklamierend" und ist in nahezu jeder Anthologie seiner Werke abgebildet.
Über Lǐ Báis Genie sind zahlreiche Legenden in Umlauf: So wird etwa berichtet, mit welcher Leichtigkeit seine Gedichte zu Papier brachte. Angeblich konnte er mit erstaunlicher Geschwindigkeit ohne eine einzige Korrektur schreiben. Seine bevorzugte Gattung war das Jueju, das Kurzgedicht mit vier Zeilen zu fünf oder sieben Schriftzeichen; 160 Stück sind hiervon erhalten. Lǐ Báis Sprache ist nicht so ausgefeilt wie die Dù Fǔs, beeindruckt aber gleichwohl durch ausgeprägte Imaginationskraft und die unmittelbare Verbindung, die der Dichter zum Leser herzustellen weiß.
Lǐ Báis wohl bekanntestes Gedicht ist Yuè Xià Dú Zhuó (月下獨酌), zu deutsch Gelage im Mondschein (E. Schwarz), in dem sich der Dichter mit einem Krug Wein zurückzieht und mit seinem Schatten und dem Mond anstößt. Im Westen gilt es vielfach geradezu als Inbegriff chinesischer Lyrik und wurde in fast alle europäischen Kultursprachen, meist jeweils mehrfach, übersetzt (Überblick: *). Die Thematik von Wein und Mond kehrt auch sonst häufig in Lǐs Werk wieder, daneben sind Freundschaft und Sehnsucht häufig Gegenstand, weiter Naturerlebnisse von Bergen, Buchten und Föhrenwäldern sowie Frauenschönheit. Bisweilen erfolgt aber auch eine kritische Auseinandersetzung mit zeitgeschichtlichen Problemen wie dem Krieg, der Korruption der Beamtenschaft oder dem harten Leben der einfachen Leute.
Im 13. Jahrhundert wurden Lǐ Báis Werke systematisch gesammelt, 1758 schließlich von Wāng Qí (汪琦) herausgegeben. Zu diesem Zeitpunkt waren indes angeblich 90% des ursprünglichen Oeuvres verloren gegangen.
Erstmals in eine europäische Sprache übersetzt wurden Lǐ Báis Werke 1862 durch den Marquis d'Hervey-Saint-Denys, der sie ins Französische übertrug. Sehr umfangreich ist die Zahl der Übertragungen ins Deutsche, zu nennen sind Wilhelm Grube, Erwin Ritter von Zach, Alfred Forke, Hans Bethge, Manfred Hausmann, Vincenz Hundhausen, Günter Eich, Günther Debon, Ernst Schwarz und Jan Ulenbrook.
Nicht hierher gehören Klabunds „Nachdichtungen“ von 1916, die nicht auf dem chinesischen Originatext, sondern ihrerseits bereits auf Übersetzungen beruhen. Gleiches gilt für Ezra Pounds Übersetzung ins Englische, die auf japanischen Vorlagen beruhen.
Bethges Lǐ-Bái-Übertragungen aus seiner Anthologie Die chinesische Flöte sollten später als Vorlage für Gustav Mahlers berühmtes Orchesterwerk Das Lied von der Erde dienen.
Eines der bekanntesten Gedichte von Lǐ Bái ist Yèsī (夜思), meist mit Nachtgedanken übersetzt. Das Gedicht ist auch unter dem Titel Qīngyèsī (清夜思) bekannt, Gedanken in einer stillen Nacht.
| Original | Pinyin | Übertragung |
|---|---|---|
| 床前明月光 | Chuang qian ming yue guang | (Bett - vor - hell - Mond - Strahl) |
| 疑是地上霜 | Yi shi di shang shuang | (zweifeln - ist - Erde - auf - Frost) |
| 舉頭望明月 | Ju tou wang ming yue | (heben - Kopf - blicken - hell - Mond) |
| 低頭思故鄉 | Di tou si gu xiang | (senken - Kopf - denken - alt - Heimat) |
| Übersetzer | Text |
|---|---|
| Wilhelm Grube | Zu meiner Lagerstätte scheint licht der Mond herein, bedeckt mit fahlem Glanze wie kalter Reif den Rain. Ich heb das Haupt und blicke empor zum lichten Mond, drauf laß ich's wieder sinken und denk der Heimat mein. |
| Alfred Forke | Vor meinem Bette ich Mondschein seh', als wär' der Boden bedeckt mit Schnee. Ich schau zum Mond auf, der droben blickt, der Heimat denkend das Haupt mir sinkt. |
| Hans Bethge | In fremdem Lande lag ich. Weißen Glanz malte der Mond vor meiner Lagerstätte. Ich hob das Haupt - ich meinte erst, es sei der Reif der Frühe, was ich schimmern sah, dann aber fühlte ich: der Mond, der Mond! und neigte das Gesicht zur Erde hin, und meine Heimat winkte mir von ferne. |
| Manfred Hausmann | Vor meiner Bettstatt lag wie Reif so weiß des Mondlichts mitternächtiges Gegleiß. Ich hob das Haupt - der Mond schien voll und blank - und ließ es wieder sinken, heimwehkrank. |
| Vincenz Hundhausen | Vor meinem Bette spielt ein weißes Licht. Ist es der Morgen schon? Ich weiß es nicht. Und wie ich zweifelnd hebe mein Gesicht, seh' ich den Mond, der durch die Wolken bricht. Da muß ich mich zurück aufs Lager senken und heimatlos an meine Heimat denken. |
| Günter Eich | Vor meinem Bette das Mondlicht ist so weiß, Daß ich vermeinte, es sei Reif gefallen. Das Haupt erhoben schau ich auf zum Monde, Das Haupt geneigt denk ich des Heimatdorfs. |
Autor | Tang-Dynastie | Literatur (8. Jh.) | Literatur (Chinesisch) | Lyrik | Geboren 701 | Gestorben 762 | Chinese
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