Leysin ist eine politische Gemeinde im Distrikt Aigle des Kantons Waadt in der Schweiz. Der frühere deutsche Name Leissins wird heute nicht mehr verwendet.
Die Fläche des 18.5 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt der Waadtländer Alpen. Im südlichen Teil des Gebietes befindet sich die Terrasse von Leysin (rund 1250 m ü. M.), die gegen das Tal der Grande Eau durch eine hangparallele Reihe von Waldhügeln begrenzt wird. Unterbrochen durch das Tal des Ruisseau de Ponty setzt sich die Terrasse im Südwesten in der Mulde von Veyges fort. Im Süden reicht der Gemeindeboden in das Tal der Grande Eau, welche das Gebiet zur Rhône entwässert.
Im Westen verläuft die Grenze entlang des Berggrates von La Riondaz und Berneuse (2045 m ü. M.). Nach Norden erstreckt sich der Gemeindeboden über Alpweiden bis auf die markanten aus Kalkstein bestehenden Bergstöcke von Tour d'Aï (mit 2331 m ü. M. höchster Punkt von Leysin), Tour de Mayen (2326 m ü. M.) und Tour de Famelon (2138 m ü. M.). In Mulden am Südabhang dieser Berge befinden sich die Bergseen Lac d'Aï, Lac de Mayen und Lac Segray. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 7 % auf Siedlungen, 37 % auf Wald und Gehölze, 33 % auf Landwirtschaft und etwas weniger als 23 % war unproduktives Land.
Zu Leysin gehören der Ortsteil Feydey (1398 m ü. M.) oberhalb des Dorfes, die Siedlung Les Esserts (1340 m ü. M.) nordöstlich von Leysin, die Weiler En Crettaz (1225 m ü. M.) auf der Terrasse nördlich des Flot de Crête und Veyges (1113 m ü. M.) in einer Mulde zwischen dem Berghang und dem Efflot de Veyges, die Alpsiedlungen Aï (1892 m ü. M.) am Lac d'Aï und Mayen (1842 m ü. M.) am Lac de Mayen sowie einige Einzelhöfe. Nachbargemeinden von Leysin sind Aigle, Yvorne, Corbeyrier und Ormont-Dessous.
Heute haben die Milchwirtschaft und Viehzucht nur noch einen geringen Stellenwert in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung. Die meisten Arbeitsplätze sind im lokalen Kleingewerbe und vor allem im Dienstleistungssektor vorhanden. Das Gewerbe ist ganz auf die Bedürfnisse des Tourismus ausgerichtet. Leysin ist Sitz des American College of Switzerland und Standort der renommierten Leysin American School (LAS) sowie der Kumon Leysin Academy of Switzerland (KLAS). Im weiteren gibt es eine Hotelfachschule und mehrere Sprachschulen. Seit 1956 befindet sich im Ort eine Niederlassung des Club Méditerranée.
Nachdem Antibiotika zur Behandlung der Lungenkrankheiten entdeckt wurden, erlitt der Höhenkurort nach dem Zweiten Weltkrieg einen wirtschaftlichen Einbruch. Die meisten Sanatorien wurden geschlossen oder zu Hotels und Ferienwohnungen umgebaut. Durch den wiederaufkommenden Fremdenverkehr seit den 1950er Jahren konnte der wirtschaftliche Niedergang bald kompensiert werden.
Heute ist Leysin ein modernes Touristik- und Sportzentrum, sowohl auf den Winter- als auch auf den Sommertourismus ausgerichtet. Die Hänge und Alpen von Aï und Mayen sind durch mehrere Bergbahnen und Skilifte erschlossen. Auf dem Gipfel der Berneuse befindet sich das moderne Panorama-Drehrestaurant Kuklos. Das Gebiet um die Tour d'Aï, Tour de Mayen und Tour de Famelon mit den drei Bergseen ist ein beliebtes Wanderziel.
Der alte Ortskern von Leysin befindet sich auf einer Terrasse hinter einer Waldkuppe und kann vom Rhônetal her nicht gesehen werden. Die früheren Bewohner lebten zwar in einer grossen Abgeschiedenheit, waren aber auch nicht von etwelchen Plünderungszügen im Rhônetal betroffen. Seit dem Mittelalter gehörte Leysin zum Herzogtum Savoyen und war von Aigle kirchlich und administrativ abhängig.
Mit der Eroberung der Herrschaft Aigle durch Bern im Jahr 1476 gelangte Leysin unter die Verwaltung des Gouvernements Aigle. Die Reformation wurde 1528 im Dorf eingeführt. Erst 1702 wurde Leysin eine selbständige politische Gemeinde. Nach dem Zusammenbruch des Ancien régime gehörte das Dorf von 1798 bis 1803 während der Helvetik zum Kanton Léman, der anschliessend mit der Inkraftsetzung der Mediationsverfassung im Kanton Waadt aufging. 1798 wurde es dem Bezirk Aigle zugeteilt.
Leysin Kirche.jpg Erstmals grössere Bekanntheit erlangte Leysin 1789 durch das Buch Essay upon the principles of population, in dem Thomas Malthus die verhältnismässig lange Lebenszeit der Dorfbewohner (61 Jahre) gegenüber anderen europäischen Gemeinden beschrieb. Er führte diese Tatsache auf das gesunde Klima und die Abgeschiedenheit (die Bewohner werden von ansteckenden Krankheiten der Talbevölkerung weitgehend verschont) zurück. Dieses Buch war die Grundlage dafür, dass Leysin im frühen 19. Jahrhundert zunächst als Genesungsort für die nähere Region, ab etwa 1870 auch international bekannt wurde.
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