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Wortschatz (auch Vokabular oder Lexik(on)) bezeichnet man

  1. die Gesamtheit aller Wörter einer Sprache zu einem bestimmten Zeitpunkt.
  2. die Gesamtheit aller Wörter einer Sprache, die ein einzelner Sprecher kennt oder verwendet. Man unterscheidet in dieser Bedeutung zwischen passivem und aktivem (präziser: produktivem) Wortschatz.

  • Der passive Wortschatz wird vom Sinn her verstanden, wird jedoch nicht aktiv verwendet.
  • Der aktive Wortschatz wird auch beim Sprechen benutzt, seine Einsatzmöglichkeiten sind so weit bekannt, dass sinnvolle verständliche Sätze damit geformt werden können.

Der Wortschatz der deutschen Standardsprache umfasst ca. 75.000 Wörter, die Gesamtgröße des deutschen Wortschatzes wird je nach Quelle und Zählweise auf 300.000 bis 500.000 Wörter bzw. Lexeme geschätzt. Ein durchschnittlicher Sprecher verfügt dagegen über einen aktiven Wortschatz von nur etwa 8.000 bis 10.000 Wörtern. Zum Vergleich: In einem gewöhnlichen Kaufhaus findet man schon etwa 60.000 unterschiedliche Markennamen.

Im Allgemeinen reichen für Alltagsgespräche 400 bis 800 Wörter aus. Um anspruchsvollere Texte zu verstehen (Zeitschriften, Zeitungen, Klassiker) benötigt man 4.000 bis 5.000 Wörter, in Ausnahmefällen wie bei Goethe (ca. 80.000) oder Joyce (ca. 100.000) auch bedeutend mehr. In letzter Zeit wird beobachtet, dass sich neue Kommunikationsbereiche (Chat, SMS, ...) bilden, in denen ein Wortschatz von nur noch 100 bis 200 Worten benutzt wird. Zum Vergleich: Der Duden enthält ca. 120.000 Stichwörter. Durch Flexion kann in flektierenden Sprachen aus vielen dieser relativ wenigen Grundformen ein mehrfaches an Wortformen entstehen, im Deutschen (ca. Faktor 10) zum Beispiel erheblich mehr als in dem die Flexion langsam verlierenden Englischen (ca. Faktor 4). Die Häufigkeitsverteilung von Wörtern lässt sich mit dem Zipfschen Gesetz beschreiben.

Ein Problem bei dem Messen des Umfangreichtums eines Wortschatzes kann beispielsweise die Frage darstellen, ob zusammengesetzte Wörter mitgezählt werden (zum Beispiel Blumenstrauß — ein neues Wort, oder zwei Wörter?)

In etwa gilt: Je höher der Bildungsstand eines Menschen ist, desto größer ist sein Wortschatz. Ein größerer Wortschatz hilft beim differenzierteren Informationsaustausch. Einfache Boulevardzeitungen nutzen einen Wortschatz von etwa 400 Wörtern, intellektuelle Tageszeitungen dagegen einen Wortschatz von etwa 5.000 Wörtern. Ähnlich kann man Fernsehsendungen kategorisieren. Ein Wortschatz einer Person ist abhängig vom Interessensgebiet dieser Person (u.a. Fachterminologie).

Literatur


  • Franz Dornseiff: Der deutsche Wortschatz nach Sachgruppen, Berlin, 1934 (div. Neuauflagen)
  • Duden: Das große Wörterbuch der deutschen Sprache, Mannheim, 2000
  • Ulrike Haß-Zumkehr: Deutsche Wörterbücher, Berlin, 2001 (bes. Kap. 17: Umfang des Wortschatzes)

Siehe auch


Weblinks


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