Lewis Henry Morgan (* 21. November 1818 in Aurora, New York; † 17. Dezember 1881) war ein US-amerikanischer Anthropologe und Mitbegründer der Ethnologie. Er vertrat eine evolutionistische Anthropologie.
1840 schloss Morgan sein Studium am Union College ab und ging zurück nach Aurora, wo er sich für die Rechtswissenschaften einschrieb. Er studierte die griechischen und römischen Klassiker.
Bekanntheit erreichte Morgan durch seine Feldforschungen bei den Irokesenvölkern. Stark betroffen von der Ungerechtigkeit, mit der die Indigenen Völker von der Amerikanischen Regierung behandelt wurden, half Morgan den Seneca juristisch in ihrem Kampf gegen die Odgen Land Company. Er wurde von den Seneca als einer der Ihren adoptiert. Sie gaben ihm den Namen "Tayadaowuhkuh" - "einer der Brücken baut" (zwischen Indianern und Weißen).
Morgan vertrat die Theorie einer linearen Entwicklung der menschlichen Kultur. Demnach durchlaufen alle Kulturen drei Entwicklungsstufen: von der Stufe der Wildheit über die Stufe der Barbarei bis zur höchsten Stufe, der Zivilisation. Nach Morgans Theorie müssen alle Völker diese Entwicklung durchlaufen.
Daneben vertrat Morgan die Idee, dass zu Beginn der Menschheitsentwicklung alle Völker matriarchal gewesen seien und die Entwicklung zum Patriarchat gleichzusetzen sei mit dem Erreichen der Zivilisation. Seiner Theorie nach ging die matriarchale Kulturstufe einher mit kollektivem Eigentum. Als sich Privateigentum mehr und mehr herausbildete, entstanden parallel dazu patriarchale Gesellschaftsstrukturen. Friedrich Engels übernahm diese Theorie von Morgan und verfeinerte sie.
Morgans Hauptwerk, Ancient Society, stammt aus dem Jahr 1864 und begründet seinen kulturellen Evolutionismus, wie er auch von Herbert Spencer, Edward B. Tylor und Friedrich Engels vertreten wurde. Die Theorie basiert auf einem Vergleich zwischen Gesellschaften verschiedener Entwicklungsstufen. Dabei unterscheidet Morgan insbesondere zwischen einer auf persönlichen Beziehungen beruhenden "Societas" und einer auf Besitz und Region beruhenden "Civitas", womit er die theoriegeschichtliche Vorlage für Ferdinand Tönnies' Unterscheidung von Gemeinschaft und Gesellschaft lieferte.
Aus heutiger Sicht und nach heutigem Forschungsstand ist diese lineare Betrachtungsweise ungenügend, um die Entwicklung der Kulturen zu erklären. Sie gilt als ethnozentristisch und beinhaltet eine Wertung, die die westliche, zivilisierte Welt an die Spitze der Entwicklung stellt und gleichzeitig andere Kulturen als unterentwickelt und primitiv einstuft.
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