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Der Lettrismus (frz. Lettrisme, zu frz. Lettre, Buchstabe) ist eine 1945 von Isidore Isou (* 1925) in Paris gegründete literarische und künstlerische Bewegung, die in konsequenter Weiterführung und Systematisierung unter anderem dadaistischer und surrealistischer Tendenzen die Atomisierung von Wörtern zu Buchstaben und deren Neuzusammensetzung zu sinnfreien Lautgebilden anstrebte.

Isidore Isou, 21-jähriger rumänischer Künstler, gab 1946 die Gründung der Lettristischen Bewegung bekannt. Die neue Bewegung mit ca. 20 Mitgliedern verkündete 1948 im Quartier Latin auf Plakaten optimistisch: 120.000 Jugendliche werden die Straße erobern, um die Lettristische Revolution zu machen. Ziel war eine Revolutionierung der althergebrachten Ästhetik. Die Sprache sahen die Lettristen als in ihrer Kreativität erschöpft an, künstlerische Produktion sollte sich in Zukunft auf ein reineres und tiefgründigeres Element des Poesiemachens verlegen: den Buchstaben. Es sollten statt Bildern Zeichen benutzt werden, Isou nannte seine Theorie Hypergraphologie.

Lettristen waren dafür bekannt, ihre Kleidung mit Buchstaben und Slogans zu versehen.

Es kam zu einer Spaltung der Gruppe über die Frage, ob weiter Kunst und Ästhetik das Feld der Arbeit sein sollten oder dadaistische Antikunst und Sabotage das gebotene Mittel seien, um direkt auf die Wirklichkeit Einfluss zu nehmen, daraufhin gründete die Sabotage-Fraktion die Lettristische Internationale.

Aus dem Kreis der Lettristen sind auch Guy Debord (der sich jedoch später von ihnen distanziert hat) und andere Protagonisten des Situationismus hervorgegangen.

Richard Grasshoff definiert Lettrismus in seiner Dissertation als eine "Produktionsstrategie, die in ihrem Kern mystische, ludische und dekompositorische Charakterzüge vereint" und unterscheidet demnach die Varianten Mystischer Lettrismus, Ludistischer Lettrismus und Dekompositorischer Lettrismus; er vertritt die These, dass sich das enge Verständnis des Lettrismus als "Nonsens-Poesie" oder rein avantgardistische Produktionsstrategie nicht aufrecht erhalten lasse.

Der Lettrismus weist Parallelen zur konkreten Poesie auf und wurde auch von der Literaturwissenschaft adaptiert.

Zu den wichtigen Werken des frühen Lettristischen Films zählen Le film est déjà commencé? von Maurice Lemaître (1951), Traité de bave et d’éternité von Isidore Isou (1951) und L'Anticoncept von Gil J. Wolman (1952). Isou hat die Grundlagen der lettristischen Kinoästhetik in seiner Esthétique du cinéma (1953) beschrieben.

Zitate


  • ...und ich fand meine Leute.. Da waren Alkoholiker, sehr junge Alkoholiker, wie wir alle es waren. Sie kamen nachmittags zusammen und dann gab es Musik, Lärm, Gespräche die ganze Nacht...

  • Jeder ist ein Kind vieler Väter. Es gibt den Vater, den wir hassten, den Surrealismus und es gab den Vater, den wir liebten: DADA.

(Michèle Bernstein)

  • Wir sind diejenigen, die in die sozialen Kämpfe den einzig wahren Zorn hineintragen werden. Man macht die Revolution nicht, indem man 25216 Francs im Monat fordert. Sofort muß man sein Leben gewinnen, sein vollständig irdisches Leben, in dem alles machbar ist:

Siehe auch


ASCII, ASCII-Art, Konkrete Poesie, Scat, Oulipo (Ouvroir de Littérature Potentielle)

Weblinks


Stilepoche Moderne | Literaturepoche | Künstlergruppe | Avantgarde

Lletrisme | Lettrism | Literismo | Lettrisme | לטריזם | Harfçilik

 

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