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Leopold Schefer (* 30. Juli 1784 in Muskau in der Oberlausitz, † 13. Februar 1862 ebendort), Sohn eines Muskauer Landarztes und einer Pfarrerstochter aus Klitten, war ein deutscher Dichter und Komponist.

Leben


Leopold Schefer ging 1799-1804 auf das Gymnasium in Bautzen. In dieser Zeit begann er bereits zu schreiben und zu komponieren. Er lebte dann wieder in Muskau, zuletzt als „General-Inspector“ der Standesherrschaft bis 1815/16. In diese Zeit fällt seine 1814er Englandfahrt mit Hermann von Pückler-Muskau. Danach ging er zum Musikstudium bei Salieri nach Wien, von wo aus er seine ausgreifenden Reisen im östlichen Mittelmeer antrat: nach Italien, Malta, Griechenland (insgesamt viermal), Ägypten, Palästina, Syrien, Anatolien und Konstantinopel). Er kehrte im Dezember 1919 nach Muskau zurück, heiratete dort, baute sich ein Haus nach eigenen Entwürfen und wurde Vater eines Sohnes und vierer Töchter. Danach reiste er – trotz vieler Pläne – nur noch sehr wenig (Weimar, Berlin) und lebte zunächst sehr erfolgreich von seiner Feder (als Komponist war er echolos). Sein pantheistischer Standpunkt bewirkte, dass die geistliche Schulaufsicht trotz seiner Popularität seine Aufnahme in die Schullesebücher unterband – eine Haupterklärung, dass er lange fast spurlos vergessen worden ist. Nach der von ihm begrüßten Revolution im „Kraftjahr 1848“ verlor er nach deren Niederschlagung langsam sein Publikum und starb 1862 in Muskau. Sein Grabstein aus Lausitzer Syenit steht auf dem Friedhof, in Sichtweite seines Hauses.

Der Schriftsteller

Schefer war als Schriftsteller in den 1830er und 1840er Jahren ein berühmter Autor. Im Zuge der Begeisterung, die der griechische Aufstand gegen das Osmanische Reich in Mitteleuropa auslöste, wurde er 1823 durch seine Griechennovelle „Palmerio“ rasch bekannt. Seine durch Landes- und Menschenkenntnis und bildhafte Erinnerungen authentischen Novellen und Romane fanden sich in vielen Taschenbüchern und Almanachen. Als seine besondere Stärke galten bald seine Schilderungen von Naturkatastrophen.

Schefers Laienbrevier von 1834 (eine Sammlung von Lehrgedichten für jeden Kalendertag) erlebte bis 1898 21 Auflagen. Nach dem Scheitern der Revolution von 1848, deren literarische Vorkämpfer ihn als kundigen, spannenden, sozialkritischen und vorurteilslosen Autor geschätzt hatten, geriet er trotz eines Wiederbelebungsversuches von Theodor Storm ab 1900 allmählich in Vergessenheit. In neuerer Zeit hatte sein Werk noch Einfluss auf den Charonkreis (Karl Röttger) und vermutlich auf Jakob Wassermann und Franz Werfel. Erst ab 1961, als Arno Schmidt Schefer in seinem Belphegor rühmte („ein guter Meister zweiten Ranges“), kam er wieder zu einem gewissen Ansehen.

Schefer hinterließ ein umfangreiches Werk, wobei die ungedruckten Werke (vor allem Gedichte, Tagebücher, Lieder, eine unvollendete Oper) sein gedrucktes Oeuvre (Romane, Novellen, Lyrik – insgesamt 12 Bände „Ausgewählte Werke“, 1845-46) deutlich an Umfang übertreffen.

Der Komponist

Als Komponist, zumal von Liedern, blieb Schefer erfolglos, obwohl er nach heutigem Urteil als originell und bedeutend eingeschätzt wird und der Komponist von Ernst-Jürgen Dreyer höher als der Schriftsteller gestellt wird.

Schefers Wirken in Muskau

Schefer war ein Jugendfreund des Gartenkünstlers und Schriftstellers Fürst Hermann von Pückler-Muskau, der seine ersten englischen Park-Studien mit ihm gemeinsam machte. Er verwaltete dessen Standesherrschaft Muskau während und in der Folgezeit des napoleonischen Russlandfeldzuges 1812, eine Schreckenszeit mit Truppendurchmärschen, Plünderungen und einer mörderischen Flecktyphusepidemie. Er kehrte nach seinem Weltgang „am Abend meiner Jugend“ 1819 nach Muskau zurück und lebte von seinen Tantièmen und (bis 1845) einer Pücklerschen Pension. 1848 betrieb er die Kandidatur Heinrich Laubes zum Paulskirchenparlament. Unverdrossen bis zu einer Erkrankung 1861 weiterschreibend starb er im Februar 1862.

Sein originell-durchdachtes. selbst erbautes Haus, wohl das einzige erhaltene eines deutschen Dichters des 19. Jahrhunderts, steht noch in Bad Muskau, in bedenklich ‚renoviertem‘ Zustand, jedoch restaurierbar.

Sein Nachlass liegt in der Oberlausitzischen Bibliothek des Wissenschaften in Görlitz, Musikalien jedoch auch in Weimar.

Werkauswahl


  • Palmerio, 1823 (Novelle über eine Bigamie in Griechenland)
  • Die Deportirten, 1824 (Novelle über eine australische Sträflingskolonie)
  • Die Osternacht, 1826 (Novelle über ein Neiße-Hochwasser)
  • Der Waldbrand, 1827 (Novelle mit dem Schauplatz Kanada)
  • Künstlerehe, 1828 (Ehenovelle über Albrecht Dürer)
  • Die Gräfin Ulfeld, 1834 (2 Bde., Roman über die lebenslange Einkerkerung der Frau eines dänischen Adelsrebellen gegen die Krone)
  • Laienbrevier, 1834/35 (Gedichtzyklus, pantheistisches Brevier zu jedem Tag im Jahr – Schefers Bestseller)
  • Das große deutsche Musikfest, 1837 (Novelle über ein erfundenes Riesenfestival des 19. Jahrhunderts, die die Bedeutung der Musikkultur im Vormärz treffend wiedergibt)
  • Der Gekreuzigte oder Nichts Altes unter der Sonne, 1839 (Novelle über den Genozid an einer Sekte im Osmanischen Reich)
  • Göttliche Komödie in Rom, 1841 (Novelle über den Prozess und die Hinrichtung Giordano Brunos)
  • Achtzehn Töchter. Eine Frauen-Novelle, 1847
  • Hafis in Hellas, 1853 (Liebesgedichte; anonym: Von einem Hadschi – durch ihren seelenkundigen und realistischen Freimut auffallend)
  • Homer’s Apotheose, 1858 (hexametrisches Epos über Homer)

  • Ausgewählte Lieder und Gesänge zum Pianoforte, mit einem Vorwort hgg. von Ernst-Jürgen Dreyer, München (G. Henle) 2004

Literatur


  • Bettina Clausen, Lars Clausen: Zu allem fähig. Versuch einer Sozio-Biographie zum Verständnis des Dichters Leopold Schefer. Bangert & Metzler, Frankfurt/M. 1985, ISBN 3-924147-09-4
  • Bettina Clausen: Leopold Schefer Bibliographie. Bangert & Metzler, Frankfurt/M. 1985, ISBN 3-924147-10-8
  • Bernd-Ingo Friedrich: Leopold Schefer. Dichter, Komponist, 1784-1862. Neisse Verlag, Görlitz 2005, ISBN 3-934038-45-X

Siehe auch


Weblinks


Deutscher Komponist | Komponist (Romantik) | Autor | Literatur (19. Jh.) | Literatur (Deutsch) | Biedermeier (Literatur) | Lyrik | Geboren 1784 | Gestorben 1862

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