Leopold Engleitner (* 23. Juli 1905 in Aigen-Voglhub, Österreich) war ein österreichisches NS-Opfer.
Am 4. April 1939 wurde er in Bad Ischl von der Gestapo verhaftet und in Linz und Wels in Untersuchungshaft genommen. Vom 9. Oktober 1939 bis zum 15. Juli 1943 wurde er in den Konzentrationslagern Buchenwald, Niederhagen und Ravensbrück inhaftiert. Im KZ Niederhagen lehnte es Leopold Engleitner ab, den „Revers“ (Erklärung) zu unterschreiben und damit seinem Glauben abzuschwören, obwohl ihm dies die Entlassung aus dem Konzentrationslager ermöglicht hätte. Trotz brutalster Behandlung in den Konzentrationslagern blieb sein Wille – für gerechte Grundsätze einzutreten und den Kriegsdienst abzulehnen – ungebrochen. Im Juli 1943 wurde er aus dem Konzentrationslager Ravensbrück unter der Bedingung entlassen, dass er sich zur lebenslangen Zwangsarbeit in der Landwirtschaft verpflichtete.
Nach seiner Rückkehr in die Heimat arbeitete er auf einem Bauernhof in St. Wolfgang. Drei Wochen vor Kriegsende, am 17. April 1945, erhielt Engleitner allerdings noch den Einberufungsbefehl in die Deutsche Wehrmacht zugestellt. Er leistete der Einberufung nicht Folge und entschloss sich zu einer abenteuerlichen Flucht in das Gebirge des Salzkammerguts. Dort versteckte er sich in der Meisterebenalmhütte und in einer Höhle. Wochenlang wurde er von den Nazis wie ein Tier gejagt aber nicht gefunden.
Am 5. Mai 1945 konnte Leopold Engleitner von seiner Flucht nach Hause zurückkehren und arbeitete zunächst weiter als Knecht auf dem Bauernhof in St. Wolfgang. Als er 1946 nicht mehr in der Landwirtschaft arbeiten wollte, wurde ihm dies vom Arbeitsamt Bad Ischl mit der Begründung, dass seine „Zwangsverpflichtung“ aus der NS-Zeit immer noch gültig wäre, verweigert. Erst Interventionen von Seiten der amerikanischen Besatzungsmacht führten dazu, dass er im April 1946 von der Zwangsverpflichtung entbunden wurde.
Die Jahre nach dem Krieg waren für Engleitner von Ausgrenzung und Unverständnis geprägt. Erst nachdem der Autor und Filmproduzent Bernhard Rammerstorfer sein Leben 1999 in dem Buch und Dokumentarfilm „Nein statt ja und Amen“ dokumentierte wurde die Öffentlichkeit auf ihn aufmerksam. In der Zwischenzeit hielten Engleitner und Rammerstorfer Vorträge an Universitäten, Schulen und Gedenkstätten in Deutschland, Italien, Österreich, Schweiz und USA.
Im Jahr 2004 wurde das Buch und der Film in der englischen Fassung „Unbroken Will“ in Amerika publiziert und von Engleitner und Rammerstorfer bei einer Präsentationstour im United States Holocaust Memorial Museum in Washington, in der Columbia University in New York und im Simon Wiesenthal Center in Los Angeles präsentiert. Dadurch wurde er international zum Symbol für Mut, Toleranz und Grundsatztreue. 2006 unternahmen Engleitner und Rammerstorfer eine zweite Vortragstour durch die Vereinigten Staaten wo sie Vorträge in Washington, DC, (Georgetown University and Library of Congress), New York (Columbia University) Chicago (Harold Washington College), Skokie (Holocaust Memorial Foundation of Illinois), Palo Alto, San Franciso Bay (Stanford University) und Los Angeles (Los Angeles Museum of the Holocaust) hielten. Mittlerweile ist Engleitner der älteste Überlebende der KZ Buchenwald und Niederhagen.
2005 veröffentlichte Rammerstorfer die völlig neu konzipierte Biografie und DVD „Nein statt Ja und Amen – 100 Jahre ungebrochner Wille“. Das Buch enthält auch eine Kurzbiografie des deutschen Kriegsdienstverweigerers Joachim Eschers. Escher war von 1937 –1945 in diversen Gefängnissen und den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Niederhagen und Buchenwald inhaftiert. Im KZ Buchenwald musste er die als Geiseln festgehaltenen früheren französischen Regierungsmitglieder Georges Mandel und Léon Blum bedienen.
Österreichs Bundespräsident Dr. Heinz Fischer bezeichnet in seinem Vorwort das Buch als „Markstein in der Berichterstattung über die Schrecken des Nationalsozialismus“. Weitere Vorwörter wurden vom Gründer des Österreichischen Gedenkdienstes Dr. Andreas Maislinger „Franz Jägerstätter und Leopold Engleitner“ und von Univ.-Prof. Dr. Walter Manoschek, Universität Wien, „Was Engagement zu bewirken vermag“ verfasst.
Bernhard Rammerstorfer, Leopold Engleitner: Nein statt Ja und Amen - 100 Jahre ungebrochener Wille. 2. erweiterte und überarbeitete Auflage, Herzogsdorf 2005. ISBN 3-200-00218-2
Kriegsdienstverweigerer | Zeuge Jehovas | Mann | Geboren 1905 | Österreicher | NS-Opfer
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