Brezhnev 1.jpeg Leonid Iljitsch Breschnew (russisch Леонид Ильич Брежнев , wiss. Transliteration Leonid Il'ič Brežnev; ukrainisch Леонід Ілліч Брежнєв/Leonid Illitsch Breschnjew; * 19. Dezember 1906 in Kamenskoje (heute Dniprodserschynsk/Ukraine); † 10. November 1982 in Moskau) war von 1964 bis 1982 Parteichef der KPdSU und damit "erster Mann" der Sowjetunion. Er war vierfacher Held der Sowjetunion.
Am 22. Juni 1941 begann der deutsche Angriff auf die Sowjetunion. Wie die meisten Politoffiziere wurde Breschnew unverzüglich in die Armee berufen. Sein Auftrag war die Evakuierung der örtlichen Verteidigungsindustrie von Dnipropetrowsk in den Osten. Die Stadt fiel am 26. August 1941 in deutsche Hände. Dies brachte ihm erneut die Zuteilung als Politkommissar. Im Oktober wurde er schließlich Brigade-Kommissar und stellvertretender Leiter der politischen Verwaltung der südlichen Front.
Im Jahr 1942 ging der Rest der Ukraine an die Deutschen verloren. Breschnew wurde daraufhin an die transkaukasische Front in den Kaukasus verlegt. Im April 1943 wurde er schließlich mit der Leitung der politischen Abteilung der 18. Roten Armee beauftragt. Dort lernte er auch Nikita Sergejewitsch Chruschtschow kennen, der nun zu einem wichtigen Schirmherr Breschnews wurde. Als sich der Krieg zu Gunsten der Sowjetunion wendete, stieß die 18. Armee als Teil der 1. Ukrainischen Front über die Ukraine weiter nach Westen vor. Gegen Ende des Kriegs war Breschnew politischer Chefkommissar der 4. Ukrainischen Front. Mit dieser nahm er am 9. Mai 1945 an der Einnahme von Prag teil.
Im August 1946 wurde Breschnew mit dem Rang eines Generalmajors aus dem Militärdienst entlassen. Den größten Teil des Krieges erlebte er als Kommissar, nur teilweise war er in der Rolle eines Offiziers. Nach zahlreichen Arbeiten an Wiederaufbauprojekten in der Ukraine wurde er Generalsekretär von Dnipropetrowsk. Dort war er bereits vor dem Krieg als Parteisekretär der wichtigen lokalen Verteidigungsindustrie eingesetzt.
Im Jahr 1950 wurde Breschnew Stellvertreter beim Obersten Sowjet, dem höchsten Staatsorgan der UdSSR. Noch im selben Jahr gab man ihm den Posten des Generalsekretärs der Moldawischen Sowjetrepublik (heute Moldawien) - eines Gebietes, welches vor dem Zweiten Weltkrieg Teil von Rumänien war und mit Breschnews Hilfe in die Union eingegliedert werden sollte.
1952 ernannte man Breschnew zum Mitglied des Zentralkomitees, einem Gremium der kommunistischen Parteien. Er wurde als Kandidat ins Politbüro eingeführt.
Im August 1968 ließ Breschnew den Prager Frühling gewaltsam durch eine Invasion von Truppen des Warschauer Pakts beenden und etablierte die so genannte "Breschnew-Doktrin". Mit dieser wurde von der Vormacht UdSSR die begrenzte Souveränität ihrer Satellitenstaaten in Osteuropa festgeschrieben. Andererseits blieb nach 1970 die sowjetische Unterstützung für die sozialistisch-kommunistische Unidad-Popular-Regierung in Chile weitgehend rhetorisch, obwohl Salvador Allende gegen den drohenden Militär-Putsch um Wirtschafts- und Militärhilfe bat.
Carter Brezhnev sign SALT II.jpg bei der Unterzeichnung des SALT-II-Vertrags 1979]] Leonid Breschnew galt als Apparatschik ohne hervorstechende Eigenschaften und personifizierte zum einen die Verkrustung und Erstarrung, der das Sowjetsystem zu seiner Zeit anheim gefallen war. Zum anderen waren die Jahre unter Breschnew auch der einzige Zeitabschnitt, in der die Sowjetunion innerlich etwas zur Ruhe kam. Zwischen Revolution, Stalinismus, Entstalinisierung und später Perestroika waren die Jahre unter Breschnew die einzigen der gesamten Geschichte der UdSSR, in denen diese keine internen Verwerfungen erfuhr. Unter ihm sollte das Durchschnittsalter der Mitglieder des Politbüros über 70 Lebensjahre erreichen. Michail Gorbatschow bezeichnete die Breschnew-Ära später als "Zeit der Stagnation", vom russischen Historiker Wiktor Kozlow später leicht spöttisch zum "Goldenen Zeitalter der Stagnation" umgewandelt. Außenpolitisch profitierte Breschnew ab Anfang der 1970er Jahre von einer durch den verlorenen Vietnam-Krieg hervorgerufenen temporären Schwäche der USA, die der Sowjetunion eine kurze Atempause im Rüstungswettlauf verschaffte. Dieser kurzen Phase der Entspannung - sie dauerte nur von ca. 1972 bis 1979 - setzte Breschnew mit der Invasion Afghanistans im Dezember 1979 selbst ein Ende. Dieses Unternehmen entwickelte sich zu einem Debakel vergleichbar dem des Vietnam-Kriegs für die USA. In der Folge scheiterte der SALT-II-Vertrag vor dem US-Senat und es kam zum Boykott der Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau durch die USA und 64 weitere Nationen, darunter auch die Bundesrepublik Deutschland.
In seinen letzten Jahren erlitt Breschnew mehrere Schlaganfälle und Herzinfarkte, die seine intellektuelle Aufnahmefähigkeit stark herabsetzten. Er wurde als Generalsekretär aber immer wiedergewählt, unter anderem weil seine Parteigänger ihre Posten behalten wollten und jede Veränderung fürchteten. Die Agonie des Sowjetsystems war schon zu Breschnews Zeit unübersehbar und führte dann wenige Jahre später zu dessen Untergang.
Bereits zu seiner Zeit gab es russische Kriminalromane, die sich mit dem Thema Korruption im Staat beschäftigten.
Ein brisantes Untersuchungsergebnis wurde am 2. März 2006 von einem Ausschuss des italienischen Parlaments veröffentlicht. Demnach soll Leonid Breschnew im Jahr 1981 in seiner Funktion als sowjetischer Staats- und Parteichef das Attentat auf Papst Johannes Paul II. in Auftrag gegeben haben.
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