Leo Spies (* 4. Juni 1899 in Moskau; † 1. Mai 1965 in Ahrenshoop) war ein deutscher Komponist und Dirigent.
Spies entstammte einer musikalischen Familie. Seine Schwester Ira war Sängerin und Pianistin, sein Bruder Walter ein später auf Bali tätiger Maler und Musiker und seine Schwester Daisy eine Balletttänzerin. Spies verbrachte seine Kindheit in Moskau, wo sich seine Eltern niedergelassen hatten. Bald schon erhielt er Klavier- und Violinunterricht. Bedingt durch den ersten Weltkrieg musste die Familie 1915 Moskau verlassen und zog nach Dresden, wo Spies ersten Kompositionsunterricht erhielt. In den Jahren 1916/17 studierte er in Berlin-Charlottenburg bei Engelbert Humperdinck und Robert Kahn. Danach wurde er für einige Zeit zum Wehrdienst einberufen und zog dann wieder nach Dresden. Er fasste den Beschluss, Kapellmeister zu werden und erhielt zunächst einige kleinere Engagements. Von 1924 bis 1928 dirigierte er am Rostocker Stadttheater, bevor er Ballettkapellmeister an der Oper Unter den Linden wurde. Diese Position behielt er bis 1935. Um 1928 knüpfte er Kontakt zu Hanns Eisler und fand Anschluss an die Arbeiterbewegung. So dirigierte er auch einige Arbeiterchöre. Ab 1935 leitete Spies das Ballett der Deutschen Oper Berlin-Charlottenburg, bis die Oper 1944 geschlossen wurde. Hier arbeitete er auch mit seiner Schwester Daisy zusammen. Bis zum Kriegsende musste er in den Siemenswerken arbeiten. Danach dirigierte er vorübergehend wieder an der Deutschen Oper, bevor er 1947 Dirigent an der Komischen Oper Berlin (Ost) wurde. Bis 1954 behielt er diesen Posten, danach war er freischaffend tätig. Von 1953 bis zu seinem Tode war Spies Leiter der Abteilung Musik an der Deutschen Akademie der Künste (Berlin). Dort hatte er eine eigene Kompositionsklasse (ab 1959 als Professor), aus der Komponisten wie Gerhard Rosenfeld und Georg Katzer hervorgingen. In der DDR war Spies sehr angesehen und erhielt u.a. den Goethepreis der Stadt Berlin (1954) sowie den Nationalpreis (1957).
Spies war ein sehr konservativer Komponist, der nie leugnete, dass seine Wurzeln in der Musik des 19. Jahrhunderts zu finden waren. Seine Musik ist uneingeschränkt tonal und meist sehr melodiös, wobei sich die Melodik nicht selten am deutschen Volkslied orientiert. Einflüsse von Komponisten wie Johannes Brahms oder Max Bruch sind feststellbar, doch verwendete Spies eine etwas rauere Harmonik. Beim Komponieren hatte er nach eigenen Angaben stets die Zuhörer im Auge, was die relativ leichte Fasslichkeit seiner Musik erklärt. Spies war ein kategorischer Gegner moderner kompositionstechnische Entwicklungen, die die Tonalität in Frage stellten. Gemäß seiner längeren Tätigkeit als Ballettkapellmeister findet sich nicht nur viel Ballettmusik in seinem Schaffen, sondern auch eine tänzerische Grundhaltung in vielen seiner Werke. Spies interessierte sich für politische Sujets, besonders in seiner Vokalmusik. Im Dritten Reich verzichtete er indes auf politische Aussagen und fand Zuflucht in volkstümlich-harmlosen oder literarischen Sujets. Spies erlebte seine erfolgreichste Zeit in der DDR, wo er zu den wichtigsten und einflussreichsten Komponisten gehörte.
Deutscher Komponist | Komponist (Moderne) | Dirigent | Kultur (DDR) | Mann | Geboren 1899 | Gestorben 1965
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