Leo Navratil (* 3. Juli 1921 in Türnitz) ist ein österreichischer Psychiater. Er hat sich vor allem um die Erforschung und Förderung der sog. "zustandsgebundenen Kunst", also der Kunst von Insassen psychiatrischer Anstalten, verdient gemacht, welche häufig ungenau als Art Brut bezeichnet wird.
Immer mehr kristallisierte sich bei Navratils Arbeit (ausschließlich mit männlichen Patienten) eine kleine Gruppe ausdrucksstarker Insassen heraus, deren Produktion erstmals 1970 in der Galerie nächst St. Stephan in Wien ausgestellt wurde. Ende der 60er und in den 70er Jahre war Gugging eine Art Wallfahrtsort für die Wiener (und andere europäische) Künstler. Nach der Überwindung juristischer Hürden (Arztgeheimnis usw.) gelang es, die Künstler aus der Anonymität bzw. Pseudonymität heraustreten zu lassen, so dass einige von ihnen, darunter die Maler Johann Hauser, Oswald Tschirtner und August Walla sowie der Dichter Ernst Herbeck heute als anerkannte Künstler in der offiziellen Kunstwelt gelten.
Das Haus der Künstler, von Navratil 1981 auf dem Gelände des Gugginger Krankenhauses unter dem Namen Zentrum für Kunst- und Psychotherapie gegründet, wurde unter Navratils Nachfolger, in seinen jetzigen Namen umbenannt, 1997 um eine kommerzielle Galerie erweitert und 2001 schließlich in eine Privatstiftung umgewandelt.
1990 wurde er in Würdigung seines schriftstellerischen und ärztlichen Lebenswerkes mit dem Justinus-Kerner-Preis ausgezeichnet.
Mann | Österreicher | Psychiater | Geboren 1921 | Art Brut
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