Lenzburg ist eine Kleinstadt und politische Gemeinde im Zentrum des Schweizer Kantons Aargau. Der Hauptort des gleichnamigen Bezirks liegt im Seetal am Aabach, rund drei Kilometer südlich der Aare.
Lenzburg ist mit seinen Nachbargemeinden Niederlenz und Staufen zu einer zusammenhängenden Agglomeration zusammengewachsen; die Grenzen zwischen den einst getrennten Orten sind kaum mehr erkennbar.
Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 1133 Hektaren, davon sind 566 Hektaren bewaldet und 305 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 560 Metern auf dem Gipfel des "Bergs" an der südlichen Gemeindegrenze, die tiefste Stelle liegt auf 390 Metern am Aabach.
Nachbargemeinden sind Rupperswil im Nordwesten, Niederlenz und Möriken-Wildegg im Norden, Othmarsingen im Nordosten, Hendschiken im Osten, Ammerswil im Südosten, Egliswil Süden, Seon im Südwesten sowie Staufen im Westen.
Lenzburg_schloss.jpg]] Das Schloss Lenzburg wurde 1036 erstmals als Stammsitz der Grafen von Lenzburg erwähnt, die zu jener Zeit bedeutende Lehnsherren im schweizerischen Mittelland waren. Ulrich IV. starb 1173 ohne Nachkommen; das Schloss vererbte er Kaiser Barbarossa. Dieser vergab es als Lehen an die Kyburger, die das Schloss später käuflich erwarben. Um 1230 entstand zwischen dem (wenig später aufgegebenen) Dorf Oberlenz am Aabach und dem Schlossberg eine befestigte Marktsiedlung. Nachdem die Kyburger ebenfalls ausgestorben waren, übernahmen die Habsburger im Jahr 1264 das Schloss und die Siedlung. Am 20. August 1306 erhielt Lenzburg von Herzog Friedrich I. von Österreich das Stadtrecht. Beim Einfall der Gugler Ende des Jahres 1375 wurde die Stadt geschleift und danach wieder aufgebaut.
Im April 1415 eroberten die Berner den westlichen Teil des Aargaus. Lenzburg wurde zwar eine Untertanenstadt im so genannten Berner Aargau, durfte aber seine bisherigen Freiheiten weitgehend behalten. Die Stadtbehörden bestanden aus zwei sich abwechselnden Schultheissen, dem Kleinen und dem Grossen Rat. Bern kaufte 1433 das Schloss; von 1444 bis 1798 residierte hier der Landvogt des Oberamts Lenzburg. Bei einem Stadtbrand blieben 1491 nur gerade 15 Häuser unversehrt; die Stadt wurde mit Hilfe der Berner wieder aufgebaut. 1528 wurde in Lenzburg die Reformation eingeführt. Bis 1565 war die Stadt ein Teil der Pfarrei Staufen. Im 16. Jahrhundert wandelte sich Lenzburg allmählich von einer Bauern- zu einer Handwerkssiedlung. 1744 wurden die Zollrechte der Stadt an Bern abgetreten; als Gegenleistung durften die Stadtbewohner nun auch ausserhalb der Befestigungsanlagen Häuser errichten. Dies begünstigte das Wachstum der Baumwollindustrie. 1732 entstand die erste Fabrik.
lenzburg metzgplatz.jpg Im März 1798 eroberten die Franzosen die Schweiz, riefen die Helvetische Republik aus und entmachteten die "Gnädigen Herren" von Bern. Lenzburg gehört seither zum Kanton Aargau und wurde 1803 Bezirkshauptort. Ein Jahr später erwarb der Kanton das Schloss, war aber unschlüssig, wie es genutzt werden sollte. Wie manche andere Kantone wollte man dieses Symbol der alten Herrschaft nicht zu Regierungszwecken nutzen und vermietete es daher unter anderem als Erziehungsanstalt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Lenzburg zu einem überregionalen Baumwollverlags- und Speditionszentrum. Viele Heimarbeiter im ganzen Kantonsgebiet arbeiteten für die Lenzburger "Baumwollherren". Am 23. Juni 1874 erhielt Lenzburg mit der Aargauischen Südbahn Anschluss ans Eisenbahnnetz. Am 6. September 1877 folgte die Strecke Winterthur - Zofingen der Nationalbahn. Der Konkurs dieser Gesellschaft im darauf folgenden Jahr brachte Lenzburg an den Rand des wirtschaftlichen Ruins, da die Stadt sich finanziell stark engagiert hatte. Der Abbau der Schulden belastete über ein halbes Jahrhundert lang die städtischen Finanzen.
Nichtsdestotrotz erholte sich Lenzburg rasch von diesem Rückschlag und entwickelte sich zu einem industriellen Zentrum. Am 15. Oktober 1883 eröffnete die englische Gesellschaft "Lake Valley Railway" eine Bahnlinie durch das Seetal bis nach Luzern (die heutige Seetalbahn); die Teilstrecke von Lenzburg nach Wildegg folgte am 1. Oktober 1895. Zwischen 1900 und 1970 verdreifachte sich die Bevölkerungszahl; seither ist sie jedoch stabil, weil sich das Wachstum zunehmend auf die Nachbargemeinden verlagert hat. Die Bahnstrecke nach Wildegg wird seit dem 2. Juni 1984 nicht mehr befahren und dem Zerfall überlassen.
Nachdem das Schloss vom Kanton jahrzehntelang vermietet worden war, wurde es 1860 verkauft. Es hatte mehrere Besitzer, darunter den Vater des Dichters Frank Wedekind und den Polarforscher Lincoln Ellsworth. Im Jahr 1956 ging das Schloss endgültig in den Besitz des Kantons über, der hier unter anderem das Historische Museum einrichtete.
Die aus dem 15. Jahrhundert stammende Stadtkirche wurde 1667 zu einer Saalkirche ausgebaut und besitzt eine Rokoko-Stuckdecke aus dem Jahre 1760. Das Rathaus entstand in zwei Etappen anstelle des mittelalterlichen Vorgängers (1677 bzw. 1692) und erhielt in der Gebäudemitte einen Uhrenturm. Die Stadtbibliothek (das ehemalige Armen- und Altenspital) entstand 1638 durch die Vereinigung mehrerer Häuser und wurde 1792 in einem Übergangsstil zwischen Barock und Klassizismus umgebaut. Das ehemalige Amtshaus ist ein 1845 erbauter spätklassizistischer Bau mit zwei dorischen Säulen. Der älteste erhaltene Brunnen ist der Chlausbrunnen aus dem Jahr 1572, der auf dem Metzgplatz steht.
An der Südwestflanke des Schlossbergs stehen die so genannten Burghaldenhäuser. Die Alte Burghalde ist ein 1628 im spätgotischen Stil erbautes, dreigeschossiges Wohnhaus mit einem Fachwerkanbau sowie der ehemaligen Trotte. Heute beherbergt es das Museum Burghalde. Daneben steht die Neue Burghalde (1794), ein streng symmetrischer frühklassizistischer Bau mit grosszügiger Freitreppe und reich geschmiedetem Flügeltor.
Als 1964 der Autobahnzubringer gebaut wurde, entdeckte man ein gut erhaltenes römisches Theater aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. Zwar wusste man schon längere Zeit von der Existenz einer Siedlung, doch dieser Fund erwies sich als kleinere Sensation. Das Theater hatte über 4000 Sitzplätze und war der kulturelle Mittelpunkt der weiteren Umgebung.
Auf dem höchsten Punkt des Stadtgebiets steht der 48 Meter hohe Esterliturm. Der hölzerne Vorgängerbau aus dem Jahr 1905 wurde 1974 durch eine Betonkonstruktion ersetzt. Eine Treppe mit 253 Stufen führt hinauf zur Aussichtsplattform; die Aussicht reicht bis zum Schwarzwald und den Zentralschweizer Alpen.
| Bevölkerungsentwicklung | |
|---|---|
| Jahr | Einwohner |
| 1900 | 2588 |
| 1930 | 4131 |
| 1950 | 4949 |
| 1960 | 6378 |
| 1970 | 7594 |
| 1980 | 7585 |
| 1990 | 7530 |
| 2000 | 7568 |
Bei den beiden letzten Wahlen erreichten die Parteien folgende Sitzzahlen:
| Partei | 2001 | 2005 |
|---|---|---|
| FDP | 11 | 10 |
| SVP | 11 | 10 |
| SP | 10 | 9 |
| CVP | 4 | 4 |
| EVP | 4 | 4 |
| Grüne | - | 3 |
Auch auf Gemeindeebene finden sich verschiedene Elemente der direkten Demokratie. So stehen der Bevölkerung fakultative und obligatorische Referenden sowie das Initiativrecht zu.
Die fünf Stadträte der Amtsperiode 2006-2009 sind:
Die Stadt besitzt einen Schnellzugshalt an der Haupteisenbahnlinie Bern - Zürich. Weitere Bahnlinien führen nach Brugg, Luzern (Seetalbahn), Zofingen und Zug. Die Verbindung nach Wettingen wurde am 12. Dezember 2004 eingestellt; als Kompensation fährt die Linie S3 der Zürcher S-Bahn durch den Heitersbergtunnel bis nach Aarau.
Buslinien der Gesellschaft Regionalbus Lenzburg führen nach Bettwil, Brunegg, Dintikon, Möriken-Wildegg, Schafisheim und Teufenthal. Innerhalb Lenzburgs verkehrt eine Stadtbuslinie.
Das Museum Burghalde im Gebäude "Alte Burghalde" zeigt die städtische Geschichte mit Ausgrabungsgegenständen aus der Jungsteinzeit, der Römerzeit und dem frühen Mittelalter sowie weiteren Zeugnissen der Stadtgeschichte; eine Besonderheit ist die Sammlung von 65 russischen Ikonen.
Weitere kulturelle Institutionen sind das "Netzwerk Müllerhaus", das Art Atelier Aquatinta (Galerie), die Galerie Randolph und das Bildhaueratelier.
Einmal pro Monat findet im Restaurant Hirschen jeweils das "caffé literaire" statt, ein jeweils gut besuchter Anlass mit renommierten Lesenden wie z.B. Peter Bieri. Der Jugend wird das Tomasini zur verfügung gestellt, ein Jugendhaus mit Konzerten und Festen.
Ort in der Schweiz | Ort im Kanton Aargau | Schweizer Gemeinde
Lenzburg | Lenzburg | Lenzburg | Lenzburg | Lenzburg (kommun, CH-AG)
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