Lemberg (ukrainisch Львів, transkribiert Lwiw, translit. L'viv, polnisch Lwów, russisch Львов/Lwow, weißrussisch Львоў/Lvoŭ, jiddisch Lemberig, Lemberyk oder Lemberek) ist eine Stadt in der westlichen Ukraine (Galizien, Oblast Lwiw). Sie liegt am Fluss Poltwa, etwa 80 km von der Grenze zu Polen entfernt. Es ist die wichtigste Stadt der ukrainischsprachigen Westukraine. Manche Westukrainer, die sich gegenüber der weitgehend russischsprachigen Bevölkerung in der Ostukraine als die eigentlichen Ukrainer sehen, bezeichnen es sogar als die „heimliche Hauptstadt der Ukraine“. Der Stadtverwaltung unterstehen neben der Stadt Lemberg noch die Stadt Wynnyky (ukrainisch Винники) und die beiden Siedlungen städtischen Typs Brjuchowytschi (ukrainisch Брюховичі) und Rudne (ukrainisch Рудне). Die Altstadt befindet sich auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes .
Lemberg ist seit sehr langer Zeit vom Zusammenleben mehrerer Völker geprägt. Bis ins 20. Jahrhundert gab es neben der polnischen Bevölkerungsmehrheit einen großen Anteil an jüdischer, ukrainischer, deutscher und sogar armenischer Bevölkerung, heute leben in der Stadt neben (fast ausschließlich) Ukrainern auch Russen, Weißrussen und Polen.
Die 1661 von Johann II. Kasimir gegründete Universität Lemberg ist die älteste in der heutigen Ukraine.
Nach dem 1. Weltkrieg fiel Lemberg nach teilweise heftigen Kämpfen zwischen Polen und Ukrainern wieder an Polen zurück. Die Stadt wurde am 21./22. November 1918 von polnischen Truppen besetzt. Bei einem Pogrom, das vom 22. bis zum 24. November andauerte, töteten polnische Soldaten sowie Milizionäre und Zivilisten zwischen 800 und 1100 Juden. Den Juden wurde ihre bis dahin neutrale Haltung im Konflikt zwischen Polen und Ukrainer vorgeworfen. Das Massaker endete, nachdem Vertreter der jüdischen Gemeinschaft zugesichert hatten, künftig zu Polen zu halten. Der Gewaltakt erschütterte das bis dahin recht harmonische Zusammenleben der verschiedenen Volksgruppen und Religionen in Lemberg nachhaltig.
Die Stadt hatte damals 361.000 Einwohner, die meisten davon Polen, ein Drittel Juden, außerdem Deutsche und Armenier. In den Zwischenkriegsjahren blieb Lemberg sowohl eine Hochburg polnischer Kultur als auch ein Brennpunkt ukrainischen Nationalgefühls. In den Jahren 1939 bis 1941 wurde es nach dem Überfall der Sowjetunion auf Polen in die Sowjetukraine eingegliedert, 1941 wurde es durch Hitlers Überfall auf die Sowjetunion Teil des deutschen Generalgouvernements. Ein großer Teil der jüdischen Bevölkerung wurde vernichtet, u.a. im städtischen KZ Janowska. Die Stadt kam 1945 schließlich wieder unter sowjetische Herrschaft. Die meisten hier und in der Umgebung ansässigen Polen wurden vertrieben, ein Teil der Bevölkerung wurde in Niederschlesien nach der Vertreibung der dort lebenden Deutschen angesiedelt. Seit 1991 ist es Teil der unabhängigen Ukraine, doch gehen immer wieder autonomistische Bestrebungen von der Region Galizien aus, nicht zuletzt, weil man sich an Lemberg als Hauptstadt eines eigenen Königreiches erinnert.
Die größte ukrainische Buchmesse, das Lemberger Buchforum, findet jährlich in Lemberg statt.
Siehe auch: Liste der Erzbischöfe von Lemberg, Liste der Großerzbischöfe von Lemberg
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