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Lemberg
 

Lemberg (ukrainisch Львів, transkribiert Lwiw, translit. L'viv, polnisch Lwów, russisch Львов/Lwow, weißrussisch Львоў/Lvoŭ, jiddisch Lemberig, Lemberyk oder Lemberek) ist eine Stadt in der westlichen Ukraine (Galizien, Oblast Lwiw). Sie liegt am Fluss Poltwa, etwa 80 km von der Grenze zu Polen entfernt. Es ist die wichtigste Stadt der ukrainischsprachigen Westukraine. Manche Westukrainer, die sich gegenüber der weitgehend russischsprachigen Bevölkerung in der Ostukraine als die eigentlichen Ukrainer sehen, bezeichnen es sogar als die „heimliche Hauptstadt der Ukraine“. Der Stadtverwaltung unterstehen neben der Stadt Lemberg noch die Stadt Wynnyky (ukrainisch Винники) und die beiden Siedlungen städtischen Typs Brjuchowytschi (ukrainisch Брюховичі) und Rudne (ukrainisch Рудне). Die Altstadt befindet sich auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes .

Lemberg ist seit sehr langer Zeit vom Zusammenleben mehrerer Völker geprägt. Bis ins 20. Jahrhundert gab es neben der polnischen Bevölkerungsmehrheit einen großen Anteil an jüdischer, ukrainischer, deutscher und sogar armenischer Bevölkerung, heute leben in der Stadt neben (fast ausschließlich) Ukrainern auch Russen, Weißrussen und Polen.

Geschichte


Blick auf Lemberg.jpg | Lviv-Ukraine-Station.jpg Lemberg teilt weitgehend die Geschichte der Ukraine bzw. Galiziens/Polens 1250 errichtete der altrussische Fürst Danilo Romanovič an der Stelle des heutigen Lemberg eine Burg für seinen Sohn Lew. Von diesem Lew (russisch Löwe) hat die Stadt ihren Namen. Auch im Wappen und in zahlreichen Steinskulpturen der Stadt taucht der Löwe immer wieder auf. Nach der Zerstörung des Kiewer Reiches durch die Mongolen fielen seine westlichen Gebiete, darunter Lemberg, 1340/1349 an Polen. 1356 erhielt die Stadt vom polnischen König Kasimir dem Großen die Stadtrechte, 1387, nach einem kurzen ungarischen Intermezzo, kam sie wieder an Polen. Von 1569 bis 1772 war Lemberg Hauptstadt der polnischen Woiwodschaft Ruthenia, einer administrativen Einheit des Polnisch-Litauischen Gemeinwesens (Adelsrepublik). In der frühen Neuzeit entwickelte sich der Ort bald zu einem wichtigen Handelsplatz, sowie neben Krakau, Posen und Warschau zu einem Zentrum polnischen Kultur- und Geisteslebens im ukrainisch-sprachigen Umland. 1772 fiel die Stadt mit der polnischen Teilung an das Habsburgerreich. Lemberg wurde so Hauptstadt des Königreichs Galizien und Lodomerien und viertgrößte Stadt im Habsburgerreich.

Die 1661 von Johann II. Kasimir gegründete Universität Lemberg ist die älteste in der heutigen Ukraine.

Nach dem 1. Weltkrieg fiel Lemberg nach teilweise heftigen Kämpfen zwischen Polen und Ukrainern wieder an Polen zurück. Die Stadt wurde am 21./22. November 1918 von polnischen Truppen besetzt. Bei einem Pogrom, das vom 22. bis zum 24. November andauerte, töteten polnische Soldaten sowie Milizionäre und Zivilisten zwischen 800 und 1100 Juden. Den Juden wurde ihre bis dahin neutrale Haltung im Konflikt zwischen Polen und Ukrainer vorgeworfen. Das Massaker endete, nachdem Vertreter der jüdischen Gemeinschaft zugesichert hatten, künftig zu Polen zu halten. Der Gewaltakt erschütterte das bis dahin recht harmonische Zusammenleben der verschiedenen Volksgruppen und Religionen in Lemberg nachhaltig.

Die Stadt hatte damals 361.000 Einwohner, die meisten davon Polen, ein Drittel Juden, außerdem Deutsche und Armenier. In den Zwischenkriegsjahren blieb Lemberg sowohl eine Hochburg polnischer Kultur als auch ein Brennpunkt ukrainischen Nationalgefühls. In den Jahren 1939 bis 1941 wurde es nach dem Überfall der Sowjetunion auf Polen in die Sowjetukraine eingegliedert, 1941 wurde es durch Hitlers Überfall auf die Sowjetunion Teil des deutschen Generalgouvernements. Ein großer Teil der jüdischen Bevölkerung wurde vernichtet, u.a. im städtischen KZ Janowska. Die Stadt kam 1945 schließlich wieder unter sowjetische Herrschaft. Die meisten hier und in der Umgebung ansässigen Polen wurden vertrieben, ein Teil der Bevölkerung wurde in Niederschlesien nach der Vertreibung der dort lebenden Deutschen angesiedelt. Seit 1991 ist es Teil der unabhängigen Ukraine, doch gehen immer wieder autonomistische Bestrebungen von der Region Galizien aus, nicht zuletzt, weil man sich an Lemberg als Hauptstadt eines eigenen Königreiches erinnert.

Sehenswürdigkeiten

  • lateinische Kathedrale Mariae Himmelfahrt
  • ehem. Stavropihija-Kirche Entschlafung Mariens (Paolo Romano, 16. Jh.)
  • armenische Kathedrale Entschlafung Mariens (14. Jh.)
  • ehem. Dominikanerkirche Corpus Christi (Jan de Witte, 18. Jh.)
  • ehem. Bernhardinerkirche St. Andreas
  • Lychakivski-Friedhof
  • griech.-kath. St.-Georgs-Kathedrale (Bernard Meretyn, 1744-1776)
  • Bürgerhäuser am Rinokplatz/pl. Rynok (16.-18. Jh.)
  • Rathaus (19. Jh.)
  • Ukrainisches Nationalmuseum Lemberg (große Ikonensammlung)
  • Hoher Schloßberg/Visokyj Zamok, Ruinen der Burg König Daniels

Wirtschaft


Verkehr

Für den ÖPNV der Stadt stehen die Lemberger Straßenbahn und Obusse zur Verfügung, sowie die privatwirtschaftlich betriebenen Marschrutki (Sammeltaxis).

Kultur


Die größte ukrainische Buchmesse, das Lemberger Buchforum, findet jährlich in Lemberg statt.

Städtepartnerschaften

Lwiw-Old Town.JPG

Lwów03 teatr.jpg

Persönlichkeiten


A
Irene Abendroth
Władysław Anders
Stefan Askenase

B

Stefan Banach
Siegfried Bernfeld
Tadeusz Bór-Komorowski
Wojciech Bogusławski
Stefan Bryła
Martin Buber

D

Ljubko Deresch
Franz Doppler
Karl Doppler

F

Walenty Falten
Ludwik Fleck
Aleksander Ford
Lucja Frey

G

Kazimierz Górski

H

Adam Hanuszkiewicz
Ljubomyr Husar
Daniel Hrzak

I
Wassyl Iwantschuk

J

Grigori Alexejewitsch Jawlinski
Marian Jaworski

K

Wojciech Kilar
Maria Konopnicka
Jacek Kuroń

L

Stanisław Jerzy Lec
Stanisław Lem
Stanislaus I. Leszczynski
Alfred James Lotka
Ignacy Łukasiewicz
Jan Łukasiewicz
Arnold Luschin
Ruslana Lyschytschko

M

Alexandra Marinina
Ludwig von Mises
Franz Xaver Wolfgang Mozart

M forts.
Richard von Mises
Ignacy Mościcki

O

Janusz Onyszkiewicz
Szymon Okolski

P

Wojciech Pszoniak

R

Alfred Redl
Oleg Romanischin
Jakob Rosenfeld
Moriz Rosenthal

S

Leopold von Sacher-Masoch
Michał Socha

U

Stanisław Ulam

W

Friedrich Weinreb
Andrei Wolokitin
Alfred Wurzbach

Z

Hedda Zinner
Andrzej Zulawski

Siehe auch: Liste der Erzbischöfe von Lemberg, Liste der Großerzbischöfe von Lemberg

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Wappen


Das Wappentier der Stadt ist ein lächelnder Löwe. In der Stadt gibt es über 5.000 solcher Löwendarstellungen.

Weblinks


Ort in der Ukraine | Oblast Lemberg | Weltkulturerbe in der Ukraine

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