Die Leistungsbilanz ist Teil der Zahlungsbilanz eines Staates. Sie umfasst die
In der Leistungsbilanz werden also internationale Güterströme ebenso verbucht wie Übertragungen zwischen In- und Ausland. Der Saldo der Leistungsbilanz stellt eine wichtige ökonomische Größe dar.
In der Dienstleistungsbilanz werden alle Ex- und Importe von Dienstleistungen erfasst. Ein Dienstleistungsimport liegt vor, wenn Inländer vom Ausland angebotene Dienstleistungen in Anspruch nehmen (Beispiel: Ein Haarschnitt eines Deutschen in Holland wäre somit aus deutscher Sicht ein Dienstleistungsimport. Umgekehrt wären Beratungen eines ausländischen Unternehmens durch Deutsche aus deutscher Sicht ein Dienstleistungsexport).
Dienstleistungstransaktionen sind statistisch schwer zu erfassen, da diese nicht vollständig den Zoll- und Meldebestimmungen unterliegen, so dass teilweise nur auf Schätzungen zurückgegriffen werden kann. Der Dienstleistungsimport wird auf der Sollseite gebucht, weil er zu Ausgaben führt, der Dienstleistungsexport auf der Habenseite.
Der Saldo der Handelsbilanz addiert mit der Dienstleistungsbilanz bildet den Außenbeitrag (zum Bruttoinlandsprodukt).
Die Deutsche Bundesbank zählt dann noch zur Leistungsbilanz als weitere Teilbilanzen die schon erwähnte Größe Ergänzungen zum Warenhandel und den Saldo der Erwerbs- und Vermögenseinkommen (Primäreinkommen). Einkommen, die nach Deutschland fließen, werden auf der Haben-Seite verbucht.
Außerdem gehört noch als Teilbilanz der Saldo der laufenden Übertragungen dazu, wobei nach Deutschland fließende Übertragungen auf der Haben-Seite verbucht werden. Zu den laufenden Übertragungen, die ins Ausland fließen, gehören zum Beispiel Mitgliedsbeiträge für internationale Organisationen.
Insgesamt addieren sich diese Posten der Leistungsbilanz 2004 zu einem Leistungsbilanzsaldo von +84,5 Mrd. Euro. Dieser Einnahmenüberschuss kann sozusagen zur Finanzierung von anderen Zahlungsabflüssen dienen, die in anderen Teilbilanzen der Zahlungsbilanz erfasst werden. Bei den Vermögensübertragungen flossen Deutschland aber per Saldo 0,4 Mrd. Euro zu. Der Saldo der statistisch nicht aufgliederbaren Posten betrug +26,2 Mrd. Euro. Die Währungsreserven der Bundesbank zu Transaktionswerten verminderten sich um 1,5 Mrd. Euro, das geht aber mit +1,5 Mrd. Euro in die Zahlungsbilanz ein, da der Verkauf von Währungsreserven zu einer Einnahme aus dem Ausland führt. Diese drei Positionen erhöhten also noch einmal zusätzlich zum Leistungsbilanzüberschuss den Überschuss an Zahlungseingängen aus dem Ausland auf insgesamt +112,6 Mrd. Euro. Damit wurde an Zahlungsabgängen per Saldo -112,6 Mrd. Euro der Kapitalbilanz finanziert (Kapital wurde per Saldo im Ausland in der einen oder anderen Form angelegt). Insgesamt gleicht sich so die Zahlungsbilanz zu null aus. Für einen derartigen Abfluss von Kapital gibt es zwei Möglichkeiten. Einerseits könnte man annehmen, dass Deutschland ein schlechter Unternehmensstandortist und es sich somit nicht lohnt hier weiter zu investieren. Es kann aber auch sein, das es einfach nur andere Standorte (Emerging markets) gibt, wo man eine höhere Rendite auf das eingesetzte Kapital erhalten kann. Zwar handelt es sich hierbei vorerst um abfließendes Kapital. Die damit verbundenen Zinszahlungen können dazu verwendet werden um den zukünftigen heimischen Konsum zu finanzieren. Das kann sich z.B. auch dadurch ausdrücken, dass diese ausländischen Kapitaleinkünfte dafür verwendet werden, um die Lebensarbeitzeit zu verkürzen oder den Konsum im Alter zu finanzieren.
| Y | = | Bruttoinlandsprodukt |
| C | = | Konsum |
| I | = | Investitionen |
| Ex | = | Exporte |
| Im | = | Importe |
| AU | = | Außenbeitrag |
Der Außenbeitrag entspricht nicht dem Leistungsbilanzsaldo. Der Saldo der Leistungsbilanz ergibt sich aus dem Außenbeitrag plus dem Saldo der Bilanz laufender Übertragungen.
zu 1: Güter und Dienstleistungen, die im Laufe einer Wirtschaftsperiode bereitgestellt wurden
zu 2: gibt an, wohin die bereitgestellten Güter und Dienstleistungen gingen
Übersteigen die Exporte die Importe, so spricht man von einem positiven Außenbeitrag. Im umgekehrten Fall spricht man von einem negativen Außenbeitrag. Sind die Exporte gleich den Importen, dann handelt es sich um einen ausgeglichenen Außenbeitrag. Ein ausgeglichener Außenbeitrag ist eine gebräuchliche Definition des außenwirtschaftlichen Gleichgewichts im Rahmen des Magischen Vierecks.
Die Arbeitsmarktwirkungen eines positiven Außenbeitrags sind günstig: Da mehr Güter im Inland hergestellt werden als bei Vorliegen eines ausgeglichenen Außenbeitrags, ist auch ein größerer Einsatz von Arbeitskräften wahrscheinlich.
Umgekehrt kann ein negativer Außenbeitrag aber auch positiv als Zufluss ausländischen Kapitals gedeutet werden, welches u. U. zu rentablen Investitionen eingesetzt wird.
Ein Leistungsbilanzdefizit bzw. ein Verbrauchsüberhang besteht ebenfalls, wenn im Inland der Gesamtverbrauch (Absorption) größer als die eigene Wertschöpfung (Bruttoinlandsprodukt) ist. Dies kann beispielsweise durch öffentliche Transfers oder Kapitalimporte der Fall sein.
Ein extremes Beispiel mit einem sehr hohen Leistungsbilanzdefizit sind die neuen Bundesländer:
2002 betrug der Gesamtverbrauch 366 Milliarden Euro, das Bruttoinlandsprodukt jedoch nur 253 Milliarden Euro. Es liegt somit ein Leistungsbilanzdefizit bzw. ein Vebrauchsüberhang von 45% vor. So ein hohes Leistungsbilanzdefizit ist in der Wirtschaftsgeschichte vorher noch nie vorkommen.
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