Leinöl ist ein Pflanzenöl, das aus Leinsamen, den reifen Samen von Flachs (Linum usitatissimum L.), gewonnen wird. Als Rohleinöl (rohes Leinöl) bezeichnet man Leinöl, dem keine anderen Öle oder sonstigen Stoffe zugesetzt sind.
Vor allem in der Lausitz wird Leinöl als würzige Soße für Quark und Kartoffeln verwendet. Im Weberort Haslach an der Mühl im Mühlviertel (Österreich) gilt das Leinöl seit jeher als Spezialität in der Küche. Das Leinöl wird dort auch in einer alten Mühle hergestellt.
Eine andere Form der Leinölgewinnung ist die Pressung durch eine Schneckenpresse. Hierbei wird der Leinsamen im schonenden Kaltpressverfahren mit Hilfe einer Schneckenwalze bei geringem Druck durch den Presszylinder gedrückt. Verschiedene Düsen am Ende des Auslaufs wie auch eine Veränderung der Pressgeschwindigkeit haben Einfluss auf den Ölertrag. Bei der Kaltpressung werden Öltemperaturen von maximal 40 °C erreicht.
Aufgrund des hohen Gehalts an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren (ca. 17 bis 23,5% Ölsäure, 13,8 bis 17,5% Linolsäure und 50 bis 60% Linolensäuren) trocknen Leinöle gut auf und sind für die Zwecke der Malerei hervorragend geeignet. Die Trocknung ist ein oxidativer Polymerisationsprozess, der sich in Abhängigkeit von Sauerstoff, Licht, Temperatur und Zuschlagstoffen mit katalytischen Eigenschaften (Sikkative) über Jahre bis Jahrzehnte hinziehen kann. Dabei lagert sich an die Doppelbindung der ungesättigten Säuren Luftsauerstoff an und es kommt im Weiteren zu einem komplexen Ablauf chemischer Reaktionen, der die Vernetzung der einzelnen Moleküle zur Folge hat. Das polymere Endprodukt heißt Linoxyn und ist vielen auch als wesentlicher Bestandteil des Linoleums bekannt.
Über den chemischen Prozess hinaus ist für den (Öl-)Maler noch von Bedeutung, dass das Volumen von Ölfarbe durch die Oxydation (Aufnahme von Sauerstoff) zunimmt, in Gegensatz zu trocknender Acryl-Farbe, die von Volumen her beim Trocknen abnimmt. Das macht sich insofern bemerkbar, als bindemittelreiche Farbschichten darüber liegende bindemittelarme Farbschichten sprengen können. Es kommt dann zu typischer Rissbildung. Man kann sie daran erkennen, dass nur jeweils die obere Farbschicht gerissen und die darunterliegene unversehrt zu sehen ist. Das sind so genannte „Schwundrisse“ im Gegensatz zu „Altersrissen“, die bis zum Malgrund (Holzplatten oder Leinwand) durchgehen. Oft ist auch bei allzu hohem Bindemittelanteil ein „speckig“ werden zu beobachten. Gemeint ist, dass sich die Malschicht auf Grund ihrer Ausdehnung in Falten aufwirft, also Runzeln bildet. Dies ist zumeist in den dunkleren Partien von Bildern zu beobachten, da die gebräuchlichen dunklen Farbpigmente (braune Erden, Ruß oder Kohle) eine relativ geringe Teilchengröße aufweisen und dadurch einen höheren Bindemittelbedarf haben. Der Bindemittelbedarf eines Pigments wird durch die Ölzahl ausgedrückt. Die Ölzahl ist eine genormte Kennziffer, die beschreibt, wieviel Gramm Lackleinöl benötigt werden, um 100 g eines Pigments zu einer zusammenhaltenden, kittartigen Substanz anzuteigen.
Leinöl dringt ins Holz ein und polimerisiert im Innern des Holzes zu einer unlöslichen Verbindung. Dazu sättigt man das Holz durch naß-in-naß-Auftrag und läßt das Öl aushärten. Besonders tief dringt reines, kalt gepresstes, rohes (also nicht gekochtes) Leinöl. Gekochtes Leinöl eignet sich am besten fü den Schlussanstrich und zur Farbenherstellung, da es schneller trocknet und stärker glänzt.
Um den Trockenvorgang (d.h. die Polimerisation) zu beschleunigen, wird Leinöl unter Luftabschluss verkocht. Dadurch entsteht eine anpolimerisierte Form des Öls, das sog. Hartöl. Werden diesem zusätzlich Trocknungstoffe beigesetzt, erhält man Leinölfirnis.
Durch den Zusatz von Bleioxid (Pb3O4) entsteht Bleimennige (fälschlich oft: Bleinmenninge), ein klassisches (aber giftiges) Holzkonservierungsmittel, das schon von den Phöniziern um 700 v.Chr. zur Konservierung von Schiffen sowohl innen wie außen angewendet wurde. Dabei wirkt das Blei giftig und bewuchshemmend in der Außenschicht und als Fungizid im Innenbereich. Heute wird eher Eisenoxid beigegeben, was die ungiftige Eisenmennige ergibt.
Diese Behandlung hat vier Ziele. Erstens wird die Konsistenz dadurch zähflüssiger, zweitens wird das Leinöl dabei gebleicht (also heller), drittens die Trockenzeit verkürzt und viertens die Volumenzunahme beim Trocknen verringert, was die Gefahr der Runzel- und Rissbildung vermindert. Verwendung findet das sonneneingedickte Leinöl in erster Linie im Geigenbau und in der Malerei, besonders der flämischen Barock-Malerei. Beim Geigenbau wird das Leinöl so stark eingedickt, dass die Masse zur Homogenisierung durch einen Fleischwolf gedreht werden muss.
Vorsichtsmaßnahmen: Mit Leinöl getränkte Lappen in einem luftdichten Schraubglas in einem Safe verwahren und äußerste Vorsicht! Besser sofort nach Gebrauch kontrolliert verbrennen. Pinsel mit Leinölseife auswaschen.
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