Die Leichtstahlwagen waren eine Wagengattung der Schweizerische Bundesbahnen AG (SBB). Die 29 bis 30 Tonnen schweren vierachsigen Leichtstahlwagen prägten das Bild der SBB von den 1930er- bis in die 1990er-Jahre. Es wurden gut 1000 Leichtstahlwagen gebaut.
Sie sahen sich dazu gezwungen da die Stahlwagen schwerer Bauart zu lange Anfahr- und Bremszeiten hatten und die Kurvengeschwindigkeit zu langsam waren und aufkommende Autobusse nur noch schlecht konkurrenzieren konnten. Die Schwierigkeit dabei war, dass schwere Wagen komfortabel waren und auf Grund ihres Gewichtes ruhige Laufeigenschaften hatten, was bei der Leichtbauweise fraglich war.
1935 wurde der Wagenkasten des ersten Prototypes fertiggestellt. Beim ersten Einsatz des Vorserientypes ab Fahrplanwechsel 1937 zeigte sich, dass alle Forderungen erfüllt bzw. sogar übertroffen wurden.
Die Leichtstahlwagen hatten bei Auslieferung eine Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h. Auf den 1. Januar 1969 wurde diese auf 140 km/h erhöht. Leichtstahlwagen mit offenen Plattformen für Nebenbahnen dagegen hatten eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h.
In ihrer Blütezeit in den 1940er und 1950er-Jahren zogen sie die Städteschnellzüge Genf-St. Gallen. Die Leichtstahlwagen waren sehr beliebt bei den Passagieren.
Zuerst wurden diese Schnellzüge von den Ae 3/6I gezogen, deren Höchstgeschwindigkeit für diesen Zweck auf 110 km/h erhöht wurde. Die in den 1940er-Jahren für diesen Zweck bestellten Re 4/4I mit einer Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h wurden so gestaltet, dass sie mit den Leichtstahlwagen harmonisierten. Für Pendelzüge gab man den Leichtstahlwagen den Triebwagen BDe 4/4 mitsamt passendem Steuerwagen.
Mit dem Aufkommen der Einheitswagen I Ende der 1950er-Jahre wurden die Leichtstahlwagen in niederere Leistungskategorien verdrängt, beherrschten aber das Bild der SBB bis in die 1990er-Jahre weiterhin. In den 1980er- und in den 1990er-Jahren gab es eine grosse Ausrangierungswelle. Die letzten nicht renovierten Leichtstahlwagen fuhren bis ca. 1998 fahrplanmässig.
Heute fahren bei einigen Privatbahnen, vor allem in der Lombardei weiterhin Leichtstahlwagen. Diese wurden jedoch renoviert und bekamen automatische Türen. Die letzten bei der Thurbo eingesetzten Leichtstahlwagen, welche auch automatische Türen, eine neue Lackierung und Inneneinrichtung bekamen, wurden ca. 2005/2006 aus Altersgründen abgestellt.
Die SBB Historic unterhält heute einen historischen Städteschnellzug mit dem C4ü-Prototypen und weiteren Leichtstahlwagen, welcher von der Re 4/4I 10001 gezogen wird.
Mit der Abschaffung der dritten Klasse auf den 3. Juni 1956 wurden die ehemaligen Drittklasswagen zu Zweitklasswagen und die Erst- wie auch Zweitklasswagen bzw. -Abteile, welche sich in der Inneneinrichtung kaum unterschieden, zu Erstklasswagen.
Zu den Leichtstahlwagen gehören auch Steuerwagen, Speisewagen, Gepäckwagen und Postwagen.
Bei einer Mehrheit der Leichtstahlwagen befinden sich die Eingangstüren zwischen dem Nichtraucherabteil, welches sich in der Wagenmitte befindet. Die Raucherabteile befanden sich jeweils am Rand der Wagenkasten. Bei anderen wiederum befinden sich die Eingangstüren genau in der Mitte.
Es gab auch Leichtstahlwagen mit offenen Plattformen. Diese wurden aus Kosten- und Gewichtsgründen für Nebenbahnen konstruiert. Sie wurden vorwiegend auf der Seetallinie eingesetzt. Mit dem Fahrplan 1982 wurden diese Wagen abgezogen und bis ca. 1984 nur noch als Verstärkungswagen eingesetzt. Der letzte Wagen vermutlich der ganzen SBB mit offener Plattform wurde 1990 ausrangiert.
Die ersten dritte-Klasse-Leichtstahlwagen (C4ü) erhielten ihre Polsterung erst bei der ersten Hauptrevision, bis dahin war die 3. Klasse wortwörtlich die "Holzklasse" gewesen. Sie hatten dann braune Kunstlederpolsterungen, spätere hatten diese schon ab Werk. Die rot/grünen Polsterungen für Raucher-/Nichtraucherabteile nach dem Vorbild des Einheitswagen II erhielten die Wagen erst bei ihrer zweiten Hauptrevision in den 1970er-Jahren.
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