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Die Leichtstahlwagen waren eine Wagengattung der Schweizerische Bundesbahnen AG (SBB). Die 29 bis 30 Tonnen schweren vierachsigen Leichtstahlwagen prägten das Bild der SBB von den 1930er- bis in die 1990er-Jahre. Es wurden gut 1000 Leichtstahlwagen gebaut.

Vorgeschichte


Der Auftrag einer Studie für eine neue Wagenserie mit Merkmal auf vermindertes Wagengewicht gegenüber den schweren Stahlwagen, welche 45 t wogen, einer höheren Kurvengeschwindigkeit von 5 km/h bei gleich bleibendem oder verbessertem Komfort gaben die SBB im Jahre 1932.

Sie sahen sich dazu gezwungen da die Stahlwagen schwerer Bauart zu lange Anfahr- und Bremszeiten hatten und die Kurvengeschwindigkeit zu langsam waren und aufkommende Autobusse nur noch schlecht konkurrenzieren konnten. Die Schwierigkeit dabei war, dass schwere Wagen komfortabel waren und auf Grund ihres Gewichtes ruhige Laufeigenschaften hatten, was bei der Leichtbauweise fraglich war.

1935 wurde der Wagenkasten des ersten Prototypes fertiggestellt. Beim ersten Einsatz des Vorserientypes ab Fahrplanwechsel 1937 zeigte sich, dass alle Forderungen erfüllt bzw. sogar übertroffen wurden.

Die Leichtstahlwagen hatten bei Auslieferung eine Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h. Auf den 1. Januar 1969 wurde diese auf 140 km/h erhöht. Leichtstahlwagen mit offenen Plattformen für Nebenbahnen dagegen hatten eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h.

Einsatz


Der erste Leichtstahlwagen, ein C4ü (Drittklasswagen), wurde 1937 ausgeliefert, die serienmässige Auslieferung erfolgte 1939. Die meisten dieser Wagen wurden Ende der 1940er- und Anfang der 1950er-Jahre gebaut. Die letzten wurden 1958 gebaut. Es waren Steuerwagen für die Strecke Genève-La Plaine.

In ihrer Blütezeit in den 1940er und 1950er-Jahren zogen sie die Städteschnellzüge Genf-St. Gallen. Die Leichtstahlwagen waren sehr beliebt bei den Passagieren.

Zuerst wurden diese Schnellzüge von den Ae 3/6I gezogen, deren Höchstgeschwindigkeit für diesen Zweck auf 110 km/h erhöht wurde. Die in den 1940er-Jahren für diesen Zweck bestellten Re 4/4I mit einer Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h wurden so gestaltet, dass sie mit den Leichtstahlwagen harmonisierten. Für Pendelzüge gab man den Leichtstahlwagen den Triebwagen BDe 4/4 mitsamt passendem Steuerwagen.

Mit dem Aufkommen der Einheitswagen I Ende der 1950er-Jahre wurden die Leichtstahlwagen in niederere Leistungskategorien verdrängt, beherrschten aber das Bild der SBB bis in die 1990er-Jahre weiterhin. In den 1980er- und in den 1990er-Jahren gab es eine grosse Ausrangierungswelle. Die letzten nicht renovierten Leichtstahlwagen fuhren bis ca. 1998 fahrplanmässig.

Heute fahren bei einigen Privatbahnen, vor allem in der Lombardei weiterhin Leichtstahlwagen. Diese wurden jedoch renoviert und bekamen automatische Türen. Die letzten bei der Thurbo eingesetzten Leichtstahlwagen, welche auch automatische Türen, eine neue Lackierung und Inneneinrichtung bekamen, wurden ca. 2005/2006 aus Altersgründen abgestellt.

Die SBB Historic unterhält heute einen historischen Städteschnellzug mit dem C4ü-Prototypen und weiteren Leichtstahlwagen, welcher von der Re 4/4I 10001 gezogen wird.

Varianten


Die Leichtstahlwagen gab es für die erste bis zur dritten Klasse. Die 1. Klasse war dabei nur kombiniert mit der 2. Klasse ausgeliefert (AB4ü). Es gab auch kombinierte 2.- und 3.-Klasswagen (BC4ü). Die Zweitklasswagen hatten die Bezeichnung B4ü, während die Drittklasswagen C4ü hiessen.

Mit der Abschaffung der dritten Klasse auf den 3. Juni 1956 wurden die ehemaligen Drittklasswagen zu Zweitklasswagen und die Erst- wie auch Zweitklasswagen bzw. -Abteile, welche sich in der Inneneinrichtung kaum unterschieden, zu Erstklasswagen.

Zu den Leichtstahlwagen gehören auch Steuerwagen, Speisewagen, Gepäckwagen und Postwagen.

Bei einer Mehrheit der Leichtstahlwagen befinden sich die Eingangstüren zwischen dem Nichtraucherabteil, welches sich in der Wagenmitte befindet. Die Raucherabteile befanden sich jeweils am Rand der Wagenkasten. Bei anderen wiederum befinden sich die Eingangstüren genau in der Mitte.

Es gab auch Leichtstahlwagen mit offenen Plattformen. Diese wurden aus Kosten- und Gewichtsgründen für Nebenbahnen konstruiert. Sie wurden vorwiegend auf der Seetallinie eingesetzt. Mit dem Fahrplan 1982 wurden diese Wagen abgezogen und bis ca. 1984 nur noch als Verstärkungswagen eingesetzt. Der letzte Wagen vermutlich der ganzen SBB mit offener Plattform wurde 1990 ausrangiert.

Die ersten dritte-Klasse-Leichtstahlwagen (C4ü) erhielten ihre Polsterung erst bei der ersten Hauptrevision, bis dahin war die 3. Klasse wortwörtlich die "Holzklasse" gewesen. Sie hatten dann braune Kunstlederpolsterungen, spätere hatten diese schon ab Werk. Die rot/grünen Polsterungen für Raucher-/Nichtraucherabteile nach dem Vorbild des Einheitswagen II erhielten die Wagen erst bei ihrer zweiten Hauptrevision in den 1970er-Jahren.

Trivia


  • Neben gewöhnlichen Glühbirnen für die Innenbeleuchtung (nicht Leuchtstoffröhren) hatten die Leichtstahlwagen älteren Jahrgangs auch dunkelblaue Leuchten. Diese wurden anlässlich des 2. Weltkrieges montiert, damit Züge von der Luft aus schwierig zu entdecken waren. Sie wurden nie entfernt, so dass man noch in den 1990er-Jahren diese "Kriegsausrüstung" bewundern konnte.

  • Auf Grund von Wagenknappheit mussten die für heutige Verhältnisse lauten und unbequemen Leichtstahlwagen bisweilen auch in den 1990er-Jahren Schnellzugsleistungen übernehmen. Als Gegenleistung durfte man manchmal auch mit einem 2-Klassbillet auch Erstklassabteile benützen, die im Gegensatz zur 2. Klasse (notabene der damaligen 3. Klasse) aussergewöhnlich bequem waren. In Ermangelung an modernen Speisewagen mussten die damals 50-jährigen Leichtstahlspeisewagen Mitte der 1990er-Jahre sogar in den Eurocity Zügen Zürich-München eingesetzt werden.

  • Zwei Wagen erhielten bei Auslieferung Pneureifen, nachdem die Rorschach-Heiden-Bergbahn in der Hoffnung, fortan auf Zahnräder verzichten zu können, schon solche zu Versuchszwecken hatten. Die pneubereiften Wagen hatten pro Drehgestell fünf Achsen und wurden im normalen Regional- und Schnellzugsverkehr eingesetzt. Diese bewährten sich jedoch nicht und bekamen normale Drehgestelle.

Literatur


  • Karl Emmenegger, Die Leichtstahlwagen der Schweizerischen Bundesbahnen (Normalspur), 1997, ISBN 3-7230-0236-6

Schienenverkehr (Schweiz) | Reisezugwagen

 

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