Ein Lehrbuch ist eine spezielle Form eines Sachbuches, das für den Unterrichtsgebrauch verwendet wird. Es enthält Lehrstoff und -materialien in didaktisch aufbereiteter Form. Das bedeutet meist eine vereinfachte Darstellung, die wissenschaftlich noch kontrovers diskutierte Fragen der herrschenden Lehrmeinung gemäß darstellt. Doch werden meist exemplarisch auch manche Kontroversen dargestellt. (Beispiel: Historikerstreit)
Die Lehrbücher an Schulen werden Schulbuch genannt.
Universitätsbibliotheken können die Lehrbücher für einführende Lehrveranstaltungen in besonderen Lehrbuchsammlungen vorhalten.
Der amerikanische Lehrbuchmarkt fixiert sich auf wenige Schlüsselstaten: Florida, Texas und Kalifornien. Sie gehören zu den 22 Staaten der USA, welche die Lehrmittel zentral einkaufen; doch wegen ihres Bevölkerungsreichtums verursachen diese drei Staaten mehr als ein Viertel des gesamten amerikanischen Lehrmittel-Jahresumsatzes, welcher sich auf rund 3.6 Milliarden $ beläuft. Verleger können in allen anderen 28 Staaten mit den Schulbehörden direkt für Käufe in Kontakt treten.
Wird ein Lehrbuch eines Verlegers von einem dieser drei Staaten genehmigt und auch gekauft, dann bedeutet dies automatisch hohe Auflagen und auch hohe Einnahmen; das Buch gilt dann quasi als amerikanisches Standard-Lehrmittel. Diese Dynamik hat dazu geführt, dass der Lehrbuchmarkt in den USA hart umkämpft wird und dass unter den Lehrbüchern eine gewisse Einfalt herrscht. Es gibt vier Lehrmittel-Riesen (Pearson, Vivendi International, Reed Elsevier und McGraw-Hill); die Entwicklung eines Lehrmittelpaketes - wie etwa "Basic Reading" für die ersten paar Schuljahre - kann bis zu 60 Millionen Dollar kosten.
Wegen dieser Konkurrenzsituation muss jeder Lehrbuchverlag seine Produkte an den Abnehmer anpassen. Wünscht der Staat, gewisse Themen aus dem Umfang des Lehrbuchs aus- oder einzuschließen, sind die Verlage gern bereit, die Qualität des Buches zu kompromittieren. Inhaltliche Mängel sind deshalb in US-Lehrbüchern nicht selten. Um all diese Mängel zu beseitigen, fordern Kritiker, dass jede Schule ihr Lehrmaterial selber auswählen könne und dass die Staaten wenigstens einzelne Lehrbücher anstelle von umfangreichen Paketen anfordern könnten. Dies gäbe auch kleinen Nischenspielern auf dem Lehrmittelmarkt eine Chance.
Der amerikanische Physik-Nobelpreisträger Richard Feynman hat in einem Kapitel seines bekannten Buches "Sie belieben zu scherzen, Mr. Feynman!" seine Erfahrungen, die er einmal als Mitglied einer Auswahlkommission für Naturkunde-Bücher gemacht hat, beschrieben. Er warf Verschiedenes vor - von abstrusen Inhalten ("Blaue Sterne haben eine Temperatur von x Grad C; Rote eine von y. Karl beobachtet drei blaue und einen roten Stern. Wie heiß sind alle zusammen?") bis hin zu offensichtlichen Überredungs- und Bestechungsversuchen seitens der Verlage. Dazu war von der Inkompetenz der Kommissionsmitglieder die Rede - ein Verlag sandte aus zeitlichen Gründen eine vorläufige Version eines Buches, die aus den Buchdeckeln sowie aus leeren Seiten bestand. Die Hälfte der Kommission gab zu diesem Buch eine durchaus wohlwollende Kritik ab; während Feynman sich die Zeit nahm, jedes der Bücher durchzulesen.
Die Verlage erklären aber, dass die Preise für die Lehrbücher den tatsächlichen Kosten entsprächen. Lehrbücher haben einen begrenzten Markt (Studenten, welche das Buch oftmals nur für eine einzige Vorlesung benötigen), und deren Herstellung wäre unprofitabel, wenn der Preis niedriger sein würde. Lehrbücher sind dazu oft dick, auf hochwertigem Papier und in Farben gedruckt - also Faktoren, welche den Preis hochtreiben.
Ein wichtiger zusätzlicher Faktor sind die Lizenzgebühren für urheberrechtlich geschütztes Material wie Fotografien, bereits publizierte Artikel und Kapitel sowie andere Werke, welche für umfassende und aktuelle Lehrbücher benötigt werden. Diese Kosten werden schnell mal übersehen, weil dies geistige und nicht materielle Werte sind. Weil sich diese Lizenzkosten nach der Auflagestärke richten, ist eine Veröffentlichung auf dem Internet - wo keinerlei Druckkosten anfallen - nicht machbar. Aus genau diesen Lizenzgründen gibt es Lehrbücher, welche spezifisch auf die USA zugeschnitten sind. Zum Beispiel gibt es das Standardwerk "Biology" (von Campbell/Reece), dessen "international version" nicht in den USA verkauft werden darf.
In den vergangenen Jahren kamen die Lehrbücher der High School unter wachsende Kritik. Autoren wie Howard Zinn ("A People's History of the United States") und James W. Loewen ("Lies my Teacher told me") behaupten, dass die Geschichtslehrbücher über die US-Geschichte mythische Unwahrheiten pflegen und dass auch durch Weglassungen ein sympathischeres Bild der amerikanischen Geschichte gezeichnet wird. Dies führe dazu, dass das Image des Landes, welches an der High School vermittelt wird, sich stark von jenem in den Universitäts-Geschichtsvorlesungen unterscheide. Die selektive Schilderung der Geschichte, sei es durch Lehrbücher oder andere Literatur, wurde schon in vielen Gesellschaften praktiziert - vom alten Rom bis zur Sowjetunion.
Dazu ist der Inhalt der High-School-Geschichtslehrbücher nicht einem wissenschaftlichen Review unterworfen. Ebenfalls ist das vorherige Verfassen eines High-School-Lehrbuchs nicht hilfreich, um als Geschichtsprofessor an einer Universität angestellt zu werden. Weil aus diesen Gründen eigentlich jede Person ein solches Lehrbuch herausgeben kann, liegt die Kontrolle über den Inhalt der Geschichtsbücher bei politischen Kräften und gewissen anderen ideologischen Gruppierungen.
Colleges sind eine Art Vorstufe der Universitäten und haben deshalb eine strengere Prüfung der Lehrbücher. Auch ist werden historische Tatsachen objektiver gelehrt.
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