Legende (v. lat.: legenda = zu lesen, vorzulesen) bezeichnet ursprünglich zum einen eine Geschichte zum Vorlesen, während die Sage eine ursprünglich mündliche Überlieferung bezeichnet.
Im Gegensatz zur Sage, die mündlich tradierte Geschichten von Göttern und Helden aus der Vorzeit überliefert, will die Legende einen tatsächliche Ereignisse erfassenden Bericht zur frommen Erbaung des Lesers schildern.
Ursprünglich bestanden Legenden aus den Lebensbeschreibungen der Heiligen. Man unterscheidet Märtyrerlegenden, die nach dem Tod eines Märtyrers zu wuchern begannen, sowie Heiligenviten, bei denen bereits zu Lebzeiten Stoff für eine künftige Legende gesammelt wurde. Letztere dienen unter Berücksichtigung der besonderen Spezifika der historischen Quellenforschung.
Kult-Legenden berichten über den Ursprung oder die Herkunft bestimmter religiöser Orte, Bräuche und Gegenstände.
Nach André Jolles wird die Legende als eine sog. einfache Form verstanden.
Ein Beispiel für den unterschiedlichen Wahrheitscharakter von Legenden sind die Legenden des 13. Jahrhunderts über Franz von Assisi. Dieser wurde 1228, zwei Jahre nach seinem Tod, heilig gesprochen. Dazu ließ der Papst vom Franziskaner Thomas von Celano eine erste offizielle Legende verfassen als Beschreibung des Lebens von Franziskus und der von ihm nach seinem Tod gewirkten Wunder. Viele Jahre später brachte Celano dann nochmals eine erweiterte und komplett überarbeitete Version heraus. Gegen die sich breit machende Vereinnahmung des Heiligen und Wundersucht wendete sich die Dreigefährtenlegende, die von einigen Brüdern der ersten Stunde in ihren späten Lebensjahren verfasst wurde. Sie versucht, Franziskus zu entkitschen, ihn zu zeigen, wie er wirklich war, und verzichtet demonstrativ auf die Schilderung von Wundern. Das pure Gegenteil sind dagegen die Fioretti, eine Sammlung volkstümlicher Erzählungen, in denen bis heute populäre, aber schwerlich historische Legenden wie die Geschichte vom Wolf von Gubbio verbreitet wurden.
Lateinische Legendensammlungen sind seit dem 7. Jahrhundert bekannt. Weite Verbreitung fand die bekannte Legenda aurea des Jacobus de Voragine (1263-1273), der die gewaltige Legendenstofffülle der Zeit sammelte und für kultische Zwecke verfügbar machte.
In Deutschland entstanden die ersten Legenden um 900 und gipfelten in mittelhochdeutschen Versepen. Die bekanntesten waren u. a. die des Hartmann von Aue, Konrad von Würzburg oder Rudolf von Ems.
Die Reformation leitete das Ende des Legendenkultus ein. Nachdem Luther die Legende als nützlich und fein zu lesendes Werk nach der Bibel zunächst billigte, griff er sie mit dem Wortspiel "die Lügende" scharf an.
Da die mittelalterlichen Heiligenlegenden oft unkritisch Wunder, Erscheinungen und andere übersinnliche Dinge beschrieben und oft auf sagenhafter Überlieferung beruhten, wurde der Begriff Legende im kritischen Sprachgebrauch der Neuzeit zu einem Synonym für einen historisch nicht oder schlecht belegten Bericht und meist abwertend gebraucht.
Nachdem Legenden in der Zeit der Aufklärung dem kritischen Interesse nicht standhielten, wurden sie in der Romantik wieder geachtet.
Zahlreiche Schriftsteller des 19. Jh. beginnend mit einem Plädoyer Herders schufen neue Legenden. Dazu zählten Goethe Legende vom Hufeisen, Kleist, Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik.
Im 20. Jahrhundert fand die Legende bis hin zur Parodie Antilegende eine neue Beachtung.
Moderne Legenden sind meist so genannte Urban legends. Eine kuriose Legende, die sich zuweilen bis heute hält, ist die Muehlenberg-Legende.
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