Lee_Hsien_Loong-2.jpgLee Hsien Loong (chin.: 李显龙/李顯龍, Pinyin: Lǐ Xiǎnlóng; geboren am 10. Februar 1952), ist der dritte Premierminister und Finanzminister der Republik Singapur. Er ist der älteste Sohn des Staatsgründers und ersten Premierministers Lee Kuan Yew und der Nachfolger von Premierminister Goh Chok Tong, der im Jahr 2003 angekündigt hatte, sich spätestens 2005 von seinem Amt zurück zu ziehen.
Als ältester Sohn Lee Kuan Yews musste sich Lee Hsien Loong wiederholt mit Vorwürfen des Nepotismus auseinandersetzen. Bevor er 1984 erstmals ins Parlament gewählt wurde, war Lee Hsien Loong ein Mann des Militärs; in der singapurischen Luftwaffe bekleidete er zuletzt den Rang eines Brigadegenerals. Heute sieht er sich nicht mehr als Soldat, sondern als Politiker. Dem Sohn des ersten Premierministers und heute noch sehr dominanten „Minister Mentors“ war der politische Werdegang vorgezeichnet. Schon die Ausbildung war zum Teil darauf ausgerichtet: 1979 studierte Lee Hsien Loong an der Kennedy School of Government an der Harvard University. Zuvor hatte er sein Studium der Mathematik und Informatik in Cambridge, Großbritannien, mit Bestnoten abgeschlossen.
Der politische Karriereweg von Lee Hsien Loong lief gradlinig auf das Amt des Premierministers zu. Im Jahr 1986 wurde er Mitglied des Exekutivkomitees der regierenden People’s Action Party (PAP). Derzeit ist er deren stellvertretender Generalsekretär. In den Achtzigerjahren amtierte er zeitweilig als Handels- und Industrieminister und als Zweiter Verteidigungsminister, Ende 1990 ernannte ihn Premierminister Goh zu einem seiner Stellvertreter. Seit 1998 ist Lee Hsien Loong zusätzlich Vorsitzender der Monetary Authority of Singapore (faktisch die Zentralbank des Stadtstaates). 2001 berief ihn Goh Chok Tong zum Finanzminister. Angesichts dieser Machtfülle konnte Lee Hsien Loong seitdem als drittmächtigster Mann im Staat angesehen werden.
Es geht das Gerücht um, dass er 2003 Finanzminister Richard Hu beleidigt und den ehemaligen Minister S. Dhanabalan geohrfeigt habe. Sein Vorgänger Goh Chok Tong ist nicht bereit, sich öffentlich zu den Vorfällen zu äußern.
Anders als sein Vater ist Lee Hsien Loong hochgewachsen und von vergleichsweise stämmiger Statur. Ähnlichkeiten in Gestik, Mimik und Artikulation sind jedoch unverkennbar. Auch Lee Hsien Loong ist hochintelligent und mit einem hellwachen Verstand ausgestattet. Im Gegensatz zum Vater werden dem Sohn Kinderfreundlichkeit und ein hohes Maß an Empathie nachgesagt. Dessen ungeachtet hatte Lee Hsien Loong anfangs ein Imageproblem zu bewältigen. Während sich sein Vorgänger Goh Chok Tong, der der singapurischen Gesellschaft mehr und mehr Freiheiten gewährt und sich so zu einem Sympathieträger entwickelt hatte, sehr volksnah gab, wirkte der Politiker Lee Hsien Loong oft abwesend und unbeteiligt. Sein kühles Auftreten in der Öffentlichkeit hatte ihm den Ruf eingetragen, autoritär und unnahbar zu sein. Goh Chok Tong selbst beschrieb ihn als humorlos, kompromisslos und hart. In Teilen der Bevölkerung bestand daher die Befürchtung, der neue Premierminister werde zu einem autoritären Führungsstil nach Art seines Vaters zurück kehren. Trotz seines getrübten Ansehens und trotz aller Vergleiche, die unweigerlich zu Lee Kuan Yew gezogen werden, überwog jedoch die Auffassung, dass Lee Hsien Loong nicht die Politik seines Vaters kopieren, sondern den notwendigen, von Goh Chok Tong initiierten Liberalisierungsschub weiter fördern werde. Diese Ansicht konnte sich auf Äußerungen Lee Hsien Loongs berufen, nach denen der singapurische Staat insgesamt nachgiebiger und freiheitlicher werden müsse, um Singapur im 21. Jahrhundert wettbewerbsfähig zu halten. Tatsächlich haben sich die Befürchtungen bislang nicht erfüllt. Lee Hsien Loong erfreut sich mittlerweile wachsender Beliebtheit bei der Bevölkerung, zu der nicht zuletzt ein gelösteres und humorvolleres Auftreten geführt hat.
Mit seinem neuen Amt hat Lee Hsien Loong Verantwortung übernommen für eine traditionell stark konfuzianisch geprägte Gesellschaft, die sich nunmehr auch „in den Köpfen“ rasant dem Westen annähert. Das wird dem dritten Premierminister Singapurs womöglich mehr Flexibilität bei der Führung abverlangen als seinen beiden Vorgängern. Als Fachminister war er stets nach der in Singapur üblichen Methode vorgegangen, wonach Politik allein das rational Gebotene zu realisieren hat. Ob es ihm als Regierungschef gelingen wird, das „Bauchgefühl“ der Bevölkerung anzusprechen und ähnlich wie Goh Chok Tong das volle Vertrauen der Singapurer zu gewinnen, bleibt abzuwarten. Hinsichtlich der Übernahme des Amtes des Premierministers scheinen sich etwaige Vor- und Nachteile, die sich aus Lee Hsien Loongs Abstammung ergeben, jedenfalls aufzuheben.
Lee Hsien Loongs erste Ehefrau verstarb im Jahr 1982. Er ist in zweiter Ehe mit Ho Ching, der Generaldirektorin und Geschäftsführerin der Temasek Holdings, verheiratet. Zusammen haben sie drei Söhne und eine Tochter.
Deutschland ist Lee Hsien Loong nicht fremd. Anfang 2002 hielt er während der 38. Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik einen Vortrag zum Thema „Global War on Terrorism – The View from Singapore“. Außerdem führte er politische und wirtschaftliche Gespräche in Frankfurt und München und traf sich mit in Deutschland lebenden Singapurern.
Außenpolitisch verursachte er Aufregung, als er am 10. Juli 2004 Taiwan einen im Nachhinein als „privat“ bezeichneten Besuch abstattete und am 28. August 2004 die taiwanesische Unabhängigkeitspolitik kritisierte. Hierfür handelte er sich vom taiwanesischen Außenminister Mark Chen eine kritische Äußerung zur Republik Singapur ein.
Am 1. Dezember 2005 sorgte Lee Hsien Loong bei seinem Staatsbesuch in Deutschland für einen protokollarischen Affront. Beim Abschreiten der Ehrenformation des Wachbataillons der Bundeswehr verneigte er sich entgegen internationaler protokollarischer Geflogenheiten nicht vor der Deutschen Flagge, sondern ließ Bundeskanzlerin Angela Merkel stehen und ging ohne sie weiter, bis er von einem Protokollbeamten auf sein Versehen hingewiesen und gebeten wurde auf Frau Merkel zu warten.
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