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Als Lechtalheiden werden mehrere, größtenteils geschützte Heideflächen im Bereich des Lechtals zwischen Schongau und der Lech-Donaumündung in Bayern zusammenfassend bezeichnet. Die Flächen der insgesamt 24 Kernheiden befinden sich auf 446-561 m Höhe ü. NN in den beiden Regierungsbezirken Schwaben und Oberbayern entlang der Flüsse Lech und Wertach. Die geografische Lage kann um das Kerngebiet mit angegeben werden.
Die wertvollsten Bereiche der Naturschutzgebiete finden sich auf dem Lechfeld zwischen Landsberg und Augsburg. Der Augsburger Stadtwald ist eine der letzten erhalteten Urlandschaften des Lechs. Er bietet ein Mosaik unterschiedlicher Lebensräume.
In den Aubereichen und den Leiten des Lechs zeigen sich seltene, „ursprüngliche“ Lebensräume (Biotope: Magerrasen, Trockenrasen, Auwald). Sie bilden letzte Refugien einer spezialisierten Tier- und Pflanzenweltund zählen zu den artenreichsten Landschaften Mitteleuropas. Die Heiden und Auen locken insbesondere mit ihrer Blütenpracht von März bis Oktober zahlreiche Besucher an.
Geografie
Geologie
Kih-0185.jpg im Frühling]]
Die Entstehung des Lechtales liegt weit zurück. In mehreren Kalt- und Warmperioden der
Eiszeit (
Rißeiszeit, vor ca. 12.000 Jahren) wälzte sich der
Lechgletscher vor und zurück. Große Mengen Schotter wurden auf diese Weise in nördliche Richtung transportiert. Die angetürmten Schotterhalden wurden bei diesen Vorgängen weiter angehäuft, oder auch wieder abgetragen. Diese Vorgänge wurden erst mit Beginn der aktuellen Wärmeperiode abgelöst. Das herangeschobene Schotterprofil dünnt sich in Donaurichtung immer weiter aus. Die Mächtigkeit der Schotter in beträgt im Augsburger Raum mehrere Meter.
Die entstandene Schotterschicht wird an vielen Stellen von einer folgenden Schicht bedeckt. Eiszeitliche Tundrawinde wehten eine Lößschicht auf, die eine Höhe von bis zu 3 Metern erreichen kann. Bereiche mit fehlender Lößschicht weißen einen bis zu 60 cm tiefen Verwitterungsschotter auf. Das Lechtal selbst besitzt im betroffenen Bereich eine Breite von 10 bis 15 Kilometern und wird durch 10-50 Meter hohe Hänge begrenzt. Bereiche, die eine konstante
Lößschicht aufweisen, wurden zum größten Teil in Ackerflächen umgewandelt. Dabei wurde die Lößschicht entkalkt und zu Lößlehm umgewandelt. Nach einer solchen Umwandlung entstehen ertragreiche Ackerfächen.
Die aufliegenden Lößschichten wirken wasserabsperrend und ermöglichen somit die Entstehung von Staunässe. Auf derartigen Flächen wird die Entstehung von
Feuchtwiesen ermöglicht. Die typischen Lebensräume der Lechheiden hingegen entstanden auf Bereichen ohne Lößschicht. Aufkommendes Niederschlagswasser kann auf diesen Flächen schnell in den Bodengrund abgeführt werden, dies stellt Grundlage für die Entstehung der
Trockenrasen,
Magerrasen und Schotterheiden im Lechtal dar. Der kalkhaltige Bodengrund ist auf die Zusammensetzung der Lechschotter und deren Lösungsstoffe zurückzuführen. Dieser hohe Kalkanteil bedingt das Wachstum sogenannter "kalkholder" Pflanzen, wie Enziane und Orchideen.
Die Lechtalheiden unterscheiden sich von den nördlichen Heidegebieten aufgrund ihrer Bodenbeschaffenheit grundlegend. Die Lechheiden auf den beschriebenen kalkhaltigen Schottergründen sind mit den anmoorigen oder sandigen Böden der norddeutschen Heiden nicht zu vergleichen. Aus diesem Grund zeigt sich hier ein gänzlich unterschiedliches Vegetationsbild. Während sich auf den norddeutschen Heiden große Flächenbereiche mit Heidekrautbewuchs zeigen, bilden auf den Lechheiden freie Trockenrasenflächen den Hauptbestandteil des Landschaftsbildes.
(siehe auch: Lüneburger Heide)
Das Klima im Lechfeld
Das
Klima im Augsburger Raum wird als gemäßigt-ozeanisch bezeichnet. Die Witterungsperioden spielen zwischen gemäßigten, nicht zu kalten Wintern und nicht zu heißen Sommern. Große Schneemengen, die die Veetation über die Frostperioden hinweg schützen, fallen meist erst ab Januar und halten sich bis Mitte März. Große Niederschlagsmengen werden im Frühsommer verzeichnet. Die meisten Niederschläge werden durch Westwinde herangetragen, längere Trockenperioden fallen im Spätsommer und Frühherbst an. Die Temperatur beträgt im Jahresmittel ca. 10 °C. Es gibt etwa 108 Frosttage (unter 0 °C) und 35 reine Sommertage (über 25 °C). Die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit beträgt 75 % bei einer Bewölkung von 70 % im Jahresmittel. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt ca. 850 mm. Für die Vegetation auf den Heiden spielt vor allem das
Mikroklima eine Rolle. Hier stechen vor allem sonnige Halden, Trockenrasen, Auwälder, feuchte Senken oder Moore heraus.
Entwicklungsgeschichte
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Die Lechheiden verdanken ihre Entstehung ausgerechnet dem Menschen. Ein ursprüngliches Mitteleuropäisches Landschaftsbild würde ausgedehnte Waldflächen zeigen. Im Lauf der Jahrtausende prägte der Mensch seine Umwelt, er wandelte Naturlandschaften zu Kulturland um. Nur durch menschliches Zutun und das Regime der Sense blieben diese Flächen baumfrei. Würden die Pflegearbeiten beendet, so wandern konkurrenzstarke Arten wie Birken, Weiden oder Pappeln ein und verdängen die typische Wiesenvegetation. Die störanfällige Lebensgemeinschaft Wiese würde sich im Laufe weniger Jahrzehnte zu einer Buschlandschaft und schließlich zum Wald zurückentwickeln. Waldfreie Stellen kämen demnach nur an Meeresküsten, Gewässern, Mooren und Trockenhängen vor. Magerrasen oder Trockenrasen wie wir sie kennen wären nicht Existent. Großflächige Wiesen entstanden erst mit der Erfindung von Geräten für die Heuernte.
Erst nach 1900 setzte die Ausweitung der Ackerflächen ein. Immer mehr Biotope kamen unter den Pflug. Mit dem Anwachsen der Konsumgesellschaft veränderten sich auch die Rahmenbedingungen für Bauern. Die Landwirtschaft wurde immer weiter industrialisiert und arbeitet bis heute unter starken Wettbewerbsdruck, schwere Maschinen verwandelten weite Flächen in Futterweiden. Die bunte Blumenwiese musste einer monochromen Fettwiese weichen. Durch intensive Düngung, z.B. Ausbringung von Odeljauche (Gülle), werden viele Pflanzen verdrängt. Nur noch einige Überleben ins dieser "grünen Wüste". Dabei handelt es sich um Arten, welche kurze Fortpflanzungsperioden aufweisen, und sich damit auch bei ständiger Mahd behaupten können, darunter z.B. der Löwenzahn. Diese artenarmen Futterwiesen beherbergen nur 25 unterschiedliche Pflanzenarrten und stehen damit in einem starken Gegensatz zu den artenreichen Trockenrasen.
Um 1800 bestand der Lech aus vielen verzweigten kleineren und größeren Bächen und Flüssen. Ein breites Areal wurde von zahlreichen Rinnen zerfurcht, welche ein unregelmäßiges Bodenrelief formten. Infolge der Lechbewegungen entstand ein breites Flußtal mit einer weiten Schotterebene. Durch Flußbegradigung wurden große Teile des Biotopes Lech entwässert. Viele Inselchen und Flächen die unzugänglich oder durch Altarme geschützt waren, wurden vernichtet. Heute existieren nur noch wenige Altarme oder Altwasser, die zumeist eine Großzahl unterschiedlicher Lebewesen beherbergen.
Naturschutzgebiete und Naturschutz
Die Auwald- und Heideflächen des Augsburger Lechfeldes wiesen vor ca. 1000 Jahren eine mehrere tausend Hektar große Gesamtfläche aus. Die heutigen
Naturschutzgebiete stellen nur noch winzige Restflächen der einst mächtigen Lechtalheiden dar. Sie entsprechen prozentual nur noch 1% der Ausgangsgebiete. Die wichtigsten Schutzgebiete sind nachfolgend aufgelistet:
Es gibt auch Projekte, die Anlass zur Hoffnung auf ein neues Umweltbewußtsein geben:
In jüngster Zeit kamen diese Heideflächen hinzu. Die Humusschicht der einst bewirtschafteten Ackerflächen wurde abgetragen und ein Bodenrelief, welches dem einer Flußlandschaft ähnelt, wurde geschaffen. In den ersten Jahren konnte sich bereits eine Ersatzvegetation bilden, in ca. 20 jahren wird sich die typische Vegetation der Kalkmagerrasen einstellen. Es ist auf längere Sicht hin geplant, bestehende Schutzheiden mit den neugeschaffenen Flächen zu verbinden.
Viele Heidegebiete konnten bereits zur Nazi-Diktatur unter Naturschutz gestellt werden. Nach dem zweiten Weltkrieg war an Naturschutzbelange nicht zu denken. Wertvolle Flächen kamen unter den Pflug oder wurden aufgeforstet. Erst in den 60er- und 7oer-Jahren wurden weitere Flächen zu Naturschutzgebieten erklärt. Es ist erfreulich festzustellen, das heute noch weitere Flächen hinzukommen.
(sie auch: Naturschutz)
Die einzelnen Naturschutzgebiete
Die Naturschutzgebiete beherrbergen ca. 3000 unterschiedliche Arten, darunter 680 Pflanzenarten. Viele davon stehen auf roten Listen und sind äußerst gefärdet. Damit bildet der Augsburger Stadtwald und die Lechheiden einen der artenreichsten mitteleuropäischen Lebensräume.
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- Der Augsburger Stadtwald ist ein Waldgebiet welches direkt in und an das Stadtgebiet Augsburgs grenzt. Seine Fläche beträgt etwa 21,5km² er zeichnet sich besonders durch das Gefüge unterschiedlicher Einzellebensräume aus. Er besonders hoch durch Besuchern und Freizeitsportler frequentiert und ist daher sehr beliebt und populär. Zahlreiche Informationstafel erklären den Besuchern das Ökosystem Stadtwald mir seinen Tier- und Pflanzenarten. Im Gebiet verteilen sich zahlreiche kleinere Heiden und Tümpel. Der Großteil der Flächen besteht aus Mischwald- und Auwaldflächen. In den Randbereichen dünnt sich die Waldgesellschaft zu einem lichten Kiefernwald aus. Der Frauenschuh kommt im Bereich des Stadtteils Haunstetten besonders häufig vor. Zudem wächst an vielen Tümpeln die gelbe Schwertlilie.
- Die Leiten des Lechs bilden zwischen Augsburg und Landsberg am Lech ein sehr lang ausgedehntes, fast ununterbrochenes Naturschutzgebiet. Zum größten Teil sind sie mit Auwäldern und lichten Kieferwäldern bewachsen. Diese sind immer wieder durch kleine Trockenrasen unterbrochen. Der Lech ist meist auf beiden Seiten mit Wegen ausgebaut und gut mit dem Fahrrad erkundbar. Es liegen zahlreiche Seen am Lech die wiederrum eine bedrohte Wassertierwelt beherbergen. Darunter sind: Kuhsee, Weitmannsee und Auensee. Die Lechstaustufe 23 wurde als Vogelschutzgebiet ausgewiesen und ist als Brutbiotop unersetzbar geworden. auch die zahlreichen Hochwasserschutzdämme werden wieder von Knabenkräutern bevölkert.
- Die Heiden und Trockenrasen des Lechs sind für mitteleuropäische Orchideen von großer Wichtigkeit. Der Trockenrasencharakter und die Unberührtheit bieten ihnen letzte Rückzugsmöglichkeiten. Es handelt sich um seltene botanische Schatzkammern. Auf den Heiden finden sich Knabenkräuter und vier Ragwurzarten. Insgesamt haben 20 unterschiedliche Orchideen auf den Halbtrockenrasen Fuss gefasst. Das Ausbleiben sämtlicher Düngung ermöglicht der Küchenschelle eine solide Population auf den Heidegruben an der B17 und auf der Kissinger Heide. Eine botanische Besonderheit stellt das Massenvorkommen der Sumpf-Gladiole vor allem auf der Königsbrunner Heide dar. In niederschlagreichen Sommern erblühen tausende rosafarbene Glocken und verwandeln die Heide in ein Blütenmeer. Die deutschlandweit im Rückgang begriffene Herbstzeitlose bildet auf der Kissinger Heide einen herbstlichen Blütenteppich aus. Die Vegetationsbestände der Lechheiden zeigen oft große Unterschiede, auch wenn sie nur einige Kilometer trennen. Dafür scheint vor allem das Bodenrelief verantwortlich zu sein. Einige Heiden weisen ein fast ebenes Gelände auf, andere verfügen über eine flussgeformte Landschaft mit Senken, Vertiefungen und Rinnen. Zudem ist die geometrische Lage der Fläche entscheidend. So können die Heiden in Geländevertiefungen, auf Hügeln oder in Flussnähe liegen. All diese Faktoren beeinflussen das jeweilige Mikroklima.
- Das Auwald und Taglilienfeld bei St. Stephan liegt nördlich von Augsburg bei Rehling. Hier bietet sich eine seltene Besonderheit. Man findet hier Deutschlands einziges natürliches Taglilienfeld. Die Blütenpracht kann im Juni und Juli bestaunt werden. Der angrenzente Naturauwald bietet dem Türkenbund, der Herbstzeitlosen und dem Gelben Frauenschuh ein natürliches Rückzugsgebiet. Die Fläche ist im Besitz des Naturwissenschaftlichen Verein Schwaben e.V.
- Die ehemaligen Bahngruben und neue Heiden aus zweiter Hand wurden beim ehemaligen Streckenbau der Deutschen Bahn als Ausgleichsflächen ausgewiesen. Innerhalb einiger Jahrzehnte konnte sich hier eine Ersatzvegetation ausbilden. Auch Orchideen besiedelten die Schutzflächen neu, darunter auch Seltenheiten wie die Bienenragwurz. Im Zuge des geplanten Biotopverbundes wurden diese Flächen unter Naturschutz gestellt, und somit ihre Wichtigkeit hervorgehoben. Es handelt sich um künstlich erzeugte Ersatzlebensräume. Mit Baumaschinen wurde versucht ein Bodenrelief zu erzeugen, welches dem einer ehemaligen Wildflusslandschaft gleicht. Um den Trockenrasencharakter zu erreichen wurden die obersten Lößlehmschichten abgetragen. Gräben, Senken und Rinnen wurden geschaffen um die wichtigen Mikroklimen zu begünstigen. Die Regenerationsflächen bilden in den ersten 10-15 Jahren eine Ersatzvegetation aus, erst nach 20-30 Jahren findet man die typische Heidevegetation mit Knabenkrätern und Enzianen vor. Eine langsamere Aushagerung per Mahd würde etwa die doppelte Zeit für die Wiederbevölkerung in Anspruch nehmen.
- Die Trinkwasserfassungsbereiche der Wasserversorger stehen zwar meist nicht unter Naturschutz, konnten jedoch aufgrund von Umzäunungen oder Begehverbot eine bedrohte Bioitoplandschaft erhalten. Die Trinkwasserversorger arbeiten mit den Naturschutzverbänden zusammen, die beispielsweise eine Beweidung durch Schafe durchsetzten konnten.
Pflegemaßnahmen
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Der Erhalt der typischen Heidevegetation ist nur dann möglich, wenn eine regelmäßige
Mahd durchgeführt wird. Diese sind im Turnus auf Blüte- und Wachstumsphasen der Pflanzen abgestimmt. Einen großen Verdienst erwarben sich dabei eherenamtliche Helfer unterschiedlicher Vereinigungen, darunter zum Beispiel der
Alpenverein oder der
Bund-Naturschutz. Zudem müssen die Gebiete weitestgehend baumfrei gehalten werden um dem Charakter einer offenen Heidelandschaft zu entsprechen. Leider kamen die Aufforstungs-Bemühungen größtenteils zum Stillstand. Die störungsanfällige Heidevegetation kann mit den schnellwachsenden Baumarten nicht konkurrieren und wird immer weiter verdrängt.
Derzeit erlebt die Wanderschäferei ein Revival im Lechtal. Unter dem Begriff "Lechtal-Lamm" wird zudem hochwertiges Fleisch der Weidetiere vermarktet. Bei allen positiven Aspekten der "natürlichen Rasenmäher" sollte Überweidung vermieden werden. Aktuell ist eine kostbare Teilfläche der Königsbrunner Heide gefährdet. Die anschließenden Naturwaldflächen werden weitestgehend sich selbst überlassen und bilden urwaldartige Lebensräume aus.
Erst in den 80er-Jahren wurde die Pflegeverantwortung von Grünämtern und der "Unteren Naturschutzbehörde" übernommen. Plangemäß sollten vorgelagerte Wiesen nicht mehr gedüngt werden. Die entstehenden Pufferzonen können sich so zu Magerrasen entwickeln, diese Umwandlung kann 30–50 Jahre in Anspruch nehmen. Man spricht bei diesem Vorgang von Aushagerung.
Naturschutzmaßnahmen
Zum Schutz von Brutvögeln und Pflanzen müssen Besucherströme sinnvoll gelenkt werden. So wird das Wegenetz weiter reduziert und Pfade gekennzeichnet. Die Reduzierung der Trittflächen steht im Vordergrund.
Der Freizeitwert der Naturschutzgebiete um den
Lech ist hoch. Ein Großteil der Heiden und Auen liegen nur einen Steinwurf von menschlichen Siedlungen entfernt. Dementsprechend hoch werden diese durch Besucher und Freizeitsportler frequentiert. Eines der beliebtesten Ausflugsziele stellt die Königsbrunner Heide dar.
Naturschutz beginnt bereits bei jedem Besucher der Heide. Die wichtigste Regel heisst: "Verlassen sie bitte keine Pfade"! Die Magerrasen weisen eine empfindliche, dünne Humusschicht auf die durch Trittschäden mehr beeinträchtigt wird als es den Anschein hat. Sämtliche Heidepflanzen können auch von den Wegen aus betrachtet werden, ein Betreten der Rasenflächen ist völlig unnötig. Hunde sollten an der Leine geführt werden, auch gefährden die Heidevegetation durch Tritte und Verkotung. Hundekot ist chemisch aggressiv und in großem Maß, wie es üblicherweise am Stadtrand anfällt, schädlich für Pflanzen. Zudem können Bodenbrüter wie der Baumpieper gestört werden. Das Ausweiten der bestehenden Wege kann einfach verhindert werden: Verzichten sie auf das mitschieben des Fahrrads. Auf das pflücken von Pflanzen sollte generell verzichtet werden. Einige Seltenheiten ähneln ungeschützten Arten,womit Verwechslungen nicht auszuschließen sind. Ausgraben von Pflanzen oder Zwiebeln ist strengsten verboten und wird mit empfindlichen Geldbußen geahndet. Die Bestände der immer seltener werdenden Küchenschelle werden jährlich weiter reduziert.
Initiative „Lebensraum Lechtal“
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Die Initiative
Lebensraum Lechtal wurde vom
Verband für Landschaftspflege ins Leben gerufen. Seitdem ist diese treibender Motor in allen Naturschutzbelangen wie
Biotopverbund, Informationstafeln oder Pflegeverantwortung. Die Arbeit wird auf dem gesamten Bereich vollzogen, von der Donaumündung bis Schongau. Zahlreiche Informationstafeln wurden im gesamten Lechgebiet errichtet und zeigen dem Lechbesucher die Wichtigkeit dieser Lebensräume auf. Die ansprechend und modern gestalteten Tafeln wollen den Menschen die Besonderheit dieser heimatlichen
Kulturlandschaft ans Herz legen. Zusätzliche Informationen sind als Bröschüre oder via
Internet erhältlich. Das umfangreiche Projekt ist nur unter Mithilfe der betroffenen Gemeinden, Landkreise, Wasserversorgern, Landwirten und dem Bund-Naturschutz e.V. möglich.
Betroffene Landkreise:
Flora/Pflanzenarten
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Auf den Heide- und Auwaldflächen des Augsburger Bereichs haben sich viele Pflanzen unterschiedlicher Regionen eingebürgert. Der Lech dient dabei als Florenbrücke. So konnten hier einige Alpenpflanzen Einzug halten, darunter finden sich viele Enzianarten. Die alpinen Gewächse konnten ihre Samen über das Flussgewässer selbst in nördliche Richtung ausbringen oder eine schleichende Ausbreitungsbewegung über das Schotterbett des Lechs vollziehen. Das warme Mikroklima begünstigte das Einwandern unterschiedlicher Knabenkräuter und Ragwurzen aus dem submediterranen Raum, im Laufe der Zeit bildeten sie eigenständige Arten aus. Insgesamt finden sich auf den Lechheiden 28 unterschiedliche Orchideenarten. Auch einige Eiszeitrelikte konnten sich einbürgern und überleben.
- Dealphine Arten
Alpengewäche wie
Kugelblume oder
Enzian
- Kontinentale Arten
Arten östlicher Steppengebiete wie
Kalkaster,
Küchenschelle oder
Geißklee
- Submediterrane Arten
Pflanzen des Mittelmeerraumes, auf den Lechheiden vier sehr seltene
Ragwurzarten
- Orchideen des Lechtales
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Die Lechtalheiden erlangten durch das hohe Artenaufkommen unterschiedlicher Orchideengattungen Berühmtheit in der botanischen Welt. Dies wird durch den abwechslungsreichen Lebensraum Trockenrasen begünstigt. Viele Einzelcharakterisiken der Böden ermöglichen auch das Wachstum von Arten die auch hier eher untypisch wären. Einige der häufigsten Orchideen der Lechheiden sind
Mücken-Händelwurz,
Helm-Knabenkraut,
Brand-Knabenkraut und die
Sumpf-Stendelwurz. Diese Arten zeigen ein stabiles und konstantes Auftreten. Das Brand-Knabenkraut ist auf den Lechheiden in deutlicher Ausbreitung begriffen. Das
Große Zweiblatt ist in Deutschland eine der häufigsten
Orchideen, hier kommt sie nur zerstreut vor. Die südmediterranen Ragwurzarten sind exotisch anmutende Schönheiten mit sehr zerstreutem bis seltenem Vorkommen. Die
Fliegen-Ragwurz und
Hummel-Ragwurz haben ein relativ konstantes Auftreten. Seltenheiten stellen die
Bienen-Ragwurz und die
Große Spinnen-Ragwurz dar, sie sind unstet und können mehrere Jahre ausbleiben. Die Bienen-Ragwurz wurde erst 1964 neu entdeckt. Ebenfalls vereinzelt wachsen die
Pyramiden-Hundswurz,
Korallenwurz sowie das
Kleine Knabenkraut. Eine fast ausschließlich in den Lechleiten und Auwäldern vorkommende Orchidee ist der
Gelbe Frauenschuh. Allgemein selten und zerstreut sind
Rotes Waldvöglein,
Weißes Waldvöglein und
Schwertblättriges Waldvöglein, auf den großen Heideflächen sind sie praktisch nicht zu finden. Zudem kommen noch folgende Orchideen auf dem Gebiet des Lechfeldes vor:
Braunrote Stendelwurz,
Breitblättrige Stendelwurz,
Vogel-Nestwurz,
Herbst-Drehwurz,
Zweiblättrige Waldhyazinthe,
Wohlriechende Händelwurz,
Wanzen-Knabenkraut und
Fuchs' Knabenkraut. Wie alle in Deutschland vorkommenden Orchideen, sind auch diese vom Aussterben bedroht und strengstens geschützt. Die Hauptblüte- und Wachstumszeit der meisten Orchideen liegt zwischen Mai und August.
(siehe auch: Orchideen)
Kih-0140.jpg und Kleines Knabenkraut]]
- Enzianarten
Die kalkhaltigen Böden sind für Enzianarten eine willkommene Heimat. Ihr Blütenbild begleitet die Heiden vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst. Frühblüher ab April sind der
stengellose Enzian und der
Frühlings-Enzian. Bereits im Mai setzt der
Schlauch-Enzian blaue Akzente. Ein typischer Sommerenzian ist der
Schwalbenwurz-Enzian der leider immer seltener auf den Lechheiden vorkommt. Der
Deutsche Enzian zählt mit seinen zahlreichen Einzelblüten zu den schönsten Enzianarten am Lech. Von August bis Oktober bildet das dunkelblau des
Fransen-Enzian letzte Farbtupfer in der herbstlichen Wiese, auch diese Art nimmt in ihrer Ausbreitung ab.
(siehe auch: Enziane)
- Typische Vegetation der Lechheiden
Auf den Lechheiden finden sich einige Pflanzen, deren Ausbreitungsgrenzen auf diesem Gebiet enden, wie z.B. der
Regensburger Geißklee . Viele Arten sind nur im Bereich des Lechs anzutreffen, darunter die
Schwarze Akelei oder der
Klebrige Lein. Andere sind typische und allgemeine Präge- oder Zeigerarten für den Lebensraum. Trockenrasen, lichte
Schneeheide-Kiefernwälder oder Auwälder werden von ihnen bewachsen. Hier sind zu nennen:
Silberdistel,
Brunelle,
Hauhechel,
Knollige Kratzdistel,
Wiesen-Flockenblumeoder die
Skabiosen-Flockenblume. Zu diesen gesellen sich noch allgemeine Wiesenblumen und Wiesenpflanzen wie:
Wald-Engelwurz,
Baldrian,
Akelei,
Glockenblume oder die
Herbstzeitlose.Durch die vielen Blütenpflanzen, welche fast über das ganze Jahr blühen, werden viele Insekten und Tagfalter angelockt. Durch die Besonderheiten im Detail können aber auch besonders bedrohte Arten Fuß fassen. Sumpf-
Gladiole,
Türkenbund und
Taglilien bilden dabei botanische Schönheiten. Aber auch kleine, weniger auffällige Blümchen haben hier letzte Refugien gefunden. Absolute Seltenheiten sind die
Gewöhnliche Kugelblume und die
Herzblättrige Kugelblume. An feuchten Stellen kommen dagegen untypische Gewächse wie der
Salomonssiegel, das
Vergißmeinnicht,
Echte Mondraute,
Echte Schlüsselblume,
Sumpfdotterblume oder die seltene und bedrohte
Mehlprimel vor. Echte Einwanderer der Alpenregionen sind
Alpen-Pippau und
Schneeheide.
(siehe auch Blumenwiese)
Fauna/Tierwelt
Die Pflanzen- und Blütenreichen Lechheiden beherbergen eine artenreiche Tierwelt. Die Blüten der Blumenwiesen sind für spezialisierte
Tag- und Nachtfalterarten unersetzbar. Viele dieser Schmetterlingsarten sind infolge der monochromen Landwirtschaftsflächen heimatlos geworden und vom Aussterben bedroht. Auf den Heiden des Lechs finden sie letzte Refugien. Doch leider sind die Heideflächen zu klein und zu weit auseinanderliegend, als daß sie Tierarten retten könnten. Praktisch über das gesamte Sommerhalbjahr können unterschiedliche Blüten- und Nektarspendene Pflanzen angeflogen werden. Auch die
Imkerei macht sich ihren Nutzen daraus, zahlreiche feste oder mobile Imkereien sind in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Naturschutzflächen postioniert.
Wiesenflockenblumen sind ausgiebige Futterquellen für Bienen und Hummeln. Auf den Heiden finden sich seltene Ameisengattungen wie: Große Knotenameise, große Knotenameise, große Kerbameise, Schmalbrust-Ameise und die Harpa-Ameise. Eine winzige Wanze, die Nestwanze, nur 3mm Groß kommt nur hier vor. Ihr nächster Fundort liegt in Ungarn, ihr eigentlicher Lebensraum ist das süd-östliche Russland.
Die besonnten Freiflächen bieten wärmeliebenden Reptilien einen abwechslungsreichen Lebensraum. So hat die Schlingnatter eines ihrer größten Ausbreitungsräume im Lechtal. Zauneidechsen und Mauereidechsen stellen hier dem seltenen Sandlaufkäfer nach. Kreuzottern und Blindeschleichen ziehen waldige und unterwuchsreiche Orte vor. Die Ringelnatter lauert an feuchten stellen Fröschen und anderen Kleintieren auf. Moore und Tümpel des Augsburger Stadtwaldes sind wichtige Habitate für Amphibien. Hier tummeln sich Grasfrosch, Springfrosch, Laubfrosch und Erdkröte. Die Wechselkröte bevorzugt kiesiges Ödland.
Das Vogelschutzgebiet der Lechstaustufe 23 ist ein wichtiges Brutgebiet unserer Wildvögel geworden. Naturbelassene Auwälder sind gedeckte Tische für Vögel und Kleinsäugetiere. Zahlreiche Spechte finden Nahrung in Althölzern. Viele Singvögel, darunter das berühmte Rotkehlchen sind regelmäßige Gäste. Unterholzreiche Wälder bieten zahlreichen kleintieren Unterschlupf. Durch ihre Unzugänglichkeit schützt sich die Natur hier fast wie von selbst. Im direkten Lechbereich bieten Schotterfelder und Steilufer weitere Naturflächen. Sie sind Heimat von Wasseramseln, Eisvogel und Flussregenpfeifer. Der mosaikartige und unterschlupfreiche Lebensraum wird von zahlreichen Wildtieren wie Kaninchen, Eichhörnchen, Reh und Fuchs gerne angenommen. An Altarmen und Nebenflüssen breitet sich der Biber aus, dies wird von einigen Menschen bereits wieder skeptisch gesehen.
In der sommerlichen Wiese lauert die veränderliche Krabbenspinne auf einer Blüte verharrend, anfliegenden Insekten auf. Allgemein in Ausbreitung begriffen ist die Wespenspinne. Zur Geräuschkulisse der Heide gehören neben Vögeln auch Insekten wie: Heidegrasgrashüpfer, Schwarzfleckiger Grashüpfer und Feldgrille. Ein typischer Käfer der Blumenwiese ist der Blattkäfer, ein Pflanzenfresser der oft auf Blüten gefunden werden kann.
Lebensräume
Halb-Trockenrasen
Trockenrasen sind durch Gräser und krautigem Bewuchs geprägte Sonderstandorte. Wie die Bezeichnung Trockenrasen bereits vermuten lässt, handelt es sich um trockene Wiesen mit lückenhafter Vegetation. Niederschlagswasser sickert schnell in den Schottergrund ab. Dies wird zum einen durch wasserdurchlässige Böden, oder zum anderen durch
Steilhanglagen begünstigt. Diese Gegebenheiten begünstigen unterschiedliche Mikroklimen, wobei im Sommer Temperaturmaxima von bis zu 50°C erreicht werden können. Die Lechtalheiden haben sich meist auf Halb-Trockenrasen ausgebildet, welche in einigen Bereichen auch in
Feuchtwiesen übergehen können, ohne die typischen Merkmale eines Trockenrasens zu verlieren. Aufgrund der Nährstoffarmut werden
Trockenrasen auch als
Magerrasen bezeichnet. Für unterschiedliche Reptilien stellen diese besonnten Wärmeinseln einen idealen Lebensraum dar.
Brennen sind mikroklimatische Sondestandorte, sie liegen in Auwälder ähnlich einem Kessel. Der umliegende Wald verhindert kühlende Luftbewegungen. Die Temperaturen in einer
Brenne liegen deshalb oft weit über den Umlandtemperaturen. Im Lechgebiet wird der Trockencharakter zusätzlich durch die bereits angesprochenen wasserdurchläsigen Böden gefördert. An einigen Stellen können sich dennoch wechselfeuchte Bedingungen einstellen. Hier können Rinnen und Mulden aufgezählt werden, in ihnen kann sich Luftfeuchtigkeit länger halten. Auf den wechselfeuchten Bereichen siedeln gerne Pflanzen, die für diesen Lebensraum eigentlich untypisch sind. So finden wir auf den Lechheiden als Beispiel den Sumpfstendel oder die Sumpfgladiole.
Das Heide-Jahr
Kih-0008.jpg |
Sumpfgladiole.jpg
Die Grasflächen der Magerrasen sind im Jahresverlauf von mehreren Hoch- bzw. Tiefständen der Vegetationsdecke geprägt. Nach einem langen
Winter erwacht die
Pflanzenwelt im
März zunächst sehr zaghaft. Die meisten Pflanzen haben in
Zwiebeln,
Rhizomen oder als
Samen überwintert. Die Farben spielen jetzt zwischen Ocker -und Brauntönen und bieten ein relativ tristes Bild. Die Heide befindet sich noch im ersten Tiefstand, doch die Sonnenstrahlen der Frühjahrsonne sind bereits stark genug um einige Pflanzen und Pflänzchen zum Austreiben zu bewegen. Typische März- oder Aprilpflanzen sind Scheeheide, Küchenschelle, Erd-Segge und das rauhaarige Veilchen. Ende
April ziehen auch unterschiedliche Grassorten im Wachstum nach. Anfang Mai setzen der Stengellose Enzian und der Frühlingsenzian tiefblaue Akzente in den Magerrasen. In den Monaten
Mai bis
Juni bietet die Heide eine große Fülle unterschiedlicher Pflanzenarten, darunter auch zahlreiche Orchideen. Die Wiese scheint in diesen Monaten regelrecht zu explodieren. In diesen Monaten sind Spaziergänge auf den Magerrasen am reizvollsten. Im
Juli hat die Wiese ihren Zenith erreicht und die Sense setzt ein jähes Ende, der Magerrasen hat seinen zweiten Tiefstand erreicht. Das Mahdgut wird noch eine kurze Zeit getrocknet bis es abtransportiert werden kann. Die nachwachsenden Gräser erreichen Ende
September Höhen von bis zu 150cm. Im
Spätsommer erblühen Fransen-Enzian, deutscher Enzian und
Goldaster. Die Silberdistel öffnet ihre silberene Krone und duftender Lauch ragt in die Höhe. Ende
Oktober stellt sich die Vegetation auf den kommenden Winter ein. Die Vegetation trifft Vorkehrungen zum Überdauern des Winters, die Fortpflanzungsphasen sind bereits abgeschlossen. Als Flugsamen wartet bereits eine neue Generation auf den nächsten Frühling. Der erste Schnee drückt Gräser und Blumen zu Boden, der letzte Jahrestiefstand ist erreicht. Die folgende Schneeschicht schützt die Vegetation aufgrund ihrer isolierenden Funktion vor strengem
Frost.
Galerie
Bild:Kih-silberdistel.jpg|Samen der Silberdistel
Bild:Krokus-kih.jpg|Auf den Lechheiden sehr selten: der Frühlings-Krokus
Bild:Kih-4.jpg|Helm-Knabenkraut
Bild:Fliegerag.jpg|Fliegen-Ragwurz
Bild:Sh-0007.jpg|Seltene Albinoform der Hummel-Ragwurz
Siehe auch
Literatur
- Fritz Hiemeyer: Königsbrunner und Kissinger Heide. Wißner-Verlag, ISBN 3-89639-335-9
- Bresinsky: Wald und Heide vor den Toren Augsburgs. Jb. Ver. z. Schutze der Alpenpflanzen 32: 125-141
- H. Oblinger: Es grünt und blüht in Schwaben. Ber. d. Naturwiss. Ver. Schwaben Sonderband (1994)
Weblinks
Naturschutzgebiet in Bayern | Augsburg | Augsburg (Landkreis)