| ICD-10-Code Fibrose und Zirrhose der Leber | ||
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| K74 | Fibrose und Zirrhose der Leber |
Durch ein Nebeneinander von Gewebeuntergang und Regeneration entsteht eine gestörte Architektur des Lebergewebes mit knotigen Veränderungen. Zusätzlich kommt es zu einer übermäßigen Bildung von Bindegewebe (Fibrosierung). Diese narbigen Areale können mehr als 50% des gesamten Gewebes einer zirrhotischen Leber einnehmen. Als Folge ist die Durchblutung der Leber gestört und im Bereich der Pfortader staut sich das Blut vor der Leber (portale Hypertension).
Die Inzidenz in den Industrieländern beträgt 250 pro 100.000 Einwohner und Jahr, das Verhältnis erkrankter Männer zu Frauen liegt bei 2:1.
Die Einbeziehung der Gefäße in den Umbauprozess bedingt eine klinisch bedeutsame portale Hypertonie und Aszitesbildung, durch den Ausfall der Leberzellfunktion kommt es zu weiteren Sekundärerkrankungen wie hepatische Enzephalopathie und Leberkoma.
Leberzirrhosen gelten als fakultative Präkanzerose, d. h., dass sich auf dem Boden einer Leberzirrhose ein bösartiger Tumor entwickeln kann, das Hepatozelluläre Carzinom (HCC).
Typisch, allerdings erst spät auftretend, sind die sogenannten Leberhautzeichen: Spider naevi (Gefäßspinne), Weißnägel (Veränderung der Fingernägel), Prurigo (Juckflechte), Lackzunge, Hautatrophie ("Geldscheinhaut"), Palmar- bzw. Plantarerythem (Rötung der Handflächen), Caput medusae, Dupuytren-Kontrakturen, sowie eine fehlende Bauchbehaarung beim Mann (Bauchglatze). Diese Zeichen sind allerdings nicht für die Zirrhose spezifisch, sie treten in diskreter Form z. B. auch bei Schwangerschaften auf.
Im Labor fallen durch die verminderte Syntheseleistung der Leber verminderte Werte für die Cholinesterase, Albumin und einige Gerinnungsfaktoren (verlängerter Quick-Wert) auf. Die Leberenzyme GOT (AST), GPT (ALT) sowie γ-GT, Bilirubin und Ammoniak können erhöht sein.
Im Ultraschall stellt sich die Leber inhomogen dar. Der Leberrand ist abgerundet. Der Lobus caudatus kann vergrößert sein. Sehr gut können mit dem Ultraschall ein Aszites und eine Milzvergrößerung (Splenomegalie) erkannt werden.
Die definitive Diagnose wird durch eine Leber-Biopsie gestellt.
Aus verschiedenen Untersuchungsbefunden wird der Child-Pugh Score erstellt, der sowohl zu Stadieneinteilung (Child A-C) als auch zur Prognoseabschätzung dient.
Die Grunderkrankung muss behandelt werden, bei Alkoholismus wird ein Entzug versucht, Patienten mit Autoimmunhepatitis werden mittels Immunsuppression behandelt, bei einer chronischen Hepatitis kann eine Viruselimination mit Interferonen versucht werden.
Auf Komplikationen wird mit spezifischen Maßnahmen reagiert: Blutstillung bei Ösophagusvarizenblutung, Shunt-OP bei hepatischer Enzephalopathie, Punktion bei hartnäckigem Aszites. Wichtig sind regelmäßige Untersuchungen zur Früherkennung eines Leberkarzinoms. Eine Ultima ratio ist in vielen Fällen die Lebertransplantation.
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