Der Begriff Lebensraum findet sich
- in der Biologie und Ökologie und bedeutet hier ein Habitat;
- in der Sozialgeographie (zuerst bei Friedrich Ratzel, Politische Geographie (1897) und Der Lebensraum (1901); nach dem Ersten Weltkrieg wird er als Terminus mit wissenschaftlichem Anspruch durch Mitglieder der Schule des Geographen Karl Haushofer weiter geführt;
- in die Soziologie führt ihn 1922 - etwa in der Bedeutung "Milieu" - Eugen Rosenstock-Huessy ein (Eugen Rosenstock, Werkstattaussiedlung);
- in der Psychologie hat der Begriff seine Bedeutung im Rahmen der Feldtheorie von Kurt Lewin erlangt;
- ideologisch wird er in den Ideen des Alldeutschen Verbandes vor dem Ersten Weltkrieg aufgegriffen; Friedrich von Bernhardi identifiziert in seinem Buch Deutschland und der nächste Krieg (Stuttgart, 1912) Osteuropa als den potentiellen deutschen Siedlungsraum; 1926 veröffentlichte Hans Grimm seinen Roman Volk ohne Raum, ein weit verbreitetes (auch kolonialistisches) wie umfangreiches Buch mit der Botschaft, dass die Deutschen mehr Lebensraum bräuchten (und der Titel des Buchs wurde ein vielgenutzter Slogan der Nationalsozialisten);
- aggressiv nationalsozialistisch übernahm Adolf Hitler in seinem Buch "Mein Kampf" das Wort; die dahinter stehende Ideologie wurde eine Grundlage für den Vernichtungskrieg im Ostfeldzug, um rassistisch die gewaltsame Unterwerfung anderer Völker zu proklamieren, d.h. Lebensraum für die 'überlegene' arische Rasse (Deutsche Wehrbauern an den Ural!), siehe dazu Lebensraumpolitik.
Weblinks
- http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/wegbereiter/lebensraum/
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