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vis vitalis (lat. vis = Kraft, Gewalt, Menge, Einwirkung und vitalis = Leben gebend) bedeutet Lebenskraft.

Man war lange Zeit der Meinung, dass zur Herstellung organischer Stoffe eine sogenannte vis vitalis gebraucht werde, weil man in der Natur ausschließlich Vorgänge beobachtete, bei denen sich organische Stoffe zu anorganischen zersetzten, aber nicht umgekehrt.

So glaubte man, dass die vis vitalis organischen Stoffen Lebenskraft verleihe und diese nicht synthetisch herstellbar sei. Daher hielt man es auch für unmöglich organische Stoffe synthetisch herzustellen

Diese Annahme könnte als widerlegt gelten, seitdem dem deutsche Chemiker Friedrich Wöhler 1828 gelang, Harnstoff, der nach Übereinkunft als organischer Stoff gilt, aus dem anorganischen Salz Ammoniumcyanat synthetisch herstellen. Allerdings ist bis heute nicht gelungen, das Protoplasma-Molekül zu synthetisieren, welches des eigentlich lebendigen Stoff in allen von Zellen (Ureinzeller und Organismen der am höchsten evolutionierten Arten) darzustellen scheint. Die erforderlichen Atomen und deren Zahl ist bekannt, zusammengfügt, entsteht aber kein lebendiges Plasma. Insofern bleibt offen, ob die Hypothese der Vitalisierung unbelebter Materie durch die vis vitalis als wiederlegt gelten kann.

In der Philosophie wurde der Begriff Lebenskraft im 19. und frühen 20. Jahrhundert von den Vertretern der Lebensphilosophie verwandt. Zu ihnen gehören Henry Bergson (s. elan vital) und Sigmund Freud (s. Lustprinzip der Libido), die beide Gegner des Rationalismus und Mechanizismus gewesen sind, auch wenn Freud oft nicht in diesem Sinne rezipiert wurde.

siehe auch: Vitalismus, Naturstoffsynthese

Chemie | Biologie | Wissenschaftsgeschichte | Philosophie des 19. Jahrhunderts

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