Die Lebenserwartung ist die zu erwartende Zeitspanne, die einem Lebewesen ab einem gegebenen Zeitpunkt bis zu seinem Tod verbleibt. Diese Spanne wird in der Regel aufgrund empirischer Daten berechnet. Grundsätzlich kann jeder beliebige Zeitpunkt gewählt werden, ab dem die restliche Lebenszeit ermittelt werden soll.
Die meistermittelte Lebenserwartung ist die ab Zeitpunkt des Eintritts in das Leben, bei Menschen also die Lebenserwartung bei der Geburt. In diesem Fall fällt die Lebenserwartung mit dem durchschnittlichen Todesalter der betrachteten Gruppe zusammen. Die Lebenserwartung bei der Geburt ist bestimmt durch die Anzahl der Jahre, die ein Neugeborenes durchschnittlich leben würde, wenn die bei seiner Geburt herrschenden Lebensumstände und Sterblichkeitsraten während seines gesamten Lebens konstant blieben.
Die Berechnung der Lebenserwartung erfolgt anhand von Sterbetafeln, welche die exakte Zahl der Überlebenden und Gestorbenen pro 100.000 Einwohner nach Lebensalter in Jahren ausweisen.
Genauso finanzieren Männer die Rente der deutlich länger lebenden Frauen mit.
Vor allem in den Industrieländern klafft die Lebenserwartung von Frauen und Männern deutlich auseinander. Frauen erreichen dort um drei bis sechs Jahre höhere Werte, was zumeist auf ein risikoreicheres Leben der männlichen Bevölkerung zurück geführt wird. Die amerikanische Feministin Betty Friedan hat die These aufgestellt, dass auch ein Wandel der Geschlechtsrollen zu einer verlängerten Lebenserwartung für Frauen geführt habe. Betty Friedan: Mythos Alter, Hamburg 1995
Für die Vermutung, dass die unterschiedliche Lebenserwartung von Männern und Frauen in größerem Maße die Lebensumstände und die gewählte Lebensweise als die biologische Disposition (die genetische Veranlagung) widerspiegelt, sprechen unter anderem die Ergebnisse der "Klosterstudie". Hier wurde festgestellt, dass die Lebenserwartung von Nonnen annähernd gleich der der Frauen der Gesamtbevölkerung ist und Mönche im Schnitt nur 1-2 Jahre jünger als Nonnen sterben.
Es scheinen somit nur bestimmte Gruppen der männlichen Bevölkerung für die geringere Lebenserwartung von Männern verantwortlich zu sein. Dr. Paola Di Giulio vom Max Planck Institute For Demographic Research identifizierte u.a. die Gruppen der "Active Bon-Vivants" (häufig übergewichtige Vielarbeiter und Raucher; überwiegend Männer) und der "Nihilists" (korpulente Nichtsportler und Gesundheitsvorsorge-Vermeider - in dieser Gruppe zu gleichen Teilen Männer und Frauen). Auf der anderen Seite finden sich in der Gruppe der "Interventionists" (Nicht-Raucher, Nicht-Trinker mit gesunder Ernährung und ohne Stress-Job) hauptsächlich Frauen.
Ein ähnlicher Trugschluss kann bei der Lebenserwartung bestimmter Berufsgruppen auftreten. So ist die Lebenserwartung von Bischöfen deutlich höher als von Automechanikern. Dies liegt in erster Linie nicht an der gesünderen Lebensweise, sondern daran, dass Bischöfe nicht mit 25 sterben können, da sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht Bischof sind.
Auf gleiche Weise kann die Kindersterblichkeit die Lebenserwartung ab Geburt unverhältnismäßig verzerren. So wird für den Großteil des Mittelalters eine Gesamtlebenserwartung der Bevölkerung von dreißig Jahren und weniger angenommen. Betrachtet man die Lebenserwartung derer, die das erste Lebensjahr überlebt haben, steigt diese jedoch auf über vierzig Jahre an.
Häufig werden zudem Lebenserwartung, Durchschnittsalter und Höchstalter begrifflich nicht getrennt. Beispielsweise gilt der Kaukasus als Heimat besonders vieler sehr alter Menschen, die hundert Jahre und älter werden. Die durchschnittliche Lebenserwartung in diesen Ländern liegt jedoch signifikant unter dem Niveau westlicher Industrieländer. Auch auf die Tier- und Pflanzenwelt bezogen werden häufig Rekordalter mit Durchschnittsalter verwechselt: Elefanten können beispielsweise ein Alter von 70 Jahren und mehr erreichen, sterben aber in freier Wildbahn oft bedeutend früher. Hier wird das Rekordalter häufig mit der Lebenserwartung gleichgesetzt.
Leben | Demografie | Zeitbegriff
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