Das Laurence-Moon-Biedl-Bardet-Syndrom (LMBBS) - ICD-10-Code Q87.8 - ist eine angeborene und nicht ursächlich heilbare Behinderung auf der Grundlage einer autosomal-rezessiv vererbbaren Genmutation, deren Ursache noch nicht geklärt werden konnte. Es werden zwei Syndromtypen unterschieden: Laurence-Moon-Syndrom und Biedl-Bardet-Syndrom.
Auftretenshäufigkeit und Entstehung
Das LMBB-Syndrom ist vergleichsweise selten. In Deutschland sind beispielsweise lediglich etwa zehn Personen mit der Diagnose des Syndroms Typ Biedl-Bardet bekannt, weltweit sind es wenige hundert. Die durchschnittliche Auftrittswahrscheinlichkeit des Biedl-Bardet-Typs beträgt zwischen 1:160.000 und 1: 15.000, der Laurence-Moon-Typ ist noch seltener.
Grundlage dieser Behinderung ist eine Genmutation, die relevanten Genorte für den Biedl-Bardet-Typ sind 16q21 und 11q13. Wodurch die Mutation hervorgerufen wird, ist bislang unklar; in Betracht kommen könnten eine Enzymopathie, eine Störung der hypothalamo-hypophysären Funktion oder ein Kinesin-Defekt. Etwa 50 % der Kinder mit dem Syndrom stammen aus inzestuösen Beziehungen (Verwandtenverbindungen).
Geschichte
Das
Syndrom wurde unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten erstmals zu verschiedenen Zeiten von
George Bardet (Mitte 19. Jahrhundert, Fachgebiet
Allgemeinmedizin),
Artur Biedl (Mitte 19. Jahrhundert, Fachgebiet
Endokrinologie),
Robert Moon (1921/1922, Fachgebiet
Augenheilkunde und
John Laurence (1921/1922, Fachgebiet
Diabetologie) beschrieben. 1925 wurden die Forschungen zur Symptomatik vorerst abgeschossen und das Behinderungsbild bekam den Namen Laurence-Moon-Bardet-Biedl-Syndrom, der später zu Bardet-Biedl-Syndrom verkürzt wurde.
Merkmale
Im Bereich der klinischen Symptomatik wird unterschieden in das Laurence-Moon-Syndrom (ohne Polydaktylie und Adipositas, dafür aber mit Paraplegie und Muskelhypotonie) und das Bardet-Biedl-Syndrom (mit Polydaktylie, Adipositas und Besonderheiten der Nieren). Nicht alle Menschen mit dieser Besonderheit zeigen alle Merkmale und nicht alle Merkmale sind in gleich starker Ausprägung nachweisbar; es muss bei der
Diagnose eine starke intrafamiliäre
Expressivität beachtet werden. Gehäuft sind bei Menschen mit dieser Genmutation folgende Kennzeichen festzustellen:
Behandlung und Differentialdiagnostik
Das Syndrom ist nicht ursächlich heilbar, lediglich die Symptome können behandelt werden. Als
Differentialdiagnose kommen das
Alström-Syndrom, das
Börjeson-Forssman-Lehmann-Syndrom, das
Prader-Willi-Syndrom, das
Smith-Lemli-Opitz-Syndrom und das
Cohen-Syndrom in Frage.
Weblinks
Literatur
- Gerhard Neuhäuser: Syndrome bei Menschen mit geistiger Behinderung. Ursachen, Erscheinungsformen und Folgen, Lebenshilfe-Verlag, Marburg 2004, ISBN 3-88617-307-0
- Regine Witkowski u.a.: Lexikon der Syndrome und Fehlbildungen. Ursachen, Genetik und Risiken, Springer Berlin 2003, ISBN 3-540-44305-3
Siehe auch
Erbkrankheit | Behinderung | Syndrom
Bardet-Biedl syndrome | Syndrome de Bardet-Biedl | Syndroom van Laurence-Moon-Bardet-Biedl