Laurence Sterne * (* 24. November 1713 in Clonmel, Irland; † 18. März 1768 in London) war ein englischer Schriftsteller.
Als er jedoch 1759 mit den ersten beiden Bänden des Romans Tristram Shandy... in York einen Skandal ausgelöst und in London Aufsehen erregt hatte, siedelte er 1760 nach London über. Ein Nachbar, Lord Fauconberg, besorgte ihm in Coxwold eine weitere Pfarre; von nun an pendelte er zwischen London und „Shandy Hall“ in Coxwold. Nachdem er vier weitere Bände verfasst hatte, ging er – nach einem weiteren Blutsturz - für zweieinhalb Jahre nach Frankreich. Seine Frau, die ihm gefolgt war, ließ sich dort nieder; Sterne kehrte allein zurück. Im Sommer 1765 unternahm er eine Reise, die ihn bis nach Neapel führte. 1767 begann er eine Affäre mit Eliza Draper, die mit einem Offizier der East India Company verheiratet war.
Nachdem 1767 der neunte (letzte) Band des Tristram erschienen war, wandte Sterne sich einem weiteren Projekt zu: der Empfindsamen Reise... Jedoch starb Sterne nur drei Monate nach Erscheinen der beiden ersten Bände im März 1768 in London an Tuberkulose.Grabräuber verkauften Sternes Leichnam nach Cambridge an die Anatomie.
1759 hatte Sterne – im Zusammenhang mit einer Auseinandersetzung in York – eine Satire im Stil Swifts geschrieben; die empörten Kleriker verbrannten sie. Seine Aussichten auf Beförderung waren zunichte, jedoch erkannte Sterne sein Talent als Schriftsteller. Sein Hauptwerk ist The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman), dessen beide ersten Bände – trotz negativer Kritik seitens Samuel Johnson und Horace Walpole – ihn bereits sehr populär machten. Die weiteren sieben Bände erschienen zwischen 1761 und 1767. Die Neuheit und Eigentümlichkeit seines Stils erregte allgemeines Aufsehen; er wurde der "verzogene Liebling" der feinen Gesellschaft Londons. Tristram Shandy ist eine Erzählung, die aus einer Reihe von Skizzen besteht und teils unter der Maske des Yorick, eines Geistlichen und Humoristen, teils unter derjenigen des fantastischen Tristram vorgetragen wird. Das Ganze ist, ähnlich wie bei Jean Paul, mit wunderlicher Gelehrsamkeit verquickt, mehr ein buntes Durcheinander als ein planvolles Kunstwerk. (Zitat: „Somit schreibe ich ... ein sorglos gemachtes, artiges, unsinnvolles, gutgelauntes Shandysches Buch, das allen Ihren Herzen guttun wird. – Und auch allen Ihren Köpfen – vorausgesetzt, Sie verstehen es.“ VI. Buch, 17. Kapitel). Das Lesen wird zu einem Akt des Entdeckens, Enträtselns und phantasievollen Ergänzens. Der Leser muss bei Sterne in die Rolle eines Co-Autors schlüpfen.
Tristram will die Geschichte seines Lebens erzählen und beginnt mit dem Bericht seiner Zeugung. Eine harmlose Bemerkung seiner Mutter stört seinen Vater und der arme Tristram wird als Krüppel geboren. Um den Kausalzusammenhang zu erklären, muss erst John Lockes Theorie von der Assoziation der Gedanken dargelegt werden. Was wiederum zum Ehekontrakt seiner Eltern führt, weiter zu seinem Onkel Toby und dessen Steckenpferd, zur Hebamme und dem beschränkten Dr. Slop. So kann er von seiner eigenen Geburt erst im dritten Band berichten. Dem Erzähler dämmert, dass die Erzählung seines Lebens mehr Zeit in Anspruch nimmt als sein Leben selbst. Schließlich wendet er sich der heiteren Geschichte von Onkel Tobys Liebesabenteuern mit der Witwe Wadman zu. Sterne beschrieb liebevoll, wie die - von Missverständnissen ausgelöste - Distanz zwischen den Menschen mit Zuneigung überwunden werden kann.
Wer diesen Roman zum ersten Mal liest, mag sich gefoppt fühlen: Es ist kaum die Rede vom „Life“, auch nicht von den „Opinions“ des Erzählers, die zeitliche Abfolge ist auf den Kopf gestellt (das Ende des Romans liegt vor seinem Anfang), das Ganze scheinbar ein Vexierbild eines spleenigen Autors, ist jedoch auch noch aus heutiger Sicht ein kühnes Formexperiment, kombiniert mit subtiler Menschenkenntnis.
Nachdem Eliza Draper zu ihrem Gatten nach Bombay abgereist war, begann Sterne A Sentimental Journey Through France and Italy und erlitt bald einen - letzten - Zusammenbruch. Der geistvolle, scharf beobachtende, tief empfindende Reisende, hinter dessen leicht hingeworfenen Liebesabenteuern man kaum einen Geistlichen vermutet, ist eins der frischesten und unvergänglichsten Charakterbilder des 18. Jahrhunderts. Während Sentimental Journey in England überwiegend als witzige Moralkomödie aufgenommen wurde, wurde in vielen Übersetzungen, die es erlebte, die sentimentale Seite betont. So wurde Sterne in den folgenden Jahrzehnten als „Hohepriester des Gefühlskultes“ missverstanden.
Außer den genannten Schriften erschienen von Sterne mehrere Bände Sermons (1760 ff.), die nicht weniger den Humoristen verraten, sowie nach seinem Tod Letters to his most intimate friends (1775, 3 Bde.) und sein Briefwechsel mit Elisa *, 1767).
Autor | Literatur (18. Jh.) | Literatur (Englisch) | Aufklärung (Literatur) | Roman, Epik | Satire
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