Der Lateran bezeichnet einen Bereich in Rom, der seit der Zeit Konstantins I. der offizielle Sitz der Päpste ist. Zum Lateran gehören die antike Patriarchalbasilika San Giovanni in Laterano, das dazugehörige antike Baptisterium, die Reste des mittelalterlichen Papstpalastes mit der Scala Santa, der Papstkapelle Sancta Sanctorum und dem Leonischen Triclinium sowie dem Lateranpalast aus dem 16. Jahrhundert und dem größten Obelisken Roms. Die Lateranbasilika ist die Kathedrale des Erzbistums Rom.
Von welchem Zeitpunkt an der Lateran die Residenz der römischen Bischöfe war, ist in der Forschung bis heute umstritten. Er lag gleich neben dem Kaiserpalast, der in Teilen in der Kirche Santa Croce in Gerusalemme weiterexistiert. Die Lateranbasilika war diejenige von den drei konstantinischen Großkirchen, die innerhalb der Stadtmauern lag und somit als Kathedrale diente. Die Petersbasilika und Sankt Paul vor den Mauern befanden sich über den Gräbern der Apostel außerhalb der Stadt. Darum ist die Kirche noch immer die offizielle Bischofskirche des Papstes und trägt als solche den Ehrentitel „Omnium urbis et orbis ecclesiarum mater et caput“ - Mutter und Haupt aller Kirchen der Stadt Rom und des Erdkreises, weswegen sie die ranghöchste Patriarchalbasilika ist. Sie wurde ursprünglich dem Erlöser (Salvator) geweiht, erst später wurde sie Johannes dem Täufer (San Giovanni) gewidmet.
Folgende Konzile fanden im Lateran statt:
Neben der Kirche befand sich bis 1309 der Papstpalast, dessen Reste in der Kapelle Sancta Sanctorum und der Heiligen Treppe, der Scala Santa, fortbestehen. Zwischen den Klerikern beider Kirchen am Vatikan und am Lateran entspann sich bereits früh ein Konkurrenzkampf, in dem beide Seiten behaupteten, dieselben Reliquien zu besitzen oder schon von alters her den Vorrang vor der jeweils anderen zu besitzen. Die vatikanische Seite scheute sich auch nicht, die lateranischen Kleriker als "ungläubige Juden" zu beschimpfen. Hauptort der Verehrung war aber eigentlich immer der Vatikan mit dem Petrusgrab; der Lateran konnte nichts Gleichwertiges aufbieten und bot deswegen eine unglaubliche Anzahl an Reliquien des Alten und Neuen Testaments auf, wie die Bundeslade, die Gesetzestafel, Blut Christi und einen Petrusaltar.
Solange die Päpste sich hauptsächlich als römische Bischöfe und Herren der Stadt darstellen wollten, diente ihnen der auf kaiserlichem Grund erbaute lateranische Komplex als Kulisse, so in komprimiertem Maße bei ihrer Weihe und Krönung. Mit der Universalisierung des Papsttums trat aber immer mehr der Vatikan in den Vordergrund, auch wenn der Konkurrenzkampf zwischen beiden sich sicherlich erst mit dem Jubeljahr 1300 definitiv zugunsten des Vatikan als entschieden zeigte.
1377, bei der Rückkehr der Päpste vom Exil in Avignon, wurde bereits der Palast am Vatikan zum Aufenthaltsorte des Papstes; dieses lag aber nicht unbedingt am baulichen Zustand des lateranischen Palastes, sondern eher am Wunsch der Päpste, über die Nähe zum Petrusgrab ihren universellen Führungsanspruch wieder deutlicher hervorzuheben. Auf dem Lateranplatz stand im Mittelalter das Reiterstandbild des Marc Aurel, das damals für ein Bildnis Konstantins bzw. eine Statue Theoderichs gehalten wurde, weshalb es als einziges seiner Art die Wirren der Geschichte überlebte. Der sog. caballus Constantini war Herrschaftsmonument und Gerichtsort in einem: So ließ Papst Johannes XIII. dort einen rebellischen Stadtpräfekten an dessen Haaren an der Statue aufhängen. Das Standbild war aber nur ein Teil eines umfangreichen Figurenprogrammes, zu denen auch die römische Wölfin gehörte, deren Original heute in den Kapitolinischen Museen zu bewundern ist.
1586 wurde der heutige an die Kirche angebaute Lateranpalast als päpstliche Sommerresidenz wiedererrichtet.
Die baufällig gewordene antike Kirche wurde ab 1646 von Francesco Borromini für das Heilige Jahr 1650 stabilisiert und barockisiert. Dabei hat er unter anderem den Innenraum umgestaltet, indem er die ursprünglich 14 Arkaden des Mittelschiffs auf 5 pro Seite reduzierte. In die vermauerten Nischen ließ er riesige Statuen der 12 Apostel stellen. Diese wurden u. a. von Schülern Berninis angefertigt.
1736 wurde die Hauptfassade mit ihren bis zu 7 m hohen Kolossalfiguren ergänzt. In der Mitte ist Jesus zu sehen, links steht Johannes der Täufer, rechts ist eine Statue des Evangelisten Johannes, daneben sind Figuren der wichtigsten Kirchenlehrer angebracht.
1929 sicherten die Lateranverträge der Vatikanstadt die Staatlichkeit, und u. a. dem Lateran und Castel Gandolfo den Status einer exterritorialen Besitzung des Heiligen Stuhls.
Am 28. Juli 1993 wurden der Seiteneingang und Teile der Palastfront durch ein Bombenattentat - eine Autobombe explodierte - schwer beschädigt. Obwohl sogar die Statik der Fassade gefährdet war, konnten die Schäden zügig wieder behoben werden. Dies wurde als Warnung an den Papst verstanden, der kurz zuvor in Sizilien mit nie dagewesener Leidenschaft gegen die Mafia gepredigt hatte. Seitdem darf auf dem Platz kein KFZ mehr abgestellt werden.
Die Türen des Hauptportals stammen von der antiken Kurie auf dem Forum Romanum; sie demonstrieren als Spolien Übergang und Kontinuität der Herrschaft in Rom im Papsttum. In dem im Mittelalter erweiterten und mit einer neuen Apsis versehenen Chor befinden sich Mosaiken von Jacopo Torriti und Jacopo da Camerino aus den Jahren 1288 bis 1292. Sie wurden wie jene in Santa Maria Maggiore von Papst Nikolaus IV. in Auftrag gegeben. In das ursprüngliche Mosaik wurden bei dieser Restaurierung die Figuren der Heiligen Franz von Assisi und Antonius von Padua eingefügt, da Nikolaus IV. Generalminister der Franziskaner gewesen war.
Über dem Hauptaltar erhebt sich ein Ziborium von 1367 mit den mutmaßlichen Häuptern von Petrus und Paulus. Diese wurden von Urban V. aus ihrer ursprünglichen Ruhestätte, der Sancta Sanctorum entfernt und in das neuerrichtete Ziborium versetzt (s. Abb.).
Lateransbasilika_2.jpg In der Kirche befinden sich zahlreiche Papstgrabmäler, in der Confessio ruht Papst Martin V.. Durch diese Grablege demonstriert der erste unumstrittene Papst nach dem Großen Abendländischen Schisma die Kontinuität des Papsttums in seiner römischen Bischofskirche; zu seiner Zeit war die eigentliche Grablege der Päpste die vatikanische Basilika. Auch andere fanden in der Basilika ihre letzte Ruhestätte, wie Klemens XII., aus dessen Zeit die Fassade der Kirche stammt, außerdem: Sergius III., Silvester II., Sergius IV., Alexander III., Klemens XII., Leo XIII. Die Gräber zahlreicher anderer Päpste sind verloren gegangen.
An den Wänden sind Reste aus der alten Basilika (vor dem Umbau durch Borromini) angebracht, darunter Teile des Grabmals eines im 13. Jahrhundert verstorbenen Kardinals von Arnolfo di Cambio, Teile des ehemaligen Magdalenenziboriums, die heute einen alten Bischofssitz einfassen.
Das Baptisterium - s. Giovanni in Fonte - war Teil einer großen Anlage von Kapellen, die dem hl. Stephanus, dem hl. Hilarius und dem hl. Kreuz geweiht waren; auch sie mussten dem großen Umbau des gesamten Komplexes weichen und sind nur noch auf alten Plänen oder Zeichnungen vorhanden; für sie stellt die Biblioteca Vaticana ein unerschöpfliches Reservoir dar.
Am 11. Februar 1929 wurden hier die Lateranverträge zwischen dem Heiligen Stuhl und dem damaligen Königreich Italien (vertreten durch den faschistischen Ministerpräsidenten Benito Mussolini) abgeschlossen.
Weitere Teile des ehemaligen Palastes sind unsichtbar hinter den Mauern des Passionistenkonvents verborgen: Dort finden sich, in das neue Gebäude integriert, Fundament- und Mauerreste sowie z.T. noch die alten Fresken des Erdgeschosses des Palastes. Berühmt ist die älteste erhaltene Darstellung des Augustinus in der kleinen Kapelle rechts vom Eingang zum Gebäude.
Die Kapelle war die sog. Hauskapelle des Palastes, in der einst die wichtigsten Reliquien aufbewahrt wurden. So befanden sich auch die Häupter der Heiligen Petrus und Paulus ursprünglich hier, bevor sie durch Papst Urban V. in die Lateranbasilika überführt wurden. Hauptreliquien waren neben den Apostelköpfen vor allem Reliquien Christi, Mariens, Johannes des Evangelisten und Johannes des Täufers. Untergebracht waren diese Kirchenschätze in einer Zypressenholzlade unter dem Hauptaltar hinter zwei massiven Bronzetüren sowie in zwei Nischen über dem Presbyterium. Die Reliquiare wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch den österreichischen Jesuiten Hartmann Grisar geborgen und sind heute in den Räumen der Vatikanischen Bibliothek innerhalb der Vatikanischen Museen zu bewundern; die Reliquien selbst befinden sich noch immer in der Kapelle, die heute unter der Obhut der Passionisten-Brüder steht.
Die Bedeutung der Kapelle wird durch eine Inschrift auf dem Altar hervorgehoben. Hier ist in goldenen Lettern zu lesen: NON EST IN TOTO SANCTIOR ORBE LOCUS - Kein Ort ist heiliger als dieser auf dem ganzen Erdkreis. Über dem nach der Renovierung einzig zurückgebliebenen Altar findet sich ein beinahe lebensgroßes Bild Christi, das evtl. bereits um die Mitte des 5. Jahrhunderts entstanden ist: Es zeigt Christus auf einem Thron sitzend. Das ursprüngliche Bild wurde über die Jahrhunderte durch verschiedene Päpste mit Tüchern bedeckt, auf die zum Teil auch Kopien des Bildes gemalt wurden. Innozenz III. ließ es mit einer großen Silberplatte bedecken, sodass nur noch das Gesicht zu sehen war. Auch die Silberplatte selbst wurde durch die Jahrhunderte hindurch mit zahlreichen Ergänzungen, u.a. durch Pilger, bedacht. Das Bild selbst galt seit seinem Auftauchen in der Vita Stephans II. im Liber Pontificalis als nicht von Menschenhand (acheiropoieton) angefertigt: Der Evangelist Lukas habe es zwar begonnen, da er sich aber außerstande sah, es zu vollenden, hätten Engel es koloriert, so der Kleriker Maniacutius im 12. Jh. Es wurde urkundlich nachweisbar bereits von Papst Stefan II. 756 durch Rom getragen, um eine Invasion der Langobarden abzuwehren. Auch in späteren Jahrhunderten zogen die Päpste in einer Prozession an Mariä Himmelfahrt (15. August) mit der Ikone vom Lateran über das Forum Romanum nach S. Maria Maggiore.
Die Kapelle findet neue Aufmerksamkeit bei den Rompilgern durch den mittlerweile mit Stephen Fry verfilmten Mulisch-Bestseller Die Entdeckung des Himmels. In dem Roman werden die Steintafeln Mose (angeblich durch Titus nach Rom verfrachtet) mit den Zehn Geboten aus der Kapelle gestohlen. Diese Reliquie hat sich aber - und da ist Mulisch falsch informiert - nie in der Kapelle befunden; sie lag in der lateranischen Basilika.
Die Treppe war ursprünglich die Zugangstreppe zum Palast des Lateran. Ende des 16. Jahrhunderts erhielt die bis dahin freistehende Treppe ihren heutigen Überbau im Auftrag von Papst Sixtus V. durch Baumeister Domenico Fontana.
Seit 1723 werden die Marmorstufen mit einer Nussbaumholzverkleidung vor Abnutzungen geschützt. An der zweiten, elften und achtundzwanzigsten Stufe wurde jeweils ein Sichtfenster offen gelassen, durch die man auf angebliche Blutspuren Christi blicken kann.
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Der Weihetag der Basilika am 9. November wird in der gesamten Katholischen Kirche als Festtag begangen.
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