Das Lateinische Kaiserreich (offiziell: Imperium Romaniae dt. Kaiserreich Romania) ist das 1204 von Franken und Venezianern in Folge des Vierten Kreuzzugs installierte Reich, das im wesentlichen das Gebiet um Konstantinopel sowie Teile Thrakiens, Bithyniens und Nordwest-Kleinasiens umfasste. Das als Lehnsverband konstituierte Reich bestand bis 1261.
Mit Balduin wurde ein erfahrener Militär gewählt, dem aber nicht die Mittel zugestanden wurden, um eine starke Zentralmacht zu errichten – ganz so, wie es im Interesse Venedigs lag. Formal unterstanden dem Kaiser auch die Gebiete des Königreichs Thessalonike, des Herzogtum Archipelagos und der lateinischen Fürstentümer auf der Peloponnes.
Bald schon zeigten sich die Schwächen des neuen Staates, in dem vor allem Franzosen und Venezianer die Macht ausübten: weder gelang es, das gesamte ehemalige byzantinische Gebiet zu sichern (nur auf der Peloponnes und im Umland der Hauptstadt gelang dies effektiv, während Venedig sich ein Kolonialreich in der Ägäis aufbaute), noch konnte verhindert werden, dass sich rasch byzantinische Nachfolgestaaten bildeten (Kaiserreich Nikaia, Despotat Epirus, Kaiserreich Trapezunt). Zudem fielen in Thrakien die Bulgaren ein, wobei sie von der byzantinisch-orthodoxen Bevölkerung begrüßt wurden.
Die Erstarkung Nikaias in den folgenden Jahrzehnten sorgte schließlich endgültig dafür, dass das Kaiserreich rasch auf die unmittelbare Umgebung der Hauptstadt zusammenschrumpfte. Die lateinischen Kaiser gerieten auch bald in finanzielle Bedrängnis, wobei Venedig, welches die Finanzen des Staates faktisch kontrollierte, keine oder nur geringe Hilfe leistete. Auch Konstantinopel, einst das Juwel des Mittelmeerraumes, verfiel zusehends, während die Spannungen zwischen den katholischen Herrschern und ihren orthodoxen Untertanen mehr und mehr zunahmen.
Der Siegeszug Nikaias (erst Sicherung Kleinasiens gegen die Seldschuken, dann Eroberung größerer Teile des ehemaligen byzantinischen Festlandbesitzes in Europa) erreichte im August 1261 den Höhepunkt, als ein nikäisches Heer, eher zufällig, das fast unverteidigte Konstantinopel in einem Handstreich nahm – der Rest der Streitkräfte des lateinischen Kaiserreiches befand sich auf einem Beutezug. Das Byzantinische Reich wurde damit restauriert, jedoch konnte es nie wieder an seine alte Größe anknüpfen; die Konzentration auf die Wiedereinnahme der Hauptstadt hatte das Augenmerk von den Türken abgelenkt, die in den folgenden Jahrzehnten den byzantinisch-kleinasiatischen Besitz überrannten.
Genua übernahm die Rolle Venedigs (genuesisch-byzantinischer Vertrag von 1261) und unterstützte Byzanz dafür mit seiner Flotte. Die Fragmentierung des byzantinischen Herrschaftsraumes war damit größtenteils negiert (allerdings hielten sich fränkische und venezianische Besitzungen in der Ägäis und in Griechenland noch teilweise bis nach dem Fall Konstantinopels an die Türken 1453), doch blieben die Folgen der Eroberung von 1204 bestehen: Byzanz war zu einer Macht zweiten Ranges geworden.
Byzantinischer Teilstaat | Kreuzfahrerstaat | Kaiser (Lateinisches Kaiserreich)
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