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Lanzarote ist die nordöstlichste der sieben großen Kanarischen Inseln, die im Atlantischen Ozean eine von Spaniens siebzehn autonomen Regionen bilden. Lanzarote liegt rund 140 Kilometer westlich der marokkanischen Küste und eintausend Kilometer vom spanischen Festland entfernt. Die Insel hat eine Fläche von 845,5 km² und 123.039 Einwohner (ISTAC, 2005), was einer Bevölkerungsdichte von 146 Einwohnern pro km² entspricht. Die Hauptstadt der Insel ist Arrecife, die Landessprache Spanisch. Lanzarote gehört zur spanischen Provinz Las Palmas und seit 1996 zur EU. Sie besitzt einen eigenen Inselrat, den cabildo insular, und ist in die sieben Gemeinden Arrecife, Haría, San Bartolomé, Teguise, Tías, Tinajo und Yaiza gegliedert.
Als erste vollständige Insel wurde Lanzarote 1993 von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt.
Geographie
Lanzarote misst von Nord (
Punta Fariones) nach Süd (
Punta Pechiguera) rund 58 Kilometer und in der größten inOst-West-Ausdehnung 34 Kilometer. Im Süden von Lanzarote liegt in elf Kilometern Entfernung die Insel
Fuerteventura, und im Norden nur einen Kilometer entfernt der
Chinijo-Archipel mit den kleinen Inseln
La Graciosa,
Montaña Clara,
Alegranza,
Roque del Oeste und
Roque del Este. Von den insgesamt 213 Kilometern Küste sind 10 Kilometer Sand- und 16,5 Kilometer Kiesstrand, der Rest besteht aus Felsenküste. Die Insel besitzt zwei Gebirgszüge. Im Norden der Insel steigt das
Famara-Massiv mit dem Gipfel
Peñas del Chache auf a671 Meter ü.
NN an, und im Süden der
Los Ajaches auf 608 Meter ü. NN. Südlich des Famara-Massivs schließt sich die
Sandwüste von
El Jable an, die das Famara-Massiv von den so genannten Feuerbergen (
Montañas del Fuego) des
Timanfaya-Nationalparks abtrennt. Im Timanfaya-Gebiet ereigneten sich zuletzt von
1730 bis
1736 und
1824 starke
Vulkanausbrüche, die große Teile des fruchtbarsten Ackerlandes und mehrere Dörfer und Gehöfte mit zusammen etwa 420 Häusern unter sich begruben. Der Rest der Insel ist durch eine Hügellandschaft geprägt, die durch markant aufragende
Vulkankegel unterbrochen wird.
Geologie
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Lanzarote ist eine Insel
vulkanischen Ursprungs. Vor rund 36 Millionen Jahren begannen wiederholte unterseeische Vulkanausbrüche den Sockel der Insel zu bilden. Diese Eruptionen entstanden durch
Kontinentaldrift und
Hotspot-Vulkanismus. Ausführlicheres dazu im Artikel
Kanarische Inseln. Vor 15,5 Millionen Jahren wuchs Lanzarote über die Meeresoberfläche hinaus.
Die Oberfläche Lanzarotes ist durch vier vulkanische Hauptphasen entstanden, die meist durch die Kalium-Argon-Datierung nachgewiesen sind:
- Phase 1: Hier entstanden das Famara-Gebirgsmassiv im Norden, der zweithöchste Gebirgzug Los Ajaches, der östliche Teil der Rubicón-Ebene, so wie einzelne Vulkane bei Tías im Südosten. Diese Eruptionsphase fand vor 15,5 bis 3,8 Millionen Jahren statt, unterbrochen durch Zeiten, die von Erosion geprägt waren.
- Phase 2: Hier entstanden der westliche Teil der Rubicón-Ebene mit dem Montaña Roja, einige Vulkane im Inselinneren, so wie der Montaña de Guanapay bei Teguise und der Atalaya bei Haría im Norden. Diese eruptive Phase dauerte von etwa vor 2,7 bis vor 1,3 Millionen Jahren an.
- Phase 3: Hier gab es bis zu 100 Eruptionszentren, die sich vor etwa 730.000 bis 240.000 Jahren über die ganze Insel verteilt haben.
- Phase 4: Hier wird unterschieden: Die erste Eruptionsphase ließ vor gut 3.000 Jahren im Nordosten Lanzarotes das 30 Quadratkilometer große Malpaís de la Corona und damit auch die bekannte Cueva de los Verdes entstehen. Die zweite Eruptionsphase ereignete sich von 1730 bis 1736 und 1824, wobei über 23% der Fläche Lanzarotes mit etwa 3 bis 5 km³ neuer Lava aus etwa 30 neuen Vulkanen bedeckt wurden. Diese Größenordnung ist hinsichtlich Dauer, ausgepiener Lavamengen und Zusammensetzung der Laven (das Olivin-Mineral konnte entstehen) weltweit einzigartig. Heute erstreckt sich auf einem Großteil dieses Gebietes der Timanfaya-Nationalpark.
Geschichte
Erste Berichte durch Griechen und Römer
Durch die Nähe zu
Afrika und dem
europäischen Kontinent war Lanzarote wohl die erste
Kanarische Insel, die besiedelt wurde. Es wird vermutet, dass die
Phönizier bereits um
1100 v. Chr. die Insel besucht haben. Auch die griechischen Schriftsteller und Philosophen
Herodot,
Platon und
Plutarch berichten vom Garten der Hesperiden, vom Land der Fruchtbarkeit, wo Obst und Blumen in der Brise des Atlantikwindes duften, und
Homer schreibt im vierten Gesang der
Odyssee von einem
paradiesischen Ort. Es ist aber unklar, ob es sich bei diesen Beschreibungen nur um Dichtung handelt, oder ob konkret die Kanaren gemeint waren. Die ersten verlässlichen Aufzeichnungen stammen von
Plinius dem Älteren, der in seiner
enzyklopädischen Naturkunde Naturalis Historia von einer
Expedition zu den Kanarischen Inseln berichtet. In dieser Aufzeichnung werden erstmals Namen für die
Insulae Fortunatae (Inseln der Glückseligen) vergeben: Canaria (
Gran Canaria), Ninguaria (
Teneriffa), Junonia Mayor (
La Palma) und Capraria (
El Hierro). Man glaubt, dass
Fuerteventura und Lanzarote miteinander verbunden waren, denn beide, und auch
Lobos, werden nicht einzeln erwähnt, jedoch ein
Archipel. Nach den dort gefundenen Pflanzen, bei denen es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um die
Färberflechte (Rocella tinctoria) handelte, werden sie „Purpur-Inseln“ genannt.
Archäologische Funde, die auf das 1. Jahrhundert v. Chr. datiert werden konnten, belegen die Anwesenheit der
Römer auf Lanzarote.
Die Wiederentdeckung durch Araber und Europäer
In den nachfolgenden Jahrhunderten geraten die
Kanaren nach dem Zusammenbruch des
römischen Reichs wieder in Vergessenheit, und werden im Jahr
999 n. Chr. durch
Ben Farroukh wiederentdeckt. Die
Araber gaben den Inseln den Namen
Al Djezir al-Khalida (Glückliche Inseln) und lehnten sich damit an den Namen der Römer an. Im Jahr
1336 stach von
Lissabon aus eine
Flotte unter der Führung von
Lanzarote da Framqua alias
Lancelotto Malocello in See, um das damalige Ende der Welt zu erforschen, das zu jener Zeit vor der nordwestafrikanischen Küste lag. Jenseits dieses Punktes sollten Seeungeheuer und die Höllenglut der
Sahara ein Überleben unmöglich machen. Lancelotto Malocello umsegelte das Kap der Angst (
Kap Bojador) nie, entdeckte aber die
Kanarischen Inseln erneut, und ließ sich auf Lanzarote nieder. In der Nähe der heutigen Stadt
Teguise baute er auf dem
Montaña de Guanapay ein kleines
Fort. Wieder in
Portugal angekommen, erreichte er es, dass die von ihm entdeckte und in Besitz genommene Insel in der
Weltkarte des
Angelino Dulcert als
Insula de Lanzarotus Marocelus eingezeichnet wird. Seither trägt Lanzarote seinen Namen.
Die Unterwerfung durch Europäer
Angelockt durch wertvolle Rohstoffe wie
Orseille (rote Färberflechte) und
Sklaven, unternahm
Jean de Béthencourt 1402 eine
Expedition unter König
Heinrich III. von Kastilien zu den
kanarischen Inseln. Er ging im Süden Lanzarotes (von den Guanchen
Titeroygatra genannt), bei den
Papagayo-Stränden an Land, und konnte den einheimischen Inselkönig
Guardafia davon überzeugen, mit ihm friedlich zusammen zu arbeiten, in dem er ihm Schutz vor portugiesischen und spanischen Menschenhändlern anbot. Mit seiner Hilfe konnte in der
Rubicón-Ebene eine Festung bauen. Dies war aber eine Täuschung, da Béthencourt den Frieden nutzte, um die anderen Inseln zu erobern. Er stellte aber bald fest, dass seine Ausrüstung und die ihm zur Verfügung stehenden Soldaten nicht ausreichten, die Kontrolle über alle Inseln zu erlangen. Béthencourt begab sich so zurück aufs Festland. Während seiner Abwesenheit nutzt
Gadifer de la Salle die kleine vorgelagerte Insel
Los Lobos als Stützpunkt. Hier führte
Bertín de Berneval dann aber einen Aufstand und nahm Einheimische als Sklaven mit nach Spanien.
Gadifer hatte nun kein Schiff mehr und verdurstete beinahe auf Los Lobos, während die Einheimischen mit dem Töten von Europäern begannen. Mit Hilfe des Guanchen
Atchen wollte
Gadifer seine Leute rächen. Atchen nahm den König
Guardafía auf Lanzarote gefangen und wollte selbst an die Macht.
Guardafía konnte jedoch fliehen und ließ
Atchen lebendig verbrennen. Béthencourts mitgebrachte Geistliche tauften
Guardafía und beeilten sich mit der Taufe vieler Guanchen, was diese zu Sklaven machte. Zu Béthencourts Rückkehr
1404 war Lanzarote unterworfen. So konnte man sich gut gerüstet der Eroberung der Nachbarinsel
Fuerteventura widmen. Béthencourts weniger erfolgreicher Neffe
Maciot de Béthencourt wird als sein Stellvertreter auf Lanzarote bleiben. Er nimmt sich die Tochter namens
Teguise des bisherigen Herrschers
Guardafia zur Lebensgefährtin, und benennt den damaligen Ort
Acatife nach ihr.
Rubicón bei den Papagayo-Stränden wird sogar erster Bischofssitz durch
Benedikt XIII. Bischof
Alfonso Sanlúcar de Barrameda zeigte
Maciot de Béthencourt wegen seines tyrannischen Verhaltens bei der Spanischen Krone an (
siehe auch: Liste der Bischöfe der Kanarischen Inseln). Daraufhin übergab
Enrique de Guzmán, Graf von Niebla
1430 auf Befehl der Krone den Besitz der bisher eroberten Inseln an
Guillén de las Casas.
1435 übernahm
Fernán Peraza durch Erbschaft diesen Besitz. Auf Druck von Béthencourt besetzten Portugiesen Lanzarote, wurden aber nach zwei Jahren von dort vertrieben. Auf
Fernán Peraza folgte der Ehemann der
Inés Peraza,
Diego Herrera, welcher Lanzarote und Fuerteventura auf seine Kinder
Sancho de Herrera,
María de Ayala und
Constanza de Samiento verteilte. In den nachfolgenden Jahren ist die Geschichte Lanzarotes durch immer wiederkehrende Überfälle von
Piraten gekennzeichnet. Der schlimmste ereignete sich im Jahr
1618, als die Piraten
Jabán und
Solimán das Versteck der Einheimischen in den Höhlen der
Cueva de los Verdes entdeckten, und rund 1.000 Inselbewohner gefangen nahmen, um sie anschließend auf dem afrikanischen Sklavenmarkt zum Verkauf anzubieten.
Naturkatastrophen im 18. Jahrhundert
1730 kam es auf Lanzarote zu schweren
Vulkanausbrüchen. Am
1. September bildeten sich auf einer Strecke von 18 Kilometern 32 neue Vulkane. Die Ausbrüche, die von dem Pfarrer von Yaiza,
Don Andrés Lorenzo Curbelo, bis 1731 detailliert dokumentiert wurden, dauerten insgesamt 2.053 Tage und endeten im Jahr
1736. Am Ende hatte die Lava rund ein Viertel der Inselfläche unter sich begraben, darunter die fruchtbarsten Böden der Insel und mehrere Dörfer und Gehöfte. Statt dessen entstanden an dieser Stelle hundert neue
Vulkane, die den Namen
Montañas del Fuego (Feuerberge) erhalten haben. Anfangs war es den Inselbewohnern, unter Androhung von Strafe, verboten die Insel zu verlassen, da die Inselführung befürchtete, keine Arbeitskräfte mehr zur Verfügung zu haben. Die Versorgung mit Lebensmitteln verschlechterte sich aber zusehends, so dass der Hälfte der Bevölkerung erlaubt wurde, auf die Nachbarinsel
Gran Canaria auszuwandern.
1768 kam es zu einer Dürrekatastrophe, nachdem die Winterniederschläge mehrere Jahre lang nicht fielen. Die Dürre forderte zahlreiche Tote, viele Bewohner wanderten auf die Nachbarinseln oder nach Cuba und Amerika aus. Im Jahre
1824 kam es zu einem erneuten Vulkanausbruch im Bereich von
Tiagua, der aber bei weitem nicht so schlimm war wie die Ausbrüche in den Jahren
1730 bis
1736.
1974 wurde hier der
Timanfaya-Nationalpark gegründet.
Klima
Lanzarote liegt in der
Passatzone, was dazu führt, dass auf der Insel ganzjährig frische Winde aus Nord bis Nordost wehen. Lanzarote besitzt ein ganzjährig mildes und niederschlagsarmes
arides Klima, da die Passatwinde an der relativ flachen Insel meist nicht abregnen. Die Lufttemperatur liegt im Jahresdurchschnitt bei 20,5 °C. Der Monatsdurchschnitt beträgt im August 24,7 °C und im Januar 16,9 °C. Die Wassertemperatur des Atlantischen Ozeans schwankt durch das Aufquellen kalten Tiefenwassers vor der nordwestafrikanischen Küste und dem Kanarenstrom zwischen 22 °C im Sommer und 17 °C im Winter. Das macht in Zusammenhang mit dem Passatwind die teils hohen Sommertemperaturen erträglich.
Niederschläge
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Mit nur 112 Millimetern
Niederschlag pro Jahr ist Lanzarote die trockenste der Kanarischen Inseln, davon fallen allerdings etwa 85% von Januar bis März. Die relative Luftfeuchtigkeit beträgt im Mittel 70%. Im gebirgigen Norden können mit bis zu 300 Millimetern pro Jahr deutlich mehr Niederschläge fallen als im Süden. Dort können die vom Atlantik kommenden nordöstlichen
Passatwinde auf das Famara-Massiv mit dem höchsten Punkt von 671 Metern ü.
NN treffen, welches damit im untersten Bereich der Kondensationszone liegt. Die Passatwinde stauen sich nur bei starker Zirkulation und werden zum Aufstieg gezwungen. Die feuchte Atlantikluft kühlt während des Aufstiegs um 1 °C pro hundert Meter ab (
trockenadiabatische Abkühlung). Da die kühlere Luft jedoch weniger
Wasserdampf speichern kann, die absolute Menge an Wasserdampf aber gleich bleibt,
kondensiert der Wasserdampf, wenn die Sättigungsgrenze erreicht ist. Es entstehen
Wolken, beziehungsweise
Nebel. Die Feuchtigkeit aus den Wolken reicht aus, um in diesem Gebiet Landwirtschaft in Form von Trockenfeldbau zu betreiben (siehe Absatz
Landwirtschaft). Die Feuchtigkeit reicht ebenfalls aus, um im Tal der 1000 Palmen in der Gegend um
Haría einen für Lanzarote ungewöhnlichen Anblick zu schaffen. Mit den vielen Palmen (kanarische Dattelpalme,
Phoenix canariensis) und der besonders im Frühling üppigen
Vegetation findet man in diesem Tal eine „grüne Oase“ auf der ansonsten sehr vegetationsarmen Insel.
Wasserversorgung
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Die Wasserversorgung stellte auf der niederschlagsarmen Insel schon immer ein Problem dar. In der Vergangenheit wurde der
Niederschlag in großen
Zisternen gesammelt. Rund 25 Prozent des Wasserbedarfs wurde in den
50er Jahren durch wasserführende
Stollen im Famara-Massiv gedeckt. Von den sieben wasserführenden Stollen wurden 1950 vier genutzt, heute nur noch einer, da sinkende
Grundwasserstände zu einem Nachdrücken von schwererem Meerwasser und damit zu einer Versalzung (
Brackwasser) des Grundwassers geführt haben. Durch den in den 50er Jahren einsetzenden
Tourismus stieg der Wasserbedarf auf Lanzarote sprunghaft an, so dass mit
Tankschiffen Wasser von den Nachbarinseln
Teneriffa und
Gran Canaria auf die Insel transportiert werden musste. 1964 wurde dann nördlich von
Arrecife die erste Anlage zur
Meerwasserentsalzung gebaut, die in den folgenden Jahren ständig erweitert wurde und noch heute in Betrieb ist. Die Herstellung von
Süßwasser in Meerwasserentsalzungsanlagen stellt ein ökologisches Problem dar. Für die Gewinnung von Süßwasser braucht es viel Energie, was bedeutet, dass zusätzlich Erdöl importiert werden muss. Im Durchschnitt verbraucht jeder Tourist auf den Kanaren pro Tag etwa 230 Liter Wasser, die Einheimischen jedoch nur 138 Liter Wasser.
Wetterphänomene
Staubsturm_Sahara_Kanaren.jpg
Auf Lanzarote, wie auch auf den anderen Kanarischen Inseln, kommt es mehrmals pro Jahr zu einer besonderen
Wetterlage, wenn über der
Sahara Staubpartikel durch
Sandstürme und starke
Thermik bis in große Höhen transportiert werden. Mit südöstlichen Winden werden diese Aerosole dann weit auf den Atlantik hinaus transportiert. Während solcher Wetterlagen sinkt die Sichtweite auf der Insel bis auf wenige 100 Meter ab. Die Luft ist dann voller Staub und der Himmel erscheint in einem schon fast unwirklichen Rot- bis Braunton. Der hohe Gehalt an Aerosolen in der Luft führt dazu, dass der
Luftverkehr eingestellt wird, da die Staubpartikel die
Triebwerke moderner
Flugzeuge zerstören können. Von den Einheimischen (Lanzaroteños) wird dieser heiße Südostwind Levente genannt. Während dieser Wetterlage können die Temperaturen zeitweise bis auf 40 °C ansteigen.
Levente ist nicht ganz passend für diesen „Sturm“, auf den Kanaren wird er Calima genannt. Tritt ein Calima ein, kann sich die Sichtweite bis auf wenige Meter verringern. Sehr oft ist von einem Wind nichts zu spüren, der Staub schwebt in der Luft und es wird dementsprechend heiß.
Flora und Fauna
Lanzarote besitzt aufgrund der geringen Niederschläge eine karge
Flora. Deshalb herrschen hier wasserspeichernde (
Sukkulente), gegen Trockenheit resistente (
Xerophyten) und salztolerante Gewächse (
Salzpflanzen) vor. Es sind insgeamt rund 570 Arten auf der Insel anzutreffen, darunter einheimische und eingeschleppte, aber auch 13
inselendemische Arten, die nur auf Lanzarote vorkommen, und 55 kanarenendemische, die nur auf den Kanarischen Inseln vorkommen.
Flechten als niedere Pflanzen beginnen mit der Besiedlung des jungen
Lavagesteins. Bisher wurden 180 unterschiedliche Flechten gezählt. Sie leiten die
Sukzession ein, das bedeutet, dass sie den Übergang zu höheren Pflanzenarten schaffen. An diesen fortgeschritten Stellen wachsen
Euphorbien (
Wolfsmilchgewächse, auf der Insel
tabaiba genannt). Diese Pflanzen haben sich in erstaunlicher Weise an die Wasser- und Nährstoffarmut angepasst. Im feuchteren Norden ist die Artenvielfalt größer. Hier findet man die Kanarische Dattelpalme (
Phoenix canariensis), verschiedene
Farnarten, Kanarische Kiefern (
Pino canariensis) und vereinzelt den wilden Ölbaum (
Olea europaea). Nach den winterlichen Regenfällen erwacht im Februar und März die
Vegetation im Norden zu einem farbenprächtigen Blütenteppich, und verwandelt die
wüstenähnliche Landschaft in einen grünen Teppich. In der Vergangenheit sollen
Lorbeerwälder die Hochflächen des
Risco de Famara bedeckt haben. Ein kleiner Rest dieses Waldes befindet sich noch heute an der höchsten Stelle der
Famara-Steilküste.
Die Tierwelt fällt auf Lanzarote noch eintöniger aus als die Pflanzenwelt. Außer der Fledermaus gelangten alle anderen Säugetiere durch den Menschen auf die Insel, darunter auch Dromedare, die als Arbeits- und Lasttiere sehr gefragt waren, da sie perfekt an die Umweltbedingungen auf der Insel angepasst waren. Heute werden diese Tiere nur noch im Tourismus eingesetzt. Die Vogelwelt der Insel ist vielfältiger, es gibt rund 35 Arten, darunter der sehr seltene Eleonorenfalke, aber auch Wanderfalken und Fischadler. Auch unter den Reptilien findet sich eine endemische Art, die Eidechse Gallotia atlantica, die vornehmlich im Inselnorden vorkommt. Eine außergewöhnliche Besonderheit ist der kleine Albinokrebs (Remipedia), der in der unterirdischen Lagune von Jameos del Agua vorkommt. Diesen Krebs findet man ansonsten nur in einer Wassertiefe von mehreren tausend Metern. Er wurde vermutlich bei einem Vulkanausbruch in die Höhle gespült und konnte dort bis heute überleben.
Landwirtschaft
Lanzarote_La_Geria_Weinanbau.jpg
Auf etwa 2.300 Hektar wird auf Lanzarote Wein angebaut. Die bedeutendsten Weinsorten sind der rote
Listán Negro und
Negramoll. Weißweine werden aus
Listán Blanco,
Malvasia,
Moscatel und
Diego hergestellt. Das Weinanbaugebiet
La Geria ist ein Naturschutzgebiet und für seine traditionelle Anbaumethode mit
Lapilli bekannt (span.:
enarenado natural). Die teilweise meterdicke dunkle Lapillischicht (Vulkanasche) wird nutzbar, da sie tagsüber aufgeheizt, nachts Feuchtigkeit aus der Luft aufsaugt. Weil es hier nur sehr selten regnet, wird so das Wasser gespeichert. Die Wurzeln der angebauten Pflanzen und der Weinreben können so bis in den darunter liegenden Boden dringen, welcher dazu noch durch Erosion geschützt ist. Hier in La Geria gibt es in dem Ort
Masdache die Bodega
El Grifo mit eigenem Weinmuseum.
Diese Art des Trockenfeldbaus hat sich auf etwa 8.000 Hektar im mittleren und nördlichen Teil der Insel verbreitet. Das älteste Beispiel sind die
Opuntienfelder um
Guatiza, auf denen
Schildäuse zur Herstellung des
Karminfarbstoffes gezüchtet werden. Man hat meist künstlich etwa 15 cm dicke Lapillischichten auf fruchtbaren Boden aufgebracht (span.:
enarenado artificial). So werden heute hauptsächlich Kartoffeln, Zwiebeln, Mais, Knoblauch, Tomaten und
Luzerne angebaut. Eine weitere Art des Trockenfeldbaus sind die
Sandkulturen in und am Rande der Tiefebene
El Jable, die sich unterhalb des Famaramassivs ins Landesinnere erstreckt. Im Wesentlichen werden hier auf etwa 1.000 Hektar Süßkartoffeln, Melonen, Kürbisse, Tomaten und Gurken auf einer dünn mit Lapilli bedeckten Sandfläche angebaut. Die Erträge sind hier allerdings etwas kleiner.
Als landwirtschaftliches Nutztier werden in mehreren Gebieten Ziegen gehalten, aus deren Milch der begehrte kanarische Ziegenkäse in diversen Variationen traditionell hergestellt wird.
Allgemein gehen die landwirtschaftlichen Nutzflächen langsam zurück, da sich die Nutzung immer weniger lohnt.
Persönlichkeiten
Der Künstler
César Manrique trug entscheidend zur Gestaltung der Insel bei. Manrique hat es sogar erreicht, dass außer einem Hochhaus in der Hauptstadt
Arrecife, kein Gebäude auf der Insel höher als zwei Stockwerke gebaut werden durfte, und somit die Insel nicht für den typischen Massentourismus geeignet war. Dieser Entwicklung hat sich seit einigen Jahren zunehmend verändert, so dass in Richtung der wunderschönen
Papagayo-Strände nun ebenfalls höher gebaut wird.
Sehenswürdigkeiten
Bild:ElGolfo Lanzarote.JPG|Halb im Meer versunkener Krater El Golfo
Bild:Lanzarote_El_Golfo.jpg|Durch Algen grün gefärbte Lagune im Krater El Golfo
Bild:Lanzarote_Jameos_del_Agua_Pool.jpg|Jameos del Agua, Kunstwerk César Manriques
Bild:Lanzarote_Jardin_de_Cactus_Kaktusgarten.jpg|Jardín de Cactus von César Manrique
Bild:Lanzarote_Nov_2002_064.jpg|Insel La Graciosa, vom Mirador del Rio gesehen
Bild:Lanzarote vulkankegel 2000.jpg|Vulkankegel im Timanfaya-Nationalpark
Bild:timanfaya_002.jpg|Teilweise geschlossener Vulkankegel, Timanfaya
Bild:papagayos_001.jpg|Lanzarote im Süden, Papagayo-Strände
Infrastruktur
Nahe der Inselhauptstadt
Arrecife liegt der
Flughafen Lanzarote. Hier landen die großen Charterflieger hauptsächlich aus England, Deutschland, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz. Des Weiteren wird hier ein regionaler Flugverkehr, hauptsächlich mit
Binter Canarias, zu den anderen Inseln des Archipels betrieben.
Der Seehafen von Arrecife ist der wichtigste Umschlagplatz von Versorgungsgütern für die Insel. Von hier aus gibt es auch Fährverkehr mit Verbindungen zu den anderen Inseln. Eine weitere Fähre geht im Süden der Insel von Playa Blanca aus zur benachbarten Insel Fuerteventura.
Das Straßennetz ist sehr gut ausgebaut, so dass fast alle Orte Lanzarotes bequem erreichbar sind. Zwischen dem Flughafen und Arrecife gibt es eine Autobahnverbindung, ebenfalls im Süden zwischen Playa Blanca und Yaiza. Zwischen 1988 und 1996 ist der Autobestand Lanzarotes um 65% angestiegen. Damit gibt es etwa 800 Fahrzeuge pro 1000 Einwohner, also weit über EU-Durchschnitt (Stand: 2006).
Literatur
- Pott, Joachim/Hüppe, Joachim/Wildpret de la Torre, Wolfredo: Die Kanarischen Inseln. Natur- und Kulturlandschaften, Ulmer: Stuttgart 2003, 320 S., 295 Farbfotos, 28 Farbgrafiken, 3 Tabellen, ISBN 3-8001-3284-2 (reichbebilderte Darstellung der Geobotanik)
Weblinks
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