Langeweile (veraltet auch Zachheit = zähes Wesen, zähe Art) ist ein Gefühl oder eine Emotion, die vor allem von Lustlosigkeit, mangelndem Elan und Desinteresse geprägt ist.
Langeweile entsteht oft durch Monotonie im Alltag, also durch sich wiederholende Ereignisse, aus denen der Betrachter nichts Interessantes oder Aufmunterndes für sich erschließen kann oder will. Oft wird Langeweile auch mit Innerer Leere und Monotonie gleichgesetzt. Langeweile zeigt sich hauptsächlich durch die oben beschriebene Symptomatik, kann jedoch mit individuellen Gefühlen wie Verdruss und Sinnlosigkeit des eigenen Seins einhergehen. Im Allgemeinen zeigt sich dieses auch dadurch, dass Langeweile oft als das Gegenteil von Spaß, Freude und Abwechslung angesehen wird.
Das Gegenteil der Langeweile bezeichnet man als die Kurzeweile. Bei der Langenweile wird die Zeit als ausgedehnt empfunden, d. h. dem Betroffenen kommt es vor, als würde die Zeit langsamer als normal vergehen. Bei der Kurzenweile hingegen empfindet ein Betroffener die Zeit als sehr schnell vergehend. Sofern hat der Zustand des Langweilens auch Gemeinsamkeiten mit der Ungeduld, bei der die Zeit, die für eine Tätigkeit benötigt wurde, zuvor zu kurz eingeschätzt wurde. Alle drei haben somit gemeinsam, dass sie mit einer Veränderung des Zeitempfindens einhergehen.
Als elterliches Mittel gegen Langeweile wird häufig empfohlen, nichts zu tun. Also das Kind selber mit der Langeweile auskommen zu lassen, da sich diese meistens recht schnell wieder beendet, sobald eine eigene Idee hervorgebracht wird. Auch wird argumentiert, dass die Kinder lernen müssten, mit dieser Situation zurecht zu kommen. Auf jeden Fall sei darauf zu achten, dass die Eltern die Langeweile nicht von vornehinein provozieren, indem sie versuchten sie auszugrenzen. Dieses liegt daran, dass das Durchplanen eines Tages mit Aktivitäten dazu führen kann, dass die Kinder sich erdrückt fühlen und die Freiheit missen, ihre eigenen Ideen einzubringen, was sich in Abneigung, Desinteresse und Langeweile äußern kann. Das selbe Phänomen könne auch durch die Überflutung mit Reizen eintreten, zum Beispiel wenn die Kinder aber auch insbesondere Jugendliche Fernseher, Computer, Radio etc. gleichzeitig benutzen, da alles in den Hintergrund rücke.
In der Jugendsprache wird Langeweile oft auch als „Sturz“ oder „Stürzend“ bezeichnet.
Eine Langeweile kann sowohl positiv als auch negativ erlebt werden. Ein positives Erleben stellt sich meistens dann ein, wenn der Betroffene die Langeweile ausnutzen kann, etwa um sich zu erholen, oder aus ihr Motivation für eine seiner Meinung nach ohnehin nötigen Reflexion schöpft. Einen negativen Charakter bekommt die Langeweile meistens dann, wenn der Betroffene sie zu nichts zuordnen kann und in ihr keinen Sinn sieht, dieses kann mitunter auch zu Selbstzweifeln während eines Reflexionsprozesses führen. Auch kommt es häufig vor, dass in der Situation der Langeweile verdrängte Gefühle an den Tag treten. So kommt es zum Beispiel vor, dass die Wahrnehmung von Gefühlen die der Betroffene mit Erinnerungen verbindet, etwa Weh- oder Schwermut, sehr intensiv ist. Jedoch muss man hier von einer Depression unterscheiden, da sich diese Zustände in der Langeweile von dem Betroffenen selbst beobachten lassen und er den Willen hat, diese zu Beenden. Interessant ist allerdings der Bezug zur Melancholie. Die Melancholie zeichnet sich durch wiederkehrende Schwermutsanfälle ohne erkennbaren Grund aus und löst sich meistens mit dem Bekanntwerden dieses Grundes auf. Dass auch die Langeweile häufig wie ein Anfall erlebt, oder gar als ein Anfall von Langeweile beschrieben wird und mit ähnlichen Gefühlsempfindungen einhergeht, die schwer bis gar nicht zu kontrollieren sind, zeigt hier eine Verbindung auf und legt dar, warum viele die Langeweile als rein negatives Gefühl betrachten. In den meisten Fällen von Langeweile wird diese jedoch sowohl negativ als auch positiv erlebt, da nach der Reflexionsphase die Langeweile häufig mit einem positiven Ergebnis oder einer positiven Handlung beendet wird.
So wie das unterschiedliche Erleben von Langeweile, ist auch der Umgang mit ihr sehr unterschiedlich. Mit am häufigsten kann man wohl beobachten, dass durch das Hinzuziehen von Dritten versucht wird, eine negativ empfundene Langeweile doch positiv zu beenden. Die zeigt sich häufig durch die Bekundigung „Mir ist langweilig!“ durch einen Betroffenen, der seiner Umwelt damit zumeist signalisieren will, dass er um Hilfe bei dem Beenden dieses Zustandes bittet und ihn als unangenehm empfindet, besonders wenn dieses unaufgefordert geschieht. So ist die „Mir ist langweilig.“ als Antwort auf eine Frage nach dem Befinden oder der aktuellen Tätigkeit weitaus seltener zu hören als die ohne Aufforderung gegebene Aussage. Wie schon in dem Abschnitt über Langeweile bei Kindern und Jugendlichen werden Vorschläge von Dritten jedoch meistens als ungenügend oder wenig passend empfunden. Dieses bildet für die meisten den Anlass, sich nach einiger Zeit der Reflexion erst einmal oberflächlich mit etwas zu beschäftigen, um sich abzulenken und so die Langeweile zu überbrücken. Hier zeigt sich, dass der sich langeweilenden Person im Grunde schon bewusst ist, dass sich dieser Zustand wieder von selbst beendet. Wenn die betroffene Person jedoch mit der Situation überfordert ist, d.h. sie kann nicht mit Gewissheit sagen, dass es sich um eine Langeweile handelt, führt dieses häufig dazu, dass sich die Person stark zurückzieht und versucht, gegen das Gefühl anzukämpfen. Dieses kann zum Beispiel durch das Ignorieren der Langeweile erfolgen, indem eine Tätigkeit einfach stur fortgesetzt wird, obwohl der Betroffene keine Lust dazu hat. In beiden Fällen löst sich die Langeweile meistens mit dem Abschluss des Gedankenprozesses auf, was diese eigentlich als nächstes tun möchten. Seltener wird die Langeweile von vornehinein als willkommene Abwechslung etwa zur Entspannung oder als Quelle von Lebensenergie und Elan genutzt. Diese Umkehrung des ersten Eindrucks kann jedoch nur geschehen, wenn sich der Betroffene dessen bewusst ist, dass die Langeweile ihn eigentlich dazu anhält, etwas zu tun und er ihr so einen Sinn zuschreiben kann. Dieser Umgang zeigt sich häufig in literarischen und philosophischen Auseinandersetzung mit der Langeweile (Siehe Abschnitt weiter unten). Diese Erkenntnis erschließt sich meistens dann, wenn ein Betroffener in einer Langeweile den Entschluss fasst, das, was er während der Langeweile durchdacht hat, zu verbessern bzw. umzusetzen und die Langeweile löst sich dann mit der Idee, was man ändern oder tun müsse, um seine Situation zu verbessern und dem Entschluss dazu, dieses umzusetzen, auf. Die drei wesentlichsten Methoden, mit Langeweile umzugehen, sind somit
wobei sich alle drei Methoden häufig miteinander vermischen und ihnen allen eine intensive, wenn auch oft nicht unmittelbar erkennbare (1 und 2), Reflexion zu Grunde liegt.
So analysierte unter anderem der Philosoph Martin Heidegger die Langeweile und teilte diese in verschiedene Phasen ein. Dabei spezifiziert er (Sinngemäß nach dem Buch Ein Meister aus Deutschland von Rüdiger Safranski) die drei Phasen wie folgt:
Der Literat, Naturwissenschaftler und Philosoph Blaise Pascal schrieb zur Langeweile, der er keinen Nutzen entnehmen konnte, folgendes:
Émile Michel Cioran äußerte sich in einem in der Weihnachtsausgabe 1994 der ‚Frankfurter Rundschau‘ abgedruckten Interview folgendermaßen zum Thema:
Peter Bichsel äußerte sich einmal positiv über die Langeweile. In seiner Kindheit habe er sich immer gelangweilt. Da er nicht gut im Fußball gewesen sei, habe er sich Werke der Weltliteratur aus der Stadtbücherei ausgeliehen und mit dem Lesen begonnen und dadurch gleichzeitig unbewusst die Grundlage für sein späteres Wirken als Schriftsteller gelegt. Hier wird deutlich, dass Langeweile durchaus etwas Konstruktives und Positives sein kann, indem sie uns zum Nachdenken bringt und uns dazu auffordert, Entscheidungen zu treffen für eine sinnvolle Gestaltung unserer Lebenszeit.
Andere meinen, inmitten der totalen Spaßgesellschaft entpuppt sich die Langeweile manchmal als die intelligente Antwort auf ein überbordendes Angebot aus Dekadenz und Völlerei. Für Kinder und Jugendliche stellt sich die Langeweile oft als ein nicht lange zu ertragendes Gefühl dar. Sie versuchen sie dann mit allerlei spontan entstandenen Tätigkeiten und Spielen positiv zu beenden oder zu überbrücken.
Weitere Denker, die sich mit der Langeweile auseinandergesetzt haben, sind Arthur Schopenhauer, Friedrich Nietzsche, Hans Blumenberg und der italienische Dichter Giacomo Leopardi.
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