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Die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (abgekürzt LPG) war ein mehr oder weniger freiwilliger Zusammenschluss von Bauern in der DDR in der - zumindest theoretischen - Form einer Genossenschaft.

Es wurden zunächst ab 1952 drei verschiedene Typen von LPGen gebildet (Typ I, Typ II und Typ III). Je nach Typ wurden von den Bauern dabei ihr Boden (I), dazu ihre Maschinen (II) und dazu ihr Vieh (III) in die Genossenschaft eingebracht. Die LPGen waren in der Regel auf Basis der Dörfer bzw. Gemeinden organisiert. Die sogenannte Kollektivierung der Landwirtschaft wurde im Frühjahr 1960 abgeschlossen. Ab diesem Zeitpunkt existierten kaum mehr Einzelbauern.

Ab Ende der 1960er Jahre begann man damit, die Kooperation zwischen den LPGen voranzutreiben, nachdem viele LPG miteinander fusionieren mussten. Dieser Prozess mündete in der Bildung von KAP (Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion). In diesen wurde die Feldwirtschaft mehrerer LPG gemeinsam betrieben, sodass den "Restbetrieben", wie sie auch genannt wurden, weitestgehend nur die Viehwirtschaft blieb. Mitte der 1970er Jahre forcierte die SED die Umwandlung der KAP in LPG Pflanzenproduktion (LPG (P)) und VEG (P). Die administrative Trennung von Tierhaltung und Feldbau, die mit der Bildung der Pflanzenproduktionsbetriebe manifestiert wurde, war unter den Bauern höchst umstritten, da sie zahlreiche negative Auswirkungen nach sich zog, nahm allerdings quasi die danach einsetzende Spezialisierung der industriell arbeitenden Landwirtschaft innerhalb der EU vorweg.

Nach der Wende 1989/1990 mussten sich die LPGen den neuen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gegebenheiten anpassen. Einige lösten sich auf und das Land wurde wieder an die genossenschaftlichen Eigentümer übergeben, die ihrerseits teilweise wieder als Landwirte (Wiedereinrichter) begannen, viele andere bestehen bis heute als GmbH oder Agrargenossenschaft weiter und dominieren in weiten Teilen die Landwirtschaft im Osten Deutschlands.

Zahlreiche Bauern haben bis zum Mauerbau 1961, vor allem auf Grund des Druckes der SED, ihre Höfe in der DDR verlassen, um nicht Mitglied einer LPG werden zu müssen. Die Produktivität im Bereich der Landwirtschaft nahm nach der Zwangsvergenossenschaftlichung ab, konnte dann zwar in den 1960er Jahren gesteigert werden, erreichte aber nie die Produktivität der familienbetrieblich dominierten Agrarwirtschaft im Westen Deutschlands. Dessen ungeachtet, arrangierten sich die Bauern mit der Zeit mit den LPG und wurden vielfach in ihnen heimisch. Dabei spielte auch eine Rolle, dass die Arbeit in der LPG oftmals eine Erleichterung gegenüber der des Einzelbauern darstellte. Als positiv wurden z.B. die Urlaubsmöglichkeiten sowie die besser geregelte Arbeitszeit genannt.

Neben den LPGen gab es auch noch, wenn auch in wesentlicher geringerer Anzahl, staatliche landwirtschafliche Produktionsbetriebe, die Volkseigenen Güter. Außerdem gab es im geringeren Umfang Gärtnerische Produktionsgenossenschaften (GPG).

Das Genossenschafts- und Bodenrecht war im speziellen Rechtsgebiet des LPG-Rechts geregelt.

Die LPG ähnelt stark dem sowjetischen Kolchos, bei dem der Boden jedoch Staatseigentum war. In Polen entsprachen die "Staatlichen Landwirtschaftlichen Betriebe" (Państwowe Gospodarstwo Rolne) den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschafen bzw. Volkseigenen Gütern.

Literatur


  • Manfred Kipping: Die Bauern in Oberwiera - Landwirtschaft im Sächsisch-Thüringischen 1945-1990. Sax, Beucha 2000, ISBN 3930076756
  • Barbara Schier: Alltagsleben im 'sozialistischen' Dorf - Merxleben und seine LPG im Spannungsfeld der SED-Agrarpolitik 1945-1990. Waxmann, Münster 2001, ISBN 3830910991
  • Ina Schumann, Jürgen Knauss *: LPG in Blankenhain : Die Geschichte der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) am Beispiel des Ritters Blankenhain in Sachsen (1945 bis 1991). Blankenhainer Berichte, Band 13, 2004
  • Bauerkämper, Arnd: Ländliche Gesellschaft in der kommunistischen Diktatur - Zwangsmodernisierung und Tradition in Brandenburg 1945-1963. Böhlau, Köln u.a. 2002, ISBN 3-412-16101-2
  • Schöne, Jens: Frühling auf dem Lande? - Die Kollektivierung der DDR-Landwirtschaft. Ch. Links, Berlin 2005, ISBN 3-86153-360-X

Weblinks


Agrargeschichte | Landwirtschaft (DDR) | Kollektivismus | Wirtschaft (DDR)

Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft | Państwowe Gospodarstwo Rolne

 

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