Der Landschaftspark Emscherbruch ist ein öffentlich-rechtliches Rekultivierungsprojekt im nördlichen Ruhrgebiet, das rund 7,5 km² ehemalige Industrieflächen und Abraumhalden des Steinkohlebergbaus am Rande der Städte Herten und Recklinghausen zu einer Erholungsparklandschaft neu gestaltet. Die Planung begann 2001, die bauliche Durchführung 2004, die Fertigstellung ist für 2008 anvisiert.
Geographisches
Der zwischen
Gelsenkirchen, Herten und Recklinghausen gelegene
Emscherbruch ist zum Teil ein ruhrgebietstypisches
Senkungsgebiet, das durch zahlreiche
Bergschäden und daraus entstandene Bodenmulden geprägt ist. In der Gegenwart ist daraus eine Art
Auenwald mit vielen freien Flächen und kleinen Gewässern entstanden. Am Rande des Emscherbruchs liegt der etwas größere Ewaldsee. Die für den
Naturschutz bedeutende Landschaft wird heute vielfältig als weitläufiges
Naherholungsgebiet genutzt.
Daneben gibt es die riesige Halden Hoheward und Hoppenbruch, deren Aufschüttung zum Teil erst 2008 definitiv beendet sein wird. Hier ist aus einer ursprünglich flachen, weitläufigen Landschaft eine anthropogen überformte Hügellandschaft entstanden.
Strukturen
Auftraggeber dieses Kooperationsprojekts sind die Städte Herten, Recklinghausen, der
Regionalverband Ruhr (RVR) und die
Deutsche Steinkohle AG. Geplant haben mehrere Landschaftsarchitekten und Planungsbüros seit 2001, um mit Fördergeldern des Landes NRW und anderer Unterstützer ein tragfähiges Finanzierungskonzept und einen attraktiven, öffentlichen Naherholungspark mit zahlreichen Anziehungspunkten wie dem
Sonnenuhr-
Obelisken, der "Balkon-Promenade" und dem Höhenweg zu erstellen. Die Maßnahmen allein des ersten Realisierungsabschnitt haben ein Kostenvolumen von ca. 9 Mio. € umfasst.
Bergehalde Hoheward
Auf dem obersten Plateau der 1,6 km² großen
Halde Hoheward soll ein Horizontobservatorium (geplante Bauzeit 2007 bis 2008) und ein Himmelssee entstehen. Der ca. 150 m über die Umgebung ragende künstliche Berg wird durch ein strukturiertes System mit Wegen, Aufgängen und Aussichtspunkten von allen Seiten zugänglich gemacht und in das Umfeld eingebunden. Freizeit, Erholung, Sport, Bildung, Kunst – um diese Leitziele ranken sich die Visionen.
Mittlerweile ist die rund 3.000 m² große
Sonnenuhr in einer Höhe von 100 m fertiggestellt. Als Zeiger dient ein ca. 8,50 m hoher Edelstahl-Obelisk, welcher seinen Schatten auf die kreisrunde Fläche mit einem Durchmesser von 62 m wirft. Die Oberfläche, welche das Solarium des römischen Kaisers
Augustus zum Vorbild hat, besteht aus hellem Steinpflaster. Durchzogen wird es von 20 cm breiten Bahnen aus dunklem Pflaster. Die Lage der Bahnen wurde dabei nach Berechnungen der
Sternwarte Recklinghausen festgelegt. Diese sehr präzise Ausführung ermöglich dem Besucher bei geeigneter Witterung eine exakte Ablesung der Uhrzeit (
Wahre Ortszeit) und des Datums. Zu diesem Zwecke sind zahlreiche Erläuterungen in die Fläche eingelassen worden. Damit sie der Witterung widerstehen, hat man sie in Edelstahl angefertigt. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Fläche absolut eben ausgeführt ist. Damit es zu keiner Pfützenbildung kommt, wurde poröses Pflaster verwendet, welches das Wasser in den Untergrund abführt.
Um die Halde herum ist eine rund sechs Kilometer lange Balkonpromenade entstanden. Auf dieser unteren Ebene der Halde befinden sich elf Aussichtspunkte.
Weitere Bestandteile
Die Arbeitsteilung ergibt im Einzelnen für:
- die Stadt Herten: die Ewaldpromenade mit der Wasserachse auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Ewald
- die Stadt Recklinghausen die Entwicklung des Gartenbandes (südlicher Teil) und der Platzfläche "Auftakt Ost" des Aktiv-Linear-Parks
- den RVR die Erschließung der Ost- und Nordflanke der Halde durch die Ring- und Balkon-Promenade sowie Gestaltung des kleinen Plateaus mit der Sonnenuhr und dem Obelisken als einem Element der Horizontastronomie.
Aufschlussreiche Zitate
- "Halden als von Menschenhand geschaffene Berge sind eine riesige städtebauliche Chance, die wir konsequent nutzen und genutzt haben. In Szene gesetzt mit Landmarken geben sie dem Ballungsraum markante Gesichtszüge und helfen den Menschen sich in der Metropole Ruhr zu orientieren. Schon bald wird sich die Halde Hoheward einfügen in die Reihe bekannter Landmarken wie beispielsweise der Halde Beckstraße in Bottrop mit dem Tetraeder (Bottrop) oder der Schurenbachhalde in Essen mit der einzigartigen Bramme für das Ruhrgebiet." (Heinz-Dieter Klink, Direktor des Regionalverbandes Ruhr)
- "Der Emscher Landschaftspark zielt auf die integrierte Entwicklung von Stadt, Landschaft und Arbeit. Er zählt daher zu den Handlungsfeldern des von der Landesregierung aufgelegten Wachstums- und Beschäftigungspakts Ruhr. Leitprojekt des Masterplans Emscher Landschaftspark 2010 ist das "Neue Emschertal" als die Vision eines durchgängigen Grünzuges von Duisburg bis Dortmund entlang der umgebauten Emscher als Teil einer integrierten neuen Entwicklungsachse für die Bereiche Arbeit, Wohnen, Umwelt und Lebensqualität. Der Landschaftspark Emscherbruch mit der Halde Hoheward fügt sich beispielhaft in diese integrierte Entwicklungsstrategie ein." (Bärbel Höhn, bis 2005 Ministerin für Umwelt, und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen)
Weblinks
Ruhrgebiet | Parkanlage in Nordrhein-Westfalen | Herten