Der Landkreis Holzminden ist ein Landkreis im Süden von Niedersachsen. Er grenzt im Westen an die nordrhein-westfälischen Kreise Höxter und Lippe, im Norden an den Landkreis Hameln-Pyrmont und an den Landkreis Hildesheim und im Osten und Süden an den Landkreis Northeim.
Geschichte
Der Landkreis Holzminden wurde
1833 durch Gesetz des
Herzogs Wilhelm von Braunschweig begründet. Zur damaligen Kreisdirektion Holzminden gehörten die Ämter
Holzminden,
Eschershausen,
Stadtoldendorf und
Ottenstein. Bis
1850 wurde auch das Amt
Thedinghausen bei
Bremen (heute
Landkreis Verden) von Holzminden aus betreut.
1941 kam der Landkreis Holzminden zur preußischen
Provinz Hannover und wurde um
Bodenwerder und
Pegestorf erweitert. Im Zuge der
Gebietsreformen kamen am 1. Januar
1973 die Gemeinden
Brevörde,
Heinsen,
Meiborssen,
Polle,
Vahlbruch,
Lauenförde, Neuhaus i.S. und
Silberborn (letztere beiden vom
Landkreis Northeim) und am 1. März
1974 der Flecken Delligsen und die Gemeinden Ammensen, Kaierde und Varrigsen hinzu, während die Gemeinden
Bessingen,
Bisperode und
Harderode an den
Landkreis Hameln-Pyrmont und
Brunkensen und
Lütgenholzen an den
Landkreis Hildesheim abgegeben wurden.
Wappen
Genehmigung des Nieders. Ministers des Innern - III 332.408/4- vom 24. Juli 1950
Beschreibung:
Auf blauem Grunde über silbernem Querbach nach heraldisch rechts grimmender silberner (Eversteinscher) Löwe, goldbewehrt und gekrönt, rot bezungt.
Begründung:
Die Farben blau-silber sind die Eversteinschen Farben. Der Eversteinsche Wappenlöwe wurde gewählt, weil das Geschlecht der Eversteiner Grafen im heutigen Kreise Holzminden reich begütert war, die Gerichtsbarkeit ausübte, Markt-und Bürgerrechte besaß, ebenso wie das Geleitrecht über die Weser. Der silberne Wellenbalken charakterisiert den Weserstrom, der für den Kreis von größter Bedeutung ist.
Kreisfarben: blau-weiß
Struktur
Bedingt durch seine Lage im Mittelgebirge weist der Landkreis Holzminden einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Wald und einen vergleichsweise geringeren an landwirtschaftlicher Fläche auf. Vorhandene Bodenschätze und Holz als Energiequelle haben zu früher Ausbildung von Gewerbe und Industriebetrieben geführt. Vor allem während des Wirkens des Braunschweigischen Oberhofjägermeisters Johann Georg von Langen in der Mitte des 18. Jahrhunderts hat es einen ersten Industrialisierungsschub gegeben, an den die Schott Desag AG in Grünenplan und die
Porzellanmanufaktur Fürstenberg heute noch erinnern. Heute weist der Landkreis Holzminden unter allen niedersächsischen Landkreisen den höchsten Anteil an Beschäftigten im produzierenden Gewerbe auf. Dagegen ist der Anteil an Beschäftigten im Dienstleistungsgewerbe unterdurchschnittlich entwickelt. Wichtigste Branchen sind die Riech- und Geschmackstoffindustrie in Holzminden, Unternehmen der Porzellan- und Glasherstellung, die elektrotechnische Industrie und der Maschinenbau sowie die Gipsindustrie. Unter ihnen befinden sich eine Reihe von Unternehmen von internationaler und nationaler Bedeutung.
Günstige Voraussetzungen sind für den Tourismus gegeben, der sich bisher aber nur unterdurchschnittlich entwickelt hat. Schwerpunkte sind der Hochsolling mit Neuhaus und Silberborn mitten im Naturpark Solling-Vogler und die Weser mit Bodenwerder und Polle. Der Weserradweg, beliebtester deutscher Radweg, führt eine große Zahl von Fahrradtouristen in den Landkreis.
Von zunehmender Bedeutung ist aufgrund der zentralen Lage der Motorrad-Tourismus.
Als Ziele der Region sind zu nennen: Vogler-Region, Ottensteiner Hochebene sowie die Rühler Schweiz. Als Anlaufpunkt für den Motorrad-Tourismus entwickelt sich der Tourismusverband Bevern.
Die Schlösser der Weserrenaissance in Bevern, Fürstenberg und Hehlen, die Klöster Amelungsborn und Kemnade, das Geburtshaus von Wilhelm Raabe in Eschershausen sind ebenso kulturtouristische Anziehungspunkte wie das Porzellanmuseum Fürstenberg, die Glasmuseen in Boffzen und Grünenplan und das Münchhausenmuseum in Bodenwerder.
Kultur
In der Stadthalle
Holzminden und im
Weserrenaissance-Schloss
Bevern werden regelmäßige niveauvolle Konzertreihen angeboten. Einzelkonzerte finden an verschiedenen Orten im Landkreis statt. Der Kulturverein Holzminden bietet in der Stadthalle
Holzminden Theateraufführungen an. Im Schloss Bevern, im Alten Rathaus
Stadtoldendorf und an anderen Orten finden regelmäßig Kunstausstellungen statt. Zu den kulturellen Höhepunkten im
Weserbergland gehört das alle zwei Jahre Pfingsten in Holzminden veranstaltete
Internationales Straßentheaterfestival.
Bildung
Neben einem dezentralisierten Angebot an Grundschulen gibt es im Landkreis Holzminden an sechs Standorten Schulzentren, in denen Orientierungsstufen, Haupt- und Realschulen zusammengefasst sind. In Holzminden befinden sich das
Campe-Gymnasium, die Berufsbildenden Schulen mit einem Fachgymnasium sowie das international bekannte Landschulheim am Solling. Auf eine über 170-jährige Geschichte kann die Fachhochschule in Holzminden zurückblicken. Neben der traditionellen Architektur und dem Bauingenieurwesen gibt es heute auch die Studiengänge Bauchemie und Immobilienwirtschaft sowie den Ergänzungsstudiengang Internationales Bauen. Im Frühjahr 2002 waren hier insgesamt 836 Studentinnen und Studenten eingeschrieben. Außerdem befindet sich in dem Dorf Heyen das Lehrinstitut für
Akupunktmassage nach Penzel.
Regionale Zusammenarbeit
Der Landkreis Holzminden liegt an der Landesgrenze zwischen
Niedersachsen und
Nordrhein-Westfalen und gehört nicht zum Verflechtungsbereich von Oberzentren. Er pflegt aber eine enge Zusammenarbeit mit seinen Nachbarn. Seit
1992 gehört er dem
Regionalverband Südniedersachsen an. Seit dem Jahr
2000 befindet er sich in einer regionalen Entwicklungskooperation mit den Landkreisen
Hameln-Pyrmont und
Schaumburg unter dem Namen
Weserbergland Region. In dieser Kooperation werden auf der Grundlage eines Regionalen Entwicklungskonzepts eine Reihe von regional bedeutsamen Projekten gemeinsam oder in Abstimmung untereinander vorangebracht.
Verkehr
Weil der Kreis Holzminden früher zum Lande Braunschweig gehörte, wurde die erste Eisenbahnlinie Paderborn - Holzminden - Kreiensen im Jahre 1865 von der Braunschweigischen Staatsbahn errichtet.
Von Süden her erbaute die Bergisch-Märkische Eisenbahn 1876 eine weitere Verbindung von Scherfede bis Holzminden.
Dazu kam 1878 die Linie Paderborn - Northeim der Preußischen Staatsbahn, die nur in Lauenförde eine Station besitzt.
Die Städte Bodenwerder und Eschershausen erhielten durch die Vorwohle-Emmerthaler Eisenbahn AG erst im Jahre 1900 einen Anschluss an das Schienennetz.
Ein Jahr später führte die Firma Vering & Waechter eine Kleinbahn von Voldagsen bis nach Delligsen im Hils. Damit war der Höchststand des Schienennetzes mit 76 km Länge erreicht. Davon ist nur noch etwas mehr als die Hälfte in Betrieb; allerdings auch noch eine Museumsbahn. Stillgelegt wurden:
- 1963: (Duingen -) Hohenbüchen=Grünenplan - Delligsen 5 km
- 1975: Kirchbrak - Vorwohle 14 km
- 1982: (Emmerthal -) Hehlen - Bodenwerder - Kirchbrak 9 km
- 1984: Holzminden (- Lüchtringen=S. -) Fürstenberg (- Wehrden - Beverungen – Scherfede) 8 km
Der Personenverkehr beschränkt sich derzeit auf drei Stationen im Kreis.
Städte und Gemeinden
(Einwohnerzahlen vom 30. Juni 2005)
Samtgemeinden mit ihren Mitgliedsgemeinden
* Sitz der Samtgemeindeverwaltung
gemeindefreie Gebiete - (alle unbewohnt)
- Boffzen (23,40 km²)
- Eimen (12,91 km²)
- Eschershausen (4,92 km²)
- Grünenplan (22,71 km²)
- Holzminden (15,01 km²)
- Merxhausen (22,50 km²)
- Wenzen (15,84 km²)
Weblinks
Landkreis in Niedersachsen
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