Der Landkreis Gifhorn ist ein Landkreis im Osten Niedersachsens.
Geografie
Er grenzt im Westen an den
Landkreis Peine, an die
Region Hannover und an den
Landkreis Celle, im Norden an den
Landkreis Uelzen, im Osten an den
Altmarkkreis Salzwedel und an den
Ohrekreis in
Sachsen-Anhalt und im Süden an den
Landkreis Helmstedt und an die
kreisfreien Städte Wolfsburg und
Braunschweig.
Der Landkreis wird von den Flüssen Aller, Ise und Oker durchquert. Die Ise mündet in der Gifhorner Innenstadt in die Aller und die Oker bei Müden. Bei Edesbüttel zweigt der Elbe-Seitenkanal vom Mittellandkanal ab.
Der tiefste Punkt des Landkreises Gifhorn liegt an der Aller bei Müden (46 m über NN). Der höchste Punkt liegt im Norden des Kreises bei Sprakensehl (124 m über NN). Bis 1972 lag der höchste Punkt noch im damaligen Südosten des Kreises im Höhenzug des Dorm (Elm-Vorland, 182 m über NN).
Geschichte
Die Geschichte einer als "Landkreis Gifhorn" bezeichneten Verwaltungseinheit beginnt mit einer preußischen Verwaltungsreform am 1. April
1885, die Vorgänger dieses Territoriums konnten allerdings zum Teil auf eine jahrhundertelange Geschichte zurückblicken.
Der Landkreis seit 1885
Zu dem 1885 gebildeten Kreisgebiet gehörten im wesentlichen der Süden und die Mitte des heutigen Kreises, wobei der Grenzverlauf vor allem im Südosten anders war als heute. Hauptort war bereits 1885 Gifhorn, dabei ist es bis heute geblieben. Mit Verordnung vom 3. September
1932, die am 1. April
1933 in Kraft trat, wurde der gleichfalls 1885 gegründete Kreis Isenhagen dem Kreis Gifhorn angeschlossen. damit kam das weitflächige Gebiet des Nordkreises um Wittingen und Hankensbüttel hinzu, außerdem wurden
Heßlingen (mit dem
Schloss Wolfsburg) und
Hehlingen vom Kreis Gardelegen übernommen.
Als die Stadt Wolfsburg und das dortige Volkswagenwerk gegründet wurden, gehörten sie noch zum Landkreis Gifhorn. Schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg aber wurde Wolfsburg als kreisfreie Stadt ausgegliedert (1. Oktober 1951). Dennoch blieb der Landkreis Gifhorn mit 1604,69 km² einer der damals großflächigsten Landkreise der Bundesrepublik Deutschland und der größte Niedersachsens.
Die Bevölkerungsstruktur hatte sich nach dem Krieg dramatisch verändert. Während auf dem Kreisgebiet (bezogen auf den Gebietsstand nach 1951) im Jahr 1821 nur 31.940 Menschen gelebt hatten und diese Zahl durch Bevölkerungswachstum moderat auf 44.324 (1871), 55.236 (1904) und schließlich 65.739 (1939) gestiegen war, ergab trotz Kriegsverlusten eine Statistik von 1950 die Zahl von 119.281 Einwohnern, darunter 52.075 Vertriebene und Zugewanderte, vorwiegend aus den Ostgebieten.
Der Gebietsstand des Kreises änderte sich abermals zum 1. Juli 1972 mit der niedersächsischen Kommunalreform. Fast der gesamte Südosten musste abgegeben werden, darunter auch Fallersleben, die zweitgrößte Stadt des Kreises, und der im Elmvorland liegende Hasenwinkel. Der größere Teil dieser Gebiete ging an die Stadt Wolfsburg, ein kleinerer Teil an den Landkreis Helmstedt. Im mittleren Gebiet erhielt der Kreis dagegen Zuwachs durch einige großflächige, aber relativ bevölkerungsarme Gemeinden um Ummern und Parsau. Die mit einer Gebietsreform 1974 in den Landkreis Peine ausgegliederte Gemeinde Didderse wurde nach Widerstand der Bevölkerung 1981 in den Landkreis Gifhorn zurückgegliedert.
In den 1970er Jahren war zeitweise eine zweite Stufe der Gebietsreform beabsichtigt, u.a. war eine Zusammenlegung der Landkreise Gifhorn und Peine mit Verwaltungssitz in Peine in Gespräch. Diese damals recht unpopulären Pläne wurden aber - u.a. nach einem Wechsel der Landesregierung - nicht umgesetzt.
Vorgänger des Landkreises seit 1265
- Das Kreisgebiet im Norden war 1885-1933 der Landkreis Isenhagen und 1859-1885 das Amt Isenhagen. Dieses war 1859 durch Zusammenlegung der Ämter Isenhagen und Knesebeck entstanden. In der Zeit vor den um 1852 erfolgten hannoverschen Gerichts- und Verwaltungsreformen waren die Ämter in sich noch weiter unterteilt. So gehörten 1841 zum Amt Isenhagen die Gohgräfschaft Hankensbüttel und die Vogtei Steinhorst, zum Amt Knesebeck die Gohgräfschaft Wittingen, die Vogtei Knesebeck sowie die Gerichte Brome und Fahrenhorst.
- Das mittlere und südliche Kreisgebiet war 1885 zum Landkreis geformt worden. Zuvor (1859-1885) waren auf diesem Gebiet die Ämter Fallersleben und Gifhorn, die seit 1852 selbständige Stadt Gifhorn (mit damals etwa 3.000 Einwohnern) und neun Gemeinden des Amtes Meinersen, das damals zerstückelt und unter drei Landkreisen aufgeteilt wurde. Im Jahr 1841 gab es im Kreisgebiet insgesamt vier Vorläufer des Kreises, die in weitere Einheiten unterteilt waren: das Amt Gifhorn (bestehend aus der Stadt Gifhorn, dem Gericht Boldeckerland, der sog. Hausvogtei - nördlich der Stadt Gifhorn -, der Vogtei Wahrenholz, der Obergohgräfschaft Papenteich und der Untergohgräfschaft Papenteich), weiterhin das Amt Fallersleben (bestehend aus den Gohgräfschaften Grevenlahe und Hasenwinkel) sowie die Hausvogtei des Amtes Meinersen und drei Dörfer aus der Amtsvogtei Eicklingen.
- Sieht man unter den vielfältigen Vorgängern des heutigen Landkreises das Amt Gifhorn als dessen historischen Kern, so läßt sich die Geschichte dieses Amtsbezirks mindestens bis 1520 (Einlösung des verpfändeten Amtes Gifhorn durch Herzog Ernst) als "Amt" nachweisen. Weitere Nachweise der Verwaltungseinheit - möglicherweise auch damals schon als "Amt" - gehen allerdings bis mindestens 1265 zurück, denn seit diesem Jahr ist ein herzoglicher Vogt in Gifhorn nachgewiesen. Die Vogtei Gifhorn ist damit ältester Vorgänger des Landkreises. Dem späteren Amt stand ein Amtmann vor. Die Listen der Gifhorner Amtmänner sind seit 1564 erhalten. Sie sind die Vorgänger der späteren Landräte. Wie diese amtierten sie im Gifhorner Schloß, aber erst seit 1791, denn bis 1791 diente das Schloß als Festung und wurde von einem Schloßhauptmann (ab 1734 Landdrost) verwaltet. Dieser war Festungskommandant und befehligte seit dem 16. Jahrhundert eine Besatzung von Waffenmeistern, Büchsenschützen und Landsknechten.
- Eine Sonderentwicklung waren die Jahre 1539-1549. Damals war Gifhorn Residenzstadt eines kleinen selbständigen Territoriums, nämlich eines welfischen Teilstaats, der zum Herzogtum Lüneburg gehörte. In Gifhorn regierte Herzog Franz, der u.a. Melanchthon und der Familie Luthers Obdach gewährte. Bereits zuvor war im Kreisgebiet unter Herzog Ernst die Reformation eingeführt worden: 1528 wurde das Kloster Isenhagen reformiert und 1529 hielt Henricus Werden in Gifhorn den ersten Gottesdienst in evangelischer Form. 1549 war die kurze Eigenstaatlichkeit Gifhorns schon wieder beendet, denn in diesem Jahr starb Herzog Franz ohne männliche Nachkommen.
Religionen
Kirchen im Landkreis Gifhorn
= Geschichte der Christianisierung
=
Unter Karl dem Großen (742-814) im Zuge der teilweise gewaltsamen Missionierung der Sachsen wurden auch Gifhorn und die weitere Umgegend christianisiert. Gifhorn
gehörte damals zum Kirchspiel Meine. Der neue Glaube verbreitete sich zunächst nur langsam. Erst zwei Jahrhundert nach Karl dem Großen entstanden in vielen Ortschaften
der Region Bethäuser, Kapellen und Taufkirchen, in Gifhorn 1279 auch eine Stadtkirche,
genannt nach Nikolaus, dem Schutzheiligen der Kaufleute und Fernfahrer, entsprechend der Bedeutung des Marktfleckens Gifhorn an der Handelsstraße Lübeck - Nürnberg.
1519 wurden Stadt und Kirche bei der Hildesheimer Stiftsfehde zerstört. Nach Einführung der Reformation sorgte Herzog Franz 1540 für einen Kirchenneubau und sein Bruder Herzog Ernst errichtete die erste Superintendentur, losgelöst vom Archidiakonat Meine. Erst zwei Jahrhunderte später konnte 1744 eine große Stadtkirche eingeweiht werden, die heutige St.-Nicolai-Kirche mit ihrer kostbaren Christian-Vater-Orgel (1748).
Bis 1918 war Gifhorn, was die Zahl von 3500 Einwohnern betrifft, praktisch nicht größer als eine heutige Kirchengemeinde. Zwischen den Weltkriegen erhöhte sich die Einwohnerzahl nur langsam von 3500 auf 5000, vervierfachte sich aber durch die großen Flüchtlingsströme in der Nachkriegszeit, um bis heute - verstärkt auch durch den Zustrom von Spätaussiedlern in den 90er Jahren - auf circa 44.000 Einwohner anzuwachsen. Dies brachte in den Kirchengemeinden und religiösen Gemeinschaften einen enormen Zuwachs an Gemeindegliedern mit sich.
= Evangelischer Kirchenkreis Gifhorn
=
Als Tochtergemeinden von St. Nicolai entstanden 1960 die Martin-Luther-G., 1967 die Thomas-G. in Neudorf-Platendorf, 1969 die Paulusgemeinde, 1993 die Epiphanias-G. in
Gamsen/Kästorf.
= Landeskirchliche Gemeinschaft
=
Was die Landeskirchliche Gemeinschaft betrifft, so liegen ihre Anfänge liegen in den 20er Jahren, wo man sich in kleinen Bibel- und Gebetskreisen in verschiedenen Häusern in Gifhorn traf. Ab 1930 versammelte man sich im ev. Kindergarten "Bleiche", bis 1990 das ehemalige Gebäude der Zeugen Jehovas in der Ringstraße übernommen werden konnte.
An selbständigen lutherischen Gemeinden gibt es noch in Gifhorn viele verschiedene Brüdergemeinden der Spätaussiedler, die meisten in den 90er Jahren gegründet.
= Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche
=
1996 wurde die Evangelisch-Lutherische Philippus Gemeinde der
Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) als jüngste Kirchengemeinde im
Kirchenbezirk Niedersachsen-Süd gegründet.
Die vier Gemeinden der SELK, die sich im Landkreis Gifhorn befinden, gehören zum Kirchenbezirk Niedersachsen-Süd:
- Evangelisch-Lutherische Philippusgemeinde Gifhorn
- Evangelisch-Lutherische Immanuelsgemeinde Groß Oesingen
- Evangelisch-Lutherische Stephanusgemeinde Meinersen-Seershausen
- Evangelisch-Lutherische St. Stephans-Gemeinde Wittingen
Dem Kirchenbezirk steht als leitender Geistlicher ein Superintendent vor, der mit dem Kirchenbezirksbeirat die Leitung inne hat. Weitere Organe sind die Kirchenbezirkssynode, die jährlich tagt. Synodale stellt eine Kirchengemeinde mit jeweils einem Laienvertreter und dem Gemeindepfarrer. Neben der Synode ist der Bezirkspfarrkonvent, dem alle Pfarrer mit Sitz und Stimme angehören, Organ des Kirchenbezirks. Der Kirchenbezirk Niedersachsen Süd erstreckt sich auf zahlreiche Landkreise, so auch auf den Landkreis Gifhorn. Die Entstehung der Gemeinden differiert.
= Baptisten
=
Die
Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Gifhorn (
Baptisten) hatte ihre Anfänge vor 100 Jahren in Neudorf-Platendorf und wurde mit dem Neubau am Brandweg 1962 eigenständig.
Ferner gibt es am Calberlaher Damm in Gifhorn noch eine Baptistengemeinde mit überwiegend Russlanddeutschen.
Außer in der Stadt Gifhorn gibt es im Landkreis noch Baptistengemeinden in Sassenburg (Neudorf-Platendorf), Brome, Parsau, Wasbüttel, Schwülper sowie eine Brüdergemeinde in Hillerse.
= Siebenten-Tags-Adventisten
=
Vor 80 Jahren wurde die erste
Adventgemeinde 1926 in Gifhorn gegründet. 1959 gelang einer erster Kirchbau, ein Neubau 1991.
Etwa im Jahr 2000 wurde eine weitere Adventgemeinde in Gifhorn gegründet, die sich heute in der Hauptstraße in Gifhorn-Kästorf befindet.
= Neuapostolische Kirche
=
Ein ähnliche Entwicklung erlebte die Gifhorner Gemeinde der Neuapostolischen Kirche, gegründet 1906, die 1953 ein erstes Kirchengebäude am Dannenbütteler Weg einweihen konnte. Dieses wurde nach einem Neubau am östlichen Stadtrand von der griechisch-orthodoxen Gemeinde übernommen.
= Pfingstkirche
=
Zum
pfingstlichen Spektrum der Stadt gehört die Freie Christengemeinde in der Pyritzer Straße. Sie gehört zum deutschen
Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden.
= Evangelische Allianz
=
Das nachfolgende 20. Jahrhundert brachte an seinem Anfang die große Ökumenische
Bewegung hervor. Nachdem jahrhundertlang zuerst immer auf das Trennende der christlichen
Kirchen geblickt wurde, bemüht man sich seit 90 Jahren in der Ökumene zuerst das Gemeinsame zu sehen, auch in Gifhorn. So vereinigten sich vor ca. 30-40 Jahren auf Einheit innerhalb des evangelischen Bereiches bedachte Personen in Gifhorn zur Ortsgruppe der Evangelischen Allianz, Hauptereignis ist jedes Jahr in der 2. Januarwoche die Gebetswoche, die reihum in den Gemeinden gemeinsam gefeiert wird.
= Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen
=
Nicht Personen, sondern Institutionen wie Kirchengemeinden sind zusammengeschlossen in der ACK, (
Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen; wiederbelebt in GF im Jahr 2001), an dem auch die katholischen Kirchengemeinden teilnehmen (weitere Mitglieder: Ev.-luth. Kirchengemeinden, Baptisten,
Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche, Adventisten, die russ.-orth. Gemeinde; die griech.-orth. Gemeinde gehört der ACK Braunschweig an.)
= Römisch-katholische Kirche
=
Was die katholischen Kirchengemeinden betrifft, so ist St. Bernward die älteste katholische
Gemeinde im Dekanat Wolfsburg. Die Kirche wurde 1915 eingeweiht, 1926 ein Pfarrhaus
gebaut. Doch erst 40 Jahre später wurde die Gemeinde selbständig, wieder 20 Jahre später,
1974, ein neues Pfarrheim eingeweiht, 2 Jahre zuvor die St.-Alfrid-Kirche Gifhorn. 1996 wird die Seelsorgeeinheit Gifhorn/Meine (mit der St.-Andreas-Kirchengemeinde) gegründet. Unter
dem Druck des Pfarrermangels und der Sparmaßnahmen infolge sinkender Kirchensteuer
vereinigten sich alle drei Gemeinden 2005 zu einer einzigen Gemeinde namens „Katholische Kirchengemeinde St. Altfrid Gifhorn/Meine”.
Politik
Historische Wahlergebnisse seit 1920
Die historischen Wahlergebnisse im Kreis Gifhorn unterschieden sich markant von den gesamtdeutschen Ergebnissen. Oft erzielten kleine Parteien, die anderenorts bedeutungslos waren, in Gifhorn sehr hohe Ergebnisse. Die Entwicklung lässt sich in fünf Phasen einteilen. Hierzu liegen zur Zeit nur die Ergebnisse auf Basis der Kreisgrenzen von 1969 vor. Trotz einiger Änderungen lassen sie sich aber mit den heutigen Ergebnissen vergleichen.
1920-1928: Welfen gegen Preußen
Mehr als von den klassischen Gegensätzen zwischen links und rechts oder zwischen Katholiken und Protestanten war Gifhorn von Widerstand der Welfen (
Deutsch-Hannoversche Partei) gegen die
1866 erfolgte Annexion durch
Preußen geprägt. Aber auch die konservativen Preußen hatten ihre Anhänger, z.B. in der
DNVP.
1920 beispielsweise wählte der Kreis zum
Reichstag wie folgt:
Welfen 48,7 %,
SPD 27,9 %,
DVP 8,6 %, DNVP 8,2 %. Die
Welfen pendelten sich in den Folgejahren bei etwa 36 % ein, die SPD verlor etwas und die DNVP erzielte wechselhafte Ergebnisse zwischen 8,8 und 20,7 %. Im Mai
1924 erzielte die
NSDAP bei ihrer ersten Kandidatur gleich einen Erfolg mit 11,9 %, konnte dies Ergebnis aber zunächst nicht halten. Das
Zentrum spielte im evangelischen Landkreis nie eine Rolle und blieb immer unter einem Prozent.
1930-1933: Erdrutsch nach rechts
Schon zur Reichstagswahl
1930 wurde die NSDAP stärkste Partei mit 34,2 %. Bei den noch freien Wahlen im April
1932 hatten die Welfen dann fast alle Wähler an die NSDAP verloren, die hier eins ihrer stärksten Ergebnisse in Deutschland erzielte: NSDAP 68,1 %, SPD 14,2 %, Welfen 6,4 %,
KPD 5,0 %, DNVP 4,1 %, alle anderen unter 1 %. Bei der Wahl im März
1933 wählten bei einer Rekord-Wahlbeteiligung von 90,0 % gar 73,8 % die NSDAP.
1947-1961: Hohe Ergebnisse für Kleinparteien
Nach dem Krieg hatte sich die Bevölkerung stark verändert. Es waren
Vertriebene hinzugekommen. Viele von ihnen wählten lange Zeit eine eigene Partei, den
BHE. Dieser hatte sein höchstes Ergebnis bei der Kreistagswahl
1952 mit 31,5 %. Daneben gab es verschiedene Kleinparteien im Spektrum rechts der
CDU, nämlich die konservativ-niedersächsische
DP (Deutsche Partei), die Deutsche Reichs-Partei (
DRP) und die später verbotene rechtsextreme Sozialistische Reichs-Partei (
SRP). Bei der Bundestagswahl
1949 wurde die DP im Landkreis stärkste Partei mit 32,2 % und die DRP zweitstärkste in 29,0 %. Die im
Bundestag führenden Parteien folgten abgeschlagen: die SPD mit 24,6 %,
Adenauers CDU mit nur 9,1 % und die
FDP mit 2,6 %. Bis
1961 verbessern sich diese Parteien immer mehr, die CDU kommt dann bei der Bundestagswahl immerhin auf 39,3 %, im Kreistag aber weiter nur auf Platz 4 in 14,6 %.
1965-1970: Hochburg der CDU
Nach
1961 sammeln CDU und SPD die Wähler der Kleinparteien ein. Da es sich oft um rechtskonservative Menschen handelt, sammelt die CDU mehr, und Gifhorn entwickelt sich zu einer ihrer Hochburgen. Als Deutschland
1969 mit knapper Mehrheit
Willy Brandt zum Kanzler wählt, wählt Gifhorn zu 52,1 % CDU, 36,4 % SPD (dennoch damals Rekordergebnis), 6,6 %
NPD und 4,4 % FDP.
Seit 1970: langsame Angleichung an den Bundesdurchschnitt
In der Zeit seit 1969 ist zunächst ein überdurchschnittlicher Stimmenanteil der CDU festzustellen, der Landkreis entwickelt sich aber immer mehr in Richtung des Bundesdurchschnitts und sorgt inzwischen für ungewohnt unauffällige Ergebnisse. Trotz der Trends der Vergangenheit bleiben rechte Kleinparteien im Landkreis seit langem erfolglos, selbst dann, wenn sie in der gleichen Wahl anderenorts Erfolg hatten. Bei der Kreistagswahl 1996 schafft eine spezielle Jugend-Wählergruppe, die JAM, den Sprung in den Kreistag. Bei der Kreistagswahl 2001 wählen 47,9 % CDU, 37,6 % SPD, 5,7 % Grüne, 4,7 % FDP, 3,5 %
Unabhängige. Gleichzeitig setzt sich mit
Marion Lau die SPD-Kandidatin als Landrätin durch. Bei der Bundestagswahl 2002 ist Gifhorn mit
Peine, einer SPD-Hochburg, zu einem gemeinsamen
Wahlkreis vereinigt. Dies erklärt mit das hohe SPD-Ergebnis, aber auch im Kreis Gifhorn waren seit 2001 Wähler zu SPD und
Grünen gewechselt: SPD 51,5 %, CDU 33,6 %, FDP 6,1 %, Grüne 5,8 %,
PDS 0,8 %. Als Direktkandidat gewählt wurde
Hubertus Heil (SPD), wiedergewählt 2005, seit 2005 Generalsekretär der SPD. Mit
Eva Möllring (CDU) verfügt Gifhorn seit 2005 über eine weitere Vertreterin im Deutschen Bundestag. Außerdem sitzt die
Gifhornerin Ewa Klamt (CDU bzw. Fraktion der
EVP-ED) derzeit im
Europäischen Parlament.
Kreistag
Wahl am 9. September 2001:
- CDU 110.516 Stimmen = 27 Sitze
- SPD 86.799 Stimmen = 21 Sitze
- Grüne 13.253 Stimmen = 3 Sitze
- FDP 10.806 Stimmen = 2 Sitze
- Unabhängige 8.144 Stimmen = 1 Sitz
- PBC 1.406 Stimmen = kein Sitz
Derzeitige Sitzverteilung nach Fraktionswechseln: CDU 28, SPD 20, Grüne 2, FDP 2, Unabhängige 2.
Landrätin
Marion Lau, seit 2001.
Das Arbeitszimmer der Landrätin liegt im Schloss Gifhorn. Im Schloss befinden sich nebeneinander Kreisverwaltung, Schlosskapelle, Historisches Museum und eine Justizvollzugsanstalt (Gefängnis). Umgeben ist die Anlage von einem Burggraben.
Seit 2001 gibt es aufgrund der Kommunalverfassungsreform eine einzelne "starke" Spitze des Landkreises, verkörpert in einer von den Bürgern gewählten Person. Marion Lau gewann damals die Wahl gegen den CDU-Kandidaten Dr. Klaus Lemke, der seit 1. August 1976 Oberkreisdirektor gewesen war. 1946-2001 hatte der Landkreis eine "Doppelspitze": der hauptamtliche Oberkreisdirektor leitete die Verwaltung und hatte damit das faktisch einflussreichere Amt, der ehrenamtliche Landrat bildete die politische Spitze. Bis kurz vor Ende des 20. Jahrhunderts waren alle Landräte und Oberkreisdirektoren und auch ihre seit 1564 nachweisbaren Vorgänger, die Kreishauptmänner und Amtmänner, männlich.
Partnerschaften und Patenschaften
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen
Es gibt insgesamt fünf offizielle Museen des Landkreises Gifhorn. Im
Gifhorner Schloss ist das
Historische Museum untergebracht. Ebenfalls in Gifhorn liegt das
Kavalierhaus von 1546 mit einer Ausstellung zur bürgerlichen Wohnkultur im 20. Jahrhundert. Die verbleibenden drei Museen liegen im Nordkreis. Das
Schulmuseum befindet sich im "Erich-Weniger-Haus" in
Steinhorst. Neben der ständigen Ausstellung und Sonderveranstaltungen (u.a. werden Schulstunden im Stil von 1900 für Kinder angeboten) arbeitet das Schulmuseum auch an einer Schriftenreihe, den "
Steinhorster Schriften zur regionalen Schulgeschichte und Schulentwicklung" (begonnen 1989, bisher neun Bände). Das Klosterhofmuseum Isenhagen zeigt die Geschichte des 1243 von den
Zisterziensern gegründeten und seit der Reformation als evangelischen
Damenstift betriebenen
Klosters. Ein besonderer Schwerpunkt ist die Geschichte historischer
Klostergärten. Hierzu gibt es am Museum einen Mustergarten und ein 1993 publiziertes Kräuterbuch. In der 1203 erstmals erwähnten Burg von
Brome ist ein
Burgmuseum untergebracht. Aus dem Umkreis des Burgmuseums liegen gleichfalls zahlreiche Publikationen vor: von 1980 bis 2000 sind hier 28 vorwiegend regionalgeschichtliche Werke erschienen.
Vier Museen des Landkreises haben außerhalb ihrer Häuser Museumslehrpfade in der freien Natur eingerichtet.
Neben diesen Museen existieren eine Reihe weiterer Museen und Ausstellungen. Am bekanntesten ist wohl das Mühlenmuseum in Gifhorn, in welchem Mühlen ausgestellt werden, die zum Teil in Ostdeutschen "Mühlenregionen" abgebaut wurden und nach Gifhorn transportiert wurden. Ebenfalls bekannt ist das Otter-Zentrum in Hankensbüttel (siehe auch Otter, Fischotter). Weiterhin hat in Vollbüttel ein Kinomuseum geöffnet, in Dedelstorf-Oerrel ein Jagdmuseum, in Lüben ein "Museum im Dorf".
Lokale Zeitungen
Städte und Gemeinden
(Einwohnerzahlen vom 30. Juni 2005)
Einheitsgemeinden
- Gifhorn, Stadt, Selbständige Gemeinde (42.658)
- Sassenburg (10.946) Westerbeck
- Wittingen, Stadt (12.268)
Samtgemeinden mit ihren Mitgliedsgemeinden
* Sitz der Samtgemeindeverwaltung
gemeindefreies Gebiet (unbewohnt)
Literatur
- Der Landkreis Gifhorn. Hrsg. von Niedersächsischen Landesverwaltungsamt. Bremen 1972. (Die Landkreise in Gifhorn, Bd. 26. ISBN 3-87172-327-4.)
- Gifhorner Kreiskalender, erscheint mit Unterbrechungen seit 1926 jährlich, mittlerweile mit jeweils ca. 50 Beiträgen und statistischem Anhang.
Landkreis in Niedersachsen
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