Lamspringe ist ein Flecken und Verwaltungssitz der Samtgemeinde Lamspringe im Landkreis Hildesheim im südlichen Niedersachsen, Deutschland.
Geografie
Geografische Lage
Die Ortschaft Lamspringe liegt an der Quelle der Lamme zwischen dem Heber im Südosten und dem Sackwald im Westen. Sie befindet sich im Städteviereck Alfeld–Bad Salzdetfurth–Bockenem–Bad Gandersheim.
Großstädte unweit von Lamspringe sind: Hannover (50 km) und Hildesheim (30 km) im Norden sowie Göttingen (40 km) im Südosten. Eine weitere größere Stadt ist Goslar (30 km) im Osten.
Wappen
Das Wappen des Fleckens Lamspringe besteht aus einem roten Schild, auf dem ein weißes
Lamm über eine grüne Wiese springt. In der rechten, oberen Ecke befindet sich eine goldene
Hopfenfrucht.
Geschichte
Ortsgründung
Lamspringe Hauptstrasse.jpg
Lamspringe als Ort und Kloster wurde
847 durch Graf Ricdag, einem sächsischen Adligen, an der Quelle der
Lamme gegründet. Günstige Voraussetzungen herrschten durch die Lage an einer alten Heer- und
Handelsstraße sowie in einem quellenreichen Gebiet. Die Erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr
872. Das etwa in dieser Zeit entstandene
Kanonissenkloster erlebte im 12. und 13. Jahrhundert mit etwa 180 Nonnen seine Blütezeit und erwarb Besitzungen weit über die Grenzen der Region hinaus. Zu dieser Entwicklung trug u.a. im Jahr
1230 Graf Wedekind von Poppenburg bei, indem er dem Kloster Güter in
Elze übertrug
[Burgstemmen Geschichte Brug und Grafschaft http://www.burgstemmen.de/poppenburg/seiten/burg.html am 17.6.2006].
Der Ort verdankt seine Entwicklung dem Kloster, das zahlreiche Arbeitskräfte als Tagelöhner, Knechte, Handwerker und Klosterdiener benötigte.
Rückschläge
Die anfangs stetige Aufwärtsentwicklung von Ort und Kloster wurde im 14. Jahrhundert durch Fehden, Überfälle und Brände im 14. Jahrhundert gebremst. Während der
Hildesheimer Stiftsfehde zwischen
1519 und
1523 zwischen dem Bistum
Hildesheim und dem Herzogtum
Braunschweig wurde Lamspringe niedergebrannt und das Kloster geplündert. Seitdem gehörte Lamspringe für gut hundert Jahre zum
welfischen Herrschaftsbereich. Während der
Reformation, die in der Region 1568 stattfand, wandelte sich das katholische Nonnenkloster in ein evangelisches Damenstift. Wenige Jahrzehnte nach dem Wiederaufbau des Ortes brach
1618 der
Dreißigjährige Krieg aus, der Lamspringe erneut hart traf. Nach der Schlacht in
Lutter am Barenberge 1626 plünderten Söldnertruppen den Ort und brannten erneut dutzende Häuser nieder.
Hilfe aus England
Klosterkirche_Lamspringe 2.jpggebäude (rechts)]]
Einen neuen Aufschwung für das Kloster brachten 1643 englische, "schwarze" Benediktinermönche. Sie waren wegen der Auflösung aller Klöster aus England vertrieben worden. Da Lamspringe inzwischen wieder zur Landesherrschaft des Hildesheimer Stuhls gehörte, rief der Bischof im Rahmen seines Bestrebens, katholische Stützpunkte in seinen nun evangelischen Landesteilen zu schaffen, die Mönche nach Lamspringe, und sie zogen in das leerstehende Kloster ein. Die Gebäude waren zu diesem Zeitpunkt verwahrlost. 1691 wurde nach 21 Jahren Bauzeit die dreischiffige Hallenkirche St. Hadrian und St. Dionysius feierlich geweiht, eine der größten katholischen Kirchen Niedersachsens. 1730 wurde mit dem Bau des, für damalige Verhältnisse überdimensionierten, Abteigebäudes begonnen. Während des gesamten 18. Jahrhunderts war das Lamspringer Kloster Zentrum der Ausbildung katholischen geistlichen Nachwuchses für England bzw. die britischen Inseln, da sich der Katholizismus dort zu dieser Zeit starker Unterdrückung ausgesetzt sah. Das Kloster wurde 1806 im Rahmen einer Säkularisation durch den Preußischen Staat aufgelöst, in dessen Vermögen das Kloster überging. Die Mönche erhielten Abfindungen und kehrten nach England zurück.
Klostergarten
Noch immer beeindruckend sind die großen, steinernen Gebäude der früheren Klosteranlage. Dazu zählen vor allem die Kirche, das Abteigebäude, die früheren Stallanlagen und der große Klostergarten von 5,5 ha, seit 1974 ein öffentlicher Park, in dem die
Lamme entspringt.
Weitere Ortsentwicklung
Der Flecken Lamspringe profitierte vom Aufschwung durch das Kloster. Der Ort wurde ein Zentrum des Umschlaghandels und der Brauereikunst. Diese Aufwärtsentwicklung setzte sich auch nach der Auflösung des Klosters
1806 fort.
1902 wurde Lamspringe an die Bahnlinie
Kreiensen -
Hildesheim angeschlossen, wodurch sich weitere Industriebetriebe ansiedelten.
Nachkriegszeit
Nach dem
Zweiten Weltkrieg hatten die Lamspringer Betriebe zunehmend unter dem nun weggefallenen Markt im Osten
Deutschlands zu leiden. Die Einwohnerzahl sank zwischenzeitlich auf unter 3.000. Trotz der Stilllegung der Bahnstrecke in den 80er Jahren begann sich die Wirtschaft mit der Wiedervereinigung zu erholen. Mehrere Betriebe der Metall- und Verpackungsindustrie siedelten sich in Lamspringe an. Die zentrale Lage zwischen
A7 und B3 sowie die Nähe zur B64 spielten hierbei eine wichtige Rolle.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Lamme Quelle.jpg: Quellgrotte im Klosterpark von Lamspringe]]
Parks
Bauwerke
- Klosterkirche
- Abteigebäude
Sport
Lamspringe verfügt über mehrere Sportvereine. Der TuSpo Lamspringe hat 731 Mitglieder, darunter 689 aktive. Der Verein bietet die Sparten Fußball, Turnen, Handball, Karate, Tischtennis, Badminton und Volleyball an. Zudem gibt es den Tennisclub Lamspringe sowie den Reitverein Flenithigau.
Regelmäßige Veranstaltungen
- Lamspringer September seit 1988. Einen Monat lang gibt es Veranstaltungen aus den verschiedensten Bereichen der Kultur und des Entertainment. Die Veranstaltung ist inzwischen zu einem hochkarätigen, überregionalen Event geworden. Prominente Teilnehmer waren bereits unter anderem Günter Grass, Martin Walser, Ephraim Kishon, Paul Kuhn sowie das Orchester der Mailänder Scala.
- Pilgerbetrieb zum Fest des hl. Oliver Plunkett als jährliche Veranstaltung. In der Klosterkirche "St. Hadrian und St. Dionysius" befindet sich ein Reliquienschrein dieses Heiligen. Die Reliquien Olivers wurden von den englischen Benediktinern nach Lamspringe gebracht.
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
Lamspringe liegt unweit der
A7,
B3 und
B64. Die nächstgelegenen Bahnhöfe sind
Bodenburg,
Freden und
Bad Gandersheim sowie
Kreiensen, wo Anschluss an das
Intercitynetz besteht. Der nächste
Flugplatz ist in
Bad Gandersheim, der nächste
Flughafen ist
Hannover-Langenhagen.
Tourismus
Skulpurenweg Lamspringe.jpg Begegnung von 1998 am
Skulpturenweg]]
Der Tourismus hat heute eine große Bedeutung für den staatlich anerkannten
Erholungsort am
Heber. In den 90er Jahren begann man einen Teil der alten Bahnstrecke
Kreiensen -
Hildesheim auf insgesamt 12 Kilometern Länge zwischen Lamspringe und
Bad Gandersheim zu einem Radweg umzubauen. Entlang der Strecke wurden Skulpturen internationaler Künstler aufgestellt, was dem Radweg die Bezeichnung
Skulpturenweg einbrachte.
In neuerer Zeit wurde eine Restaurierung der Klosterkirche durchgeführt. Dabei stieß man auf kunstvolle Verzierungen aus dem 18. Jahrhundert, die im frühen 20. Jahrhundert übermalt worden waren. Trotz knapper Kassen entschied man sich, neben der kostspieligen Außenrenovierung auch für die komplette Restaurierung dieser Malereien.
Ansässige Unternehmen
- Hotoprint Elektronik GmbH & Co. KG
- Feuerverzinkerei Probau
- Druckerei Quensen
- Bauunternehmen Julius Ehbrecht
- Zimmerei Hoffmeister
- Malerfachbetrieb Heinz Barkhoff
Medien
Lamspringe verfügt über keine eigene Zeitung. Als Tageszeitungen sind in Lamspringe die Hildesheimer Allgemeine Zeitung und die Alfelder Zeitung erhältlich. Wöchentlich erscheinen die Zeitungen Kehrwieder und RuBs.
Bildung
Lamspringe verfügt über je eine Grundschule, Hauptschule und Realschule. Die nächstgelegenen Gymnasien befinden sich in Bad Gandersheim und Alfeld.
Quellen
Weblinks
Ort in Niedersachsen