Lagerstätte ist ein Begriff aus Angewandter Geologie und Bergbau für bestimmte Bereiche der Erdkruste, in denen sich natürliche Konzentrationen von festen, flüssigen oder gasförmigen Rohstoffen befinden, deren Abbau sich wirtschaftlich lohnt (bauwürdige Lagerstätte), oder in der Zukunft lohnen könnte (nutzbare Lagerstätte).
Obwohl es sich bei der Lagerstättenkunde (siehe dort) um eine Naturwissenschaft handelt, die die geologischen Prozesse erforscht, welche zur Anreicherung von Rohstoffen in der Erdkruste führen, ist der Begriff Lagerstätte also rein marktwirtschaftlich bzw. technisch definiert. Rohstoffmärkte werden in der Regel als Weltmärkte betrachtet.
Im englischen Sprachraum ist der deutsche Begriff Lagerstätte als Fremdwort geläufig, jedoch bezeichnet er dort eine besonders reiche Fossillagerstätte. Die korrekte englische Übersetzung für Lagerstätte lautet statt dessen: mineral deposit (wobei dieser Begriff zuweilen aber auf Erzlagerstätten begrenzt ist). Der wirtschaftlich interessante Teil einer Lagerstätte wird als resource (Vorrat oder Ressource) bezeichnet. Genauer wäre jedoch: non renewable resource (nicht erneuerbare Vorräte).
=Allgemeine Bewertungsfaktoren= Wie auf den meisten Weltmärkten üblich ergibt sich der Preis von Rohstoffen aus dem Wechselspiel von Angebot und Nachfrage. Die Nachfrage nach einem bestimmten Rohstoff wird durch die Art seiner Einsatzmöglichkeiten bestimmt. Wenn es günstige Verfahren zur Produktion der gewünschten Endprodukte gibt, so steigt die Nachfrage. Kann der Rohstoff jedoch leicht durch andere Stoffe ersetzt, oder aus Abfällen recycelt werden, so sinkt sie. Die Rohstoff-Ressourcen die zum Angebot stehen, lassen sich im McKelvey-Diagramm darstellen: hierbei wird die Wirtschaftlichkeit eines Vorkommens gegen dessen Grad an geologischer Sicherheit aufgetragen. Die Beurteilung dieser Sicherheit geschieht nach bestimmten Vorratskategorien (siehe unten).
So lange die vorhandenen Minerale oder Gesteine nicht abbauwürdig sind, werden sie als Vorkommen bezeichnet und nicht als Lagerstätte. Der Mindestgehalt (cut-off-grade) bei der sich der Abbau einer Lagerstätte noch lohnt, hängt dabei nicht allein von der Qualität der Rohstoffe ab, sondern auch von vielen wirtschaftlichen, technischen und zuweilen sogar politischen Faktoren.
=Klassifizierung=
Wegen seiner Bedeutung rechnet man auch das Grundwasser zu den Lagerstätten (heiße Quellen, Mineralwasser, Trinkwasser).
Die übliche Einteilung bezeichnet die Vorräte als:
Nach nordamerikanischem Vorbild werden die Vorratskategorien sicher und wahrscheinlich zuweilen als gemessen (measured) zusammen gefasst. Zusammen mit den möglichen Ressourcen bilden sie die erkannten (demonstrated) Ressourcen. Wenn man noch die vermuteten Ressourcen hinzuzählt, so erhält man alle entdeckten (identified) Ressourcen. Die entdeckten Ressourcen umfassen somit alle Vorräte, deren Lage, Gehalt, Qualität und Menge durch spezifische geologische Befunde bekannt sind, oder geschätzt werden kann. Dem stehen die prognostischen Vorräte gegenüber.
Daneben existieren noch zahlreiche andere Einteilungen von Ressourcen, sowohl in den verschiedenen Ländern, als auch für die unterschiedlichen Lagerstättentypen, als auch von den einzelnen Lagerstättenkundlern. Zuweilen werden zum Beispiel die Reserven von den Ressourcen unterschieden. Die Bedeutung der beiden Begriffe ist aber in den verschiedenen Sprachen so unterschiedlich, dass ein konsequenter Gebrauch des Begriffs Reserve fast unmöglich ist. Im Deutschen bezeichnet er meist den Teil einer Ressource, dessen wirtschaftlicher Abbau im Moment nicht möglich, oder nicht mehr möglich ist. Bei fallenden Weltmarktpreisen können so aus Lagerstätten Reserven werden, und umgekehrt. Wie man sieht, überschneidet sich im Deutschen der Begriff der Reserve mit dem des Vorkommens.
Die nationale Bergbaubehörde der USA (United States Geological Survey) bietet folgende Definition:
=Aufsuchung und Untersuchung von Lagerstätten= Nach vorbereitenden Literaturrecherchen und der ersten Vorerkundung (Reconnaissance) im Gelände beginnt zunächst die Phase der Prospektion (siehe dort). Wenn die Anzeichen eine Lagerstätte vermuten lassen, geht man zu Spezialkartierungen über, schürft an der Oberfläche, oder führt erste flache Erkundungsbohrungen durch.
Nachdem ein Höffigkeitsgebiet lokalisiert wurde, folgt die Abgrenzung. Die Detailuntersuchungen (geologische Kartierung, Probennahme in Schürfen und Bohrungen, geochchemische und mineralogisch-petrographische Analysen) werden systematisch fortgesetzt und ausgedehnt. In dieser Phase werden auch vermehrt Methoden der Bodengeophysik angewandt, wie Gravimetrie, Seismik, Magnetik, elektrische und Radarverfahren. Am Ende dieser Phase der Exploration sollte die Abschätzung der Dimensionen des Vorkommens möglich sein, sowie eine erste Berechnung der Vorräte.
Im günstigen Fall folgt die eigentliche Erschließung (Exploration, siehe dort). Die Explorationsarbeiten werden mit technischen Versuchen ergänzt, und finden mit der Machbarkeitsstudie (englisch: feasability-study) ihren vorläufigen Abschluss. Danach kann der eigentliche Bergbau beginnen (siehe dort).
=Bergrecht= Hauptartikel: Bergrecht
Im Wesentlichen gibt es zwei grundlegende Rechtsauffassungen über die Eigentumsverhältnisse an natürlichen Ressourcen. Erstens, das Prinzip der Bergfreiheit: das heißt, der Staat hat das Verfügungsrecht über die Bodenschätze. Diese Rechtstradition herrscht besonders im deutschen Bergrecht vor, und in vielen Ländern, deren Wirtschaft wesentlich auf dem Export von Rohstoffen basiert. Zweitens, der Grundsatz des Eigentümerbergbaus. Hier ist prinzipiell der Grundeigentümer der Besitzer der Bodenschätze. Auf öffentlichem Land erwirbt der Finder Ansprüche auf seinen Fund. Diese Auffassung stammt aus dem englischen Common Law. Der französische Code Napoléon und die angelehnten Rechtssysteme vertreten einen vermittelnden Standpunkt. Die oberirdischen Lagerstätten gehören dem Grundeigentümer, die unterirdischem dem Staat.
=Konfliktpotential= In einem globalen Rohstoffmarkt stehen sich die unterschiedlichen Interessen der Exportländer und der Importländer gegenüber. Während die Importeure ein Interesse an möglichst niedrigen Einkaufspreisen und hoher Versorgungssicherheit haben, versuchen die Exporteure (die oft in so genannten Entwicklungsländern angesiedelt sind) eine möglichst gerechte Beteiligung an der Wertschöpfung durchzusetzen. Letzteres kann zum Beispiel durch eine Begrenzung der Fördermengen geschehen, so dass durch das gesenkte Angebot der Preis in die Höhe getrieben wird. Den Verbraucherländern hingegen stehen mehrere Optionen offen: sie können durch Einsparungen, oder Ausweichen auf andere Rohstoffquellen die Nachfrage vermindern, oder sie können mit verschiedenen politischen, wirtschaftlichen und militärischen Mitteln direkten Druck auf die Erzeugerländer ausüben.
Bei rohstoffbedingetem Konfliktpotential können/sollten internationale Organisationen, wie die UNO oder andere, moderierend, bzw. lenkend einwirken.
=Literatur=
Siehe auch: Hydrogeologie, Verhüttung
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