Hochregallager.jpg Lagerhaltung bedeutet die gewollte Unterbrechung des betrieblichen Materialflusses, d. h. es entstehen bewusst gebildete Bestände. Die Lagerhaltung erfordert ein Lager, d. h. einen Raum, ein Gebäude oder ein Areal, in dem Waren oder Güter aufbewahrt werden können.
Ein Lager übernimmt eine Anzahl unterschiedlicher Funktionen.
Für Lager mit spezieller Absicherung findet sich auch der – ursprünglich aus dem arabischen Militärwesen stammende – Ausdruck Magazin.
Ist die Beschaffungsmenge größer als die Produktionsmenge, so wird durch die Ausgleichsfunktion das für die Produktion überflüssige Material gelagert. Ein Lager kann daher als Puffer benutzt werden, um Schwankungen des Einkaufs- bzw. Verkaufsmarktes zu kompensieren.
Bei der Bereitstellungs- oder Sortimentsfunktion trägt die Lagerhaltung zu einer Kontinuität im Sortiment bei. Insofern ergänzt die Bereitstellungsfunktion die Ausgleichsfunktion, da dadurch die Teile des Sortiments, wo Diskrepanz zwischen Beschaffung und Verkauf besteht, überbrückt werden.
Bei der Sicherungsfunktion dient das Lager zur Sicherstellung der Produktion, wenn ungenügend Informationen über zukünftige Mengenbedarfe, Liefer- und Bedarfszeitpunkte im Unternehmen vorhanden sind. Dies kann der Fall sein, wenn Produkte, die von Lieferengpässen bzw. saisonalen Schwankungen geprägt sind, beschafft werden müssen.
Die Veredelungsfunktion wird auch Produktionsfunktion des Lagers genannt, die erst eine anschließende Verarbeitung ermöglicht. Eine Veredelungsfunktion entsteht, wenn die Lagerung eine Veränderung des Produktes bewirkt und Teil des Produktionsprozesses (Bsp: Wein, Käse, Whisky,Bourbon ...) ist.
Gründe für die Spekulationsfunktion der Lagerung können vorhersehbare extreme Preisschwankungen auf dem Beschaffungsmarkt oder besonders niedrige Einstandspreise sein. Außerdem kann durch die Bestellung großer Mengen und den dadurch erhaltenen Rabatten mit Lagerware spekuliert werden. Allerdings kann sich dies bei einem Preisverfall des Gutes auch negativ auswirken, z.B. bei Hardware.
Beim Fifo-Prinzip (First In – First Out)werden die zuerst eingelagerten Vorräte auch wiederum zuerst ausgelagert. Zur Realisierung werden oft Durchlaufregale verwendet. Dieses Prinzip wird angewandt um zum Beispiel Veralterung oder Verderb zu vermeiden.
Beim Lifo-Prinzip (Last In – First Out) werden die zuletzt eingelagerten Vorräte zuerst ausgelagert. Bei dieser Lagerstrategie werden in der Regel Einschubregale verwendet um zum Beispiel im Falle der Blocklagerung einen schnellen Zugriff zu ermöglichen.
Bei den beiden weiteren Lagerstrategien, Hifo-Prinzip (Highest In – First Out) und Lofo-Prinzip (Lowest In – First Out) werden bei der Lagerplatzzuweisung die jeweils zugrundeliegenden Bewertungsansätze der Lagergüter berücksichtigt.
Die Einteilung der Lager kann nach verschiedenen Kriterien erfolgen:
Die Planung der Lagerstandorte muss unter der Voraussetzung erfolgen, dass die Fertigungsstellen fortlaufend mit den benötigten Materialien versorgt werden müssen:
Bei der festen Lagerplatzzuordnung werden für jeden Artikel feste Lagerplätze bereitgestellt, die nur für diese Artikel reserviert sind („Gleiches zu Gleichem“). Der Vorteil liegt in der genauen Bestimmbarkeit des Lagerortes, wobei der hohe Platzbedarf einen Nachteil darstellt.
Bei der freien (chaotischen) Lagerplatzzuordnung (open warehouse system) werden die Artikel an einem freien Lagerplatz gelagert. Ein Vorteil dieser Methode ist, dass, wenn Störungen zum Beispiel in einer Lagergasse auftreten, dasselbe Material von einer anderen Lagergasse entnommen werden kann. Um den späteren Zugriff auf die Lagerartikel zu gewährleisten, müssen jedoch die Lagerplätze genau dokumentiert werden.
Bei der Wahl von Lagerstandorten muss entschieden werden, ob das Lager zentral oder dezentral geführt wird. Bei der Entscheidung über den Zentralisationsgrad ist häufig der räumliche Aspekt ausschlaggebend:
Zentrale Lagerhaltung bedeutet die räumliche Zusammenfassung aller Lagerhaltungsfunktionen und aller Lagergüter unter einheitlicher Leitung. Die Vorteile, die sich aus der zentralen Lagerung ergeben, sind eine Erleichterung der Warenannahme, Pflege, Erhaltung, Bestandsermittlung und –prüfung. Weitere Punkte sind die geringe Kapitalbindung des Umlaufvermögens, geringere Vorräte und geringere Raumkosten.
Bei der dezentralen Lagerhaltung werden die Einsatzstoffe am Ort des Bedarfsträgers in Form von Zwischenlager (Pufferlager) gelagert. Die wesentlichen Vorteile dieser Lagermethode sind die höhere Flexibilität, die genauere Disposition der einzelnen Materialien in den Fertigungsbereichen und die kürzeren Transportwege.
Ein Lagerbestand als solcher ist die zu einem bestimmten Zeitpunkt im Lager befindliche Menge eines Gutes. Folgende besondere Bestände sind von Bedeutung:
Der Mindestbestand (auch Sicherheitsbestand oder veraltet eiserner Bestand/Reserve) ist der Lagerbestand, der nie unterschritten werden darf, um die Produktion auch in Notfällen aufrecht erhalten zu können. Er muss immer auf Lager sein und ist durch die Betriebsleitung definiert. Er darf ohne ausdrückliche Anordnung der Betriebsleitung nicht unterschritten werden.
Bei Erreichen des Meldebestandes durch Entnahmen aus dem Lagerbestand wird eine Meldung an den Einkauf zwecks Auffüllung des Lagers - durch eine Bestellung - ausgelöst. Der Meldebestand bestimmt somit den fälligen Bestellzeitpunkt.
Der Maximal- oder Höchstbestand ist der Bestand, der maximal im Lager vorhanden sein darf, um hohe Kosten und eine hohe Kapitalbindung zu verhindern.
Die Vorratsintensität misst das Verhältnis der Vorräte zum Umsatz bzw. zum Betriebsvermögen.
Der durchschnittliche Lagerbestand gibt an, wie hoch die Vorräte durchschnittlich im Laufe eines Geschäftsjahres sind. Er kann als Mengengröße bzw. als Wertgröße errechnet werden.
oder
Die Lagerumschlagshäufigkeit gibt das Verhältnis aus Verbrauch/Zeiteinheit und dem durchschnittlichen Lagerbestand an, und zeigt daher wie oft ein Lager innerhalb einer bestimmten Zeiteinheit komplett gefüllt und geleert wurde. Die Kennziffer kann mengen- oder wertmäßig ermittelt werden. Geringe Werte bedeuten eine lange Verweildauer des Materials im Lager und sind ein Indiz für hohe Sicherheitsbestände. Diese wirken sich negativ auf die Kapitalbindung aus.
oder
oder
Die durchschnittliche Lagerdauer gibt Auskunft über die Situation im Lager bzw. die Entwicklung der Kapitalbindung im Lager. Sie zeigt also auf, wie lange die Vorräte - und damit natürlich auch das dafür benötigte Kapital - durchschnittlich im Lager gebunden sind.
oder
Der Lagerzinssatz gibt an, wie viel Prozent Zinsen das im durchschnittlichen Lagerbestand gebundene Kapital während der durchschnittlichen Lagerdauer kostet.
Beispiel: (10% * 200 Tage) / 360 Tage = 5,55% für 200 Tage
Die Lagerzinsen geben an, wie viel Zins dem Unternehmer während der Lagerdauer entgeht. Das Kapital ist im Lager gebunden und kann deshalb nicht verzinslich angelegt werden. Zur Berechnung der Lagerzinsen wird der Lagerzinssatz herangezogen.
LZ= (durchschn. Lagerbestand * Einstandspreis * LZi) / 100
Beispiel: Lagerzinsen = Wert des durchschnittlichen Lagerbestandes * Lagerzinssatz 5000 € * 5,55 % = 277,50 € für 200 Tage
Die Lagerreichweite gibt an, wie lange der durchschnittliche Lagerbestand bei einen durchschnittlichen Verbrauch ausreicht. Die Lagerreichweite kann auch für einen bestimmten Stichtag (z.B. 01 Oktober) berechnet werden.
Beispiel: 20 Stück / 0,23 Stück = 171 Tage Durchnittlicher Verbrauch pro Tag = (Wareneinsatz / 360 Tage) 42 Stück / 360 Tage = 0,23 Stück
Die Bevorratungsquote gibt das Verhältnis der Zahl der bevorrateten zur Gesamtzahl der beschafften Materialpositionen an.
Der Lagernutzungsgrad zeigt das Verhältnis von genutzter zu verfügbarer Fläche. Die Kennziffer deckt sowohl Engpässe (Überbelegung) als auch mangelhafte Auslastung (Überkapazitäten) auf.
Beispiel: Flächennutzungsgrad = (genutzte Lagerfläche / verfügbare Lagerfläche) * 100 Raumnutzungsgrad = (genutzter Lagerraum / verfügbarer Lagerraum) * 100
Der Lieferbereitschaftsgrad des Lagers kann an der durchschnittlichen Zeitspanne zwischen der Bedarfsanforderung und der Bereitstellung des Materials (externer Lieferbereitschaftsgrad) oder an der durchschnittlichen Zeitspanne zwischen der Anweisung zur Auslagerung und dem Lagerausgang (interner Lieferbereitschaftsgrad) gemessen werden.
Kennzahlen der Transportmittelnutzung
Einsatzgrad = (Einsatzzeit / Arbeitszeit) * 100 Ausfallgrad = (Stillstandzeit / Einsatszeit) * 100
durchschn. Kapitalbindung= durchschn. Lagerbestand * Einstandspreis/Stück
Flüssigkeiten werden in geschlossenen Tanks gelagert.
Die Lagerung von Explosivstoffen unterliegt den Sprengstoffgesetzen. Sie erfolgt in speziellen Bunkern, welche von anderen Bauwerken einen bestimmten Mindestabstand haben müssen. Häufig werden solche Lager in stillgelegten Steinbrüchen eingerichtet.
Bei Lagern für stark radioaktive Substanzen ist zu beachten, daß diese Wärme entwickeln. Daher dürfen derartige Stoffe nicht zu dicht gepackt gelagert werden.
Spaltstoffe müssen grundsätzlich so gelagert werden, dass keine nukleare Kettenreaktion zu Stande kommt. Solche Substanzen werden in Behältern gelagert, die den nötigen Mindestabstand zum nächsten Element gestatten.
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