Bei Laktoseintoleranz (auch als Milchzuckerunverträglichkeit, Kohlenhydratmalabsorption, Laktosemalabsorption, Laktasemangelsyndrom oder Alaktasie bezeichnet) wird der mit der Nahrung aufgenommene Milchzucker (Laktose), als Folge von fehlender oder verminderter Produktion des Verdauungsenzyms Laktase, nicht richtig verdaut. Das Enzym Laktase wird von allen Säugetieren während der Stillzeit gebildet, es spaltet den Milchzucker in die für den Menschen verwertbaren Zuckerarten Galaktose und Glukose. Gelangt ungespaltener Milchzucker in den Dickdarm, wird er von Darmbakterien aufgenommen und vergoren. Die Gärungsprodukte führen u. a. zu Blähungen und osmotischer Diarrhoe (Durchfall). Das Fehlen des Enzyms geht allerdings nicht immer mit diesen Symptomen einher. In diesem Fall spricht man von Hypolaktasie oder genauer von Laktosemaldigestion (Laktose-Fehlverdauung), Abbauprodukte der Bakterien verursachen dann andere Symptome.
Die Laktoseintoleranz als Enzymmangel darf nicht mit der selteneren Milchallergie verwechselt werden, bei der es sich um eine aktive Immunreaktion aufgrund einer echten Allergie gegen Kuhmilcheiweiß handelt.
Zudem gibt es Hinweise auf Zusammenhänge zwischen Kasein und Exorphinen Drogen aus der Milchflasche. Deutschlandradio Berlin 26. Juni 2004 (15. Mai 2006)
In Asien und Afrika ist die Laktoseintoleranz weit verbreitet (ca. 90%). Da in Westeuropa, Australien und Nordamerika die Zahl der Menschen mit Laktoseintoleranz sehr gering ist (10 bis 15%), wird sie dort oft fälschlicherweise als Krankheit angesehen. Ähnliche Symptome bei Aufnahme von Fruchtzucker (Fruktose) zeigt die Fruktosemalabsorption. Eine Reihe von Patienten mit Symptomen des Reizdarmsyndroms leidet, ohne es zu wissen, unter Kohlenhydratmalabsorption.
Bei angeborener absoluter Laktoseintoleranz sind die Symptome bedeutend schwerer als bei der 'natürlichen' mit dem Alter zunehmenden Form.
Andauernde schwere Durchfälle bedeuten eine Reizung der Darmschleimhaut und können allenfalls zu einer Störung der Aufnahme von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen führen ev. sogar zu vermehrten Infektionen.
Folgende Tests sind in Anbetracht der oben beschrieben Möglichkeiten nur selten verhältnismäßig:
Heute gibt es bereits immer mehr laktosefreie Milchprodukte auf dem Markt, unter anderem Milch, aber auch Käse, Joghurt, Sahne, Quark und mehr. Leider ist dafür zu beachten, dass Laktose in vielen Produkten zugeben wird, wie Broten, Getreideriegel, Fertiggerichten, Würzmischungen, Wurstwaren, mariniertem Fleisch, Teigen, Bonbons und Speiseeis, Schokolade, Instandprodukte, Tütensuppen. Ein Grund für die Zugabe von Milchzucker ist das von Food-Designer gewünschte "Mundgefühl", das den Geschmack positiv beeinflußt.
Fermentierte Nahrungsmittel wie Joghurt, Käse, Quark enthalten z. T. auch Laktase und in unterschiedlicher Menge Laktose. Dies hängt vor allem vom Herstellungsprozess, der Menge Milchzucker abbauender Bakterien in der Milch und dem Reifungsprozess und der -dauer bei Käsesorten zusammen. Grundsätzlich kann man als Faustregel formulieren: Je länger der Reifungsprozess, desto geringer der Laktoseanteil. Deshalb wird traditionell hergestellter und ausgereifter Parmesan meist problemlos vertragen, junger Gouda jedoch nicht.
Das im industriellen Agrarproduktionsprozess übliche, schnelle Herunterkühlen der Milch nach dem Melken behindert die Milchzucker verstoffwechselnden Bakterien zugunsten der Fäulnis bildenden Bakterien. Aus diesem Grund kann heute aus der handelsüblichen Vollmilch auch nicht mehr durch Stehenlassen der Milch bei Zimmertemperatur die früher übliche Dickmilch hergestellt werden. Deshalb kann allenfalls bei einigen wenigen Naturjoghurts davon ausgegangenen werden, dass in ihnen Milchzucker verstoffwechselnde Bakterien vorhanden sind. Ob diese tatsächlich im Dünndarm wirksam Milchzucker verstoffwechseln, so dass der Verzehr dieser Joghurts helfen kann, kleine 'Notsituationen' zu überbrücken, z. B. wenn man bei einer Einladung die milchhaltige Speise nicht ablehnen will, entspricht dem Eindruck Betroffener.
Im Zweifelsfall sollte man eine Nahrungsmitteltabelle konsultieren, um den Laktosegehalt von verschiedenen Käse-, Quark- und Joghurtsorten zu überprüfen und moderate Selbstversuche durchführen.
Seit dem 25. November 2005 gelten neue Vorschriften zur Kennzeichnung allergieauslösender Lebensmittelbestandteile Lebensmittelkennzeichnungsverordnung (PDF, ? MB). Die Kennzeichnungspflicht umfasst auch Milch und Milcherzeugnisse einschließlich der Laktose.
Außerdem ist zu beachten, dass viele Medikamente etwas Laktose enthalten.
Wird Laktoseintoleranz durch Erkrankungen des Verdauungssystems verursacht, so verschwindet der Laktasemangel nach der Behandlung der vorangegangen Krankheit ganz. In seltenen Fällen sind die laktaseproduzierenden Zellen so geschädigt, dass sie sich nicht mehr erholen.
Auch von psychosomatisch bedingten „Milchzuckerunverträglichkeiten“ (wahrscheinlich eher Milchunverträglichkeit) wurde schon berichtet, die mit einer entsprechenden Therapie wieder verschwanden.
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