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Labyrinth_Lucca.jpg Labyrinth (griech.: labyrinthos, ein Lehnwort aus einer vorgriechischen und vorindoeuropäischen Sprache auf Kreta. Die Herkunft des Wortes, das häufig mit Doppelaxt, Haus der Labrys übersetzt wird, muss als ungeklärt gelten.) Ein Labyrinth bezeichnet jede Art eines verschlungenen Wegesystems, das den Weg hinein, hinaus oder hindurch zu einem Rätsel macht.

Labyrinthe gibt es als Gebäude, Fußbodenmuster, Heckengarten oder als Zeichnung und Symbol. Abgeleitet davon ist der anatomische Begriff des Labyrinths, der Gehörorgan und Gleichgewichtsorgan dienenden verschiedenen Teile des Innenohrs bei Wirbeltieren und Menschen.

Labyrinthe in der Antike


Undatierbar sind die vielleicht ältesten Labyrinthe, die sich als Felsritzungen im Alpenraum und auf Sardinien fanden. Der älteste wissenschaftlich sicher datierbare Fund stammt aus der Zeit um 1220 v. Chr. aus Pylos (Griechenland) bzw. Tell Rifa'at (Syrien).

Der Totentempel des Königs Amenemhet III. (1844 - 1797 v.Chr.) mit vermutlich 3000 Räumen legt über die Irrgartenstruktur ein Zeugnis ab, nicht aber über das Ur-Labyrinth als solches. Herodot und andere antiken Autoren berichten über ein gewaltiges Bauwerk in Ägypten, das er als das Labyrinth bezeichnet (II 148). Es handelt sich dabei um den Totentempel bei der Pyramide von Amenemhet III. in Hawara.

In der griechischen Mythologie bezeichnet Labyrinth ein von Daidalos für den kretischen König Minos von Knossós errichtetes Gebäude, aus dessen verschlungenen Gängen niemand herausfand und das als Gefängnis des gefährlichen Minotauros, ein Mischwesen aus Mensch und Stier, diente. Theseus vermochte mit Hilfe des Ariadnefadens den Weg heraus zu finden.

Das Labyrinth von Knossos ist das Labyrinth, auf das die Bezeichnung und der Begriff des Labyrinths in der Kulturgeschichte zurückgeht. Das Wort Labyrinth bezeichnete im mykenischen Griechisch (um 1200 v. Chr.) offenbar nur den Palast in Knossós. Wir finden es dort als "da-pu-ri-to" (gesprochen etwa "laburintos").

Labyrinthe wurden ca. 400 v.Chr. auf kretische Münzen geprägt, finden sich später aber auch als Motiv römischer Fußbodenmosaiken.

Hinweise auf Labyrinthe in Asien und Amerika stammen aus viel späteren Zeiten. In Skandinavien wurden Rasen- und Steinlabyrinthe oft mit 11 Umgängen gefunden, die ihrem Alter nach sicher nicht der Megalithkultur zuzurechnen sind.

Labyrinthe im Mittelalter


Mittelalterliche Labyrinthe finden sich in vielen Kathedralen, z.B. in Notre-Dame de Chartres, Notre-Dame de Amiens und im Dom von Siena als Fußbodenlabyrinthe. Ein Fingerlabyrinth befindet sich am Eingang des Doms in Lucca, Norditalien. laby.gif

In der Kunstgeschichte bezeichnet Labyrinth in Handschriften und eine in den Fußboden von Kirchen eingelegte Figur nach dem Grundriss eines von der Ur-Form abgewandelten Labyrinths, die den Weg der Büßer nach Jerusalem symbolisiert.

Labyrinthe im Barock - Irrgärten


Irrgärten sind kulturhistorisch als eigenständige Entwicklung anzusehen. Die ersten Irrgärten finden sich in Gärten der späten Renaissance. Sie sind meist in Spalierhecken ausgeführt, geschnittene Hecken dürften erst im Barock auftreten. Im Gegensatz zu einem Labyrinth, in dem es nur einen Weg vom Eingang bis zur Mitte gibt, zeichnen sich Irrgärten durch ein komplexes Wegenetz mit Abzweigungen aus; auch Kreuzungen, Sackgassen und Wegeschleifen kommen vor. Die insbesondere in Großbritannien und Frankreich sehr beliebten Heckenanlagen in Parks mit vielen Abzweigungen sind Irrgärten. Auch das unten erwähnte Gesellschaftspiel hat als Spielplan eigentlich einen Irrgarten. Irrgärten vermitteln die Gefahr, sich zu verirren, aber auch die Spurensuche. Irrgärten wurden von Königshäusern auch zur Erholung und zum reinen Zeitvertreib als Lustgärten angelegt.

Labyrinthe in der Gegenwart


Heute werden Labyrinthe sowohl von feministischen (Zeughausplatz Zürich, Frauengedenklabyrinth Frankfurt) als auch katholischen Gruppen für sich entdeckt, angelegt und gepflegt und mit Veranstaltungen lebendig gehalten. Es gibt sowohl in den USA als auch im deutschen Sprachraum ein Labyrinth-Bewegung, deren esoterische Überhöhung des Labyrinthsymbols schwer verständlich ist. In der Literatur spielt das Labyrinth in verschiedenen Erzählungen von Jorge Luis Borges eine zentrale Rolle.

Funktion und Deutung


Häufig ist der Eingang bei begehbaren, historischen (Fußboden)labyrinthen im Westen zu finden, der für die Kelten die Richtung des Todes oder den Eingang zur Anderswelt bzw. Unterwelt bedeutete. Diese Ausrichtung kann als Abwehrzauber verstanden werden; der Teufel, die christliche Umdeutung des Minotaurus, verläuft sich im Labyrinth. Der Weg durch ein Labyrinth kann auch als Meditation und Erneuerung aufgefasst werden. Er stellt das Abbild einer verschlungenen Lebensbahn und zugleich den Weg zum Selbst dar, fordert zur Umkehr und zum Überdenken des eigenen Lebens auf. Erlösung verspricht das Finden der Mitte als Zentrum des Labyrinthes.

Der Pfad eines kirchlichen Fußbodenlabyrinths galt (zeitweise) als heilige bzw. magische Linie, die mit Bedacht und Konzentration, meist mit einer Kerze in der einen Hand, abgeschritten werden sollte. In Reims ist dieser rituelle Weg mehr als 1 km lang. Die christliche Umdeutung des antiken Labyrinthsymbols mag einen magischen Platz der Ruhe und Besinnung definiert haben, an dem Augenblicke der Erleuchtung und Einkehr gesucht wurden. Auf Knien rutschende, büßende Mönche sind allerdings Zuschreibungen des 18. Jahrhunderts, für die es keine Belege gibt.

Labyrinthe in Deutschland (Auswahl)


Literatur und Film / Spiel


  • Sonja Ulrike Klug: Kathedrale des Kosmos. Die heilige Geometrie von Chartres. Hugendubel, Bad Honnef 2. Aufl. 2005, ISBN 3981024516
  • Gernot Candolini: "Die Faszination der Labyrinthe". Kösel, München 2004, ISBN 3466306590
  • John Kraft: Die Göttin im Labyrinth. edition amalia, Bern 1997, ISBN 3905581000
  • Ilse M. Seifried: Die Kunst zu wandeln - das Labyrinth. edition haymon, innsbruck 2002, ISBN 3852184002
  • Hermann Kern: Labyrinthe. Prestel, München 1982, ISBN 3791320963
  • Jürgen Hohmuth: Labyrinthe & Irrgärten München 2003. ISBN 3-89405-618-5 (Luftbildaufnahmen von Rasen-, Hecken- und Kirchenlabyrinthen aus einem Kleinzeppelin)

  • Jeff Saward : Labyrinthe und Irrgärten.AT Verlag Aarau & München 2003, ISBN 3-85502-921-0
  • Peter Hofacker/Mathias Wolf: "Labyrinthe - Ursymbole des Glaubens". Herder, Freiburg 2002, ISBN 3-451-27410-8 (Werkbuch für Gemeinde, Gottesdienst und Schule) 152 Seiten.

Es gibt eine Anzahl von Filmen aus den Jahren 2003, 2002, 1999, 1997, 1991, 1986, 1985, 1979, 1976 und 1959); der wohl bekannteste daraus ist der Fantasy-Film Die Reise ins Labyrinth von Jim Henson aus dem Jahr 1986 (OT: Labyrinth; mit David Bowie und Jennifer Connelly).

Es gibt auch ein Gesellschaftsspiel (Das verrückte Labyrinth).

Zu beachten ist aber bei fast allen Spielen, Filmen und vielen Büchern, dass sie sich nicht mit Labyrinthen sondern mit Irrgärten beschäftigen!

Siehe auch


Weblinks


  • über die Heilige Geometrie der Kathedrale von Chartres inkl. Labyrinth *
  • 100-Labyrinthe-Archiv auf Eichfelder.de
  • http://www.labyrinth-international.org Internationales Labyrinth-Projekt
  • http://www.labyrinthplatz.ch/Labyrinthplatz_Zurich/labyrinthplatz_zurich.html Zürcher Realisierung
  • Begehbare Labyrinthe in Deutschland Mehr als 100 Labyrinthe in Wort und Bild dargestellt.
  • http://www.hanflabyrinth-bayern.de Hanflabyrinth Bayern

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