Lab, (auch Laab, Kälberlab, Käsemagen), ist ein Gemisch aus Enzymen (Chymosin und Pepsin) und wird zum Dicklegen der Milch bei der Herstellung von Käse verwendet. Lab wird aus dem Labmagen junger Wiederkäuer im milchtrinkenden Alter gewonnen und hat die Eigenschaft, das Milcheiweiß Kasein so zu spalten, dass die Milch eindickt, ohne sauer zu werden, daher werden mit Lab erzeugte Käse auch als Süßmilchkäse bezeichnet.
Das Lab war schon im Altertum bekannt, und Aristoteles rühmt das Lab von jungen Hirschen oder Rehen als besonders wirksam.
Eigenschaften
Das im Lab enthaltene
Ferment bringt schon in geringer Dosis sehr große Mengen (1:6000-600.000 Teile) Milch zur
Gerinnung. Es äußert die stärkste Wirkung bei 41-42 °C, büßt seine Kraft bei höherer Temperatur dagegen sehr schnell ein. Schwach
saure Reaktion begünstigt die Labwirkung,
alkalische dagegen und gewisse
Salze heben sie auf. Die zur Gerinnung führende Wirkung des Labs ist auf die Abspaltung eines Teils (
Glycomakropeptid) der
Kaseinmizelle (genauer des κ-Kasein) durch das
Chymosin zurückzuführen. Dadurch verlieren die Mizellen ihre 'Schutzhülle' und es erfolgt eine
Aggregation der Mizellen, was schließlich zur Gelbildung führt. Das Gel besteht nach seiner Ausbildung im Wesentlichen aus einer festen Phase, dem Proteinnetzwerk, sowie der darin eingeschlossenen
Süßmolke.
Das Labferment wirkt dabei nur als
Katalysator, wird bei der Spaltreaktion also nicht verbraucht. Daher reichen schon sehr geringe Mengen zum Dicklegen der Milch aus. Eine größere Menge an Lab und erhöhte Temperaturen vergrößern die Reaktionsgeschwindigkeit und verändert so die Struktur des sich bildenden Gels. Die Reaktion kommt nach einiger Zeit zum Erliegen, da das
Substrat verbraucht wird (
Enzym-Reaktion). Abgebrochen werden kann die Reaktion nur durch Inaktivierung des Enzyms, z.B. durch Hitze, Säure, Lauge etc. Dies ist aber bei der Käseproduktion nicht nötig und würde zudem zu beträchtlichen Veränderungen des daraus entstehenden Käses führen. Nach dem Schneiden des Gels in
Käsebruch tritt während der
Synärese ein Teil der Süßmolke aus dem Gelnetzwerk aus. Über die Temperatur, Größe der Bruchwürfel/Bruchkörner sowie die Dauer der Synärese läßt sich die Trockenmasse des entstehenden Käses steuern. Mit niedriger Temperatur und großen Bruchkörnern erzielt man
Weichkäse, mit hoher Temperatur und kleinen Bruchkörnern
Hartkäse.
In der Praxis wird das Lab bei der Käsebereitung meist in Temperaturen zwischen 25 und 40 °C angewandt.
Herstellung von tierischem Lab
Tierisches Lab wird aus der inneren Haut des vierten Magens (
Labmagen) junger, noch
Milch saugender
Wiederkäuer gewonnen. Meist findet Lab von
Kälbern Verwendung, es kann aber auch von
Schafen,
Ziegen und anderen Tieren stammen.
Zur Bereitung einer Labflüssigkeit von großer Stärke und Haltbarkeit zerschneidet man getrocknete, wenigstens drei Monate alte Mägen von Saugkälbern, von denen man den faltenlosen Teil abgetrennt hat, in kleine Stücke und lässt 100 Teile derselben mit 1 Liter Wasser, 50 g Kochsalz und 40 g Borsäure bei gewöhnlicher Temperatur unter häufigem Umschütteln fünf Tage stehen, setzt dann weitere 50 g Kochsalz zu und filtriert. Von guter Labflüssigkeit muss 1 Teil wenigstens 6000 Teile frischer ganzer Milch bei 35 °C in 40 Minuten zum Gerinnen bringen.
Auch Labpulver, welches 3000-300.000 Teile Milch koagulieren soll, kommt in den Handel.
Eine zur Molkenbereitung geeignete Labessenz (Liquor seriparus) erhält man durch dreitägiges Mazerieren von 3 Teilen frisch abgeschabter Schleimhaut des Labmagens mit 26 Teilen weitem (sehr schwach saurem, 8-9 Prozent Alkohol enthaltendem) Wein und 1 Teil Kochsalz. Ein Teelöffel voll des Filtrats, auf 35-40 °C erwärmt, bringt 0,5 Liter Milch zum Gerinnen.
Ersatzstoffe
Da das Kälberlab nur durch geschlachtete Jungtiere gewonnen werden kann, sind die so hergestellten Käse nicht
vegetarisch. Die
jüdischen Speisegesetze betrachten Käse der mit tierischem Lab hergestellt wurde als nicht
koscher, da es zu einer Vermischung von Milch und Fleisch kommt.
Daher gibt es folgende Ersatzstoffe:
- gentechnisch: Eine Alternative ist das so genannte rekombinante Chymosin, das durch gentechnisch veränderte Mikroorganismen gebildet wird und dessen Aminosäuresequenzen weitgehend mit jenen von Kälber-Lab identisch sind.
Weblinks
Fachsprache (Käse)
Rennet | Présure | Caglio (composto) | レンネット | Stremsel | Podpuszczka | Renina