La fémis (Ecole Nationale Supérieure des métiers de l'image et du son) ist der Name einer bekannten Filmhochschule in Paris. Sie gilt neben dem École Louis Lumière als eine der bedeutendsten und größten Filmhochschulen in Frankreich.
Geschichte
Die Filmhochschule La fémis gilt als Nachfolgerin des
Institut des hautes études cinématographiques (IDHEC). Das IDHEC war 1943 von dem Komponisten
Yves Baudrier gegründet worden, der dort von
1945 bis
1965 unterrichte und einen dreijährigen berufsbezogenen Unterricht (u. a. Regie und Schnitt) anbot. Unter den Absolventen des IDHEC befanden sich so bekannte Regisseure wie
Louis Malle,
Jean-Jacques Annaud,
Claude Miller und
Claude Sautet. Die Ecole Nationale Supérieure des métiers de l'image et du son (dt.:
"Nationale Hochschule der Bereiche Bild und Ton") wurde 1984 gegründet. Seit 1994 ist die Filmhochschule in den ehemaligen
Pathé-Studios (1926 errichtet) in der Rue Francoeur auf dem
Montmartre beheimatet, in denen so bekannte Filmemacher wie
Jean Renoir,
Marcel Carné,
Jean Cocteau oder Jean-Jacques Annaud ihre Filme realisierten. Durch die Verordnung Nummer 98-371 vom 13. Mai 1998 ist die La fémis ein Wirtschaftsbetrieb der öffentlichen Hand, der dem Ministerium für Kultur und Kommunikation (ministère de la Culture et de la communication) unterstellt ist. Direktor der Filmhochschule ist derzeit
Marc Nicolas, das Amt des Interimspräsidenten obliegt
Véronique Cayla.
Als die vier wichtigen "Missionen" der La fémis gelten:
- Erst- und Weiterbildung
- Kooperation und Austausch mit Filmhochschulen im Ausland
- Produktion, Ausgabe und die Verbreitung von Filmen und Dokumenten in Bezug auf die Pädagogik der Schule
- Förderung und Verbreitung der Filmkultur
Ausstattung
Die Studenten der La fémis arbeiten unter professionellen Bedingungen und verfügen über Material, Ausstattung und Räume, die den Entwicklungen der kinematographischen und audiovisuellen Produktion angepasst sind. Die Filmhochschule verfügt über vier Studios für die Realisation von Filmen, dreißig Schneideräume, drei Auditorien, ein Tonstudio, drei Projektionssälen mit jeweils 20, 70 und 170 Plätzen und Video- und Filmausrüstungen (
Tonformat DTS).
Ferner bietet die Filmhochschule eine Schreinerei, ein Atelier für Filmkulissen, zehn Unterrichtsräume, die mit audiovisuellem Materialien bzw. Computern ausgestattet wurden, ein Fotolabor, zwei Materialräume, Lagerräume für Beleuchtungstechnik, Kamera und Ton, Beta-Video-Kameras, DV-Kameras sowie Kamerafilme in den Formaten 16, Super 16 und 35 mmm.
Ausbildung
Die Schule ist Studenten über ein selektives Auswahlverfahren zugänglich, an dem der Prüfling nicht mehr als dreimal teilnehmen darf. Im Durchschnitt wird einer von fünfundzwanzig Bewerbern für einen Studienplatz zugelassen. Im Bereich Regie kommen auf einen Studienplatz fünfundachtzig Bewerbern. Die Prüfungen finden wie auch der Unterricht in französischer Sprache statt.
Erstausbildung
Während das Ecole Louis Lumière einen technischen Schwerpunkt wählt, gilt der Unterricht an der La fémis als vielseitig da er teilweise arbeitsteilig und interdisziplinär erfolgt. Französische Studenten die sich für ein Studium an der Filmhochschule bewerben, müssen ein Staatsdiplom oder einen vergleichbarer Bildungsabschluss vorweisen können, sowie das 27. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Bewerber der Europäischen Union oder des Auslands müssen einen gleichwertigen Bildungsgrad vorweisen können. Ebenfalls für das Auswahlverfahren qualifiziert sind Bewerber mit Abitur und mindestens vierjähriger Berufserfahrung. Die Beherrschung der französischen Sprache ist zwingend erforderlich. Die mehrtätigen Prüfungen und der Unterricht finden ebenfalls in französischer Sprache statt. Die angebotene Erstausbildung setzt sich aus einem Hauptstudiengang zusammen, der in sieben Fachbereiche gegliedert:
Filmproduktion,
Drehbuch,
Regie, Kameraführung, Tontechnik,
Szenenbild und Schnitt. Die Dauer des Studiums beträgt 39 Monate und teilt sich in drei Stufen.
Erste Stufe
Die erste Stufe (
Cycle 1) stellt ein gemeinschaftliches Studium dar. Themen sind u. a. die Filmanalyse, Produktion und Wirtschaftlichkeit des Kinos, eine Videoübung von drei Minuten Länge und das Erstellen eines
16-mm-Films. Alle Studenten sollen bei der ersten Stufe Ihres Studiums in allen Bereichen der Produktion, von der
Vor- bis
Postproduktion mitwirken. Ebenfalls ist ein Praktikum in einem Unternehmen vorgesehen.
Zweite Stufe
Die zweite Stufe (
Cycle 2) dauert ungefähr achtzehn Monate, teilt sich in zwei Phasen und sieht eine eigene spezialisierte Ausbildung jedes Fachbereichs vor. Jeder Student soll mit den Werkzeugen seines Handwerks vertraut gemacht werden, für das er sich entscheidet. Im Laufe dieser Stufe organisiert jeder Fachbereich seinen Unterricht selbst und die Übungen erstrecken sich entweder über einen oder mehrere Fachbereiche, wie z. B. Drehbuch (Kurz- oder Langfilm, Dramaturgie, Rollen), Schnitt (Übungen zu Kurz- oder Langfilmen im Format 16- und
35-mm-Film) und Kameraführung (u. a. Filmbeleuchtungstechnik, Arbeit mit der
Steadicam). Durch die Übungen sollen die Studenten mehr Eigenständigkeit entwickeln und ihre Kreativität frei entfalten können. In dieser Phase sind eine Reihe von mehr oder weniger langen Praktika nach Fachbereichen zu absolvieren, in Frankreich oder im Ausland, durch die die Studenten der La fémis mehr Berufserfahrung sammeln sollen.
Dritte Stufe
Die dritte Stufe (
Cycle 2) ist der persönlichen Forschung der Studenten gewidmet. Die Schüler aus dem Fachbereich Regie verwirklichen einen Film, der von einem Schüler aus dem Fachbereich Filmproduktion produziert wird und Schüler aus den anderen Fachbereichen wie Szenenbild, Kameraführung oder Schnitt mitwirken. Hinzu kommt die Realisation eines persönlichen Projekts, wie z. B. der Schnitt eines Films ausgehend von Archivmaterial oder eines Dokumentarfilms, Arbeit an einem Versuchsfilm, Design eines Dekors oder einer Einrichtung, oder das Verfassen eines Drehbuchs für einen Langspielfilm. Die Ausbildung an der La fémis schließt mit dem Erreichen des Diploms ab (Niveau 1, Bac +5), bei der alle im Laufe des Unterrichts durchgeführten Übungen bewertet werden.
Weitere Studiengänge
Studiengang Distribution und Auslastung
Seit September 2003 bietet die Filmhochschule La fémis den Studiengang Distribution und Auslastung (
Distribution Exploition) an, der auf Wunsch von Fachleuten aus der Filmwirtschaft ins Leben gerufen wurde, die ein Fehlen einer Ausbildung in diesem Bereich bedauert hatten. Das Studienprogramm wurde in Zusammenarbeit mit den Fachleuten und Vertretern der Berufsverbände des Bereiches konzipiert und verbindet theoretischen Unterricht mit praktischer Arbeit. Die Plätze in dem sechzehnmonatige Studiengang wird durch ein Auswahlverfahren vergeben, dass sich an diplomierte Studenten der zweiten Stufe unter 27 Jahren richtet (mindestens Bac +3), oder Fachleute aus dem Bereich, die noch nicht das dreißigste Lebensjahr vollendet haben, über Abitur und mindestens vier Jahre Berufserfahrung verfügen. Die Ausbildung ist in drei Phasen gegliedert und schließt mit dem Erreichen des Diploms ab.
Drehbuch-Studiengang
Die Dauer des Studiengangs Drehbuch (
Scripte) beträgt vierundzwanzig Monate und gliedert sich in drei Phasen. Er orientiert sich teilweise an der ersten Stufe der Erstausbildung. Gegenstand der Ausbildung sind neben Filmanalyse, Schnitt und Kameraführung auch Zeichenkurse für das spätere Erstellen von
Storyboards, Lektionen für das Verfassen von Drehbüchern bei Kurz- und Langfilmen und Organisation. Außerdem sollen die Studenten durch Praktika (z. B. in einer Fernsehredaktion) Berufserfahrung sammeln können.
Deutsch-Französische Masterclass
Die Deutsch-Französische Masterclass ist eine einjährige
Fortbildung für
Filmproduzenten in den Bereichen
Stoffentwicklung,
Produktion,
Marketing und
Vertrieb vor europäischem Horizont, gemeinsam veranstaltet mit der
Filmakademie Baden-Württemberg und
Ludwigsburg. Studienleiter auf deutscher Seite sind
Peter Sehr und
Jan Schütte.
L'université d'été
Die L'université d'été (Sommer-Universität) der La fémis ist ein Programm, das in Partnerschaft mit dem Außenministerium (
Ministère des Affaires étrangères) veranstaltet wird. Es ist auf die Dauer von zwei Monaten beschränkt und auf den Dokumentarfilm ausgerichtet. Es bietet zwölf Praktikanten, junge Filmstudenten oder anderweitig Filmschaffende aus dem
Maghreb,
Afrika,
Lateinamerika,
Asien (mit Ausnahme von
Korea,
Japan und
Singapur, Mittel- und Osteuropa mit Ausnahme der Länder der
Europäischen Union und des
Mittleren Ostens Gelegenheit, ihr praktisches und theoretisches Wissen über das Kino zu vertiefen. Ziel der Sommer-Universität ist es das jeder Teilnehmer einen fünfminütige Dokumentation realisiert, wobei die Beherrschung der französischen Sprache zwingend erforderlich ist. Die Teilnehmer werden durch das Außenministerium und die Filmhochschule anhand der Bewerbungsunterlangen ausgewählt, die in den französischen Botschaften in den Ländern verfügbar sind, die unter diesen Ausbildungsplan fallen.
Professoren
Die Leiter der Fachbereiche und Studiengänge am La fémis (Stand: April 2006):
Ehemalige Schüler
In mehr als zwanzig Jahren hat das La fémis über sechshundert Filmschaffende ausgebildet. Eine Auswahl der bekanntesten Absolventen der Filmhochschule und ihrer Vorgängerin, des Institut des hautes études cinématographiques (IDHEC):
Regisseure
Cutter
Filmproduzenten
Szenenbildner
Tontechniker
Postadresse
La fémis, 6 rue Francoeur, 75018 Paris - France
Literatur
- Daguinot, Micheline: Annuaire des anciens élèves : 1986-1999 : les dix premières promotions. Paris : FEMIS, 2000. ISBN 2907114328 (frz. Ausgabe)
Weblinks
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