La Palma (eigentlich 'San Miguel de la Palma') ist die nordwestlichste Insel der Kanaren, die früher "Glückliche Inseln" genannt wurden. Sie hat eine Fläche von 729 Quadratkilometer, ist 42 Kilometer lang und 28 Kilometer breit. Hier leben 85.252 Einwohner (1. Januar 2005) und durchschnittlich 3.000-10.000 Touristen (siehe unten). Sie gehört zu der spanischen Provinz Santa Cruz de Tenerife. Hauptstadt ist Santa Cruz de La Palma auf der Ostseite mit etwa 18.000 Einwohnern. Auf der Westseite befindet sich die inzwischen größte Gemeinde der Insel Los Llanos de Aridane mit ca. 20.000 Bewohnern.
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Geographie und Geologie
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Lage am Westrand Europas
La Palma liegt etwa 60 Kilometer westlich der kanarischen Hauptinsel
Teneriffa auf 28°40'
nördlicher Breite und 17°52' westlicher Länge.
Durch den Westen des Eilands verläuft der frühere
Nullmeridian von
Ferro, der eigentlich durch 20° westliche
Länge von
Paris definiert war. Den Namen gab ihm die 60 Kilometer südlich gelegene kleine Insel
El Hierro, die bis zur Entdeckung Amerikas den westlichsten Punkt der
Europa bekannten Welt darstellte.
Die Verwaltung La Palmas gliedert sich in 14 Gemeindebezirke:
Vulkanismus und Vulkangipfel
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La Palma ist, wie alle Kanarischen Inseln,
vulkanischen Ursprungs. Mit, geologisch gesehen, jungen etwa zwei Millionen Jahren gehört La Palma zu den jüngsten Inseln der Kanaren. Die Enstehungsgeschichte ist im Kapitel
Kanarische Inseln ausführlich beschrieben. Vom
Meeresboden in etwa 4.000 Metern Tiefe erhebt sich die Insel von dort fast 6.500 Meter und besteht zur Gänze aus verschiedenen vulkanischen
Gesteinen. Im Verhältnis zur Grundfläche zählt La Palma zu den höchsten Inseln der Erde.
Die Insel ist durch einen in Nord-Südrichtung verlaufenden Kamm aus Vulkankegeln, der Cumbre Vieja, in zwei klimatisch unterschiedliche Hälften geteilt. Im südlichen Teil sind einige Vulkane noch aktiv. Der letzte Ausbruch fand 1971 im Süden der Insel bei Fuencaliente, dem heutigen Los Canarios, statt. Es entstand hierbei der Vulkan Teneguía, der noch heute unter Beobachtung durch die Wissenschaft steht, da er nicht erloschen ist, sondern ruht. Der nördliche Teil der Insel wird von der Caldera de Taburiente dominiert. Diese Caldera bildet den größten Senkkrater der Welt. Er entstand durch Erosion und ist die von einem Ring von Gipfeln mit Höhen von 1.700 bis 2.400 Metern umgeben. Hier befindet sich auch die höchste Erhebung der Insel, der Roque de los Muchachos mit 2.426 Metern. Auf seinem Gipfel befinden sich das Roque de Los Muchachos Observatorium.
Historisch dokumentierte Ausbrüche
- 1470-1492 Montaña Quemada
- 1585 Tajuya in der Nähe von El Paso
- 1646 Volcán San Martin
- 1677 Volcán San Antonio
- 1712 El Charco
- 1949 Volcán San Juan, Duraznero, Hoyo Negro
- 1971 Volcán Teneguía.
Die Spuren dieser Ausbrüche -
Krater, Aschefelder und kilometerlange
Lavaströme - prägen den Südteil der Insel. Im Nordteil hat sich aus dem primären Vulkan durch einen gewaltigen
Erdrutsch eine
Caldera gebildet, die
Caldera de Taburiente, die bei 9 Kilometern Durchmesser und 28 Kilometern Umfang etwa 1.500 Meter tief ist. Zugänglich ist sie nur durch die enge "Schlucht der Todesängste", dem
Barranco de las Angustias. Die Caldera ist unbewohnt und nur zu Fuß zu erreichen. Sie wurde
1954 zum
Nationalpark Parque Nacional de la Caldera de Taburiente erklärt.
Die vulkanische Aktivität ist eine ständige Bedrohung. Zwar konzentriert sie sich auf die Südspitze der Insel, doch gibt es Theorien, dass die westliche Flanke der Cumbre Vieja bei einem Ausbruch instabil werden und ins Meer abrutschen könnte. Eine Untersuchung in den 90er Jahren ergab, dass die Cumbre in ihrem Inneren mit Wasser durchtränkte, vertikale Ebenen aus porösem Vulkangestein aufweist. Bei einem Vulkanausbruch könnte sich dieses Wasser explosionsartig ausdehnen. Bei einem Vulkanausbruch im Jahre 1949, bei dem ein großer Riss an der Oberfläche entstand, ist dies in sehr kleinem Maßstab schon geschehen. Falls dieser Vorgang in größeren Dimensionen stattfindet, wäre ein gewaltiger Tsunami die Folge, der bis zu den Küsten Nordamerikas und der Karibischen Inseln, aber auch Westafrikas und Europas reichen würde. Es ist allerdings nach Meinung einiger Wissenschaftler eher wahrscheinlich, dass die Westseite La Palmas in kleinen Teilen, wie vielleicht 1949, zudem zeitlich versetzt und durch kleinere Ausbrüche und Erdbeben abrutscht. Ein Tsunami würde dann ebenfalls unwahrscheinlich.
Natur, Vegetation und Landschaft
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Aufgrund seiner Entstehung und Lage bietet La Palma eine einmalige
Natur und Landschaft. La Palma ist bekannt als La Isla verde ("die grüne Insel") und als La Isla bonita ("die schöne Insel"), da sie ganzjährig von grüner
Vegetation bedeckt ist. Diese Üppigkeit verdankt die Insel den
Passatwinden, die verlässlich Wolken auf der
Luv-Seite der Insel schaffen, die beim Überqueren der Insel abregnen oder dichte
Nebelfelder auf den Bergen bilden. Die Feuchtigkeit dieser Wolken wird von verschiedenen Pflanzen gesammelt. Die Insel gliedert sich in verschiedene Vegetationszonen - von Lavafeldern über mediterrane Trockenvegetation zu
Kiefernwäldern auf den Höhen und auf der Nordostseite auch
Lorbeerwälder, die Regenwald ähneln. Unter den Pflanzen La Palmas findet man ca. 170
Endemiten der
Kanaren, darunter die bekannten
Kanarischen Drachenbäume.
Die Landschaft bildet ein Ensemble in Schwarz (Basalt), Rot (Tuff) und Grün (Vegetation) im Blau des Atlantik. Sie wird geprägt durch die Barrancos im Norden, tief eingeschnittene Schluchten, die das Wasser von den Bergen zum Meer führen, den Wäldern auf den zentralen Inselbergen und die Gebiete jüngerer vulkanischer Aktivität im Süden aus Aschefeldern, erstarrten Lavaströmen und Vulkankegeln.
Geschichte
Steinzeit, Guanchen und Antike
La Palma wurde im
Neolithikum vom Volk der
Guanchen besiedelt, die angeblich groß und hellhäutig waren. Dass sie ab etwa
2000 v. Chr. von
Nordafrika einwanderten, ist unter Wissenschaftlern mittlerweile nicht mehr umstritten. Dafür sprechen die genetischen Analysen von Skelettfunden als auch nordafrikanische Sprachreste. Die Guanchen lebten auf einer steinzeitlichen Kulturstufe und waren in verschiedenen Clans organisiert, die die Insel unter sich aufteilten. Der altkanarische Name von La Palma war
Benahoare. Die Sprache der Guanchen, das
Guanche, wurde nach der spanischen Eroberung etwa im
16. Jahrhundert unterdrückt. Allerdings haben sich einige Worte im heutigen kanarischen Dialekt erhalten.
Die Kultur der
Guanchen ist heute großenteils ausgerottet. Es gab auf La Palma keine großen Schlachten zwischen der Urbevölkerung und den spanischen Eroberern unter Führung von
Alonso Fernández de Lugo. Die Guanchen kamen hier deshalb nicht in Massen um und ließen sich, natürlich nicht ohne Widerstand, christianisieren. Sie waren auch noch nach der Conquista in der Inselbevölkerung in der Überzahl. Jedoch mussten sie sich den neuen Siedlern unterwerfen. Später vermischten sie sich mit diesen. Ein Teil der heutigen einheimischen Bevölkerung La Palmas stammt daher immer noch von den Guanchen ab. Die zahlreichen Reste ihrer
Steinzeit-
Kultur sind heute eine Attraktion der Insel: Wohnhöhlen,
Grabstätten, Steinwerkzeuge und die
Petroglyphen - seltsame, komplexe
Steinritzungen mit unbekannter Bestimmung. Am bemerkenswertesten sind die steingepflasterten
Königswege, welche die gesamte Insel überziehen und die verschiedenen Regionen verbinden.
Näheres zu Gesellschaft, Felszeichnungen und Religion der Guanchen erfährt man im Inselmuseum, im Besucherzentrum des Nationalparks sowie bei La Zarza und La Zarcita (seit 1998 erster Archäologischer Park der Kanaren). Die dortigen Felsbilder faszinieren durch ihre Mäander, Labyrinthe und Figuren. Ein zweiter Archäologiepark bei der Höhle von Belmaco ist mit knapp 4.000 Jahren die älteste Fundstelle La Palmas.
Die Kanarischen Inseln waren möglicherweise schon im Altertum phönizischen Seefahrern bekannt, die Nachrichten sind allerdings ungewiss. Erste Europäer gelangten im 13. Jahrhundert auf die Kanaren, unter ihnen Lancelotto Malocello.
Spanische Eroberung
Im Jahre
1312 wurde La Palma von dem Genuesen
Lancelotto Malocello erreicht. Der
kastilische Graf Hernán Peraza entsandte
1447, nachdem er seine Macht auf
Lanzarote,
Fuerteventura und
El Hierro gefestigt hatte, eine aus drei Schiffen und 500 Mann bestehende Flotte zu der als unbezwingbar geltenden Insel La Palma. Aber auch diesem
Feldzug war wie den vorangegangenen kein Glück beschert: Bei den erbitterten Kämpfen mit den Insulanern verloren die Spanier 200 Mann. Am
29. September1492, in dem Jahr als Amerika von
Christoph Kolumbus "entdeckt" wurde, landete der auf Gran Canaria beheimatete General
Alonso Fernández de Lugo, von dem spanischen Herrscherpaar
Isabella von Kastilien und
Ferdinand von Aragón dazu ermächtigt, mit einer Streitmacht von 900 Mann auf La Palma in der Nähe des Strandes von
Tazacorte. Er hatte die früher von La Palma verschleppte
Gasmirla la Palmens dabei und machte falsche Versprechungen. Die Bezirke
Aridane,
Tihuya,
Tamanca und
Ahenguarem unterwarfen sich. Die Herrscher von
Tigalate allerdings leisteten enormen Widerstand. Schließlich traten alle Fürsten der
Benahoaritas, der Ureinwohner La Palmas, zum Christentum über, bis auf den Bezirk der
Caldera de Taburiente, der damals
Aceró (starker Ort) hieß. Diese Gegend unterstand dem berühmten
Tanausú, welcher sich widersetzte und nur durch einen Hinterhalt gefangen genommen werden konnte. De Lugo schickte der Kastilischen Krone mehrere Gefangene zum Beweis seiner Eroberung, darunter auch Tanausú, welcher angesichts dieser Schande in den Hungerstreik trat und noch auf der Überfahrt verstarb. Am
3. Mai 1493, dem "Tag der Erhebung des Heiligen Kreuzes", gründete Lugo an dem Ort, an dem sich die altkanarische Siedlung
Apunyon (auch Auprón) befand, die Stadt
Santa Cruz de La Palma. Dann begab er sich nach Gran Canaria zurück, um Vorbereitungen für die Einnahme von
Teneriffa, der letzten der sieben großen Kanarischen Inseln, zu treffen, die er schließlich nach einem zweijährigen Feldzug
1496 eroberte.
Die Spanier nutzten die Kanaren als wichtige Zwischenstation für die Überfahrt nach Westindien. Ausschlaggebend dafür war die geographische Lage am Passatstrom, die schon Kolumbus 1491 nutzte. Allerdings betrat Kolumbus La Palma nie.
Menschenhandel, Zuckerboom
Schnellen Reichtum bot La Palma nicht. Es gab weder
Gold noch
Silber oder andere
Bodenschätze. Gewinn versprachen zunächst nur die Einheimischen – als
Sklaven. Trotz eines päpstlichen Erlasses aus dem Jahr
1434, in dem
Eugenius IV. die Kanarier zu „freien Leuten“ erklärt und den Menschenhandel auf den Inseln verboten hatte, endete ein Großteil der Urbevölkerung von La Palma gleich nach der Eroberung in der Sklaverei. Schätzungen zufolge blieben nur rund 300 Familien (1.200 Menschen) von diesem Schicksal verschont. Diese
Palmeros ließen sich nach und nach
taufen und vermischten sich, nachdem sie ab
1514 den Spaniern rechtlich gleichgestellt worden waren, rasch mit den
Konquistadoren sowie mit eingewanderten
Portugiesen und
Franzosen. Schon bevor sich der Sklavenhandel auf der Insel erschöpft hatte, verfolgte
Alonso Fernández de Lugo ein weitaus lukrativer erscheinendes Ziel: den Anbau von
Zuckerrohr, zur damaligen Zeit das gewinnbringendste Ackerbauprodukt. Europäische Kaufleute, Handwerker, Wein- und Ackerbauern wurden auf die Insel gerufen, um Kapital und Arbeitskraft in Zuckerverarbeitungsanlagen zu investieren. Wie bedenkenlos man dabei mit der Landvergabe umging, wird an folgendem Beispiel besonders deutlich:
1508 verkaufte Juan Fernández de Lugo seine Zuckerverarbeitungs- und -Bewässerungsanlage von Tazacorte und Argual an den Andalusier
Dinarte; dieser veräußerte sie ein Jahr später an die
Augsburger Welser; wiederum ein Jahr später (
1510) gelangten sie in Besitz des Antwerpener Kaufmannes
Jakob Groenenberch (hispanisiert: Jacomo Monteverde), von dem sie schließlich das
Brüsseler Handelshaus
Van de Valle erwarb.
Weinbau
Ab
1553 lohnte der
Zuckerrohranbau auf La Palma immer weniger. In Mittel- und
Südamerika wurde preisgünstiger produziert. Viele nicht mehr rentable Zuckerrohrplantagen wurden in Weinfelder umgewandelt. Der vor allem im Süden der Insel auf jungvulkanischem Boden gedeihende süße
Malvasier wurde das wichtigste
Exportprodukt von La Palma. Hauptabnehmer des palmerischen
Weines war
England. Bis Mitte des
19. Jahrhunderts dauerte der Siegeszug der palmerischen Malvasier, dann führte ein sich ändernder Konsumentengeschmack zum Niedergang des Weinbaues. Allerdings wird heute wieder mit zunehmendem Erfolg Wein angebaut, der nicht auf den Massengeschmack zielt.
Amerikahandel, Piratenüberfälle
Im
16. Jahrhundert bekam La Palma nach
Antwerpen und
Sevilla das
Privileg, mit
Amerika Handel zu treiben. Schnell entwickelte sich Santa Cruz de La Palma zu einem der wichtigsten Häfen des spanischen Reiches. So ist es nicht verwunderlich, dass Santa Cruz de La Palma im Laufe des 16. Jahrhunderts immer wieder
Piraten anlockte, die sich der Reichtümer der Stadt bemächtigen wollten. Unter dem Befehl von
François Le Clerc plünderten
1553 Franzosen die Hafenstadt. Was sie nicht mitnehmen konnten, brannten sie nieder. Nach dieser Katastrophe wurden Kirchen, Klöster und Häuser größer und prächtiger wieder aufgebaut. Neue Verteidigungsanlagen wurden errichtet. So konnte
1585 der Angriff des Engländers
Francis Drake erfolgreich abgewehrt werden. Der Handel mit Amerika begünstigte das Aufkommen weiterer Erwerbszweige (Schiffbau, Herstellung von Segeltuch etc.). Zahlreiche Kaufleute aus aller Welt kamen nach Santa Cruz de La Palma und verliehen dem Ort ein internationales Flair, viele fremdländisch klingende Straßennamen zeugen noch heute von dieser glanzvollen Epoche. Der Niedergang setzte bereits Mitte des
17. Jahrhunderts ein. Nach einem Erlass aus dem Jahre
1657 mussten alle Schiffe auf dem Weg nach Amerika auf
Teneriffa registriert werden und dort ihre Abgaben entrichten. Der Handelsverkehr im Hafen von Santa Cruz de La Palma kam damit nahezu zum Erliegen. Zwar gab König
Carlos III.
1778 den Amerikahandel für alle spanischen Häfen frei, doch konnte sich Santa Cruz de La Palma nie völlig von der Wirtschaftskrise erholen.
(siehe auch: Santa Cruz de La Palma, für umfangreicheren Artikel)
Seide, Cochenille und Bananen
Abgesehen von Piratenangriffen erlebte La Palma weitestgehend ruhige Zeiten. Von jeder Wirtschaftskrise erholte sich das zwar bodenschatzlose, aber sehr fruchtbare Eiland immer relativ schnell. Nach
Zucker und
Wein ließ sich auch mit Bienenwachs und -honig, mit
Tabak sowie mit
Seide gutes Geld verdienen. Bereits seit dem beginnenden
16. Jahrhundert pflanzte man in La Palma
Maulbeerbäume an, war La Palma führend in der Seidenherstellung der Kanaren. Die Seidenverarbeitung der Insel galt sogar als die fortschrittlichste des Kanarischen Archipels. Um
1830 wurde dann die aus
Mexiko stammende
Cochenille-Laus eingeführt, eine Schildlaus, die einen begehrten karmesinroten Farbstoff liefert. Mit der Entwicklung von Anilinfarbe um
1880 war diesem Wirtschaftszweig jedoch nur ein kurzer Gewinn beschert. Aus dieser Wirtschaftskrise half schließlich der Bananenanbau, den zwei englische Gesellschaften,
Elder und
Fyffes, ab
1878 in großem Stil auf die Kanaren gebracht hatten.
Armut
Das einfache Volk auf dem Lande profitierte von dem auf La Palma erwirtschaften Reichtum kaum. Noch im
19. Jahrhundert lebten die meisten Inselbewohner in strohgedeckten Holzhütten, selbst wohlhabende Landbewohner konnten sich nur niedrige Bruchsteinhäuser leisten. Probleme bereitete oft die Versorgung mit Lebensmitteln. Da man auf der Insel vorwiegend
Monokulturen anbaute, reichte die verbleibende Ackerfläche für den Anbau von Getreide und anderen Landwirtschaftserzeugnissen nicht aus. Schon im
16. Jahrhundert musste Getreide – zu hohen Preisen – importiert werden. Als das Domkapitel von La Palma einmal seinen Zehnten in Form von Weizen aus dem Getreidespeicher forderte, weigerte sich die Bevölkerung einmütig und entschlossen, auf diese Art ihre Steuern zu begleichen, woraufhin der
Inquisitor über die Insel einen
Kirchenbann verhängte und – infolge einer Missernte – einige Jahre lang niemand christlich beerdigt wurde. Die Armut auf dem Lande war so groß, dass in vielen Familien die „schlecht ernährten und schlecht gekleideten“ Männer und Frauen, wie
1758 der Missionar
Juan de Medinilla in einem vertraulichen Bericht an seinen
Bischof schrieb, sonn- und feiertags aus Mangel an Kleidung jeweils abwechselnd zur
Messe gehen mussten.
Wirtschaft
Heute werden auf ca. 3.000
Hektar Bananen angebaut, zunehmend wird die Landwirtschaft jedoch mit dem Anbau von
Avocado, Zitrusfrüchten und Gemüse diversifiziert. Bedeutend ist außerdem der Weinanbau.
Die Landwirtschaft wird durch ein einzigartiges Bewässerungssystem mit Wasserleitungen und
Tunneln ermöglicht, die das Wasser aus den Bergen in die agrarisch genutzten Gebiete führen. Diese Tunnel sind zum Teil hunderte von Metern durch Felsen getrieben und bringen das Wasser über zehn Kilometer oder mehr in die bewohnten Gebiete an der Küste.
Industrie und Handel
Klein- und Kleinstbetriebe
Neben der
Landwirtschaft spielen
Handwerk und
Industrie auf La Palma nur eine untergeordnete Rolle. Die Insel besitzt lediglich einige kleine Betriebe, die Landwirtschaftsprodukte weiterverarbeiten bzw. Baustoffe oder
Kunsthandwerk herstellen, sowie einige Baufirmen, die dank des Tourismus in den letzten Jahren einen Aufschwung zu verzeichnen hatten. Nur die
Zigarrenfabrik in
El Paso, in der etwa 300 Insulaner arbeiteten, produzierte bis Ende 2000 in größerem Umfang. Die Produktion wurde nach Deutschland verlagert.
Handel
Der
Export von La Palma beschränkt sich auf
Agrarprodukte. Alles in allem aber hat die Insel eine negative Handelsbilanz, d.h. es wird weit mehr ein- als ausgeführt. Drei viertel der Lebensmittel müssen
importiert werden, auch Zitrusfrüchte wie
Orangen und
Zitronen, ebenso etwa 80 % des Bedarfs an tierischen Produkten. Andere wichtige Importwaren, die zum größten Teil das spanische Mutterland liefert, sind Rohöl, Konsumgüter, ferner mechanische und elektrische sowie Kraftfahrzeuge.
Tourismus
Entwicklung
Im Jahr
1890 gab es auf La Palma bereits mehrere Hotels. Vor allem die erholungsuchenden Engländer frequentierten Ende des
19. Jahrhunderts und Anfang des
20. Jahrhunderts gern die westlichste Kanareninsel. Doch einige Jahrzehnte später ging es mit dem
Tourismus auf La Palma bergab, in den 1960er Jahren kam er fast ganz zum Erliegen. In den 1970er Jahren und Anfang der 1980er Jahre profitierte La Palma ein wenig vom Massen- und Chartertourismus auf den beiden Kanarenhauptinseln
Teneriffa und
Gran Canaria. Erst Ende der 1980er Jahre waren nach der Erweiterung des palmerischen Flughafen für den internationalen Charterverkehr im Tourismusbereich kräftige Zuwachsraten zu verzeichnen.
Urlaubszentren
Bei einem Angebot von etwa 7.500 Betten kann man auf La Palma noch nicht von Massentourismus sprechen. Es gibt nur wenige größere Hotels, vorwiegend werden
Ferienwohnungen in kleineren Häuschen vermietet, die im Besitz von Ausländern sind. Die meisten Touristen – zu 80 % Deutsche – zieht es in die Gegend von
Puerto Naos und nach
Los Cancajos. Deutsche Dauerurlauber oder Aussteiger haben sich vorzugsweise etwas landeinwärts auf der sonnigen Westseite der Insel in
Los Llanos de Aridane und in El Paso niedergelassen.
Perspektiven
Ob La Palma weiterhin das Ziel einer überschaubaren Anzahl von Individualtouristen bleiben wird, oder ob es sich das Beispiel von
Teneriffa oder
Gran Canaria zu Eigen macht, ist vorläufig nicht abzusehen. Inselverwaltung, einzelne Bürgermeister und Umweltschutzorganisationen hegen sehr unterschiedliche Ansichten darüber, wie viele Touristenbetten die Insel verkraften könnte. Die Zahlen gingen einmal bis zu 80.000 Gästebetten. Mittlerweile wird eine maximale Bettenkapazität von 20.000 angepeilt. Seit Mitte der 1990er Jahre kommen Jahr für Jahr etwas mehr als 140.000 Touristen (davon mehr als 100.000 Deutsche) nach La Palma, doch immer noch ist die exportorientierte
Landwirtschaft die Haupteinnahmequelle der Palmeros, der Tourismus bildet nur einen weiteren Devisenbringer – und so soll es nach Meinung der meisten Inselbewohner bleiben. Die Strände von
Puerto Naos und
Los Cancajos tragen die
blaue Flagge der
EU, und erfüllen somit einen gehobenen Qualitätsstandard. Heute wird dem Besucher ein touristisches Programm vom
Wandern bis
Tauchen und Mountainbiking geboten.
Ländlicher Tourismus
Seit einigen Jahren setzt La Palma auf den „turismo rural“ („ländlichen Tourismus“): Alte kanarische Bauernhäuser im Hinterland werden renoviert, dabei im inseltypischen Stil belassen und Touristen als Unterkunft angeboten. Dieses Projekt, das mit
EU-Geldern gefördert wird, hat den Vorteil, dass nicht neu gebaut werden muss, sondern dass man auf schon vorhandene Häuser zurückgreifen kann.
Verkehr
Straßennetz
Mittlerweile ist das Straßennetz auf La Palma gut 1.200 km lang. Alle Hauptstraßen sind asphaltiert und, wenn auch kurvenreich, in gutem Zustand. Lediglich einige abgelegene Ortschaften im Inselnorden sind nur über Erd- oder Betonpisten zu erreichen. Ein ca. 180 km langer Straßenring (Kartenbezeichnung LP-1) umläuft die gesamte Insel (Santa Cruz - Los Canjacos - Mazo - Fuencaliente - Los Llanos - Tijarafe - Puntagorda - Barlovento - San Andrés - Puntallana - Santa Cruz), weiterhin verbindet eine ca. 35 km lange Straße (Kartenbezeichnung LP-2) über zwei Tunnel den Osten mit dem Westen der Insel (Los Llanos - Los Cancajos).
Schiffsverkehr
Die Bucht der Hauptstadt wird seit der Eroberung der Insel durch die Spanier als
Hafen genutzt.
Von
Santa Cruz de La Palma werden diverse Fährverbindungen zu den Nachbarinseln und zum spanischen Festland, mit Zwischenstopps auf
Lanzarote,
Gran Canaria und
Teneriffa, angeboten.
Auch der westliche Hafen in
Puerto de Tazacorte ist seit Juni
2005 mit einer Verbindung zur Insel
Teneriffa über
Santa Cruz de La Palma dem Fährverkehr angeschlossen worden.
(siehe auch: Santa Cruz de La Palma, für umfangreicheren Artikel)
Flugverkehr
Der erste Flughafen von La Palma bei
Breña Alta nahm
1950 den Betrieb auf. Die Landepiste wurde
1970 stillgelegt, als der in der Küstenebene, südlich von Santa Cruz de La Palma, gelegene neue Flughafen fertig gestellt war. Seit
1987 ist er der sechste internationale Flughafen der
Kanarischen Inseln. Er wird mehrmals wöchentlich von mehreren europäischen Chartergesellschaften angeflogen. Vom
Flughafen Santa Cruz de La Palma bestehen Linienverbindungen zu den Nachbarinseln und zur spanischen Hauptstadt
Madrid, die durch die spanische Fluggesellschaft
Iberia und den lokalen Gesellschaften
Binter Canarias und
Islas Air bedient werden.
Sternwarten
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Wegen des wolkenfreien
Klimas und der Dunkelheit (es gibt auf der Insel ein Gesetz, das Leuchtreklame verbietet, und dass Lampen im Freien nur bestimmtes Licht nur nach unten abstrahlen dürfen) befinden sich in der Gipfelregion zahlreiche internationale
Observatorien. Die Ansiedlung von Sternwarten wurde
1985 begonnen.
(siehe auch: Roque de Los Muchachos Observatorium, für umfangreicheren Artikel)
Feiertage
Literatur
- Baillon, Eames, Fernandez-Armesto: APA-Guides. Teneriffa - La Gomera - La Palma - El Hierro. APA, Berlin 1990. ISBN 3575213240
- Joachim Pott, Joachim Hüppe, Wolfredo Wildpret de la Torre: Die Kanarischen Inseln. Natur- und Kulturlandschaften. Ulmer, Stuttgart 2003 (incl. Geobotanik). ISBN 3-8001-3284-2
- Klaus und Annette Wolfsperger: La Palma. Bergverlag Rother, München 1999. ISBN 3-7633-4246-X (Wanderführer mit detailliert beschriebenen Touren)
Weblinks
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