Das deutsche Akronym LIGA (steht für die Verfahrensschritte LIthographie, Galvanik und Abformung) bezeichnet ein Verfahren welches auf einer Kombination von Tiefenlithographie, Galvanik und Mikroabformung basiert. Das LIGA-Verfahren wurde Anfang der 80er Jahre am damaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe (heute Forschungszentrum Karlsruhe) von
einem Team unter Leitung von Erwin Willy Becker
Becker EW et al, Production of Separation-Nozzle Systems for Uranium Enrichment by a Combination of X-Ray Lithography and
Galvanoplastics, Naturwissenschaften 69, 520-523 (1982)
zur Herstellung von Komponenten zur Isotopentrennung von Uranhexafluorid UF6 entwickelt.
Das Verfahren ermöglicht die Herstellung von Mikrostrukturen mit kleinsten Abmessungen bis zu 0,2 µm, Strukturhöhen bis 3 mm, und Aspektverhältnissen bis 50 (für Detailstrukturen bis 500) aus den Materialien Kunststoff, Metall oder Keramik.
LIGA wird im Bereich der Mikrosystemtechnik, nicht zuletzt der Mikrooptik, angewandt, und zwar insbesondere dann, wenn Strukturen mit sehr hohen Aspektverhältnissen zu erzeugen sind.
Eine weitere Variante ist die Erzeugung eines Masters aus einem Silizium-Wafer mittels Fotolithografie und Silizium-Tiefenätzen (beispielsweise Advanced Silicon Etching® (ASE, dem sogenannten "Bosch-Prozess"), mit nachfolgender Galvanik und (ggf.) Abformung. In Anlehnung an die traditionellen LIGA-Techniken wird dieses Verfahren, das wie die UV-LIGA im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts eingeführt wurde, auch als Silizium-LIGA bezeichnet.
Sowohl UV-LIGA als auch Silizium-LIGA bieten geringere Präzision als die Röntgen-LIGA, erfordern aber auch in der Regel einen deutlich niedrigeren Kapitaleinsatz und werden deshalb bisweilen (im wesentlichen wertneutral) als Poor Man's LIGA bezeichnet.
Wiederholt man die Schritte Belichten, Entwickeln und Galvanik mehrmals, so kann man komplexere Strukturen entwerfen, die sich aber zum Substrat (dem Wafer) hin verjüngen müssen, sonst würde sich das Bauteil nicht aus der Form lösen. Dies beschränkt die Komplexität der herzustellenden Struktur.
Benutzt man die mittels LIGA erzeugte Form zum Spritzgießen, ergibt sich eine Besonderheit im Gegensatz zur Herstellung makroskopischer Teile: es müssen keine Bohrungen für das Entweichen der in der Form vorhandenen Luft vorgesehen werden, da beim Herstellen von Bauteilen einiger hundert Mikrometer Größe die Unebenheiten der Kontaktfläche von Form und Gegenstück für das Entweichen der Luft ausreichen. Nur die Bohrungen für das Zuführen des zu spritzenden Materials müssen erzeugt werden.
Mittels LIGA-Technik werden Zahnräder für Miniaturgetriebe (zum Beispiel im Kopf eines Bohrers beim Zahnarzt) und mikrofeine Düsen für Filter hergestellt.
Miniaturisierte Getriebe, die mittels LIGA-Technik hergestellt wurden, kann man aufgrund ihrer geringen Größe nicht schmieren. Deshalb besteht die Kunst der Entwicklung eines solchen Getriebes darin, Materialkombinationen zu finden, die selbstschmierend sind. So sind etwa zwei Zahnräder aus dem gleichen Material schlechter als die Kombination von bestimmten unterschiedlichen Materialien.
Ein Mikro-Elektromotor besteht aus magnetischem Material, i.d.R. einer Nickel/Eisen-Legierung. Alle Bestandteile des Mikromotors werden in Mikrogalvanoformung hergestellt.
Mit LiGa-Technik (ohne Abformung) werden Präzisionsteile für Schweizer Uhren gefertigt *.
Die Umsätze mit LIGA Produkten sind jedoch, im Vergleich mit der sehr hohen öffentlichen Förderung, gering.