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Das Lightweight Directory Access Protocol (LDAP) ist in der Computertechnik ein Netzwerkprotokoll, das die Abfrage und die Modifikation von Informationen eines Verzeichnisdienstes (eine im Netzwerk verteilte hierarchische Datenbank) erlaubt. Die aktuelle Version ist in RFC 2251 spezifiziert.

Überblick


LDAP ist ein Netzwerkprotokoll, das bei so genannten Verzeichnisdiensten (engl. directories) zum Einsatz kommt. Es vermittelt die Kommunikation zwischen dem sogenannten LDAP-Client (zum Beispiel einem Mailserver, einem Mailclient wie Thunderbird oder einem digitalen Adressbuch wie im Outlook-Client) und dem Verzeichnis (Directory Server), aus dem (überwiegend) personenbezogene Daten ausgelesen werden.

Beispiel: Im Outlook Addressbuch (LDAP-Client) stößt ein User die Aktion Suche mir die Mailadresse von Joe User heraus an. Das Addessbuch formuliert eine LDAP-Abfrage an das Verzeichnis (Directory-Server), das diese Information bereitstellt. Das Verzeichnis formuliert die Antwort und übermittelt sie an das Addressbuch: joe.user@acme.com.

Mittlerweile hat sich im administrativen Sprachgebrauch eingebürgert, dass man von einem LDAP-Server spricht, dabei meint man einen Directory-Server, dessen Daten-Struktur der LDAP-Spezifikation entspricht und der über das Netzwerkprotokoll LDAPv3 Daten mit Client-Systemen austauschen kann.

Das Protokoll bietet alle Funktionen, die für eine solche Kommunikation notwendig sind: Anmeldung am Server (sog. bind), die Suchabfrage (Suche mir bitte alle Informationen zum Benutzer mit dem Namen 'Joe User') und die Modifikation der Daten (Beim Benutzer 'Joe Cool' ändere bitte das Passwort).

Neuere Implementierungen, die über RFC 2251 hinaus gehen und Gegenstand für eine mögliche Erweiterung des Protokolls sind, berücksichtigen die Replikation der Daten zwischen verschiedenen Directories.

Geschichte


LDAP wurde an der Universität von Michigan entwickelt und 1993 erstmals in einem RFC vorgeschlagen. Es stellt eine vereinfachte Form des Directory Access Protocol (DAP) dar, welches im X.500-Standard definiert ist. Der X.500-Standard ist sehr umfangreich und setzt auf einem vollständigen ISO/OSI-Stack auf, was die Implementierung schwierig und rechenintensiv machte und damit einen Erfolg verhinderte.

LDAP wurde mit dem Ziel entwickelt, Verzeichnisdienste einfacher und somit populärer zu machen. Aus diesem Grund setzt LDAP auf einem TCP/IP-Stack auf und implementiert nur einige der DAP-Funktionen und Datentypen. Trotzdem lassen sich mit den vorhandenen LDAP-Funktionen alle anderen emulieren.

LDAP und X.500


Während X.500 eine sehr strenge Implementierung der Directory-Daten erfordert und von der Protokollseite her mit DAP einen viel größeren Funktions- und Kontrollumfang als LDAP besitzt, hat sich gezeigt, dass diese Architektur gerade deswegen einer breiteren Verteilung in vielen Unternehmen im Wege steht. Die Entscheidung, eine „lightweight“-Version des DAP-Protokolls zu implementieren, führte zu einer hohen Flexibilität in den Netzwerken, so dass solche Verzeichnisse zum ersten Mal „Internet-tauglich“ wurden.

Funktionsweise


Ldapentry.gif Um eine Übersicht über die Funktionsweise einer LDAP-Architektur zu bekommen, ist es notwendig, dass man zwischen der Organisation des LDAP-Verzeichnisses und dem Protokoll LDAP unterscheidet.

LDAP-Verzeichnis

Die Datenstruktur eines LDAP-Verzeichnisses ist durch einen hierarchischen Baum mit Wurzeln, Zweigen und Blättern gegeben. Die Wurzel (root, suffix) ist das oberste Datenobjekt, unter ihm verzweigen sich die höheren Strukturen. Beispiel: Wird ein LDAP-Verzeichnis in einem Unternehmen mit dem Namen ACME eingesetzt, kann die Organisation als Wurzel definiert werden: o=acme.

Personen können in Zweigen unterhalb dieser Wurzel hinterlegt werden: ou=Personen,o=acme

Gruppen können in anderen Zweigen unterhalb der Wurzel hinterlegt werden: ou=Gruppen,o=acme

Damit die Organisation der Daten nicht vollkommen willkürlich geschieht, verwendet jedes LDAP-Verzeichnis eine bestimmte (genormte und ggf. erweiterte) Struktur. Die Struktur wird durch das verwendete Schema definiert. Ein LDAP-Schema definiert jeweils Objekt-Klassen mit ihren Attributen, z. B. die Klasse person oder die Klasse organisation.

Die Verzeichniseinträge heißen bei LDAP Objekte. Jedes Objekt gehört zu mindestens einer, in der Regel aber zu mehreren Klassen. So sind für die Daten einer Person, ihrer E-Mail-Adresse und ihrer Passwörter nicht etwa drei Objekte notwendig, sondern dasselbe Objekt gehört zu drei Klassen. Diese könnten in diesem Beispiel person, inetOrgPerson und posixAccount heißen.

Es gibt drei Arten von Objektklassen: Da ein Objekt zu mindestens einer strukturellen Klasse gehören muss, ist dies die Standardeinstellung. Daneben gibt es noch Hilfsklassen, welche dazu benutzt werden können, verschiedenartigen Objekten gleiche Attribute zuzuweisen. Zuguterletzt existieren noch abstrakte Basisklassen, von denen keine Objekte, sondern nur untergeordnete Basisklassen erzeugt werden können.

Jedes Objekt ist eigenständig und aus Attributen zusammengesetzt. Ein einzelnes Objekt wird eindeutig durch den Distinguished Name (DN) identifiziert (z. B. uid=juser,ou=People,ou=webdesign,c=de,o=acme). Dieser setzt sich aus einzelnen Relative Distinguished Names (RDN) zusammen. Eine andere Schreibweise für den DN ist der canonical name, der keine Attribut-Tags (ou, c etc.) enthält und bei dem die Trennung zwischen den RDNs durch Schrägstriche erfolgt. Außerdem beginnt die Reihenfolge, im Gegensatz zum dn, mit dem obersten Eintrag, also z. B. acme/de/webdesign/People/juser.

Jedes Attribut eines Objekts hat einen bestimmten Typ und einen oder mehrere Werte. Die Typenbezeichnung eines Attributs sind meist einfach zu merkende Kürzel wie z. B. cn für common name, ou für organizational unit, s für state, c für country oder mail für e-mail address. Die erlaubten Werte eines Attributs sind vom Typ abhängig. So könnte ein mail-Attribut die Adresse hans.wurst@example.com enthalten, ein jpegPhoto-Attribut dagegen würde ein Foto als binäre Daten im JPEG-Format speichern. Die in der Objektklasse definierten Attribute können entweder obligatorisch (mandatory) oder optional sein.

Die Objekte werden in einer hierarchischen Struktur gespeichert, die politische, geographische oder organisatorische Grenzen widerspiegelt. Die größten Einheiten werden an die Spitze des Verzeichnisbaumes gestellt, der sich nach unten immer weiter auffächert. Während Objekte, die selbst Objekte enthalten, als Containerobjekte bezeichnet werden, heißen die „Enden“ des Baumes Blattobjekte.

Ldapdit.gif Wenn einzelne LDAP-Server für einzelne Teile des Verzeichnisbaumes zuständig sind, spricht man von Partitionen. Stellt ein Client eine Anfrage, für die der Server nicht zuständig ist, kann der Server den Client an einen anderen Server verweisen. LDAP-Server lassen sich redundant aufbauen. Hierzu wird oft eine Master-Slave-Konfiguration verwendet. Versucht ein Client Daten auf einem Slave-Server zu ändern, wird er an den Master verwiesen. Die Änderungen auf dem Master-Server werden dann an alle Slave-Server weitergegeben.

Da viele verschiedene Schemata in verschiedenen Versionen in Benutzung sind, ist die Vorstellung eines „globalen“ alles umfassenden LDAP-Verzeichnisses nicht real. LDAP-Server werden als zentraler Verzeichnisdienst für verschiedene Zwecke in verschiedenen Größen eingesetzt, die Objekthierarchie bleibt aber in der Regel auf eine Organisation beschränkt.

LDAP-Protokoll

Das LDAP-Protokoll ist auf der obersten Netzwerkschicht angesiedelt und arbeitet mittels genau spezifizierter Zugriffs-Prozesse:
  • bind: Mit der bind -Direktive vermittelt man dem Directory-Server über eine dn, wer den Zugriff durchführen möchte (entweder anonym, per Password-Authentifizierung oder anders)
  • baseDN: Die BaseDN definiert, wo im Verzeichnisbaum abwärts die Suche nach bestimmten Objekten gestartet werden soll. Diese Suche kann festgelegt werden auf eine Suche über
    • genau dieses Objekt (base)
    • dieses Objekt und alles darunter (sub)
    • eine Ebene unterhalb des BaseDNs (one)

Ansonsten gelten die notwendigen Such-Spezifikationen wie Such-Operator (Beispiel (&(mail=joe*)(ou=People))), Server-Benennung: (Beispiel ldap.acme.com), Port-Benennung usw.

Beispiel für eine LDAP-Suchanfrage durch ein einfaches Kommandozeilenprogramm:

ldapsearch -h ldap.acme.com -p 389 -sub -D "cn=Directory Manager,o=acme" -W -b "ou=personen,o=acme" "(&(mail=joe*)(c=germany))" mail

Erklärung: Das Kommandozeilenprogramm kontaktiert über LDAP den Directoryserver ldap.acme.com (Port 389) und meldet sich über den Account des Directory Managers an diesem System an. Die Anfrage zielt auf alle Benutzer-Einträge (unterhalb des Zweiges ou=personen,o=acme) und sucht nach Personen aus Deutschland, deren Mailadresse mit joe beginnen ((&(mail=joe*)(c=germany))). Werden Personen gefunden, die auf diesen Filter passen, so wird deren Mailadresse zurückgegeben (mail)

Unterstützung von LDAP


Viele Anbieter von Verzeichnisdiensten unterstützen LDAP, z. B.:

Auch Client- und Server-Software kann LDAP-Dienste benutzen: Mozillas E-Mail-Programm Thunderbird, IBMs Lotus Notes, Novell Evolution oder Microsoft Outlook können für das Adressbuch LDAP verwenden. Die Mailserver postfix, qmail, exim, Lotus Domino und sendmail können LDAP zur Authentifizierung oder zur Verwaltung von Aliasen verwenden. Squid, Lotus Domino und apache können LDAP als Authentifizierungssystem verwenden usw.

GQ und Luma [http://luma.sourceforge.net/ ermöglichen das direkte Betrachten und Bearbeiten von LDAP-Verzeichnissen.

Der Export und Import erfolgt mittels LDIF.

Siehe auch


LDAPv2 (veraltet)

  • RFC 1777, RFC 1778, RFC 1823, RFC 1959, RFC 1960

LDAPv3

  • RFC 2251, RFC 2252, RFC 2253, RFC 2254, RFC 2255, RFC 2256

Weblinks


Netzwerkprotokoll auf Anwendungsschicht

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