Ein Lügendetektor (in den USA meist einfach Polygraph) ist ein Gerät, das kontinuierlich den Verlauf von körperlichen Parametern – wie Blutdruck, Puls und Atmung – einer Person während einer Befragung misst und aufzeichnet. Diese Daten werden durch den Polygraphisten interpretiert, um auf den Wahrheitsgehalt der Aussagen zu schließen. Unter Wissenschaftlern gilt die den Lügendetektoren zugrundeliegende Theorie als pseudowissenschaftlich.
Seitdem haben sich Polygraphen in vielen Länder verbreitet, das Hauptanwendungsgebiet war und sind jedoch wohl die USA, in denen mit der American Polygraph Organisation auch eine einflussreiche Organisation existiert. Die Anwendungsgebiete erstrecken sich von Bewerbungsgesprächen für eine Arbeitsstelle bis zum Verhör von Angeklagten. Auch der Geheimdienst CIA und die Bundespolizei FBI in den USA verwenden Lügendetektoren, um die Vertrauenswürdigkeit von aktuellen und potentiellen Mitarbeitern zu beurteilen.
Neben den Polygraphen wurden in jüngerer Zeit alternative Methoden für Lügendetektoren entwickelt. Darunter sind rein stimmenbasierte, die Änderungen in der Stimme als Indikator für Lügen verwenden und bei einem Telefongespräch eingesetzt werden können, sowie Infrarotkameras, mit denen die Durchblutung des Gesichts sichtbar gemacht und als Indikator verwendet wird.
Geeignete Reaktionen sind unter Anderem:
Für eine zuverlässige Bewertung werden mehrere dieser Reaktionen gleichzeitig überwacht. Der Polygraph an sich ist nicht mehr als ein Messgerät, das eben diese Reaktionen misst und aufzeichnet. Eine Auswertung findet durch das Gerät nicht statt und obliegt allein dem Polygraphisten, der entsprechend ausgebildet wurde. Ein Polygraphist soll in der Lage sein, echte Reaktionen von willentlich herbeigeführten unterscheiden zu können.
Neue Methoden versuchen den Wahrheitsgehalt einer Aussage anhand von Gehirnscans festzustellen. Mittels fMRT Aufnahmen, die aktive Hirnareale sichtbar machen, wollen Fimen wie z.B. Cephos Trefferquoten von 90% erreicht haben *. Die grundsätzliche Idee ist, dass Lügen ein komplexerer Vorgang ist als die Wahrheit zu sagen; demzufolge sind dabei mehr bzw. andere Gehirnareale aktiv.
Vor und während der eigentlichen Befragung wird das normale Maß an Reaktionen festgestellt, die als Vergleichsbasis für die Auswertung der relevanten Fragen verwendet wird. Bei der Kontrollfragenmethode werden zusätzlich Fragen gestellt, deren Antwort erwartungsgemäß "ja" ist, die von den Befragten aber dennoch meist verneint werden (z.B. "Haben Sie jemals etwas von Ihrem Arbeitsplatz mitgehen lassen?"). Die andere Möglichkeit sind gerichtete Lügenkontrollfragen, bei denen der Untersuchte gebeten wird, die Kontrollfrage absichtlich mit einer Lüge zu beantworten.
Eine nur in der Aufklärung von Verbrechen sinnvolle Art der Befragung ist das Tatwissenverfahren, bei dem zu tatbezogenen Fragen mehrere mögliche Antworten verlesen werden. Darunter sind Fakten, die nur dem Täter und den Ermittlern bekannt sind. Zeigt der Untersuchte bei den richtigen Antworten Reaktionen, gibt er so unbewusst Wissen preis, das er nur als Täter haben kann.
Die Aufzeichnungen werden durch den Polygraphisten interpretiert, der seine Bewertung zu den relevanten Antworten abgibt. Statt "wahr"/"gelogen" wird oft auch ein differenziertes Punktesystem eingesetzt.
Befremdlich ist aus heutiger Sicht auch die geradezu mechanistische Vorstellung vom "Innenleben" des Menschen: Es wird unterstellt, dass ein bestimmter Input zu einem reproduzierbaren und bei allen Menschen vergleichbaren Output führe, sprich: eine Konfrontation mit bestimmten Fakten zu einem bestimmten Affekt. Eine willentliche Beeinflussung dieser Affekte wird so schon vor aller Erfahrung mit dem Gerät ausgeschlossen.
Auch können körperliche Ursachen für die beobachteten Reaktionen vorliegen, die nichts mit der Befragung zu tun haben.
Unter Anderen hat James Randi seine Eine-Million-Dollar-Herausforderung für den Beweis übernatürlicher Kräfte so ausgeweitet, dass der Beweis dieser Behauptung ebenfalls gewinnt. Kein Polygraphist nahm die Herausforderung an, jedoch zogen sie ihre Behauptung auch nicht zurück.
Aldrich Ames war ein Mitarbeiter der CIA, der geheime Informationen an die Sowjetunion verkaufte. Vor allem handelte es sich dabei um die Identitäten von Quellen im KGB und dem sowjetischen Militär, die die USA mit Informationen versorgten. Dies führte dazu, dass mindestens 100 Geheimoperationen aufflogen und mindestens 10 Quellen hingerichtet wurden. Ames bestand während seiner Spionagezeit zwei Lügendetektortests beim CIA und wurde erst durch das eingeschaltete FBI aufgedeckt. Wie er später erzählte, hatte er vor den Tests seinen sowjetischen Kontakt gefragt, was er tun solle. Ihm wurde gesagt, er solle sich bei den Tests einfach entspannen, was er dann tat.
Melvin Foster wurde als Verdächtiger in einem Serienmordfall 1982 einem Polygraphentest unterzogen, den er nicht bestand. In Folge wurde er jahrelang weiter öffentlich verdächtigt, obwohl keine handfesten Beweise vorlagen. Erst 2001 wurde er endgültig von allen Verdächtigungen befreit, als DNA-Untersuchungen Gary Ridgway mit den Fällen in Verbindung brachten. Ridgway war anfangs einer der Hauptverdächtigten, wurde dann aber nicht weiter beachtet, da er zwei Lügendetektortests bestand. Ridgway konnte seine Mordserie fortsetzen und gestand schließlich vor Gericht 48 Morde.
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